Die Seehunde vom Loch Scavaig

Mit halbstündiger Verspätung begann der Tag. Die Aussicht vom Frühstückstisch verhiess einen sonnigen Tag. Die Nacht selbst muss sehr frisch gewesen sein, auf dem Berg auf der anderen Seite des Lochs lag Schnee. Ich wollte es nochmal in Elgol versuchen. Wenn einem der blaue Himmel anlacht, fahren vielleicht auch die Ausflugsboote.

Auf der 15Meilen Strecke nach Elgol hatte ich die Wahl zwischen fotografieren von Postkartenmotiven oder doch noch pünktlich am Pier sein. Schwere Wahl, die aber zugunsten einer zügigen Fahrt entschieden wurde. Für die ersten Meilen fand sich als bald der ideale Partner für das Befahren von Single Tracks Road. Vor mir fuhr zügig ein Rover und der Fahrer schien die Strecke zu kennen. Mit einem flotten Führungsfahrzeug machen diese Strassen so richtig Spass. Bei Halbzeit kündigte der Roverfahrer mir die Partnerschaft, er fuhr auf ein Parkplatz und liess mich passieren. Aber er parkte nicht, sondern folgte mir, so das ich die Führungsarbeit übernehmen musste. Und das wo es jetzt erst so richtig kurvig und hügelig wurde. Auf dem Parkplatz am Pier kamen wir später ins Gespräch. Er meinte, das er wohl zu langsam gewesen wäre und er mich deswegen vorbeiliess. Mist, die ca. 50m Abstand, die ich permanent halten konnte waren wohl zu wenig. Aber er dankte mir für die gute Führung, so wie ich es für seine tat.

Obwohl ich erst kurz nach 10Uhr den Pier erreichte, waren noch alle Ausflugsboote (insgesamt 4) im "Hafen". Eine Early Bird Fahrt hatte es wohl nicht gegeben und die Standardfahrten beginnen erst 10.45Uhr bzw. 11Uhr.

Zwei Anbieter teilen sich den Pier. Ich entschied mich für den kleineren von beiden. Mich schreckte die wetterfeste Kleidung ab, welche bei dem Anderen vor dem Büro stand. Der grössere Anbieter bietet neben den gemütlichen Tuckerboot, noch so ne Art Speedboot an. Für dieses war die Schutzkleidung. Das Familienunternehmen hat nur ein kleineres Boot. 12,50Pfund sollte die Überfahrt (und Rückfahrt kosten) inkl. eines Aufenthalts von 1,5Stunden auf der anderen Seite, beim Loch Coruisk, insofern man an Land wollte.

Im Gegensatz zum ersten Besuch in Elgol konnte man nun die Berge auf der anderen Seite gut erkennen. Sie sollten auch das Ziel sein. Versteck und auch vom Wasser nicht einsehbar sollte der Loch liegen. Vorher sollte noch eine Seehundkolonie "besucht" werden.

Um 11Uhr legte die Bella Jane ab, das Boot des anderen Unternehmens und die beiden Speedboote wurden ein wenig abseits geparkt (deren Passagiere steckten aber schon in der Schutzkleidung). Jetzt tuckerte die Misty Isle heran. Sie war kleiner und schmaler als die Bella Jane und ohne Dach. Angesichts der Tatsache, das augenscheinlich Regen kam nicht so schön. An Bord kam man mit Handreichung der Crew und eine hohen Stufe nach unten, weil Ebbe war und der Pier nicht soweit in die See reichte, als das das Boot auf einer Höhe mit dem Steg hätte liegen können.

Nur ca. 15 Passagiere gingen an Bord, noch schnell eine Einweisung zu den Schwimmwesten (sehr viel sinnvoller als beim Flieger) und es wurde Kurs genommen. Das Wasser war herrlich klar und die See sehr ruhig. Dafür kamen so einige Regentropfen von oben und jeder zog seine Kapuze über. Durch den Stand der Sonne, hatte man das seltene Vergnügen regelrecht durch einen Regenbogen zu fahren.

Während wir so gemütlich dahintuckerteten raste in einiger Entfernung eines der Speedboote vorbei. Nach ca. 30min Fahrt drosselte der Kapitän die Maschine. Wir waren jetzt fast am Ziel und passierten einen Felsen auf dem mehrere komoranähnliche Vögel standen. Es ging weiter nahe an den Felsen weiter, vorbei an einem Sandstrand und einem kleinen Strand wo zwei Hirsche standen. Einer schien am trockenliegenden Seetang zu knabbern.

