Abschied von Schottland und GB

An meinem letzten Morgen auf Skye bot sich ein herrlicher Anblick durch das grosse Fenster vom Frühstücksraum. Das Wasser war vollkommen glatt. Man konnte diverse Gipfel weit in den Highlands erkennen. Das Wetter war einfach nur schön. Es war warm, windstill und kaum Dunst über dem Meer und den Bergen.

Leider musste ich nach dem Beladen des Autos feststellen, das es keine Fototour nach Newcastle werden würde. Ich fragte Leonie nach dem Weg und statt der erwarteten 400km, waren es 600km (also 400Meilen). Ich hatte schlichtweg den Weg von Fort William nach Skye unterschlagen und die Tatsache, das das Ziel B&B im Süden von Newcastle liegt. Das hiess, dann gut 7 Stunden reine Fahrtzeit.

Kurz hinter Kyle of Lochalsh wurde noch schnell ein Fotostopp beim Eilean Donan Castle eingelegt. Fotos nur von aussen, keine Besichtigung von innen. Leider war Ebbe, sonst hätte es richtig geniale Fotos von einem Schloss gegeben, welches sich im Wasser spiegelt.

Schönes Wetter hat einen Nachteil: man ist nicht alleine auf den Strassen unterwegs. So wurde nichts aus einer wirklich zügigen Fahrweise und die Chance für Fotostopps sank, weil ich einfach zuviel Zeit hinter langsamen Fahrzeugen verlor. Den Vogel schoss ein Kleinwagen ab, der mit einer Geschwindigkeit von 40km/h einen Stau anführte. Vor jeder Kurve und Kuppe wurde gebremst. Ich war nicht der Einzige, der da eine Kostprobe vom Lenkrad nahm. Und die nächste mehr als zweispurige Strasse war nicht in Sicht. Irgendwann verliess das rollende Verkehrshindernis die Hauptstrasse und man konnte wieder nach Herzenslust durch die sonnenbeschienenden Highlands brausen.

Trotz davonlaufender Zeit liess ich mir einen Fotostop auf einen "Hügel" nicht nehmen. Die Aussicht war traumhaft und ein laues Lüftchen liess einen pfeiffenden Klang an mein Ohr gelangen. Auf einen Parkplatz fast eine halbe Meile leicht hügelabwärts stand doch tatsächlich ein Schotte wie man ihn sich vorstellt: in Kilt und mit Dudelsack.

Weiter ging es Richtung Fort William. Kurz vor Fort William gibt es ein Kriegsdenkmal (Commando Memorial). Von dort aus hatte ich ein genialen Blick zum Ben Nevis "Massiv". Nur welcher ist jetzt der Gipfel des Ben Nevis? Oder wird er von Aonach Mor und Cam Mor Dearg verdeckt?

In der unmittelbaren Nähe des Denkmals ist ein kleiner Kreis, wo mit kleinen Schildern und Kreuzen namentlich Gefallenen und verstorbenen Veteranen des zweiten Weltkrieges gedacht wird. Die Soldaten stammen aus der Gegend oder wurden dort ausgebildet. Es gab auch kleine Kreuze, die an Gefallene im Falkland Krieg gedachten. Doch zwei Kreuze bzw. Bilder waren noch ganz neu. Und sie erinnerten nicht an Veteranen sondern an zwei junge Soldaten, die 2007 im Irak-Krieg hier Leben liessen. Irgendwie erschütternd diese Namen und Lebensdaten zu lesen und auch die Porträts zu sehen.

Ein letztes Mal ging es dann durch das Tal von Glen Coe. Was für eine Wucht. Das erste Mal sah ich die ganze Pracht in strahlendem Sonnenschein und bei wolkenlosen Himmel. Das hätt meine Kamera nun wirklich nicht einfangen können. So genoss ich ganz einfach nur diesen Anblick.

