Streiffahrt durch die Highlands

Aufgrund der äusserst miesen Wettervorhersage, nass und stürmisch, selbst die Fischerboote blieben im Hafen, war heute wieder Rundfahrt angesagt. Es ging in die Highlands. Erst mal schauen was Nessie macht. Der Loch Ness lag vollkommen ruhig da. Keine Schaumkronen, nur kleinste Wellen am Ufer.

Aber am Ende wo Fort Augustus lag, sah man Regenschauer niedergehen. Es ging weiter Richtung Inverness. Oh Himmel, andere Autos. Viele Autos. Gut genutzte Roundabouts, mehrspurige Strassen. Was für eine Herausforderung nach Inselverkehr und Single Track Roads. Als Rückweg wurde eine Strecke herausgesucht, die erst Richtung Ullapool ging und dann über mehrere Landstrassen entlang der Küste, schliesslich via Kinlochewe wieder zurück zur Skye Bridge.

Obwohl Inverness die Hauptstadt der Highlands ist, waren die Berge erstmal um einiges flacher als ich es auf Skye, Lochalsh und Wester Ross gesehn habe. Dafür schöne grüne Hänge. Kurz nachdem Abzweig wo ich die Strasse nach Ullapool verliess, war eine Natursehenswürdigkeit ausgeschildert. Also rauf auf den Parkplatz und gucken. Die Karte und die Bilder des Wegweisers verhiessen eine schöne Aussicht. Der Weg war befestigt und eben.

Dann kam der Schock des Tages. Ich stand an einer kleinen Hängebrücke, die über einer schmale, aber ziemlich tiefe Schlucht führte. Und dann noch die Warnung "Nicht mehr als 6 Personen auf die Brücke". Schluck. Habe ich schon erwähnt, das ich ne spezielle Art von Höhenangst habe? Die Höhe ist kein Problem, aber wehe es fängt an zu wackeln oder es sind Seile im Spiel. Eine Hängebrücke hängt an (Stahl)Seilen und zumindest kleine Brücken fangen schnell an zu wackeln.

Erst einen Schritt, dann einen zweiten und dann machten die beiden Leute, die schon auf der Brücke waren und von da nach unten fotografierten, ein paar Schritte. Die Brücke fing an zu schwanken. Nicht viel, nur ganz wenig. Für mich aber zuviel. Also ganz langsam und vorsichtig im Rückwärtsgang zurück. Erstmal tief durchatmen. Dann ganz vorsichtig an der Brücke vorbei nach unten schielen. Uh, ging das tief runter und wie das Wasser rauschte. Dann war die Brücke auch noch mit Holz beplankt, in Laufrichtung.

Wer baut nur solche Brücken? Erstmal die andern Leute von der Brücke lassen und dann noch mal einen Anlauf. Schön in der Mitte, nur nach vorne schauen, ein Fuss vor den andern, ja nicht versetzen, die Hände zur Seite und losbalancieren. Trotz des vorsichtigen Ganges fing die Brücke an zu schwanken. Wieso ist das Geländer eigentlich so niedrig und die Brücke so hoch? Irgendwann war ich dann endlich drüben. Von hier aus konnte man den Bach und die Wasserfälle schon ein wenig besser sehen. Aber erstmal weiter zur Aussichtsplattform bevor ich mir die Brücke zu lang anschaue. Hätte ich mal tun sollen, die Brücke sah stabiler aus als die Aussichtsplattform. Die Plattform war eine leichte Stahlkonstruktion. Der Boden auf dem man lief, war Gitter. Um dem noch einen drauf zu setzen, endete die Plattform auch noch über der Schlucht.

Auch hier war die Anzahl der Personen auf 6 begrenzt. Zwei standen schon drauf. Ich wartete wieder bis sie runter waren und machte den Witz, wenn sie auf dem Befestigungsende stehen bleiben, dann geh ich rauf, mach meine Fotos und komm wieder zurück. Sie liessen sich darauf ein quasi als Gegengewicht zu fungieren. Schleichenden Schrittes rauf, schnell und quasi blind zwei Fotos gemacht (wieso brauch der Blitz zum Laden nur so lange?) und so schnell wie möglich wieder runter. Auf den Weg zum Parkplatz wartete jetzt nur noch die Brücke. Ich traute mich jetzt tatsächlich runterzuschielen, während ich auf der Brücke stand. Aber dabei immer in der Mitte bleibend und nur da mit den Füssen stehend, wo ein Querbalken zu erkennen war.

Ein zweiter Weg führte dann noch zu einem Aussichtspunkt von wo man aus den Beginn eines Loch sehen konnte. Leider war das Wetter zu schlecht, als das der Ausblick genial gewesen wäre. Weiter gings über Landstrassen bis ich wieder parallel zu einem Loch fuhr. Über dem Meer sah man die Sonne hervorkommen. Das bot ein geniales Lichtspiel im Hinterland. Und einen Strand fand ich auch noch. Einen richtigen Strand in einer kleinen Bucht, mit Dünen und auch bei Flut mit Sand. Das Meer (es war viel mehr das Ende eines Lochs) war sehr aufgewühlt. Selbst wenn das Wasser warm gewesen wäre, so wäre Baden nicht zu empfehlen gewesen.

Nach einer gehörigen Dosis Meeresrauschen ging es weiter auf der Strasse, die Klippen hoch. Und dann brach die Sonne hervor. Und wie. Geblendet von den Reflektionen der nassen Strasse, hiess es die Sonnenbrille finden. Dann konnte man auch die ganze Pracht geniessen. Der Loch bildete eine grosse natürliche Bucht. Im zweiten Weltkrieg war hier (Poolewe) ein Militärhafen. Auch jetzt sah man ein Kriegsschiff in einem Teil der Bucht liegen und ein kleines Versorgungsschiff an einem Pier. Hatte schon was, wie das Wasser in der Sonne schillerte. Im starken Kontrast dazu, das Hinterland mit einzelnen hohen Bergen. Umgeben von dunklen, bedrohlich wirkenden Wolken.

Für einige Meilen verliess ich die Küste, die Strasse führte durch die Highlands. Die Wolkendecke brach nun zu einem Grossteil auf und man sah herrlich weisse Wolkengebirge über den Highlands und darüber den klaren blauen Himmel. Aber es war merklich kühler als in den letzten Tagen, kein Wind mehr aus Richtung Atlantik/Golfstrom. Bei den Klippen von Gairloch konnte man noch mal die Sonne über einem Loch bewundern. Halb verdeckt von Wolken, aber das liess die Wirkung erst richtig hervorkommen, denn langsam ging es auf Sonnenuntergang zu.

Aber noch war ich gut 60Meilen von der Skye Brigde weg. Ich hatte mich ganz schön in der Entfernung verschätzt. Langsam begann es zu dämmern und der Magen knurrte. Aber das Wetter war stabiler und es gab nur noch sehr wenige und schwache Regenschauer, so dass man relativ schnell fahren konnte. So schnell es eben erlaubte Höchstgeschwindigkeit bzw. der Strassenverlauf und der Verkehr zu liessen. Den ganzen Tag über gab es immer wieder Regenschauer, mal kräftiger Nieselregen, aber auch kurz vor Starkregen. Immer nur wenige Minuten. Und der Wind war eher mässig. Erst am Loch Alsh kam wieder der starke Wind auf.

Fazit des Tages:
- über 400km auf dem Tacho
- die Highlands sind bei jedem Wetter schön
- ohne Weitwinkelobjektiv kann man die Schönheit der Highlands nicht mal annähernd auf Bildern festhalten, das muss man schon selber sehen