2010_urlaub_intro

Berichte von den Wanderungen und Erlebnissen des Tages sowie die dazugehörigen Bilder in der Galerie

Die Tagesberichte sind alle online. Und auch fast alle Bilder. Ich will auch noch Panoramabilder online bringen, aber das geht in der normalen Galerie nicht, da werd ich mir noch was ausdenken müssen.

   

Day 06: Riesenhaie

Wo bin ich bloss gelandet? Die B&B ist nur noch durch eins zu toppen (im negativen Sinne). Wenn ich morgen vom Ausflug zurückkomme steht nen Polizeiwagen vor der Tür und mir wird verkündet Mrs. MacIntosh ist verstorben. Das ist garnichtmal so an den Haaren herbeigezogen.

Heute morgen war allgemeines Wecken kurz vor 8Uhr. Die Dame fühlte sich nicht so gut, Probleme mit dem Herzen und wollte deswegen nochmal ins Hospital. Nur war die hiesige Bekanntschaft beschäftigt. So fuhren die gestern angekommenen Spanier sie nach Broadford ins Hospital, ich bekam einen Haustürschlüssel und die Mitteilung, wenn ich Frühstück haben will (JA, will ich!) soll ich ins nahe Restaurant, die wissen Bescheid.

Beim Gehen hiess es noch für die Spanier würde ein anderes Arrangement gesucht, weil sie ja eigentlich noch eine weitere Nacht bleiben sollten. Und was ist mit mir?

Naja, auf zum Spaziergang zum Frühstück im Restaurant, wo auch eine B&B betrieben wird. Was für ein Luxus. Es gab Saft und ich hätte aus dem vollem Frühstücksmenü wählen können. Egg und Bacon reichen allerdings auch. Mrs. MacIntosh war anscheinend das Gespräch des Tages. Da ich aber in einem Nebenraum sass, konnte ich nicht alles hören. Naja, die Frau wohnt allein, ist schätzungsweise weit jenseits der Siebzig, versucht ne B&B ohne weitere Hilfe zu betreiben, ist aber auf Nachbarn angewiesen für die Einkäufe, weil kein eigenes Auto. Bis zum nächsten Nachbarn sind es allerdings 400m Weg oder ab ans Telefon (was im Eingangsbereich steht und nicht im Wohn- und Frühstückszimmer), wenn die Frau wirklich mal umkippt, bekommt das keiner mit.

Nach dem Frühstück wurde in aller Ruhe sortiert was mit auf den Ausflug kommt und was nicht. Rucksack liess ich hier, nur die beiden Kameras, ausreichend Geld, Ausweis, etwas Wasser und Sonnenmilch wurden eingepackt.

Und dann auf Schusters Rappen Richtung Hafen. Unterwegs noch einen Abstecher zur Cachehebung machen, irgendwo an einem Punkt mit Aussicht. Und was für eine. Es gab neben allen kleinen Inseln (Rum, Eigg, Canna und Muck) auch einen Regenbogen zu sehen. Er begann im Wasser und man konnte den kompletten Bogen bis zu den Klippen folgen.

Vom Quasi-Aussichtspunkt konnte ich auch den Hafen erkennen. Nur waren da keine Schnellboote (RIBs) und von den beiden anderen Ausflugsbooten war nur die Bella Jane da. Deren Büro war auch geöffnet, das Büro der Misty Isle-Tours war geschlossen und die „Misty Isle“ fehlte auch.

Mmh, schlechtes Wetter oder weil Sonntag ist? Lieber schnell runter zum Hafen wo grade eine Tour zum Loch Coruisk in Sammlung begriffen war. Sollte es heute keine AquaXplore-Touren geben, wollte ich wenigstens rüber zum Loch.

Die Tour nach Eigg fand wirklich nicht statt, stattdessen war ich auf Canna-Tour gesetzt wurden. Gut, kannte ich zwar, aber mit meinen Füssen hatte ich keine Lust auf Wanderung und die Chance Delphine, Wale oder Riesenhaie zu sehen wollte ich mir auch nicht entgegen lassen. Für Puffins und Co. ist es schon zu spät im Jahr.

