Day 23 - Noch einmal Loch Coruisk (22. Juni)

3 Tage hintereinander Porridge zum Frühstück und ich habe noch nicht genug davon. Auch wenn James nicht darüber begeistert ist, das ich die süsse Variante vorziehe. Aber ich konnte auch zwei weitere (deutsche) Gäste davon überzeugen. War nen langer Abend gestern und nicht nur weil es die kürzeste Nacht war. Obwohl, genau deswegen wurde der Abend lang, es wurde nämlich fröhlich bei Whisky und Crisp zusammengesessen, alle 5 Gäste plus die beiden Gastgeber.

Nach dem Frühstück ging es in aller Ruhe mit dem Auto zur Jetty nach Elgol. Beide RIBs waren am Ankerplatz geparkt als ich gegen 10Uhr ankam. Bedeutete also keine Vormittagstour. Die Bella Jane lag auch noch am Ankerplatz, die Misty Isle war, nach Nachfrage, schon rüber zum Loch Coruisk.

Ich hatte noch einiges an Zeit um mich mit Leslie zu unterhalten, wenn sie nicht grade die wenige Kundschaft bediente. Unter anderem wurde geklärt wieso Gavin vor zwei Tagen auf nette Manöver mit der "Patricia Anne" verzichtet hatte. Die neuen Motoren waren ihm nicht ganz geheuer, die hatten mehr Schmackes als erwartet. Der Zirkel vor der Pier in Rum war ne Probe und das war ihm schon zuviel. Also wurde von den üblichen Spässen abgesehen. (ja, Alex ist dann doch der alleine Mad Dog).

Die Bella Jane wurde schon am Pier festgemacht als mir Leslie das Telefon reichte in dem sie grade eine Nummer eingetippt hatte. Am anderen Ende war Mrs. MacIntosh. Meine Host vom letzten Jahr in Elgol, deren letzter Gast ich war. So eine Überraschung aber auch. Ich bin mit meinem Englisch mittlerweile so gut, das ich mich doch tatsächlich mit einer alten Dame am Telefon unterhalten kann. Zumindest war Leslie der Meinung.

Die Abfahrtzeit für den Maxi-Return-Trip rückte näher, Telefongespräch musste beendet werden (so ein Pech aber auch). Alex war heute auf der Bella Jane. Anweisung vom Chef, Alternative wäre Büro gewesen, das wollte er dann aber doch nicht.
Was ich anfangs allerdings nicht für vollgenommen habe, war die zweite Gestalt, die auf dem Boot rumturnte und mit Seifenbesen hantierte. Robbie, der Skipper, ist numal etwas kleiner und etwas kräftiger. Deswegen war ich etwas verdattert als sich der Putzteufel als Gavin herausstellte. Robbie und Gavin haben die gleiche Figur und weil Gavin keine Schwimmweste trug, hab ich beide auf die Entfernung hin verwechselt.Gavin und Alex, die normalerweise die RIBs steuern, waren heute die Crew der Bella Jane.

Das das lustig wird, war bei der Sicherheitseinweisung von Alex klar. Sehr vertrauenswürdig wenn dabei die Pfeife der Schwimmweste plötzlich nicht mehr an ihrem Faden hängt. Wie soll man da nach Helicoptern und Haien pfeiffen?

Kaum vom Anleger los, roch es plötzlich nach Essen. Erst wurde unter den Passagieren gemutmasst, das der Geruch von der Schulküche kommt, die zu dem Zeitpunkt nicht weit weg war. Allerdings war Gavin in der Minibordküche am Rühren und jetzt fiel mir auch wieder ein, was Leslie von Tomaten und dem Co-op in Broadford erzählt hatte. Die Jungs und vorallem Alex kennen nur zwei Themen, Boote und Essen. So kaute Alex also auf einem Sandwich mit warmer Füllung rum, steuerte die Bella Jane und kämpfte mit dem Funkgerät, was nicht so recht funken wollte. Da wir eh nur 8 Passagiere waren, stand das Wheelhouse jeden zur freien Benutzung offen, wenn man genug vom frischen Wind um die Nase hatte. Frischen Wind gab es reichlich und ein wenig schaukelte das Boot schon während es so vor sich hin nach Loch Coruisk tuckerte.

Aber erstmal nah an die Bad Steps ran. Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher, ob ich wirklich da lang will. Zumal Gavin nur die Erklärung für den Weg von Camasunary gab und die begann schon mit: man springt in die Höhle unter dem Überhang und klettert dann aussen immer den Grat lang. Welcher Grat? Man sieht doch nur glatten Fels und nirgends Vorsprünge oder Kanten, nur eine Art Riss kann man bei genauerem Studium ausmachen.

