Day 13 - Sonn(en)tag auf den Outers (12. Juni)

Am Sonntag kommt das öffentliche Leben auf den Äusseren Hebriden weitgehenst zum Erliegen. Fast alles an Läden, Restaurants und Co. hat geschlossen. Auch die Verkehrsmittel fahren wenn überhaupt nur eingeschränkt. Das gilt auch für die Fähren. Ich war für die Mittagsfähre von Berneray (North Uist) nach Leverburgh (Harris) gebucht. Auf den Weg in den Norden von North Uist wurde nochmal bei einem tollen Strand Halt gemacht, wieder bei Ebbe. Es dauerte ein Weilchen bis ich feststellte das ich auf dem anderen Seite der Bucht war, wo ich gestern cachen war und durchs Wasser gewatet bin. Ich konnte das Feld gegenüber erkennen und den Trig Point. Während ich den Sonnenschein genoss und zur Kamera griff, sie schussbereit machen wollte, in dem ich den Objektdeckel abnehme, stellte ich fest, das dieser nicht da war wo er sein sollte. So ein Mist aber auch. Da ich wusste wo ich die letzten Fotos gemacht habe, bin ich also den Strand entlanggelaufen auf der Suche nach dem Deckel. Er war zum Glück nicht vom kleinen Bach mit Sand überspült wurden, in dessen Delta ich gestanden hatte um die Muster im Sand zu fotografieren.

An der Fähre, die am Anleger Pause machte, fuhr ich erstmal vorbei über einen Causeway und passierte das Schild "Failte, Calmac Ferries". Äh, moment mal. Die Fähre lag doch am anderen Ende vom Causeway. Aber die Schlange war hier und ich reihte mich schonmal ein.

Es war zwar noch über eine Stunde hin, aber nur im Auto hatte man genug Schutz vor dem frischen Wind und konnte die Sonne geniessen. Als ich die Wartezeit erstmal nutze um im Auto zu räumen, fragte mich die Fahrerin vom Auto hinter mir, ob ich wüsste wann die Fähre denn fährt und was es kostet. Sie wollte für einen Nachmittag nach Harris rüber. Fahrplan und Preise hatte ich ausgedruckt und konnte es zeigen. Für etwas über 2Stunden nach Harris rüber wäre über 70Pfund gekommen, das war der Dame verständlicherweise zu teuer. Wobei ich mich frage, wie man auf die Idee des spontanen Inselkurzbesuches kommt um die Mittagszeit an einem Sonntag? Die Überfahrt dauert eine Stunde.

Es hätte noch ein weiteres Problem geben können, wie sich zeigte als die Dame schon längst wieder weggefahren war. Als die Fähre rüberkam und das Personal mit dem Einchecken begann, wurde nämlich sortiert. Der "Ticket-Controller" sammelte die Tickets ein und strich eine Liste ab, wer drauf stand, durfte auf die Fähre. Wer keine Buchung hatte, musste sich erstmal in eine andere Reihe stellen und warten. Das betraf aktuell genau ein Fahrzeug. Erst zum Check-In Ende, 10min vor Abfahrt, durfte das Auto rauf, weil noch Platz auf der Fähre war. Wer zum Check-In Ende nicht am Anleger ist, verliert auch bei Buchung das Anrecht auf die Fähre und muss auf den nächsten freien Platz warten.

Die Fähre hatte einen grösseren Passagierraum als die Fähre zwischen Barra und South Uist. Dieser war über den Autodeck. Das Aussendeck war zweigeteilt, eines zeigte zum Bug, das andere zum Heck. Schonvor dem Ablegen wurde mir trotz Jacke kalt und so bin ich nochmal schnell zum Auto runter und hab mir noch einen Pullover geholt. Dann ging es auch schon los.

Schnell zeigte sich, wieso die Fahrt eine Stunde dauert, obwohl die eigentliche Distanz garnicht so weit ist. Der Sound of Harris ist gespickt mit Inseln und Flachstellen, eine Vielzahl von Bojen weisen den Weg. Das Schiff fuhr regelrechten Slalom. Der Wind wurde immer kälter und stärker. Aber die Sonne schien. Auf einer Felseninsel sahen wir Grey Seals und ich sah Puffins fliegen. Das Wasser war total klar und zwischenzeitlich konnte man den weissen Sand am Grund erkennen. Die Zeit verging dann doch recht schnell bis man sich Leverburgh annäherte. Nach einer zwischenzeitlichen Fastgradeausfahrt wurde wieder zum Slalom angesetzt. Denn die Jetty liegt gut geschütz in einer kleinen Bucht. Die Route erklärt auch wieso im Winter die Verbindung so oft unterbrochen war. Bei dem starken Wind hat der Kapitän einfach keine Chance in der Fahrrinne zu bleiben und den Hafen sicher anzusteuern. In Leverburgh warteten schon diverse Wohnwagen und kleine LKWs auf die Überfahrt nach North Uist. Am Sonntag gibts weniger Überfahrten als an den anderen Wochentagen.