Es hiess allerdings noch zwei Stunden rumzubringen bis zur Abfahrt. Da hätte man fast die einfache Tour zum Loch Coriusk machen können. Um halb eins war immer noch keine Spur vom Boot zu sehen. Erst gegen 13Uhr wurde die Schutzkleidung verteilt, obwohl kein Boot in Sichtweite.

Erst eine gute Viertelstunde später legte die Vormittagstour an. Der Skipper, Alex, ging erstmal mit einem „Good Morning“ an seinen wartetenden Fahrgästen vorbei. „Good Morning“ um Viertel nach Eins? Das Alex ein Scherzkeks war fiel spätestens bei der Sicherheitsbelehrung zum Boot auf.

Die Tour war richtig voll. 12 Passagiere und neben Alex noch seine Frau Amanda, normalerweise im Büro arbeitend. Mehr durften auch nicht aufs Boot. Wahrscheinlich weil Sommer war, gabs keine Handschuhe, keine Stirnbänder und keine Schutzbrillen. So zog ich mir sehr früh die Kapuze über den Kopf. Der Wind war heute kühler als die letzten Tage, wo er eher warm war.

Zuerst wurde Kurs auf Rum genommen. Obwohl Wellen deutlich zu sehen waren, hielt sich die Hüpferei in Grenzen und auch auf den hinteren Plätzen kamen keine nennenswerten Spritzer an. Auf der ganzen Fahrt nicht.

Kurze Runde in der Bucht von Rum und dann an der Westseite im stärkeren Wind die Küste entlang. Zweimal sah man Rothirsch-Herden, sogar mit Jungtieren. Und ich schaute schonmal nach einem meiner morgigen Ziele. Ein weiteres ist laut Alex ein 5 Stundenmarsch von der Anlegestelle entfernt und wurde somit von mir gestrichen.

Schliesslich ging es rüber nach Canna. Hinter mir suchte Amanda mit einem Fernglas das Wasser ab. Da ich in der letzten Reihe sass, konnte ich grösstenteils zuhören, wenn sie mit Alex sprach. Sie hielt nach Basketsharks (Riesenhaien), Delphinen und Walen Ausschau. Da war aber leider nichts.

Bei der Seehund und Robben-Kolonie wurde kurz Halt gemacht. Die Grey Seals (Kegelrobben) und die Common Seals (Seehunde) leben dort sehr dicht beieinander. Alex erzählte einiges über die Tiere, unter anderem auch, das die grösseren Grey Seals ihre Jungen im November zur Welt bringen, wenn es am kältesten ist. Die kleineren Common Seals werfen im Juni. Auch einiges zu Gewicht, Alter und Aufzucht wurde erzählt.

Kurz vor dem Anleger von Canna drehte Alex so richtig auf und im Kreise. Mit einiges an Speed enge Kreise fahren macht tierischen Spass. Für die Pause auf Canna, wurde die Spiegelreflex aus ihrer Tasche befreit, ich bekam schlichtweg den Knoten nicht auf, der sich gebildet hatte. Die kleine Schnappschusskamera dagegen hatte jetzt erstmal Pause.

Nur kurz eine Runde zur kleinen Kapelle und dann auf zum Sonnenbaden auf den Pier. Bis Bob kam. Bob ist ein Seehund (oder doch ne Robbe?) und wurde von einem Bewohner von Canna Bob genannt, weil sich das Schnaufen anhört wie „Boooooooooobb“ Obwohl das Tier 20m entfernt im Wasser war und aufgrund der Ebbe auch ca. 3m unterhalb unserer Füsse, hörte man das Schnaufen deutlich.

Bob schaute aus dem Wasser und beobachtete uns, wie auch wir ihn beobachteten. Zu dem Zeitpunkt waren nur die beiden Crewmitglieder vor Ort, 2 Einheimische und 3 deutsche Touristen inklusive mir.

