Elgol und Portree

Kurz nach dem Frühstück hiess es erstmal Unterkunft wechseln. Statt einem netten Doppelzimmer En-suite ging es auf die andere Strassenseite in ein 4qm Einzelbettzimmer mit Badnutzung auf dem Flur. Morgen früh darf ich zum Glück wieder zurück.

Dann ging es zuerst eine Single Track Road Richtung Elgol. Auf halber Strecke wurde ein Parkplatz angesteuert, um eine kleine Wanderung zu einer alten Ruine aufzunehmen. Einige Zeit lang konnte ich mich an Sonnenschein und warmen Wind erfreuen und bereute schon die dicke Jacke angezogen zu haben. Dann aber begann der Regen. Und es war kein Nieselregen, sondern richtig fetter, von der See kommender Regen und starker Wind. Sollte ich umdrehen oder nicht? Erstmal nicht.

Trotz wasserfester Hose hatte ich das Gefühl, das meine Beine klitschnass und durch den Wind kalt waren. Der Oberkörper und Füsse aber schön warm und trocken. Mmh, auch diverse Fehltritte in Pfützen sorgten nicht für durchnässte Füsse. Irgendwann erreichte ich einen kleinen Talkessel. Keine Ahnung ob das jetzt das Ziel war oder nicht. Aber mit den nassen Beinen machte es keinen Spass mehr, also kehrte ich um. Ungefähr an dem Punkt wo mich der Regen überfiel, hörte er auch wieder auf. Und ich konnte wieder die Landschaft geniessen, nachdem die Brille geputzt war.

Zwischenzeitlich hätte ich eine Schwimmbrille gebrauchen können. Wegen dem starken Regen und dem Wind konnte man den Blick nicht heben. Am Auto wurden dann erstmal die Schuhe ausgezogen. Die waren innen noch trocken, aussen aber voll mit Schlamm. Es war einfach nicht möglich den Pfützen auszuweichen, sie waren überall. Jacke aus, die war innen zwar ein wenig klamm geworden, aber das Hemd war trocken. Die Wanderhose dagegen war aussen nass und schmutzig und innen zum Grossteil nass. Vorallem an den Taschen. Na klasse. Jetzt weiss ich wenigsten warum ich nasse Beine bekommen hatte. Das Regenwasser ist durch die Taschen nach innen gekommen. Die lange Unterhose war verhältnismässig trocken. Damit ich aber nicht nur in der Leggings rumlaufe, wurde die Wanderhose auf der Rückbank ausgebreitet und als es weiter Richtung Küste ging die Heizung voll aufgedreht.

Die Strasse war schmal, sehr hüglig und kurvig und es war Rushhour. Die Passing Places mussten ausgiebig genutzt werden. Trotzdem konnte man fast Höchstgeschwindigkeit fahren, wenn man auf den Hügel kein Gegenverkehr gesehen hatte. Nur wenn man sich Schafen näherte bremste man freiwillig ab. Die Viecher kannten keine Angst und grasten in aller Seelenruhe am Strassenrand und überquerten auch einfach mal so die Strasse. Egal ob da jetzt ein Auto kam oder nicht. Die waren echt abgebrüht.

In Elgol wagte ich mich eine 25% Steigung runter, in der Hoffnung, das das Auto da auch wieder hochkommt. Der Parkplatz am Fuss der Steigung hatte sogar ein öffentliches WC, was kostenlos zur Verfügung stand! Zur Tür rein und erstmal denken man ist einem Scherz aufgesessen. Man stand in einem winzigen Raum, nur umgeben von 3 Wänden und der Tür im Rücken. Die eine Wand gab dann aber nach nachdem man sich mit vollen Gewicht gegenlehnte. Der Windfang war wirklich effektiv. Ich war schon versucht noch mal zum Auto zu gehen und die Wanderhose zu holen (ich lief in den Leggings rum). Der Waschraum war mit einem Handtrockner ausgestattet, damit könnte man aber auch prima Hosen trocknen. Da ich aber nicht längere Strecken in der eher dünnen Leggings zurücklegen wollte, ging es dann noch mal per Auto ein paar Meter zum Pier herunter. Dort hatte man einen genialen Blick zur anderen Seite der Bucht. Das Wetter war aber so schlecht, das am heutigen Tage keine Ausflüge zu den vorgelagerten Inseln stattfinden sollten.

