Day 14 - Endlich Skye (03.01.2012)

Es stürmte ordentlich in der Nacht, aber nicht nur deswegen war die Nacht unruhig. Ich kämpf immer noch gegen und mit der Erkältung. Aber der Wecker klingelte unbarmherzig um kurz nach halb 8. Erst der von Will und kurze Zeit der meine auch zur Sicherheit. Da waren wir aber beide schon oben und machten und fertig.

Beim Packen scherzte ich noch mit Will über das Wetter und die Fährfahrt: "Don't pay the ferryman, Don't even fix the price ...." (Der Preis stand schon vorher fest 10Pfund)

Ich hatte zwar den Grossteil vom Gepäck schon im Dorf, aber von da bis zur Pier waren es noch ein paar Meter also brach ich im Dunkeln und bei Regen ein paar Minuten vor Will auf. Was hatte ich für ein Glück als ein Rover näher kam, neben mir hielt und mir einen Lift anbot. Rum ums Auto, die Tasche die ich trug reingestopft und ich hinterher. Eng war es im Auto, denn neben mir auf der Rückbank sass noch eine Mutter und ihr Kleinkind. Für Will wäre da kein Platz gewesen.

Ich konnte dem Fahrer gradeso noch zum Anhalten am Displayroom erinnern, als er schon fast vorbei war. Ich stieg aus, meine Sachen blieben im Auto, denn die anderen fuhren zum Pier weiter. Die abgestellten Sachen waren noch da und ich schaffte es auch sie so zu raffen, das ich sie auf einmal tragen konnte. Am Pier stürmte und pfiff es ordentlich und der wartende Rover mit dem ich gekommen war stand noch da. Mir wurde das Gepäck abgenommen, es landete erstmal hinten im Auto, ich kletterte wieder auf die Rückbank und da warteten wir erstmal.

Das Boot war schon da. Es war dasgleiche mit dem ich auch gekommen war. Irgendwann hiess es dann doch, aussteigen, Sachen nehmen und aufs Boot. Diesmal wurden die Sachen trocken verstaut in einer kleinem Kammer aussen an der Kabine. In der Kabine war es nichts mehr mit freier Sitzplatzwahl. Aber ich bekam wenigstens noch einen Sitzplatz. Ausser dem Skipper war auch der Owner der Chartertour da und hakte die Passagierliste ab. Auf der erhöhten Bank mit Sicht nach vorne sassen zwei Musiker vom gestrigen Abend, neben mir eine junge Frau aus dem Dorf, dann die kleine Familie wo ich mitgefahren bin. Und es kamen noch einige mehr. Will kam durchnässt fast als Letzter. Nachher waren es 13 Passagiere plus Skipper und John, der Owner. 6 oder 7 Leute durften stehen. Wieviel genau konnte man nicht sehen, denn noch war es dämmrig, wenn auch nicht mehr stockdunkel.

Die Fahrt war um einiges rauher als die Hinfahrt. Es schaukelte viel mehr. Die Wellen waren vielleicht nicht so hoch, aber kürzer. Trotzdem sammelte John das Geld ein. Ich konnte mir "Don't pay the ferryman" nicht verkneifen. Er grinste da nur. Es war aber auch wirklich ungemütlich und mir wurde flau. Einmal knallte das Boot so stark auf, das der Skipper fragte ob es Verletzte gab.

Mallaig wurde erreicht als es hell wurde. Einige liefen dann ganz schnell los, denn die Fähre nach Armadale lag fertig zum Auslaufen da. Der Rest bildete an den Inverie Steps eine Kette und reichte das Gepäck hoch.
Ich sortierte oben mein Gepäck zurecht und lief dann ohne dieses erstmal zum Auto, wo ich eine Frage schnell beantworten konnte. Es war unverschlossen. Die letzten 5 Nächte stand es quasi offen rum. Kann man jetzt auch nicht mehr ändern. Es sprang brav an und los zum Pier, Gepäck einladen. Das Boot machte sich grade auf den Rückweg und drängelte sich mit der Calmac-Fähre zusammen durch die Hafenausfahrt. Auf der Liste von John hatte ich noch andere Fahrten gesehen gehabt. Aber ob die stattfinden?

Es stürmte immer noch heftig, wie heftig es war, wurde mir erst klar als das Radio lief. Da kam eine Wetter- und Verkehrswarnung nach der nächsten. Es wurde von Autofahrten abgeraten, im Glasgow und Edinburgh waren alle grösseren Brücken wegen Sturm gesperrt. Ich wollte nach Fort William, dort danken und dann via Spean Bridge und A87 zur Skye Bridge.

Auf den Weg nach Fort William musste ich das Tempo rausnehmen, so stark pfiff der Wind über die Strasse und dazu noch der Regen. Ein paar umgefallene Bäume konnte ich auch entdecken und die noch stehenden wurden beim Vorbeifahren auch kritisch beäugt, nicht das die genau vor meinem Auto umkippen. Es war wirklich wenig los auf der Strasse. Und das wird nicht nur an der Saison liegen.

In Fort William bin ich zur günstigsten Tankstelle, die ich in den Highlands kenne und traf da den Deutschen wieder, der mir im Oban mit dem Ölnachfüllen geholfen hatte.

