Day 19: Train Spotting

Ein kurzer Tag, erst etwas verpennt, weil das Handy im Auto lag und ich kurz vorm geplanten Aufstehen doch nochmal weggenickt bin und dann brauchte ich noch ein ausgedehntes (Nach)Mittagsschläfchen.

 

Als ich verspätet zum Frühstück erschien waren alle anderen schon weg. Das Klappen der Autotüren hatte mich aus dem verlängerten Schlaf hochgeschreckt. John, der immer das umfangreiche Frühstück zubereitete, erklärte das alle anderen Gäste nur wegen Train Spotting hier seien. Heute hält ein bekannter Zug mit Dampflok in Crianlarich. So gegen 9.30Uhr kommt er an und fährt dann weiter nach Fort William.

Genug Zeit für mich das Frühstück zu essen und dann trotzdem noch in aller Seelenruhe bis nach Tyndrum zu fahren und da eine Stelle zu suchen wo ich den Zug auf freier Strecke beobachten kann. Für andere Aktivitäten war ich einfach zu müde. Die Zugstrecke kreuzt in Tyndrum den West Highland Way da sollte sich ein schöner Aussichtspunkt finden lassen.

Auf den kurzen Stück des WHW das ich entlang lief begegnete ich einem Paar was grade picknickte an einer eher unüblichen Stelle. Train Spotter. Sie hatten sogar den genauen Zeitplan und konnten mir einiges zu dem Zug erzählen. Immerhin war noch eine gute Dreiviertelstunde Zeit bis der Zug in Crianlarich weiterfuhr. Dort hat dann ein Lokwechsel stattgefunden. Der Zug (genannt der West Highlander) fährt nach Fort William, bekommt dort wieder eine andere Lok, dann weiter nach Mallaig, dreht da heute noch und fährt zurück nach Fort William. Morgen wieder nach Crianlarich, wo wieder ein Lokwechsel stattfindet, dann geht es nach Oban. In Crianlarich ist nämlich eine Weiche, die die Strecke ypsilonförmig teilt. Und Tyndrum hat dann schon zwei Bahnhöfe. Der obere für die Linie nach Fort William (-> Mallaig) und den unteren für die Richtung nach Oban. Wer in die Gegenrichtung nach Glasgow will, sollte also den Fahrplan gut kennen, sonst wartet man am falschen Bahnhof.

In Crianlarich werden die normalen Züge wohl immer zusammengekoppelt, wenn sie aus Oban und Fort William kommen und dann weiter Richtung Glasgow fahren, in der Gegenrichtung getrennt.

Bis zur Bahntrasse waren es von unserem Standort aus, mehrere 100m Luftlinie. Näher gingen wir aber nicht, sondern postierten uns auf dem neuen Friedhof von Tyndrum. Eingeweiht im Frühjahr 2005 und wohl der einsamste Friedhof der Welt im Moment. Nur ein Grab existiert da seit 2006.

Kurz nach halb 11 konnten wir erst den 2-Wagen-Zug nach Oban im Tal erkennen und wenig später gab es die ersten Testfotos als der 4-Wagen-Zug nach Fort William auf der Strecke langfuhr, die wenig später auch der Dampfzug fahren sollte. Man konnte ihn von der Kuppe hinter dem Bahnhof bis zum Talausgang verfolgen. Nur ab und zu gestört durch Bäume. Man hatte aber Zeit für jede Menge Fotos.

Schliesslich hörten wir den Zug und sahen auch den Rauch. Der Zug kam mit einem Pfeifen in Tyndrum an und schien auch erstmal zu halten. Denn die Rauchwolke verschwand und es wurde still. Nach einigen Minuten konnten wir den Rauch allerdings riechen, dabei war der Bahnhof gut einen Kilometer, wenn nicht mehr, entfernt.

Schliesslich wurde schwarzer Rauch gesichtet, man hörte ein Pfeifen und wie der Zug anfing zu arbeiten. Er kam. Erst wurde die Rauchwolke zu einer immer grösseren Dampfwolke und dann erschien auch die Lok auf der Kuppe und schnaufte in eher gemässigten Tempo an uns vorbei. Die Fotoapparate klickten und zwei Videokameras verfolgten ihren Weg. Wobei ich beides gleichzeitig tat. In der rechten Hand die Olympus und in der linken Hand die Sony, deren Aufnahme ich aber nicht im Auge behalten konnte, weil ich ja durch den Sucher der Olympus schaute.

Es war nichtmal Mittag, also was jetzt? Bisserl Autofahren und Cachen gehen. 11Meilen östlich von Tyndrum bin ich gekommen und machte einen Spaziergang auf einen gut ausgebauten Radfernwanderweg, dieser folgte einer alten Militärstrasse, die z.T. durch Felsen gehauen war. Die nahe A85 hörte man zwar, es ist Samstag und massig Verkehr, aber man sah sie nur selten durch die Bäume hindurch. Erst am Kypher Pass schaute man wieder auf die Strasse hinab. Der Kypher Pass ist ein Viadukt, den ich von der Strasse aus für eine Bahnlinie gehalten habe. Auf den 2km bis dahin hab ich mir schon überlegt ob ich zurück beim Auto Richtung B&B fahre und ins Bett falle oder weiter an der Cacherrunde festhalte. Auf dem Rückweg war die Entscheidung klar zu Gunsten des Bettes gefallen. Ich war müde und konnte mich zudem nicht entscheiden ob mir warm oder kalt ist. Bevor in den letzten Urlaubstagen noch ne Erkältung im Anmarsch ist, gönn ich mir dann lieber die Ruhe. Und hoffe das es hilft und ich morgen wacher bin. Eine lange Wandertour hoch zu Munros habe ich eigentlich noch vor. Wobei morgen ist Bettenwechsel angesagt, also wenn dann übermorgen.