Die Bella Jane tauchte zwischen den Felsen auf, aus einer gut versteckt liegenden Bucht, die wir nun ansteuerten. Und dann sah man sie auf einen tangbedeckten Felsen liegen. Die Seehunde. Erst hielt ich sie für Felsen, bis da Boot näher kam bzw. einer der Felsen sich bewegte. Ein paar rutschten ins Wasser, andere schauten rüber und wieder andere dösten einfach weiter. Die, welche ins Wasser geflüchtet waren, schauten aber neugierig dem Boot hinterher. Und eine Robbe sah man sogar springen. Noch auf 2 weiteren Felsen lagen einige Robben. Und ein paar auf dem Land. Es gab dunkelgraue Tiere, hellgrau gesprenkelte und sogar zwei sehr helle Tiere.

Der letzte Seehundfelsen wurde umrundet und die Anlegestelle kam in Sicht. Was heisst Anleger? Es war eigentlich nur eine sehr schmale Metalltreppe, die an einem Felsen befestigt war. Nachdem das Boot festgemacht war, überlegte ich mich schon fast auf dem Boot zu bleiben. Ich kletterte aber dann doch vom Boot, wie es auch 6 andere taten. Der Rest fuhr wieder zurück ohne einen Landgang zu unternehmen. Wir hatten dagegen min. 1,5 Stunden Zeit, um zum Loch zu laufen und Fotos zu machen. Da das Boot noch min. eine weitere Fahrt machen sollte, hätte man auch noch mehr Zeit gehabt.

Noch sah man nichts vom Loch. Nur einen breiten Wasserlauf, der sich auf Grund der Ebbe als kleine Stromschnelle ins Meer ergoss. Es hiess über mehrere grosse, aber glatte Felsen zu klettern und zu laufen bis man dann endlich den Loch sah. Man hatte uns gesagt, das mit jedem weiterem Schritt man mehr vom Loch sieht und man ihn sogar umrunden kann. Die Umrundung habe ich nicht versucht, aber das mit dem Ausblick stimmte. Immer grösser schien das Tal zu werden.

Das Tal und die Felsen wurden durch eine Eiszeit geformt. Der beste und trockenste Weg war über die Felsen. Sie sahen sehr glatt aus, waren aber meist sehr griffig. Nur wo ständig Wasser floss und sich kleinste Moos gebildet hatten, war es rutschig wie ich feststellen musste. Plötzlich war es vorbei mit der Haftung. Auf trockenen Fels oder den griffigen, aber nassen Felsen konnte man sehr gut laufen. Auch wo es sehr schräg war. Mit einer guten Sohle absolut kein Problem.

Der Anblick des Tales änderte sich mit jedem Schritt und jeder Wolke, die an der Sonne vorbeizog. Das Spiel von Licht und Schatten auf den Felswänden und den Berghängen ringsum war faszinierend. Fiel zu schnell verging die Zeit. Aber es begann ein wenig zu tröpfeln und sollte der Regen zunehmen, wäre es nicht spassig gewesen über die Felsen zu laufen. Das Boot war zwischenzeitlich schon wieder in Elgol gewesen und lag jetzt in der Bucht vor Anker. Mehr Sonne und einen Sandstrand und es wäre wie in der Karibik gewesen. Das Wasser war schonmal blau, denn die Bucht selbst hatte zum Grossteil Sandboden.

Eigentlich war der Tiefpunkt der Ebbe schon vorüber, aber aufgrund der Mondphase (es ist Vollmond), war der Wasserstand noch einige Zentimeter tiefer als zu unserer Ankunft und das Boot wühlte den Boden auf, so das das Wasser um das Boot herum trübe war. An Bord gabs dann wahlweise Tee, Kaffee, Saft oder heisse Schokolade. Als wir alle 7 wieder an Bord waren, ging es zurück. Im leichten Regen nippte jeder an seinem Heissgetränk, schaute den Seehunden und Vögeln zu und lauschte dem Erklärungen des "Stewarts". Bald liess der Regen nach und man hatte einen atemberaubenden Ausblick auf die Berge.

Ein lautes Dröhnen liess uns aufschauen, ein Kampfjet flog in einiger Entfernung aber relativ niedrig übers Wasser. Sind die normalerweise nicht immer zu zweit? Der zweite Jet folgte erst einige Minuten später. Nach ca. 3 Stunden kamen wir wieder am Pier an. Das Boot wurde am äussersten Ende festgemacht, trotzdem mussten zwischen Bordwand und Pier gut ein halber Meter Höhenunterschied überwunden werden. Wo ist die Leiter? Die nächste Gruppe Ausflügler wartete schon. Noch eine Weile genoss ich die Aussicht bevor ich mich auf den Weg zurück nach Broadford machte. Da das Wetter sich gehalten hatte und immer noch die Sonne schien, wurde jetzt versucht die Postkartenmotive zu fotografieren.