2010_urlaub_intro

Berichte von den Wanderungen und Erlebnissen des Tages sowie die dazugehörigen Bilder in der Galerie

Die Tagesberichte sind alle online. Und auch fast alle Bilder. Ich will auch noch Panoramabilder online bringen, aber das geht in der normalen Galerie nicht, da werd ich mir noch was ausdenken müssen.

   

Day 18: Beinn Dorain

Ich hatte mit dem Ben Nevis doch schon einen Munro, nicht nur in diesem Urlaub, sondern auch in dieser Woche. Warum musste ich bloss heute den nächsten rauf, mit der Chance auf einen Dritten?

 

Bei solchen Zielen ist Geocaching ein echter Sport.

Start war beim Parkplatz des Hotels in Bridge of Orchy. Auf den letzten Meilen dahin hatte ich eines der möglichen Tagesziele die ganze Zeit vor Augen, ein grosser Kegel erhob sich steil im leichten, morgendlichen Dunst. Hatte ich mir das wirklich gut überlegt?

Die Entscheidung ob oder ob nicht, konnte ich unterwegs immer noch treffen. Denn erstmal hiess es hoch zum Bealach (gälisch für Pass zwischen zwei Bergen) und dort auswählen ob zum Beinn Doraith oder Beinn Dorain. Meist werden beide Munros bestiegen, wenn man erstmal da ist. Denn nur etwas über 3 Kilometer Luftlinie trennen beide Gipfel.

Erstmal zum Bealach hoch ist leicht gesagt. Der liegt immerhin auf 744m und ist vom Parkplatz nur wenig mehr als 2km Luftlinie entfernt. Der Weg dahin führt auch fast gerade aus. Da kann man sich ja ausrechnen was für eine Steigung zu bewältigen ist. Beim Ben Nevis sind es zwar 1300m, aber die auf über 4km Luftlinie und der Weg macht diverse Kurven.

Apropos Weg. Schmelzwasserbachbett trifft es besser. So nah an der Quelle ist auch ordentlich loses, mitgerissenen Gestein im Weg. Wenn das zu rutschig wurde, wurde auf das Gras ausgewichen. Zum Glück war es die letzten Tage trocken, so das sich die Sümpfe in Grenzen hielten, das ein oder andere Mal hiess es aber doch hüpfen.

Den ersten Kilometer machte ich den Fehler quasi normal zu laufen. Das quittierten die Füsse, Knöchel und Waden mit Schmerzen. Es dauerte ein Weilchen bis ich dahinter kam das kurze Schritte keine Probleme verursachen. Das Gehtempo litt darunter, andererseits musste ich jetzt keine Pausen mehr einlegen um die Sehnen und Muskeln auszuruhen. War aber sehr gewöhnungsbedürftig und ich musste mich darauf konzentrieren kleine Schritte zu machen.

400m Luftlinie vor Erreichen des Bealach legte ich auf einen Felsen, der wie eine Bank gestaltet war, eine Pause ein. Hatte ich anfangs garnicht geplant. Aber ich war noch nicht ganz bei 600Höhenmeter. Auf den restlichen kleinen Stück sollte ich 150m bewältigen? Auf welchen Weg? Ich konnte am Hang vor mir nicht wirklich einen Weg erkennen. Nur das leicht links kleine Felsen und Steine eine Linie bildeten und rechts ebenso. Da näherte sich ein Vorturner.

Er war gestern schon mal hier und ist den Beinn Dorain hoch, heute sollte es auf den Beinn Doraith gehen. Als ich sah wie er sich rechts den Hang hochkämpfte und regelrecht kletterte, wählte ich den linken Weg. Anfangs von einem Felsen und Stein zum nächsten, aber immer öfters unter Einsatz der Hände und die Wanderstöcke störten leicht.

Auf halber Höhe schaute ich nach rechts und konnte plötzlich das Bachbett, das den Weg bildete, erkennen. Mist. Ich dagegen befand mich auf einem Schafpfad. Für runter und auf der anderen Seite hoch, war es aber zu spät. Ich hoffte jetzt nur noch, das kein Stein wegrutschte, kein Felsen abbrach und ich nicht in ein Loch trat. Irgendwie schaffte ich es dann doch den Steilhang hoch und traf wieder auf den eigentlich Pfad. Da waren die restlichen Höhenmeter nur noch ein Kinderspiel.

Vom Sattel aus sind es gut 1km zum Gipfel des nördlichen Munros und 2km zum südlichen. Ich wählte den längeren Weg, zum Beinn Dorain. So konnte ich später immer noch entscheiden, ob ich den Beinn Doraith zeitlich und körperlich schaffe.

Der weitere Aufstieg, nur etwas mehr als 300Höhenmeter, begann über einen riesigen, glatten leicht schrägen Felsen und setzte sich über kleinere dieser Art fort. Die, welche vom Gipfel zurückgekehrten, meinten das wäre das härteste Stück Richtung Gipfel, danach würde es flacher werden. Wurde es auch. Erstmal. In einem Bogen und nicht direkt zum Gipfel ging es vorbei an einem kleinen Teich nur leicht hügelan. Bis man den nächsten Hang erreichte. Da waren die flachen Felsen mit den Stufen ein Witz dagegen, hier hiess es wieder ein trockenes Bachbett hoch inklusive dem ganzen Geröll.