Um den Besuchern eine Freude zu machen, holte einer der Einheimischen tatsächlich Fisch. 2 Stück getrockneten und vermutlich gesalzenen Fisch. Da klickten die Fotoapparate natürlich heftigst. Es wurde sogar noch ein dritter Fisch ins Wasser geschmissen. Dann kam eine Familie mit zwei fast erwachsenen Kindern von ihrem kleinen Ausflug auf der Insel zurück. Das Mädel kreischte regelrecht los, als es Bob sah. Und schliesslich war folgender Satz auf dem ganzen Pier hörbar: „Is this real? This is not a fake?“ Während das Mädel sich vor Entzücken kaum einbekam, hatte der Rest Mühe den Lachanfall in Griff zu bekommen. Vorallem weil Alex noch entsprechende Kommentare von sich gab. Ich bezweifle das auch die Ursache dieser Kommentare, dies hörte, während sich die anderen köstlich amüsierten.

Ich glaube, das die Frage ernst gemeint war, wenn ich mich so an die Aufmachung des Mädels entsinne. Wie für einen Bootsausflug, wo es durchaus richtig nass werden kann, war sie nämlich (unter der Schutzbekleidung) nicht angezogen bis hin zum Schuhwerk, was wirklich nur für sauberen Asphalt geeignet war.

Noch immer grinsend wurde die Pause beendet und die Schutzkleidung eingesammelt und angezogen, die nach dem Anlegen über die Steine verteilt wurden war.

Es ging zu den Klippen, wo von Mai bis Juli das pralle Vogelleben herrscht, jetzt aber nur noch ein paar vereinzelte Vögel anzutreffen waren. Aufgrund der niedrigen Tide lagen viele Felsenhöhlen und –überhänge gut sichtbar frei. In einem Felsenspalt mit Überhang fuhr Alex rein. Nur das es oben ein kleines Rinnsal runterkam und die erste Reihe eine Dusche bekam, bevor der Rückwärtsgang eingelegt wurde. Noch ein paar Mal brachte uns Alex sehr nahe an die Felsen. Da es keine nenneswerte Brandung gab und man im klaren Wasser die unter der Wasserlinie liegenden Felsen gut erkennen konnte, war das wirklich nur Spielerei. Eine sehr spassige Sache.

Einen Puffin sahen wir dann doch noch. Er flatterte über unsere Köpfe hinweg. Vorgestern wurden noch drei Tiere gesichtet. Jetzt war es an der Zeit nach Elgol zurückzukehren. Boot also wenden und in dem Moment wo das Boot anfing zu beschleunigen, wurde auch schon wieder gebremst. Was nun? 2 Leute hatten eine dunkle, fast schwarze, grosse Finne gesehen. Also Boot wieder wenden und tatsächlich: 2, sogar drei Flossen durchschnitten das Wasser. Sie gehörten zu einem jungen Riesenhai. Aus dem Abstand der Flossen wurde er auf 4m geschätzt. Dann wurde ein weiteres Tier gesichtet. Viel grösser. Ein ca. 11m langes Weibchen (woher hat Alex gewusst, das es ein Weibchen ist?) Ganz sachte näherte sich das Boot während der Hai wiederum in leichten Bögen vor unserem Boot schwamm, dann seitlich hinter uns auftauchte, an der Seite des Bootes, um dann sogar direkt unter dem Boot lang zu tauchen.

Von den Haien sieht man die grosse Rückenflosse, dann die kleine zweite Rückenflosse und schliesslich einen Teil der oberen Hälfte der Schwanzflosse. Riesenhaie filtern Plankton aus dem Wasser. Dazu ziehen sie ganz ruhig durch das Wasser, mit weit geöffneten Maul und sieben die kleinen Tierchen aus. Durch den Wind der letzten Tage wurde viel Plankton an die Oberfläche gebracht. Aus diesem Grund konnten wir die Haie beobachten. In der Ferne waren zwei weitere grosse Tieren bzw. deren Flossen zu erkennen.

