Day 05 / 06: Weihnachten

Julia hatte bei ihrem Ausflug zum Shop von den älteren Damen gesagt bekommen, das es am Weihnachtstag "Carol Singers" im Gemeindehaus geben würde.

Nach dem Frühstück marschierten wir beide also los Richtung Gemeindehaus. Es regnete ausgiebig und trotz des kurzen Weges kamen wir mit tropfnassen Jacken an. Im Vorraum hörten wir schon Gesang. Aber es war nicht das was ich erwartet hätte. Das Lied kam mir jedoch bekannt vor. Als wir um die Ecke gingen und den Pfarrer sahen, war klar das wir im Weihnachtsgottesdienst gelandet waren.

Da wir wenige Minuten zu spät waren und die Kirchengemeinde sehr klein, konnten wir uns schlecht wieder rausschleichen. Wir griffen uns jeder ein Gesangsbuch und nahmen in der letzten der wenigen Reihen Platz.

Wenn man von einer Trauerfeier und einer Hochzeit absieht, war das mein erster Gottesdienst. Auch wenn ich nicht alles von der Predigt verstand, der Pfarrer war voll bei der Sache und es war alles andere als einlullend oder bekannte Litanei. Es wurde auch auf die aktuelle wirtschaftliche Situation eingegangen und den Arbeitssuchenden gedacht, sowie den Betroffenen der Winterstürme, den Seeleuten und Fischern.
Gesungen wurde auch. Den Text hatten wir in unseren Händen, welches Lied gab die Tafel vor, aber bei der Melodie mussten wir irgendwie der Gemeinde folgen. Nur nicht dem Sopran. Da kam keine von uns hin.

Nach dem Gottesdienst wurden wir noch zu Kaffee eingeladen, aber dem sagten wir ab. Stattdessen gingen wir raus in den Regen und folgten der Strasse weiter nach Torridon rein. Der Regen und Wind hatte zugenommen. Ich trug zwar eine Regenjacke, aber meine Hose war nicht wasserdicht. Bis zum Ortsausgang schafften wir es, dann liess ich umdrehen. Das Wasser war mittlerweile in meinen Socken angekommen. Bis zur Wende kam der Wind und damit der Regen von vorne und nur da waren meine Sachen nass. Auf dem Rückweg konnte jetzt auch die andere Seite durchweichen.

Auf halben Weg kam uns noch Mat entgegen, er war eingeladen. Gab uns aber Bescheid, das er abends wieder im Hostel ist. Klar, Bert musste sich für das gestrige Essen revanchieren.

Noch vor Erreichen des Hostels hab ich Julia gesagt was ich machen werde und setzte das dann auch in die Tat um. Bevor es aufs Zimmer ging, gleich in den Trockenraum abbiegen, Jacke aufhängen (Pullover und T-Shirt waren trocken), dann Schuhe aufstellen, Socken aufhängen und die Hose auch. Dann ging es barfuss, in Unterwäsche und Pullover weiter zum Zimmer. Ich konnte schlecht tropfend einmal durchs Hostel laufen und dann wieder mit tropfenden Sachen auf dem Arm wieder zurück.

Mit trockener Hose und kuschligen Socken zog ich dann wieder in die Panoramalounge, schnappte mir den Couchtisch mit dem angefangenen Puzzle und schob ihn zum Fenster. Und puzzelte weiter. Später am Nachmittag kamen Bert und Julia. Bert zeigte uns einige Fotos seiner Hillwalking-Touren. Wow, da waren richtig tolle Aufnahmen drunter und immer gutes Wetter.

Es wurde abend und damit Zeit fürs Weihnachtsessen. So gut die Küche im Hostel ausgestattet war, an der Mikrowelle war Geduld angesagt und anstellen.

Ich musste warten bis Philipp und Sarah ihr Dreigängemenü fast fertig hatten bis ich endlich mein leckeres Dosenfutter aufwärmen konnte. Bei den Beiden gabs Gemüsesuppe, dann Stew vom Beef in Rotebeetesosse, dazu Rotkraut und anderes Gemüse.

Es war so reichlich, das es für die zwei zuviel war und da ich neben ihnen sass und schon beim Kochen anmerkte, das das lecker riecht, bekam ich auch was ab. Als Restevernichter. Mampf, das roch nicht nur lecker, das war auch lecker. Auch wenn ich von meinem Essen schon gut voll war, irgendwie passte noch eine Kostprobe vom Stew und der Rest vom Rotkohl rein.

Danach ging es wieder zu Whisky, Cider, Gitarre und Gesang in die Lounge. Julia hatte noch zwei Landsleute zur Gesellschaft dabei und ein weiterer Hillwalker ergänzte die Whiskyauswahl. Ich war zwar auf guten Wege, aber bis sich die Runde morgens um 1Uhr auflöste hab ich das Puzzle nicht vollenden können.

Die Stunden, die ich über dem Puzzle gebeugt zubrachte, verschafften mir eine sehr schlechte Nacht. Die Muskeln im Brustkorb hatten sich verkrampft und verspannt, was mir erstmal nicht auffiel. Nur das ich nachts das Gefühl hatte mich jeden Moment übergeben zu müssen und dieses Gefühl abwechselte mit Angst grade einen Herzinfarkt zu haben.