2010_urlaub_intro

Berichte von den Wanderungen und Erlebnissen des Tages sowie die dazugehörigen Bilder in der Galerie

Die Tagesberichte sind alle online. Und auch fast alle Bilder. Ich will auch noch Panoramabilder online bringen, aber das geht in der normalen Galerie nicht, da werd ich mir noch was ausdenken müssen.

   

Day 09: Quiraing (Trotternish)

Die Wettervorhersage des Coruisk House behielt recht. Es war auch heute wunderschönes Wetter, wenn auch in bisserl kühl.

Das Tagesprogramm so mehr oder wenige lange Touren in Trotternish vor, begonnen mit Küstenbesichtigung via SingleTrackRoad von Uig nach Staffin via A855.

Obwohl A-Strasse ist es wirklich eine SingleTrackRoad. Eine ziemlich schmale von eher schlechter Qualität bezogen auf den Strassenbelag und der Breite. An der ersten Spitzkehre noch in Uig haben grössere Fahrzeuge, angefangen bei Caravans, Probleme um die Ecke zu kommen. Als ich ankam war es ein Reisebus der mir entgegenkam. Es brauchte mehrere Rangiereien bis der Bus endlich ums Eck war. Oder dauerte es extra lange, damit die Passagiere die Aussicht auf die Bucht fotografieren konnten?

Erklärt aber auch wieso die Linienbusse auf Skye etwas gestaucht ausschauen, die müssen ja regelmässig um enge Kurven ohne alles zu blockieren. Die kleinen Busse der Reiseunternehmen sind ähnlich flink unterwegs, aber heute vorallem auf das Recht des Stärkeren betracht. Anstatt am Passing Place zu halten, mit guter Einsicht über den Teil der Strasse auf dem ich mich befand. Wurde ein paar Meter weitergefahren und dann darauf beharrt das ich doch bitte im Rückwärtsgang zum Passing Place hinter mir fahre von dem aus die Kurve überhaupt nicht einsehbar war, wo der Bus um die Ecke bog. Gut 50m statt selber eine Buslänge zurückzusetzen. Und der nächste Gegenverkehr gleich am nächsten Passing Place war vom rechtsfahrenden Festland, machte zwar Platz aber ich musste auf der falschen Seite vorbei.

Die Aussicht von den Klippen konnte das aber nicht vermiesen. Die war einfach genial, vorallem weil die Luft klar war und man somit auch Einzelheiten der entfernten Landschaften erkennen konnte und nicht nur die Konturen der Berge.

Erstes Ziel sollte Quiraing werden. Eine Sammlung von verschiedensten Felsformationen und tektonisch noch immer aktiven Gebiet. Allerdings hat die Vielzahl der Fotostopps sehr viel Zeit gekostet. Zur Wanderung bin ich trotzdem aufgebrochen. Weil die eingelaufenen Schuhe immer noch sehr feucht waren, zwangsweise mit den neuen Schuhen. Das ist DER Test für die Blasenpflaster.

Der Weg ging sich die ersten Meter gut an. Bis es die ersten Meter abwärts ging. War die Wanderung wirklich eine gute Idee? Das Panorama war atemberaubend, Trotternish aus dem Bilderbuch, nur dafür hatte man während des Laufens einfach keinen Blick. Ging es neben den schmalen Pfad steil den Hang runter.

Dann versperrt einen Steinlawinenabgang, der noch relativ frisch aussah, den Weg und man musste über rutschendes Geröll und Schotter irgendwie auf den Pfad zurückfinden. Die eigentliche Herausforderung an Geländesicherheit kam aber erst noch. Wasser lief in einem steilen Bett den Berg runter und man musste über diesen Miniwasserfall. Aber wo war der Weg? Da existierte für einige Meter nichts. Nur nasser Felsen und hohe Stufen. Zumal das ganze an einer Ecke im Fels war. Erst ganz nah an meiner Seite ans Wasser runter, dann die Wanderstöcke auf die andere Seite auf einen höherliegenden Felsen schmeissen und hoffen das sie da auch liegen bleiben und nicht den Hang runterkullern.

Dann einen Schritt auf die andere Seite und unter zur Hilfenahme der Hände den kleinen Felsen hochklettern. Über den Rückweg denkt ich lieber nicht nach.

