Von Newcastle nach Fort William

8Uhr morgens englische Zeit: Was für ein Service: Wecken für Alle. Allerdings bin ich schon seit fast 2 Stunden auf dem Beinen. Früh ins Bett und die innere Uhr hat nach 8 Stunden den Weckdienst übernommen. Dabei ist es in der Kabine duster, nur durch Ritzen in der Tür dringt ein wenig Licht.

Da mit Schlafen eh nichts mehr war, weil zu warm und beim dem Schiffsschaukeln doch ein wenig Fitnesstraining angesagt war, bin ich hoch. Dicke Jacke an und raus an die frische Luft. Die Dämmerung setzte gerade ein. Ein ruhiges Meer und geringe Bewölkung. Was will man mehr um einen herrlichen Sonnenaufgang beobachten zu können?

Als die Sonne dann aufgegangen war ging es in die Kabine zum Frühstück. Auch wenn mir ziemlich flau war, ne Stulle musste sein. Beim nächsten Gang an Deck war schon Newcastle zu sehen und das grosse Schiff nahm Kurs auf eine sehr kleine Hafeneinfahrt. Das Wetter war nicht mehr so schön, der Wind hatte ziemlich aufgefrischt und nahm einem den Atem. Auf Höhe Hafeneinfahrt kam die Durchsage, das man in ca. 30min anlegen werde. In 30min? Wie gross ist der Hafen oder wird jetzt gepaddelt? Der Hafen ist gross! Das war ja ne Stadtdurchfahrt.

Es war an der Zeit das Gepäck zum Auto zu schaffen. Wie geahnt sollte es aber dauern bis ich das Schiff verlassen durfte. Wer auf dem oberen Deck ist, muss warten bis das untere geräumt ist. Das nahm 30min in Anspruch. Und dann hiess es trotzdem noch anstehen. Der Ausweis musste vorgelegt werden und wurde eingelesen. War alles ok, konnte man Kurs auf die englischen Strassen nehmen.

Schon auf dem Hafengebiet gab es die ersten Irritationen. Das Linksfahren war kein Problem, aber wie war das noch mal mit der Geschwindigkeit? Umrechnen in Meilen und wie viel waren wo erlaubt? Das Navi war auch keine Hilfe, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit wurde auch da in Meilen angezeigt, alles andere war aber metrisches System.

Erst ging es Richtung Edinburgh. Leider keine Autobahn, sondern nur Schnellstrasse. Mal eine Spur, mal zwei. Kaum hatte man die schottische Grenze erreicht, fing es an zu regnen. Und wie es regnete. Da fiel mir dann auch wieder ein, was ich an den britischen Autofahrern nicht mochte. Wenn sie denn mal Licht an hatten, dann nur Standlicht, so das man ihre Rücklichter in der Gischt sehen konnte. Das Standlicht waren meist nur bessere Funzeln. Wenn man aber in den Rückspiegel schaute sah man nichts. Was bei Spurwechsel ziemlich gefährlich ist. So oft wie heute war mein rückwärtiger Scheibenwischer noch nie in Aktion.

In strömenden Regen wurde Edinburgh passiert und es ging weiter Richtung Norden. Jetzt war mir auch klar, wieso die Höchstgeschwindigkeit max. 112km/h war. Bei dem Wetter und den Sichtverhältnissen, die einzige Möglichkeit Unfälle weitesgehend vorzubeugen. Ab und zu liess der Regen nach und es nieselte nur noch, aber so richtig trocken wurde es nie. Als dann das Navi meinte "Strassenverlauf für 130km" folgen biss ich dann fast ins Lenkrad. Ab da an gab es keine zwei Spuren mehr pro Richtung, aber ich teilte mir die Strasse mit einigen Fahrzeugen, die eher 60km fuhren, denn die erlaubten 60Meilen. Und überholen ist leichter gesagt als getan. Es war nass und der Strassenverlauf war selten gut einsehbar.

Nach 3,5 Stunden Fahrt war ich dann auf der A82. Meiner Lieblingsstrecke. Erst erkannte ich sie gar nicht wieder. Dann, als ein flacher See auftauchte und eine Brücke wusste ich wieder wo ich bin. Rannoch Mor und Glen Coe lagen voraus. Wahnsinn, wie anders es ausschaute. Im letzten Frühjahr bedeckte gelbbraunes Gras die Hänge und es war noch Schnee auf den Gipfel und teilweise auf den Hängen, die Bäume waren kahl.

Jetzt waren die Hänge mit grünem Gras bedeckt, in den Niederungen blühte die Heide und es gab dichte Wäldchen. Trotz Regen, die Landschaft war atemberaubend. Der Dunst der aus den Täler stieg, tat sein übriges.

Letztes Jahr versteckte noch eine Baustelle, die Sicht auf einen Wasserfall. Leider konnte ich auch jetzt nicht so genau hinschauen, sondern musste auf die Strasse achten. Aber es kamen Massen von Wasser runter. Kein Wunder bei den Niederschlägen in den letzten Stunden.

Und schon war ich in Fort William. Die Pension hab ich auch ziemlich einfach gefunden, sie liegt an den Hängen über Fort William. Herrliche Sicht über die Stadt und Bucht und hinter dem Haus der Hausberg.

Das GlenNevis Visitor Centre wurde auch bald aufgesucht. Da der Wetterbericht für Montag besser ausschaut als für Dienstag, wird morgen die Gipfelerstürmung in Angriff genommen. Glen Coe kann noch warten.