Auf dem Weg zurück (das Auto meisterte die Steigung ohne Probleme) wurde bei einer Kunstschmiede gehalten. Es gab dort handgefertigte Messer und Schwerter, sowie wunderschönen Schmuck mit keltischen Mustern. Einfache Ringe in Sterling Silber fingen bei 75£ an. Also weiter.

Mittlerweile war die Hose zwar trocken, aber da es die nächsten Tage wohl kaum nur Sonnenschein geben wird, brauchte ich eine wirklich wasserdichte Hose oder irgendwas zum Imprägnieren.

Zwischenzeitlich versuchte ich via einer kleinen Stichstrasse noch mal dem Küstenstreifen nahe zu kommen. Nur standen 100m vor mir schottische Hochlandrinder seelenruhig auf der Strasse. Ok, es war ein Ausgewachsenes Tier, dahinter ein Kalb und weitere 50m weiter noch mal 3 am Strassenrand, der Rest der Herde graste friedlich ein paar Meter von der Strasse weg und entfernte sich auch ein wenig von dieser als ich näher kam. Aber das eine ausgewachsene Tier blieb stehen und schaute mich an. Ausgewachsene, schottische Hochlandrinder sind nicht wirklich hoch. Vielleicht 1,20m Schulterhöhe, eher weniger. Schauen auch sehr friedfertig aus. Aber ihre Hörner sind sehr ausladend und spitz. Da lässt man dann doch lieber Vorsicht walten und dreht um.

Auf nach Portree, dem grössten Dorf auf Skye. Die Landschaft bot einen genialen Anblick nach dem andern, aber leider muss man ja auch auf die Strasse achten. In Portree fand ich dann auch eine Hose. Eigentlich zu lang und mit Unterhose auch ein wenig zu eng, aber mit 25£ bezahlbar, Alternativen wären 70£ aufwärts gewesen und das ohne Garantie, das man da was passendes findet. Bevor es zurück ging, wurde ein Cafe aufgesucht. Eine Heisse Schokolade und Schoko-Torte sollte es sein. Und was für eine Schokotorte. Ganz viel Schokolade und soooooo süss. Uff, war zwar nur ein schmales Stück, aber man musste dann doch kämpfen um es zu schaffen.

Kurz vor der Ortsausfahrt kam ein Polizeiwagen mit Blaulicht aus Richtung Süden. Das erste Fahrzeug was angehalten wurde, bog auf einen Parkplatz ab, der Wagen vor mir, fuhr an den Strassenrand nachdem der Officer dem Fahrer angesprochen an. Auch ich hielt an. "Weight transport ahead". Das habe ich erstmal nicht richtig verstanden, stellte mich aber brav hinter dem andern Auto an den Strassenrand und grübelte was mir da gesagt wurden ist, ich hatte nur "tränsport" sicher verstanden. (Ausrede: der Höhenunterschied zwischen den Fenstern, ich sass auf der andern Seite und Motoren von zwei Autos liefen) Des Rätsels Lösung kam in dem Moment um die Ecke gebogen. Ein Schwertransport. Die Gewinnung von Windenergie hielt Einzug auf Skye. Ein Teil des Mastes einer Windkraftanlage und Teile des Rotors kamen auf zwei langen und breiten LKW daher. Vor ihnen fuhr ein zweiter Polizeiwagen. Aber es gab kein spezielles Fahrzeug, welches den Transport abschloss. Der Fahrer vor mir fuhr dann wohl auch mehr auf Verdacht los. Hinter dem Schwertransporter hatte sich für die Inselverhältnisse ein riesiger Stau gebildet. Bei einer zweispurigen, kurvigen Strasse ohne Standstreifen ist eben nicht mit Überholen von Schwertransporten.

Auf dem Weg zurück nach Broadford bin ich für 5 Meilen die Touristenroute entlang der Küste gefolgt. Man hatte einen wunderschönen Blick rüber zu den Highlands und der Insel Rassay, aber auch auf diverse Gipfel von Skye. Mit dem Fotoapparat kann man die Schönheit gar nicht einfangen. Die Postkarten mögen oft kitschig wirken, aber Skye und Schottland schauen wirklich so aus. Das muss man einfach selber sehen!