Da war das Seehundguggen doch schon viel erbaulicher, vorallem weil wir eine frischgeborene Robbe sahen. Die war so frisch, das die Nachgeburt bei Mama Common Seal noch nicht abgegangen war. Man konnte die Nabelschnur noch sehen. Und eine Möwe wartete auch schon auf die Extraportion Protein.

Um den letzten Felsen rum und an den beiden Segelbooten vorbei, das Transferschlauchboot von einem der Segelboote etwas näher an die Felsen bei der Leiter gedrückt und alle Passagiere verliessen das Boot.

Ich vorweg und beim Aufsetzen des Rucksacks sah ich noch, das die anderen noch nicht hinterher wollten, war wohl nicht ganz geheuer das ganze. Immerhin hiess es erst auf einen Kunststofftritt, dann auf die breite Reling neben dem Wheelhouse langlaufen und erst dann ging es auf die Gitter der Treppe des Anlegers. Nichts von wegen Steg oder so.

Den Fluss gefolgt, zum Loch hin abbiegen und um den Modder aus dem Weg zu gehen möglichst weit oben den Felsen entlang des Ufers folgen.
Heute war der Cuillin Ridge wolkenfrei, somit war es etwas trockener, weil der ständige Wassernachschub fehlte und der Regen anscheinend gestern nicht bis zu den Cuillins kam. Zügig ging es voran bis ich die "Grasbucht" erreichte. Ein grosses Stück grasbewachsenes Etwas, was sehr sumpfig ist. Ich wollte nicht aussen lang am Fusse der Berge, mittendurch hatte ich am Sonntag und dabei ordentlich nasse Füsse bekommen und bedauert keine Gamaschen zu haben, also entschied ich mich für die Seeseite, wo das Gras kürzer war.
Weniger matschig war es schon, dafür viel mehr kleine wasserführende Gräben über die man irgendwie rüber musste und grosse Pfützen mit roten Untergrund. Eine davon hatte einen Wasserstand von ca. 1,5cm, die Schicht unter dem Wasser sah aus wie roter Sand und stabil. Um zu testen wie matschig es ist, bin ich erstmal nur mit einem Fuss hin und der war schneller als ich reagieren konntel bis über das Knie im "Sand" versunken. Zum Glück wurde ich dadurch gebremst, das der zweite Fuss auf festem Untergrund stand. Es war trotzdem nicht einfach das Bein aus der Pampe zu bekommen. Es war richtig dreckig und roch auch etwas merkwürdig. Gamaschen helfen in solchen Fällen auch nicht viel. Mit einer schlammverschmierten, ziemlich feuchten Hose zu laufen ist nicht grade angenehm. Umdrehen und den Ausflug beenden ging aber nicht, weil ich musste ja meine Dose noch wiederfinden und woanders platzieren. Also weiter durch den Sumpf und versuchen ohne weitere Bogholtiefenmessungen durchzukommen. Ich war ohne meine Wanderstöcke unterwegs, die sind auf der Runde meist hinderlich. Nur hier hätte ich sie dann doch mal gebraucht.

Die grobe Gegend meines Versteckes fand ich schnell, kurz die Felsenformationen mit der Erinnerung abgeglichen, den Hang etwas weiter hoch und ein paar Meter zurück und ich hatte meine Dose. Da ich keine Lust hatte, nochmal über die Sumpfwiese zu laufen, blieb mir nichts anderes übrig als den Loch ein zweites Mal zu umrunden.

Diesmal steuerte ich den Furt von Coruisk River direkt an und folgte nicht dem Uferpfad. Der Wasserzulauf war geringer und ich ging auch ein paar Meter weiter oberhalb über den Fluss. Sehr schöne Stepping Stones waren jetzt da. Wobei die Stelle von Sonntag auch nicht so schlecht war. Vor drei Tagen wäre die heutige Furt auch tiefer gewesen und nicht so leicht zu passieren.

Auf der Nordseite blieb ich jetzt in unmittelbarer Ufernähe und kletterte öfters über Felsen. Lieber kraxeln als die matschigen Pfade langzurutschen. Auf halbe Seehöhe war dann Lunchtime auf einen grossen, flachen Felsen. Kleine Wellen schlugen sacht ans Ufer, ein paar Vögel zwitscherten, der Wind rauschte. Sonst war Ruhe. Keine Möwen und nur ganz selten der Kuckuck. Ich hatte zwar Hunger, aber irgendwie blieb mir der Müsliriegel schon beim ersten Bissen im Hals hängen. Dann doch lieber nur die Wasserflasche leeren.

Pause beenden und weiter Richtung Wasserfälle um ein nettes Plätzchen für die Dose zu finden. Das fand sich dann auch recht flott, noch tarnen, Koordinaten einmessen und überlegen was man die restlichen gut 1,5Stunden macht. Für Sgurr na Stri war mir das zu sportlich, aber Alex hatte mir auf der Karte den besten Weg von Loch Coruisk aus gezeigt. Dazu muss man die Fälle hoch bis zu einem weiteren Loch und dann hanghoch einem Schafspfad folgen. Wenigstens zum oberen Loch wollte ich noch.

