Glenfinnan

Wider Erwarten hält sich der Muskelkater nach der gestrigen Ersteigung des Ben Nevis in Grenzen. Ein bisschen steif, aber nichts was etwas Stretching nicht schafft. Nur die Knie schwächeln jetzt ein bisschen und sind über die Treppen nicht sehr begeistert.

Nachdem ich gestern abend noch das Gefühl hatte, am heutigen Morgen mit einer fetten Erkältung aufzuwachen (der Kopf war heiss, der Rest fror, Nase war zu und die Bronchien taten weh) war davon heute morgen bis auf einen leicht vernebelten Schädel nicht mehr fiel zu spüren. Beim Kampf mit dem reichhaltigen Frühstück musste ich dann aber passen. Es ist einfach zu viel. Ein Blick zum grossen Fenster heraus, verhiess kein gutes Wetter. Ideal um es ruhig angehen zu lassen. Zum Beispiel eine Fahrt nach Glenfinnan und am Viadukt dem "The Jacobite" aufzulauern und zu fotografieren. "The Jacobite" ist den meisten wohl als Hogwarts Express bekannt. Keith sagte er fährt jeden Tag um 10Uhr 20 in Fort William los. So hatte ich noch jede Menge Zeit.

Der Weg war länger als ich in Erinnerung hatte, fast 30km. Auto geparkt und dem Asphaltweg bis zum Viadukt gefolgt. Nur stand ich dann unter diesem. Kein guter Platz zum fotografieren, auch wenn man den Zug wahrscheinlich sehen konnte.

Ich musste den Hügel hoch. Es war kein Weg zu sehen und es regnete. Ich hatte zwar wetterfeste Jacke und Hose an, aber nur normale Strassenschuhe. Ich stand also ratlos in der Gegend als ein Päarchen des Weges kam. Sie hatten eine kleine Karte dabei und wollten wie ich den Zug fotografieren. Es war also schon die richtige Stelle, die ich mir ausgeguckt hatte. Ich traute mich dann doch so eine Art Trampelpfad hinauf, während sie woanders ihr Glück versuchen wollten. Der Pfad endete schon nach 5 Metern in hohem Gras und an einem Maschendrahtzaun. Entlang diesen Zauns waren aber mehrere Fussabdrücke und das Gras niedergetreten. Es war sehr rutschig, nass und matschig. Ich hätte die Wanderschuhe anziehen sollen. Schliesslich kam ich an ein Gatter an, genau unter dem Viadukt. Das Päarchen kämpfte sich einige Meter entfernt den Hügel hoch. Das Gatter war nicht verschlossen und so einige Pfade niedergetrampelten Grasses führte den Hügel weiter hoch. Es wurde immer schlammiger. Um halbwegs trockene Füsse zu behalten, musste man jeden kleinen Stein und Grashuckel erwischen und falls man doch abrutschte den Fuss ganz schnell wieder hochheben.

Schliesslich fand ich einen winzigen Felsen wo man trockenen Fusses stehen und den Viadukt überblicken konnte. Auch das Päarchen kam kurze Zeit später an. Sie fanden einen Felsen ein paar Meter oberhalb meiner Position. Gross genug, um uns allen drei sicheren Stand zu bieten. Dann hiess es warten. 40 Minuten sollten wir im Regen stehen. Einige Minuten bevor der Zug kommen sollte, kletterten noch ein paar andere Verrückte den Hügel hoch und wir sahen auch einen Mann, der den Viadukt auf den Schienen überquerte. Dies ist verboten und wer erwischt wird muss Strafe zahlen. Es ist ausserdem gefährlich. Der Viadukt ist zu schmal um Fussgängern und dem Zug Platz zu bieten.

Schliesslich kündete ein Rumpeln und Schnaufen den Zug an. Man hörte ihn bevor man ihn bzw. den Dampf sah. Er kam quasi aus den Wolken. Wie will man da Dampf und Wolken unterscheiden? Der Zug fuhr verdammt schnell und arbeitete sich den Berg hoch, der Rauch war grau. Auf dem Viadukt pfiff der Zug diverse Male. Wer also mit einer Videokamera da stand bekam das volle Programm. Nach wenigen Sekunden war der Zug vorbei. Hätte er nicht ein wenig langsamer fahren können?

Kamera wieder eingepackt und es ging an den Abstieg. Besser Abrutsch. Das Gras war durch den Regen sehr schlüpfrig und es verdeckte Pfützen und Löcher voll mit Schlamm. Bevor ich am Gatter war, war ich mit jeder Hand einmal im Schlamm gelandet, mehrmals fast auf dem Hosenboden und am Gatter selbst versank ich mit dem linken Fuss bis über den Knöchel im Schlamm. Bis der Asphaltweg wieder erreicht wurde, hatte ich mich dann doch auf den Hosenboden gepackt und auch den linken Knöchel mehrmals umgeknickt. Dabei hatte dieser schon beim gestrigen Abstieg vom Ben Nevis mehrfach zu leiden. Öfters wird er das nicht mehr anstandslos mitmachen. Ich werde mir Tape oder ähnliches besorgen müssen, um ihn vor den nächsten Wanderungen zu stabilisieren. Nicht das ich in den nächsten Tagen mit dick bandagierten Knöchel zum Rumsitzen in der B&B verdammt bin.