Als ich die Highlands verliess, zog der Himmel auch zu und das ein oder andere Mal gab es nun Regenschauer. So gab es wenigstens keine weiteren Verzögerungen mehr auf den Weg Richtung Newcastle. Denn es lag noch mehr als die Hälfte der Strecke vor mir. Und Leonie korrigierte die Ankunftszeit ständig nach hinten. Ich folgte ihr einfach nur noch blind und achtete kaum noch auf die Landschaft. Die Kilometerfresserei zehrte auch an meinen Kräften vorallem auf den endlosen zweispurigen Landstrassen. Was für eine Erlösung, als im Dunstkreis von Edinburgh und Glasgow endlich eine Autobahn kam.

Um ein wenig aufzutanken (das Auto wurde schon in Fort William betankt, weil ich mich numal in der Entfernung verschätzt hatte) hielt ich an einer Autobahnraststätte. Was nettes zum Beissen fand ich nichts. Zumindest nichts worauf ich Appetit hatte. Aber ein schöner heisser Kakao sollte auch reichen. Ich hätte mir noch Zucker mitnehmen soll. Der Kakao war zwar heiss, aber schmeckte ziemlich dünn. Da fehlte eindeutig Zucker. Also weiter und die wenigen Kilometer Autobahn geniessen. Nur 100km von 600km waren mehrspurig pro Richtung. Nach 10 Tagen fast nur zweispurigen Strassen (von dem kurzen Intermezzo in und um Inverness abgesehn) war es aber schon ein kleiner Kulturschock. Viele Auf- und Abfahrten und Baustellen. Und plötzlich waren 112km/h wieder sehr langsam.

Doch zu schnell war dieser Spass vorbei und ich fand mich im Feierabendverkehr in der nordenglischen Provinz wieder. Langsam begann es zu dämmern bzw. ziemlich schnell, ich war müde, der Magen knurrte und nur Leonie wusste wo ich war. Und dann meinte Leonie, wir wären da. Problem: von der B&B hatte ich nur nen Namen und nen Ort, aber keine echte Adresse. Der Ort wo ich mich befand war eher ein Strassendorf. Das was ich in der Adresse für den Strassennamen hielt, war der Name des Ortes, der wohl eher nur ein Ortsteil einer Gemeinde war. Klasse. Also langsam die Querstrassen abfahren, hiess dann wohl die Devise.

In der ersten Strasse war die Pension schonmal nicht, also wieder auf die Hauptstrasse und da langtasten. Netterweise gab es da nen richtig breiten Parkstreifen, so das man da langschleichen konnte, ohne den Verkehr aufzuhalten. Und plötzlich schoss ein Auto im Rückwärtsgang hinter einem parkenden Van vor. 30cm haben gefehlt und 5m vor der Hofeinfahrt der Pension hätte es Leo brutal erwischt. Aber nichts passiert und die Pension war auch gefunden. Es war wohl früher mal ein Gutshaus. Auf den Hof parkte ich äusserst praktisch, wie sich kurz danach herausstellte. Denn nur 3m vom Auto weg, war die Tür zu meinem Zimmer. Ich konnte quasi vom Auto aus direkt ins Bett fallen. Doch der Magen wollte gefüllt werden und so suchte ich den nahen Pub auf. Und ich wurde nicht enttäuscht. Man war das lecker. Hähnchenbrust mit grünem Gemüse, Kartoffelspalten und cremige Knoblauchsahnesosse.

Am nächsten Tag ging es auf die vergebliche Suche nach einem Internet Cafe in der nahen Universitätsstadt Durham. Niedliches Städtchen, typisch englisch. Cafe mit WLAN auch gefunden, aber WLAN war defekt. Also genoss ich nur eine herrlich süsse Heisse Schokolade mit Minzaroma und dazu ein Stück Windbeutelkuchen auf Schokoteigbasis, auch sehr, sehr schokoladig und süss. Während des Sightseeing wurden keine Fotos gemacht, ich fand nie den guten Winkel für die Motive, wie z.B. das Schloss und die Kathedrale von Durham.