Da es nicht regnete und auch relativ wenig Wasser den Berg runterfloss, konnte ich schön über die Felsen klettern. Teilweise über 45% Steigung, aber das Gestein ist sehr griffig und man findet mit den Schuhen gut Halt. Erst kurz vor Erreichen der kleinen Hochebene musste ich wieder auf sumpfige und moddrige Pfade ausweichen.

Die Aussicht auf den Cuillin Ridge war toll. Im diffusen Licht glänzte das Gestein, man sah das Nordostende vom Loch Coruisk, sah den Loch Scavaigh, man sah einen Teil von Rum und Vögel zwitscherten. Das macht Lust auf mehr und so war der Plan gefestigt in den nächsten Tagen nochmal herzukommen und vor dem Aufbruch nach Elgol via Bad Steps und Camasunary auf den Sgurr na Stri zu steigen. Die Fälle hoch ist garnicht so schlimm und die Steigung vom oberen Loch hoch zum Gipfel schaut auch nicht so steil aus. Von dieser Seite ist der Berg eh harmloser als von Camasunary.

Genug geträumt. Bis das Boot kommt hab ich noch gut 45min, aber ich muss den Hügel runter, nochmal Koordinaten vom Cache nehmen, dann das Ostufer lang und über die Stepping Stones. Das Stück Ufer zog sich dann doch ganz schön, zumal es matschiger war als drei Tage zuvor, es waren einfach mehr Leute lang und der Weg deswegen zertreten. Es hilft allerdings möglichst nah am Wasser zu bleiben, weil man zweimal über einen kleinen felsigen Strand kann.
Die Stepping Stones waren garnicht mehr so schlimm. Auch nicht der erste Teil, es bestand keinerlei Gefahr ins Wasser zu treten. Was ein paar Stunden ohne Regen und vorallem ohne Wolken im Cuillin Ridge so ausrichten ist schon interessant. Angekommen am Anleger waren da schon zwei Boote. Die Misty Isle, über 20min zu früh und erstaunlicher Weise war auch die Seaeagle an deren Steuerbordseite festgemacht. Die Bella Jane bog grade um die Ecke. Die Seaeagle machte los Richtung Elgol, die Misty Isle parkte kurz mal aus um der Bella Jane Platz zu machen.

In der Zwischenzeit zog ich jedoch Schuhe und Gamaschen aus und verstaute sie in der IKEA-Tüte, die ich eigentlich als Raincover für den Rucksack genutzt hatte. Mit den Drecksbotten nach der Schlammschlacht wollte ich nicht an Bord. Ich balancierte stattdessen in Doppelstrumpf über das Gitter und die Treppe runter. Regenhose aus dem Rucksack und erstmal ins Wheelhouse: dreckige Wanderhose ausziehen und Regenhose an. Gavin und Alex ignorierten dankenswerter Weise die Aktion, während ein Päarchen im Sichtbereich dann doch grinste. Die Hose sah aber auch aus wie Sau und war bis zu den Knien nass, weil die Gamaschen auch von innen wasserfest sind. Dann noch die nassen Socken aus und barfuss laufen. Wenn man sich auf die Metallplatte über den Motorraum stellt, dann ist das auch garnicht kalt.

Auf der Rückfahrt gabs ordentlich Rückenwind, aber auch ohne diesen hätten wir die Seaeagle locker eingeholt. Mit dem Böotchen möcht ich nicht gern fahren, nicht bei dieser Witterung. Grade mal 8 Passagiere haben Platz in dem kleinen Boot.

In Elgol noch schnell Ticket für den Early Bird gesichert, um Freitag genügend Zeit für Sgurr na Stri und Rückwanderung zu haben und nur noch die Postkarten einschmeissen, sobald ich die Briefmarken gefunden habe. Der Briefkasten an der Jetty steht in einer Ecke, da musste ich doch glatt Leslie, die grad in der Tür vom Bürocontainer stand, fragen ob der wirklich in Nutzung ist. Was dazu führte, das wir erst noch ne Runde quatschten. "Ihre" Jungs reden ja sonst immer nur von den Booten. Wo waren "ihre" Jungs eigentlich? Sie wollte Feierabend machen, sie war schon seit fühmorgens im Büro. Die beiden Jungs waren mit dem Dingi von der Bella Jane bis zur Patricia Anne gekommen und hantierten da nun rum und meldeten sich partout nicht über Funk. Gut kann man noch länger quatschen. Jetzt weiss ich wann die Boote in Elgol festgemacht werden und wann im Loch Slapin, sowie wieviel ganzjährige Bewohner Elgol hat. 74 Leute wohnen auch im Winter in Elgol.

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