Bevor es Richtung Lewis geht, erstmal einen Abstecher in die südwestliche Ecke, da ist noch ein Cache, um den sich jeder Geocacher kümmern soll, der hinkommt. So hatte ich einen neuen Behälter dabei. Auf dem Weg dahin bin ich an drei kleinen, aber sehr feinen Stränden vorbeigekommen. Weisser Sand, kristallklares blaues Wasser. Herrlich. Bei dem Sonnenschein und weil Sonntag war, war selbst in dieser abgelegenen Ecke gut was los. Wobei sich nur gesonnt wurde, für ins Wasser ist das Wasser einfach zu kalt.

Auf der Fahrt in den Norden wurde nochmal an einem Strand Halt gemacht. Der war aber hinterlistig, der Strand. Ich wollte schön durch den Sand und ab und zu die Füsse von den auslaufenden Wellen überspülen lassen. Nur der Strand war eher aus Treibsand geschaffen. Ich sank mit fast jedem Schritt bis zum Knöcheln in den feuchten Sand und einmal auch die bis zur Hälfte der Wade. Also weg vom Wasser und durch den sehr tiefen und trockenen Sand laufen. Selbst die Abdrücke der Vogelzehen waren tiefer als bei anderen Stränden.

Ich hatte ordentlich gebummelt, dabei hatte ich mich für 18Uhr bei der B&B angemeldet. Also ab zur B&B. Da begannen die Irrungen und Wirrungen. Von GoogleMaps hatte ich noch eine Karte im Kopf und bog an einer Strasse ab, die in der Form meiner Erinnerung entsprach. Aber ich fand die B&B nicht. Also halten, Notebook anschmeissen, Adresse raussuchen. Telefon brachte nichts, weil ich in einem Funkloch war. Adresse ins Navi eingegeben und es wollte immer zu einer Grundschule und das sehr weit im Norden. Das kann doch nicht sein. Also nach Tarbert rein und versucht am Sonntag jemanden zu finden der mir helfen kann.

Vor dem Hostel fanden sich zwei ältere Männer und wir begannen mit Kartenstudium und Diskussionen wo ich denn hinwollte. Denn die Karten hatten gälische Ortsnamen, ich aber eine englische Adresse. Schnell stellte sich heraus, das ich auf der falschen Insel war. Denn Tarbert war noch Harris, die Adresse lautete auf Lewis. Ich hatte mich auf den falschen Fährhafen versteift, dabei war mir im Nachhinein klar, das ich südlich von Stornoway hätte suchen müssen. Navi war allerdings auch etwas falsch, weil die angezeigte Schule noch ein paar Meilen vom gesuchten Ort entfernt war.

Also nach Lewis fahren und da dann den Schilder nach Ranais folgen, englisch Ranish. Der Ort war grösser als erwartet. Ein Haufendorf auf mehrere Hügel verteilt und mit ziemlich vielen Strassen, aber nirgends ein Strassenschild, keine Hausnummern und kein B&B. Nächster Telefonversuch und diesmal hatte ich Erfolg. Wie erklärt man am Telefon jemanden wo man in einem unbekannten Ort ist? Ich wurde gefragt ob ich an einem Schild mal rechts abgebogen bin. An einem? Ich kam an diversen Schildern vorbei und die zeigten mal nach rechts und mal nach links. Denen bin ich hinterher. Ich stand an einer Bushaltestelle und Telefonzelle. Es wurde sich darauf geeinigt, das ich da bleibe und die Host im Ort rumfährt und mich sucht. Ich wurde nach ein paar Minuten gefunden und dann fuhren wir in Minikolonne zur B&B.

Für heute genug rumgekurvt. Nach einer Woche endlich wieder Internet, das erstmal zum Mail checken nutzen und sich beim Geocachen auf den aktuellen Stand bringen.

Sonnenbilder von den Outers