Beim Bezahlen rutschte mir kurz das Herz in die Hose. Der Tankwart hörte Radio wo grad wieder die Sturmwarnungen liefen. Und als ich fragte ob die Skye-Bridge geschlossen ist, meinte er "ja". Toll, wenn überhaupt, dann geht erst am Nachmittag die Fähre von Mallaig und ausserdem komm ich doch grad erst daher. Daraufhin meinte er, er schaut nochmal kurz. Verkehrsnachrichten auf dem Smartphone aufgerufen und die gute Nachricht: Skye-Bridge ist (wieder) offen. Na hoffentlich auch noch, wenn ich da bin.

Bis dahin waren es noch 2 Stunden Fahrt. Vorbei am Erdrutsch, den ich auf der Hinfahrt schon gesehen hatte, wo es aber noch einen weiteren gegeben haben muss. Weitere frisch geräumte Bäume und durch einige Bäche, die quer über die Strasse liefen.

Der Wind blies zwar immer noch als ich Kyle of Lochals erreichte, war aber nicht mehr mit dem Sturm in Mallaig zu vergleichen und das es auf der Skye Bridge selbst etwas böig ist, ist aufgrund der Höhe und Lage der Brücke normal. Bei der Umrundung von Loch Slapin lag dieser sogar ziemlich ruhig da, auch der Loch Scavaig machte keinen stürmischen Eindruck als ich vom oberen Parkplatz in Elgol zu meinen geliebten Cuillins schaute.

Nur noch die zwei Meilen nach Glasnakille, vorbei an Rowan Cottage und gleich im ersten Anlauf die korrekte Einfahrt zu meiner Unterkunft für die nächste Woche erwischen.

Ich hatte Audrey, die Besitzerin allerdings nicht erreicht. Ich wusste also nicht ob sie wusste, das ich einen Tag früher komme.
Sie wusste es. Sie machte mir die Tür auf und bat mich erstmal rein. Sie stellte mich ihren beiden Mädchen vor und auch ihrem Mann. Jetzt bekam ich zu den Personen, die ich im Sommer am Gala-Day gesehen hatte, Namen und Gesichter. Kenny, Audreys Mann, ist Fischer. Was mich dann doch ein wenig verwundert hat, da er körperlich behindert ist. Vermutlich wird er aber vorallem das Schiff steuern und nicht an den Netzen und Körben arbeiten. Wir kamen auch auf den Sturm der letzten Nacht zu sprechen und das jetzt Loch Slapin so ruhig da liegt. Kenny bedauerte auch, das er das Risiko am Morgen nicht eingegangen ist, weil es jetzt doch ein toller Tag zum Fischen geworden wäre.

Wie klein die Welt ist, stellte sich auch noch heraus. Judith, die mit auf der Fähre am Morgen war und gestern im Pub musiziert hatte war "kurz" vor mir auch in Glasnakille angekommen. Sie stammt von hier.

Audrey führte mich dann nach nebenan zum Anbau, der eine 3 Zimmer-Wohnung ist. Sie zeigte mir wie die Heizung funktionierte und das Fernsehen. Ich fragte sie nach WLAN, erwähnte allerdings auch mein mackiges Notebook. Sie kam dann mit niedergeschriebenen WLAN-Schlüssel wieder und einen PC-Monitor. Also Notebook doch rausgeholt, Monitor angeschlossen, um WLAN zu aktivieren und plötzlich funktionierte mein der Monitor meines Notebooks. Dann bleibt Audreys Monitor eben als Reserve bei mir, sie braucht ihn nicht, da sie nur noch mit Smartphone online geht.

Ich bin dann noch zum Nachbarn rüber, den ich im Sommer kennengelernt hatte und mit denen ich seitdem ab und an am chatten war, um mal pesönlich "Hallo" sagen und ein paar kleine Geschenke rüberbringen. Leider war die Besitzerin von Rowan Cottage nicht da und auch nicht ihre Hündin Sox. So bekam der Nachbarshund Chewy die mitgebrachten Leckerlis.

Leckerlis, dazu ein paar Streicheleinheiten und schon liebte mich der Hund. Als ich mich auf den Rückweg machte, kam er mit und so drehte ich eine längere Runde und ging sozusagen mit dem Hund Gassi. Einmal bis zum anderen Ende von Glasnakille und wieder zurück. Es war das erste Mal seit einer Woche, das man längere Zeit im Trockenen laufen konnte. Naja fast. Ein paar Schneeflocken fielen dann doch. Aber es pfiff kein Wind und ich konnte die Berge, die See, die Aussicht und die Atmosphäre so richtig geniessen.

Da ich trotz des trockenen Wetters etwas durchfroren war, wollte ich mir heissen Tee machen. Ich war allerdings von weissen Bröseln und Puder im Wasserkocher so irritiert das ich das Wasser im Topf kochte. Auch die Heizung hatte so ihre Tücken. Es gab einen Vorratsbehälter für heisses Wasser und Heizung. Wenn ich den Knopf der Steuerung in der Küche drückte, wurde für eine Stunde der Behälter richtig aufgeheizt. Es gab einen Knopf für die Dusche und einen für die Heizung. Die Heizung würde also immer nur eine Stunde heizen und dann in allen Zimmern. An den Heizkörpern in den Zimmern gab es selbst keine Thermostate. Unpraktisch, wenn ich nur eines der Schlafzimmer in Beschlag nehme. Weil auch die letzten Tage keiner in der Wohnung war, war es auch nicht so warm darin. Ich musste da also erstmal wieder Wärme reinbringen.

Im Schlafzimmer half aber alles nichts. Ich musste mir meine Kuscheldecke aus dem Auto holen. Der Deckenbezug war aus einem Stoff, der in warmen Nächten angenehm sein mag, aber im Winter will ich es warm!