Abends wurde dann noch ein grosser Supermarkt geentert, um für die Daheimgebliebenen englische Knabbereien, Süssigkeiten und Tee zu besorgen. Wie immer war ich fasziniert vom Angebot im Bereich der Fertiggerichte. Nur das Süsswarenangebot ist deprimierend. Sowohl preislich, also auch von der Auswahl. Der Geschmack der Engländer bei den Kartoffelchips ist auch sehr merkwürdig. Scharf scheint wohl nicht der Renner zu sein, dafür sauer. Bäh, abgelehnt. Genauso wie das Abendbrot im Pub. Diesmal gabs Gehacktes mit englischen Knödel. Kaum gewürztes, gekochtes Hackfleisch und dazu merkwürdig gewürzter Knödel war nicht nach meinem Geschmack.

Am nächsten Morgen wurde Kurs auf Newcastle und Fährhafen genommen. Es war der Tag einer grossen Laufveranstaltung, ich konnte jetzt nur hoffen, das ich von den Sperrungen nicht betroffen bin. Denn das Leonie bekam einfach keinen Empfang und ich fuhr mehr auf gut Glück rum. Typisch, das der Satellitenempfang da war, als die Ausschilderung für den Fährhafen anfing. Der Weg sollte mich durch den Tynetunnel führen. Ich wollte da lang, Leonie nicht. Aber egal, jetzt gab es ja Schilder. Mich irritierte das vor Tunneleinfahrt keine Mautstelle war, auch keine Ankündigung. Die Mautstelle kam aber in Sicht, als ich aus dem Tunnel herausfuhr. Wie immer in solchen Fällen, suchte ich mir die Schlange, wo bar gezahlt werden konnte und auch Personal auf Posten war. Zumindest laut Ausschilderung. An dieser Mautstelle wurde das Geld (1,10Pfund) nicht dem Personal in die Hand gegeben, sondern musste in einem grossen Trichter geworfen werden. Dann öffnete sich die Schranke. Problem: der Trichter war auf meiner Beifahrerseite und das Geld über den Sitz hinweg werfen? Die Zielsicherheit traute ich mir nicht zu. Vom Personal war ausser einer Wasserflasche und einem leeren Stuhl über den eine Warnweste hing nichts zu sehen.

Aussteigen, Geld reinwerfen und hoffen das die Schranke noch offen ist, wenn ich wieder im Auto sitze? Mittlerweile standen schon 4 Fahrzeuge hinter mir. Also HUPEN. Nach mehrfachen Hupen von mir und den hinter mir Wartenden erschien dann endlich das Personal. Geld übergeben und die Schranke öffnete sich.

Bis zum Start des Einladens war es noch nen Weilchen hin als ich den Hafen erreichte. So wurde kurz das Outletcenter gleich neben dem Fährhafen besichtigt und dann ging es nach North Shields, der Kleinstadt beim Hafen. Einen Bummel durch die Einkaufsmeile, einen Besuch in der Bibliothek (wieder war ein Upload der Fotos und Co. nicht möglich) und dann noch (nach einem zwischenzeitlichen Abstecher zum Outletcenter) in ein Restaurant zum letzten Mittag auf britischen Boden.

Es gab Lammkeule, weichgekochtes Gemüse, ungeniessbaren Kartoffelbrei aus frischen, englischen Kartoffeln und dem Geschmack nach mit Wasser gestreckte Cola. Ich sollte noch ein Weilchen was von diesem Essen haben. Zurück im Fährhafen hiess es sich anstellen in der Schlange und hoffen, das man richtig steht, denn kurz nach der Fähre nach Niederlande, sollte eine zweite nach Norwegen gehen. Beide Schiffe lagen schon am Pier. Nach Sortieren ob Niederlande oder nicht und noch ein wenig warten in der Sonne, ging es auf das eigentliche Hafengebiet und man wurde vor den Checkin Schaltern aufgestellt.

