Point of Sleat

Nachdem es gestern in den Norden der Insel ging, so war heute der Süden angesagt. Es soll einen eher einfachen Wanderweg zu einem Sandstrand und einem Leuchtturm geben. Das Wetter sah soweit ganz gut aus. Erst ging es ca. 3km einen Feldweg lang. Hügel hoch und Hügel runter. Keine Ahnung wie lang es wirklich so ging, denn der Regen kam dann doch. Bald sah ich ohne Brille mehr als mit. Trotz dessen konnte ich aber bald das Meer zwischen zwei Hügeln erkennen und ich musste aufpassen wohin ich trat. Denn plötzlich bewegte sich ein Kieselstein. Er hatte Beine und konnte hüpfen. Eine junge, sehr gute getarnte Kröte war es, wie sich bei genauerer Betrachtung herausstellte.

Nach einigen Kilometern war es vorbei mit dem einfachen Dahinlaufen, der Wegweiser wies den Hügel hoch zu einem sehr schmalen Pfad entlang eines Zaunes. Wenn der häufige Regen in den letzten Tagen nicht gewesen wäre, wäre der Weg wirklich sehr einfach gewesen. Einfach ein Fuss vor den anderen und ab und zu einen kleinen Felsen hoch. Leider war es sehr nass und die Erde aufgeweicht. So war es ein stetiges Balancieren auf Grashuckeln, zwischen kleinen Felsen, über grösseren Felsen und grossen Schritten über die kleineren Schlammlöcher hinweg.

Der Strand wurde erstmal links liegen gelassen und der Leuchtturm zum Ziel erklärt, der irgendwo hinter dem Hügel sein musste. Der Weg dahin war steinig, matschig, ausgetreten und das Heidegestrüpp hatte schon böse durch die Wanderer und Schafe gelitten. Jeder suchte sich den trockensten Weg, was dazuführte, das der Weg auch durch die Vegetation führte und die hält nicht ewig Wandererstiefeln stand. Wer keine wasserdichten, mindestens knöchelhohen und rutschfeste Schuhe trug, wäre nicht mal bis zum Strand gekommen und hätte zudem sehr nasse und dreckige Füsse gehabt.

Die grösste Herausforderung sollte aber noch kommen. Man stand auf einem Hügel, sah den (kleinen) Leuchtturm, aber dazwischen war ein Abhang, der Pfad schien im Nichts zu enden. Mmh, wie sind die Anderen, welche ich auf der Wiese beim Leuchtturm sehen konnte dahingekommen? Und Schafe können zwar ein wenig springen, aber nicht fliegen. Es musste einen Weg geben. Also quer durch die Wiese, wo es nicht so matschig war. Kurz vom Abhang sah ich seitlich einige Stufen, welche in den Fels auf dem ich stand geschlagen waren. Dahin führte der Pfad. Es ging ziemlich steil abwärts bevor man die sehr steilen, schmalen und kurzen Stufen erreichte. Nochmal kurz über einen Wasserlauf springen und dann auf festem Untergrund dem Leuchtturm entgegen. Nur noch eine kleine, aber sehr matschige steile Wand hoch, über eine Schafswiese und man war am Ziel.

Man stand am (fast) südlichsten Punkt von Skye (die paar Meter auf die Klippen rauf zählen nicht). Man konnte die Inseln Rum und Eigg sehen, insofern sie nicht hinter einer Regenwand verschwanden. Bei einem Rundumblick konnte man gleich mehrere Regenwände ausmachen und dazwischen Flecken mit herrlichen Sonnenschein.

Solang es noch trocken war, machte ich mich auf den Rückweg, um auch noch den Sandstrand aufzusuchen. Von den Klippen hat man ihn schon erkennen können, sehr klein, aber mit herrlichem blauen Wasser. Und noch war Ebbe, auch wenn das Wasser schon wieder zu steigen begann und den Strand verkleinern würde. Ich schaffte es zwar ohne Hinfallen und Stürze zum Strand, aber bei einem Schlammloch habe ich mich dann doch verschätzt und versank erstmal knöcheltief. Was solls, schon am Leuchtturm waren die Innenseiten der Hose an den Waden schlammfarbend, da fiel das auch nicht mehr auf.

Um zum Strand zu kommen, musste man ein wenig über Felsen steigen. Zumindest ein Teil dieser wird bei hoher Flut überspült und bei normaler Flut, sieht man den Sand vom Strand nicht mehr. Aber noch war Niedrigwasser und ich genoss einfach nur den Sand unter den Füssen, sowie Wind und Sonne im Gesicht. Die Schuhe und Rucksack wurden auf einem Felsen deponiert und dann ab ins Wasser. Naja bis zu den Knöcheln, um die Hosen wenigsten etwas sauberzubekommen. Die Schuhe bekamen nachher auch noch eine ganz kurze Wäsche um das Gröbste abzuspülen. War das herrlich. Auf einem Felsen zu sitzen, das Meer rauschen zu hören und einfach nur zuzuschauen wie die Wellen sich am Strand brechen und die Sonne für blendende Reflektionen auf dem Wasser sorgt.