Schliesslich tauchten die Tiere ab und los gings Richtung Elgol. Nach ein paar Minuten gab es noch eine weitere Sichtung und somit einen kleinen Extrabogen. Kommentar von Alex an seine Co-Pilotin, die fragte was los ist: „Just another Basketshark.“ In einem Ton als ob ne schwimmende Möwe gesichtet wurde. Allerdings kam das Lachen gleich hintendran.

Jetzt aber wirklich stur geradeaus zurück, die Zeit war rum. Der frische Wind, das gleichmässige Dröhnen der Motoren und keine Wellen die das Boot hüpfen liessen haben einschläfernde Wirkung. Dem kann aber entgegengewirkt werden. Kurz vor dem Hafen wurde getestet, wie eng man wirklich die Kreise bei hohen Tempo fahren kann. So in Schräglage hatte ich immer ein bisserl Angst, das das Boot gleich seitlich wegrutscht. Aber da wir auf den Wasser waren und nicht auf der Strasse passierte natürlich nichts dergleichen. Es ging ordentlich zur Sache, mal links rum, mal rechtsrum, schnelle Richtungswechsel.

Zurück an Land hatte ich leichte Gleichgewichtsprobleme, da ich die meiste Zeit gestanden hatte, hatte ich das leichte Schwanken vom Boot übernommen und dann ist plötzlich der Boden fest, nur das Gehirn macht noch nen bisserl weiter mit der Bootstour.

Noch die Uhrzeit für den Start am nächsten Tag erfragt und via Anhaltermethode ging es zurück zu B&B. Zu Fuss mach ich den Weg nicht nochmal. Morgen geht’s dann mit dem eigenen Auto zum Hafen, weil um 9Uhr ist Sammlung.

Mrs. MacIntosh war derweil vom Arzt zurück, erzählte mir aber, das sie alle Buchungen bis Ende September abgesagt hatte. Die schafft sie einfach nicht. Weder die Zimmer zu machen, noch das Frühstück. Momentmal, was ist mit mir? Ich darf noch die zwei Nächte auf dem Zimmer bleiben (Betten werden hier eh nicht gemacht) und Frühstück gibt’s im Restaurant.

Also nochmal einen kleinen Spaziergang dahin, um zu fragen, wann man denn zum Frühstück erscheinen kann. Normalerweise halb 9, als ich einwandte, das ich mich dann morgen beeilen muss, um pünktlich am Hafen zu sein, wurde das Frühstück um eine Viertelstunde vorgezogen. Morgen früh geht es mit Auto zum Frühstück.

Auf den Weg zurück fiel mir ein typisches Handwerkerfahrzeug auf, was eine Auffahrt herunterpolterte. Die Ursache des Geräusches war schnell ausgemacht. Hinten hing eine Mülltonne dran. Morgen ist nämlich der monatliche Abholtag der schottischen Variante der gelben Tonne.

Bis Cnoc Ban überholte mich das Auto, nachdem es am Ende der Auffahrt erstmal seinen „Anhänger“ losgeworden ist, und fuhr in die Auffahrt von Cnoc Ban. Ich war zu langsam die Gatter zu öffnen, aber wenigsten konnte ich das letzte Gatter dann schliessen als das Auto mit der Mülltonne von Mrs. MacIntosh an mir vorbeirumpelte. Jetzt stehen die Tonnen also am Rand der SingleTrackRoad und werden morgen dann abgeholt bzw. geleert. Und höchstwahrscheinlich auch wieder bis ans Haus gebracht. Naja, sind je nach Grundstück auch 100 bis 400m (oder gar mehr) bis zur Strasse, das wird das Abfallunternehmen bestimmt nicht selber machen. Zum einen kommt so ein LKW nicht die Auffahrten hoch und wenn die Müllmänner das selber machen würden, dann würde die Runde verdammt lang dauern, von den Laufkilometern mal ganz abgesehen. Und Leute wie Mrs. MacIntosh würden die Tonne wohl kaum soweit bekommen. So hat jemand seine Stossstange für Mülltonnenzieherei umgerüstet und fährt dann eben mal die Nachbarschaft ab.