Der Weg blieb zwar schmal, aber leicht zu laufen, wenn man nicht zu sehr in der Gegend rumschaute. Wurden eben einige Fotostopps eingelegt und die Panoramafunktion der Kamera genutzt. Irgendwann gabelte sich der Weg. Links ging es hoch, zwischen einen einzelnen Felsen und den Klippen und rechts aussen rum um den Felsen. Da ich dachte, das dies die normale Wendestelle wäre, beschloss ich den Rundweg um den Felsen zu laufen. Fast rum stellte ich fest, das einige Höhenmeter über mir der Weg über einen Schafstritt weiter geht. Nichts von wegen Umrundung. Dann erstmal Mittagspause und schauen wie weit ich schon gekommen bin. Dazu hätte ich aber die Kilometer des Trackings zurücksetzen müssen. 124 Kilometer war ich heute definitiv nicht gelaufen. Weil ich mir über die Entfernung zum Parkplatz nicht klar war, hatte ich auch Probleme die Karte zu lesen. Sie kann zwar auch mit GPS verwendet werden, aber wie das funktionieren sollte, bekam ich nicht raus.

Nach der Pause galt es den Hang hochzukraxeln. Währenddessen wurde ich vom Schafstritt aus beobachtet. Und bekam dafür ein "Well done" als ich schnaufend den Übergang erreichte. Da wurde von drei Wanderern eine Wegbeschreibung studiert, aber auch sie wussten nicht, wo sie sich eigentlich befanden. Egal, der Weg wurde einfach weitergegangen. Ich voran, der Rest hinterher. Als ich mich nach einigen Metern umdrehte, folgten mir in losen Abständen ca. ein Dutzend Leute. Super, keine Ahnung wo es lang geht, aber alle mir nach, auch als ich mich an einer Gabelung für den Weg bergan entschied.

An einer Steinmauer liess ich den Grossteil erstmal vorbei. Die rannten ja regelrecht, das Tempo konnte und wollte ich nicht mitgehen. Nur die 3 Männer mit der Karte blieben hinter mir.

Bis es hiess: Rechts hoch. Der Weg war tief von Wasser ausgewaschen und glich einer schmalen, aber hohen Rinne. Zum Glück hatte es gestern und heute nicht geregnet, so konnte man auf dem erdigen Boden gut hochkraxeln. Leicht ausser Atem erreichte ich den nächsten Schafstritt. Hier war die eigentliche Wendeschleife. Rechts ging es runter zur Strasse nach Flodigarry, den Weg zurück den wir gekommen sind oder links den Berg hoch. "The Table". Erstmal Pause und Aussicht geniessen. Bis die Midges kamen. Ein guter Grund möglichst schnell zu laufen. Die drei Männer liefen erstmal nach rechts auf eine Klippe und ich stiefelte zum Table hoch. Der Weg war nicht trocken, sondern stellenweise morastig oder ein Bachbett und nicht wirklich als ausgetretener Weg zu erkennen. Aber die anderen sind da auch hoch.

Der Anstieg zog sich ewig hin. Immer wenn man dachte man hätte den höchsten Punkt erreicht ging es noch weiter hoch. Um von der Schinderei was zu haben, wurde sich nah an den Klippen gehalten und man konnte das "Tiefland" unter sich in allen Einzelheiten erkennen, inklusive den Strand von Staffin. Das ist leider kein heller Sandstrand. Sah somit nicht sehr einladend aus, aber die Brandung war schon toll.

Wenn es steiler wurde ging es in Manier eines Skilangläufers den Berg hoch, immer schön unter Einsatz der Stöcke. Den Gipfel habe ich dann doch noch erreicht und wurde mit einem fast 360Grad Panorama belohnt. Dank einer leichten Brise konnte ich hier länger pausieren ohne von Midges gefressen zu werden.

Es war Zeit zum Auto zurückzukehren. Aber wo ist der Weg? Da war nur eine riesengrosse Wiese. Aber man konnte Streifen niedergetretenen Grases erkennen. Der Mensch ist ein Herdentier, immer den Spuren der anderen nach. Ein ordentliches Stück über die Wiese, sah ich das Leute von unten heraufkamen aber ein ganzes Stück links von mir. Wo lief ich hin oder wo kamen die her? Ich sah dann irgendwann das Gatter hinter dem wieder ein Weg zu erkennen war. Ein paar Mal um Morast rum und ich hatte es erreicht. Nur das das Gatter eine Personenvereinzelungsanlage war und um hindurch zu kommen musste man in dicken, leicht angetrockneten Schmodder.