Da traf ich alte "Bekannte" von der Hinfahrt wieder. Wobei ich sie zwischenzeitlich auch in Schottland diverse Male gesichtet habe. Beim Checkin wurde der Ausweis kontrolliert und dann hiess es ein wenig unkoordiniert über das Hafengelände kurven. Von einem echten System war keine Spur mehr. Beim Befahren der Fähre musste jedes Auto über einen feuchten Teppich -> Desinfektionsmittel, wegen der Maul- und Klauenseuche. Wieso fahr ich eigentlich einen Kleinwagen? Wäre mein Auto nur 10cm länger gewesen hätte ich den Fahrzeugen vor mir in den Bauch des Schiffes folgen können. Stattdessen wurde ich nach rechts auf eine Rampe gewunken. Ich fand mich quasi an dem Platz wieder, auf dem ich auch auf der Hinfahrt gestanden hatte. Nur um 180Grad gedreht und auf einen anderen Schiff. Aber das Autodeck war gleich aufgebaut.

Sachen in die Kabine und dann ab aufs Deck und einen Stuhl am Heck gesichert für eine gute Sicht bei der Hafenausfahrt. Da nahm ich es noch nicht für voll, aber sobald die Maschinen merkbar anliefen wurde mir schon ein wenig flau. Andererseits sass ich fast am Auslass des Abluftsystems. Das Schiff legte nicht so ganz pünktlich ab und musste dann noch drehen. Beim Ablegen konnte man den Fluss ein wenig entlangsehen und dort näherte sich ein kleiner Tanker. Mmh, das könnte knapp werden. Die Fähre braucht die ganze Breite des Flusses zum wenden.

Klappte aber. Und es ging flussabwärts Richtung Meer. An der Mole konnte man dann sehen, was ich auch schon langsam spürte. Die Wellen waren sehr lang und schlugen mit voller Kraft gegen das Ufer. Der Wind war nicht so stark wie es die Wellen vermuten liessen. Am Heck auf einem hohen Deck des Schiffes sitzen wurde mir immer flauer. Dabei war ich doch an der frischen Luft. Ich genoss den Sonnenuntergang und sah zu wie die englische Küste in Dunst und Dämmerung verschwand.

 

Die letzten schönen Augenblicke für die nächsten Stunden. Die Tablette gegen Seekrankheit holte ich mir zu spät ab. Ich bin bis dahin auch noch nie wirklich seekrank geworden. Von englischen, gekochten Essen bin ich erstmal geheilt. Auch als die Tablette endlich wirkte, war an Schlaf nicht wirklich zu denken. Das Schiff bewegte sich einfach zu stark auf und ab und rollte auch noch von einer Seite zur anderen. Und auf der Rückfahrt war allgemeines Wecken 1 Stunde früher als auf der Hinfahrt. Aber an Frühstück wollte ich nicht denken bzw. war lappiger Toast nicht nach meinem Geschmack. Lieber noch ein Weilchen warten bis es endlich von der Fähre runtergeht und dann irgendeine Raststätte ansteuern. Von der Fähre ging es schneller runter als erwartet. Mir ist in Newcastle nicht aufgefallen, das das Schiff auch eine Bugklappe hatte. Das heisst man musste nicht unbedingt warten bis alle Decks geräumt waren und dann hatte jemand in meiner Reihe auch noch nen Reifenschaden. So durfte ich Rückwärtsausparken. Ich hatte ja als einzige Platz dafür und konnte an den anderen vorbeifahren.

Bevor es auf die 500km lange Etappe ging, wurde erstmal richtig günstig vollgetankt und los gings. Die ersten 150km waren die Hölle. Denn es hiess auf der niederländischen Autobahn zu überleben. Dagegen ging es auf der Hinfahrt noch richtig entspannt zu. Deutsche Autobahn als Erholungsprogramm, man mag es kaum glauben. Und 24Stunden nach meiner letzten Mahlzeit (eigentlich 30Stunden vom Nährwert ausgehend) gabs was richtig Leckeres im Autohof Lauenau. Noch 2 kleine Staus und nach 2 Wochen fiel ich dann wieder ins eigenen Bett.

Aber ich werde wieder in die Highlands fahren, denn wo ist man sonst dem Himmel so nah?