Kein Wunder wieso was von einer Stunde Weg bis zum Gipfel gesagt wurde, für weniger als eine Meile Weg. Kurz vor dem Ende der Steigung kam der nächste Rückkehrer an und erklärte mir, das es etwas weiter oben eine Gabelung gibt. Beide Wege führen zum Gipfel, ein Weg rechts lang und dann hoch, der andere im Bogen links. Soweit wie ich es verstanden habe. Das ein paar wichtige Informationen fehlten, stellte ich erst viel später fest, nämlich als ich an der Gipfelmarkierung stand.

So ging ich gradeaus weiter, was den rechten Weg entsprach und der Hauptweg zu sein schien. Dieser nahm bald nur noch den Platz eines Schafpfades ein, was er letztendlich auch war. Dunst hin oder her, die Aussicht war toll. Nur durfte ich bald nicht mehr nach unten schauen. Es ging dort sehr steil und sehr tief bergab, während ich den Pfad entlangbalanciert. Anfangs ohne Steigung hiess es bald über Steine und kleine Felsen zu klettern und sogar Haken zu schlagen. Wo blieb eigentlich die kleine Gruppe, die ich vom letzten Anstieg aus am Teich sehen konnte? So schnell war ich doch garnicht als das ich sie abgehängt haben konnte.

Das Rästel löste sich als ich quasi zu einem Drittel knapp unterhalb des Gipfel, diesen umrundet hatte und das kleine Plateau erreichte. Da sassen sie auf dem Cairn (Gipfelmarkierung) und hielten ein Picknick ab. Ich fass es nicht. Vom Gipfelcairn ging ein gut ausgetretener, mehrspuriger Pfad zum nächsten Cairn und man konnte die Kante des letzten Anstieges erkennen. Der Weg den ich gewählt hatte war gut doppelt so lang, vom Schwierigkeitsgrad mal ganz zu schweigen.

Ich war aber nicht die Einzige, die diese Entscheidung getroffen hatte. Kurz nach mir traf Fiona ein. Sie hatte sich auch von dem graden Beginn des Weges täuschen lassen. Bis zurück zur Bahnstation blieben wir dann zusammen. Den Weg aussenrum um den Gipfel nannte sie "interessant". Aufgrund der besseren Aussicht trifft es das durchaus. Aber der einfache Weg war mir dann doch lieber.

Zurück am Bealach wurde nochmal eine Rast gemacht. Wir hatten gut 45min für den eher kurzen Weg gebraucht. Der Abstieg auf dem Geröll kostet ordentlich Zeit. Es war nach 17Uhr und somit eindeutig zu spät auch noch den zweiten Munro in Angriff zu nehmen. Der Steilhang vor uns war schon genug Herausforderung, auch wenn ich diesmal den richtigen Pfad folgte, musste man immer noch genug aufpassen und genau schauen wohin man überhaupt treten konnte.

Von unten schaut der Hang garnicht schlimm aus, zumindest solang man keine Bezugsgrösse hat. Als dann aber weitere Wanderer auszumachen war, sah das schon ganz anders aus. Noch lagen 1,5km vor uns und knapp 500 Höhenmeter. Die Zeit verging beim Laufen und Quasseln wie im Fluge, auch wenn das Ziel anfangs sich eher zu entfernen schien statt näher zu kommen.

An der Bahnstation trennten sich unsere Wege. Fiona hatte ihr Auto gleich dort geparkt, ich musste noch runter zum Hotel. Da ich wusste, das erst zur B&B duschen und dann auf zum Essen für mich nicht in Frage kam. Legte ich nur den Rucksack ins Auto und ging in der Hotelbar was essen. Während der Wartezeit begannen sich die Fusssohlen zu melden, die nicht mehr in Wanderstiefeln und Socken eingesperrt waren, sondern in Sandalen steckten. Nach dem Essen aufstehen war auch eine sehr unrunde Angelegenheit. Die Reihenfolge Essen, zur B&B fahren, Duschen war schon richtig. Die Treppen hoch zum Zimmer waren schon fast zuviel.

Obwohl nur 12km lang, hat die Wanderung knapp 9 Stunden gebraucht, inklusive der z.T. ausgedehnten Pausen. Das Wetter war heute ideal. Lange Zeit schien die Sonne bevor es etwas zuzog. Es blieb aber die ganze Zeit trocken und hatte auch die letzten Tage nicht geregnet. Bei Regen dürften beide Munros nur unter schwierigsten Bedingungen machbar sein sowie zur Schneeschmelze.

Morgen muss ich wirklich mal leichte Wege finden. Längeres Cruisen mit dem Auto ist auch nicht grad das Wahre, weil der linke Knöchel in Ruhestellung schmerzt. Laufen geht seltsamerweise ohne Probleme solang es nicht am Hang ist.