Ich machte es wie andere vor mir. Füsse weg vom Boden und auf dem Zaun balancieren während man das Tor bewegte.

Der Weg wurde aber selbst nicht besser. In mehreren, parallelen Höhenlinien ging es durch sumpfige Wiesen, Morast oder schweren Schlamm. Man konnte sich also aussuchen wo man am liebsten ausrutscht. Mittlerweile hatten die 3 Männer wieder aufgeschlossen gehabt und versuchten einige Meter hinter mir möglichst sauber zu bleiben. Bis wir alle 4 etwas ratlos und auf mehrere Höhenmeter verteilt in der Gegend standen. Es gab keinen Weg mehr.

Ich konnte gut 100Meter unter uns den Weg sehen, den wir am Anfang genommen hatten, und von wo aus es nur 200m bis zum Auto waren. Aber wie die 100m nach unten kommen?

Das Areal scharf ins Auge genommen viel mir dann auf, das das Gras an einigen Stellen niedergetrampelt war und das Kraut freie Flächen liess. Auf mehr oder weniger direkten Weg ging es abwärts. Damit es nicht zu schnell wurde, immer im leichten Zickzack und nach den ersten Metern konnte man auch sehen, das es mehrere Möglichkeiten gab. Mal konnte man einige Schritte parallel zum Hang laufen und dann wieder hiess es seitlich einfach runter.

Wir erreichten tatsächlich ohne Unfälle den Hauptweg. Ein Blick den Hang hoch liess mich dann aber doch ungläubig staunen. Das sah von unten noch viel steiler aus als von oben. Oben waren schon die nächsten Wanderer dabei irgendwie nach unten zu kommen.

Es waren wohl knapp 9km, die ich absolviert hatte. Nur war es mittlerweile 4 Uhr. Ausser den nahen Kilt Rocks brauchte ich heute nichts mehr ansteuern, zumal erstmal die Füsse gecheckt werden mussten. Die letzten Meter abwärts waren für die Zehenspitzen äusserst schmerzhaft. Die Blasen hatten nur bei den Bergaufpassagen weh getan, solang ich den Fuss nicht seitwärts setze.

Das eine Blasenpflaster sass noch bombenfest auch wenn es erschreckend aussah. Als ob sich um die alte Blase nochmal eine neue gebildet hat. Aber es war nichts aufgerieben.

Am anderen Fuss sah es schon ein bisschen anders aus. Das Pflaster löste sich zum Teil. Leider nur zum Teil, vermutlich hatte ich beim Aufbringen etwas geschlampt. Der Rest war immer noch mit der Haut verbunden.

Egal, Sandalen an und auf zu den Kilt Rocks. Die sahen heute nicht so beeindruckend aus. Mussten aber mit der Umgebung konkurrieren, die in der Nachmittagssonne erstrahlte und nicht von Bustouristen geentert wurden ist.

Auf den kürzesten Weg, das hiess die SingleTrackRoad an Quiraing vorbei, ging es zurück nach Earlish bei Uig. Ein schönes, warmes Bad geniessen. Ohne mit heissen Wasser sparen zu müssen. Das beschädigte Blasenpflaster blieb davon leider unbeeindruckt. Da muss man also wohl mit sanfter Gewalt ran. Weil es aber ansonsten gut zu funktionieren scheint, kommt morgen ein neues rauf. Normales Pflaster dürfte für die neugebildete Haut zuviel reiben. Nach etwas Internetrecherche habe ich rausgefunden, das es das Pflaster auch in Deutschland gibt, aber nur in der Apotheke. Den Pfundpreis in Euro umgerechnet kommt man auf das Gleiche raus: 1Euro je Pflaster.

Nur was ist ein Euro, wenn man dafür normal weiter machen kann. Müsste ich jetzt auf die Blasen Rücksicht nehmen, dann könnte ich mir jegliche Wanderung abschminken oder würde alles nur noch schlimmer machen.