Als das Wasser sich langsam aber sicher dem Felsen näherte (der Strand war nur noch halb so gross) und auch eine Regenwand in Sichtweite kam, gings wieder zurück zum Auto. Auch wenn nur wenige Wanderer nach mir bzw. vor mir den Weg zurück zur Strasse genommen haben, so waren es jetzt noch mehr Schlammlöcher und viel weniger gute Trittstellen als auf dem Hinweg. Tja, und am letzten Stein vor dem Feldweg packte es mich dann doch noch hin. Schlammige Sohlen bieten auf nassem Fels nicht viel Halt. Zum Glück war der Stein selbst sehr schräg, das ich zwar sehr unsanft auf meinen vier Buchstaben landete, aber gleichzeitig auch auf den Füssen.

Im Regen war mir gar nicht aufgefallen, wie viele Hügel ich eigentlich hoch und runter bin und wie steil sie teilweise waren. Das zog sich ganz schön hin. Aber zum Glück setzte der Regenschauer erst richtig ein als ich schon im Auto sass. Das Wägelchen wollte dann aber auch nicht so recht. Da hat man 80PS als Turbodiesel unter sich, aber an der ersten Steigung, wäre ich am liebsten ausgestiegen und schieben. Mmh, war das Gebläse, was ich anhatte, um mich und die Kleidung zu trocknen doch zuviel? In der Steigung (knapp 20%) halten, alles aus was an Verbrauchern an war und dann im ersten Gang mit Handbremse anfahren. Klasse Fahrschulübung. Und die nächsten Steigungen auch nur im Zweiten Gang. Aber die Strecke gab am Anfang nicht her mit Tempo die Steigungen zu nehmen. Zuviel nicht einsehbare Hügel und Kurven, sehr eng und kaum Passing Places. Hätte es mehr Passing Places gegeben, hätte ich das ein oder andere Mal angehalten, um die Aussicht zu geniessen. Man konnte bis nach Mallaig sehen und auch die Fähre erkennen, die sich von Mallaig nach Armadale kämpfte, kurz bevor sie in eine Regenwand geriet.

Kurz hinter Armadale kam der schönste Augenblick des Tages. Ein Regenbogen. Und was für einer. Dank des Wetters bekam ich in Schottland quasi jeden Tag mehrere zu Gesicht. Aber nicht so einen. Gross, breit und mit so kräftigen Farben, wie ich es noch nie gesehn hatte. Erst nur ein Ende, dann zwei Enden und schliesslich sah man den ganzen Bogen. Da hielten so einige am Strassenrand, um das mit der Fotokamera festzuhalten (was man nicht wirklich schafft, die Bilder sind nur ein sehr schwacher Abklatsch von der Wirklichkeit). Der Regenbogen endete mitten im Wasser und während ich weiterfuhr, erschien ein zweiter, schwächerer Bogen über den Ersten. Einfach nur Wahnsinn. Das Regenwetter hat also doch etwas Gutes.

Da ich nach über einer Woche von englischer/schottischer Küche die Nase voll hatte und mir der Magen nur so knurrte, wurde das Indische Restaurant kurz vor der Skye-Brücke aufgesucht. Mmh, war das lecker. Draussen goss es in Strömen und wieder gabs einen Schwertransport zu beobachten. Auf den Rückweg nach Broadford, nahm der Regen an Stärke noch zu. Die Scheibenwischer kamen kaum hinterher, trotzdem fuhren noch viele Schotten nur mit Standlicht, mir kam sogar ein dunkles Auto ohne Licht entgegen und das bei Dämmerung und starkem Regen. Wenigsten gab es kaum Wind. Davon hatte England genug bekommen, 5 kleine Tornados soll es gegeben haben. Da sind die starken Regenausläufer wohl die bessere Wahl. Aufgrund des Wetters wird es aber keine Wanderung über die Heide und auf Berge hinauf geben. Zu rutschig und zu matschig. Die Schuhe und die Hose müssen noch trocknen, die wurden in der Dusche erstmal ausgiebig mit sauberen Wasser und teilweise auch Seife behandelt. Dann mal schauen, was die nächsten Tage kommt. Vielleicht eine Bootstour, wenn die so spät im Jahr und bei dem stürmischen und regnerischen Wetter noch angeboten werden. Ich habe noch nie Robben in freier Wildbahn gesehen.