Day 16: Camasunary (05.01.2012)

Der Wetterbericht war so gut wie schon seit Tagen nicht. Regenrisiko bei unter 20% und bei der Vorschau ging der Regen schön an Skye vorbei. Wind sollte bis zu heftigeren Böen gehen. Wichtig war mir das es keinen Regen geben sollte. Beim Aufstehen und Frühstück machen hab ich irgendwie gebummelt.

Es gab Porridge, der in der Mikrowelle aus Hafer und Milch entstand, nur das mir eine Portion viel zu viel war und bis ich dann alle meine Sachen zusammen hatte war es 9Uhr satt durch. Auf dem Weg zum Auto winkte mir noch Audrey und so nutzte ich die Gelegenheit mich abzumelden. Ich wollte zum Loch Coruisk, das hiess auf den Hin- und Rückweg durch einen Fluss (für rüber gibts keine Brücke) und dann noch die Bad Steps. Da ist es besser, das jemand weiss wo man hin will und wie die Zeitplanung ausschaut. Sollte ich also bis zum späten Abend nicht zurück sein, würde Audrey die Alarmglocken schlagen.

So weit, so gut. Die wenigen Meilen bis Kilmarie waren schnell geschafft. Wanderschuhe an, Gamaschen rüber, Karte umgehängt, Kamera am Rucksackgurt befestigen und durchs Gate. Nach ein paar Metern nochmal umkehren, Trekkingstöcke braucht es zum Geländetest und die lagen noch im Kofferraum.

Den Weg bis Camasunary bin ich vor 1,5Jahren schonmal gegangen. Ich weiss, das es nach Regen einiges an Bächen zu queren galt. Aber damals hatte es nur für wenige Stunden geregnet. Heute war der erste Tag ohne Regen seit .... Tagen. Die Bäche waren zu tief um die Möchtegerntrittsteine zu nutzen. Also möglichst grosse Bogen schlagen bis man eine Stelle fand wo man rüberhüpfen konnte ohne querfeldein ein Boghole zu erwischen.

Wenn ich mal nicht auf den Weg achtete konnte ich das Panorama geniessen. Ich war 10Uhr beim Auto los (einer Stunde später als tags zuvor angedacht), aber die Sonne hatte noch einen orangenen Schein und strahlte die Berge in warmen Farben an. Ähnliches hab ich sonst nur im sommerlichen Sonnenaufgang erlebt für ein paar Momente. Jetzt hielt dieses Licht fast stundenlang an.

Wie kann man in nichtmal 2 Jahren vergessen wie steil ein Weg ist und wie lang? Es kann doch nicht nur daran liegen, das ich bei fast jedem Bach einen ganz kleinen Umweg gehen musste, um trockene Schuhe zu behalten. Es zog und zog sich und ich war noch lange nicht am Pass. Ich wusste, das ich von dort eine grandiöse Aussicht über Camasunary und Loch Scavaig haben werde.

Ich wurde nicht enttäuscht. Dazu noch die Cuillins und der Blaven, beides leicht mit Schnee bedeckt. Als I-Tüpfchelchen sah ich dann auch noch meinen ersten Steinadler in Freiheit wo ich sicher sein konnte es ist ein Steinadler und der mehr als nur eine Silhouette am Himmel war. Oder war es doch ein Seeadler? Jedenfalls Adler.

Auf den Weg runter ins Tal wurde ich von Isabell eingeholt. Eigentlich aus Glasgow, renoviert sie grade ein Cottage bei Portree, welches sie geerbt hatte. Sie nahm sich einen Tag Auszeit um bis zur Bothy zu wandern. Ich hatte da ein wenig mehr vor. Als wir die Bothy erreichten machte sie dort Pause während ich den Fluss hoch Richtung Loch stiefelte. Man hatte mir gesagt, da gäbe es Stepping Stones oder zumindest eine Furt. Die hatte ich im Sommer nicht weit von der Bothy auch gehabt, aber da führte der Fluss Niedrigwasser, weil Nachschub aus den Bergen fehlte.

Heute war es genug Wasser. Für den ersten Nebenbach gabs eine Behelfsbrücke. Zwei Planken, eine davon nicht mehr ganz vollständig, die über den Bach führten. Sollte ich wirklich darüber oder besser eine Stelle finden, die schmal und sicher genug ist um rüber zu springen. Da der Boden sehr boggy war, entschied ich mich für den Gang über die Planke. Möglichst auf der heilen Planke laufend. Ich hätt noch mehr von diesen Planken gebrauchen können. Die Ahnung eines Pfades führte zwar entlang des Flusses, aber bei der ganzen Nässe war das nur eine Orientierung, mehr nicht. Immer den Fluss im Auge behaltend suchte ich nach einer Furt mit Stepping Stones, aber da war einfach nichts (ausser ein toller Regenbogen) und dann war ich am Loch.

Ich sah da zwar eine flache Stelle, aber wenn die Schuhe und Hosen trocken bleiben sollten gabs nur eines: Ausziehen. Gott, war der Boden kalt. Socken in die Schuhe, Schuhe an den Rucksack gebunden, Leggins und Wanderhose aus, ebenfalls am Rucksack befestigt und rein in die kalten Fluten. Das Wasser stieg immer höher und höher und höher als ich gehofft hatte, als ich die Stepping Stones sah. Ein Meter von mir weg. Ich bahnte mir also den Weg dahin und kletterte die Steine hoch. Naja, es ging immer noch bis zu den Kniekehlen und weil ich Widerstand fürs Wasser war auch darüber. Das war aber erst Teil Eins. Barfuss ging es über die kleine Insel im Fluss und dann nochmal durchs Wasser bis ich wirklich auf der anderen Seite war. Vor dem Anziehen nochmal weiter ausziehen weil ich mich am Anfang in der Wassertiefe verschätzt hatte.

Ausserhalb vom Wasser war es regelrecht warm. Es wehte mal kurz kein Wind und die Sonne schien satt. Wieder angezogen lief ich wieder Richtung Meer. Jetzt unter erschwerten Bedingungen, da mich die Sonne blendete, in Kombination mit nassen Steinen und Gras ist Sonnenschein keine Hilfe. Hier gab es nichtmal Ahnung eines Pfades und es war sumpfiger als auf der anderen Seite.

Der Weg zur Querung und zurück kostete mich eine Stunde und wegen des kalten Wassers und nicht vorhandenen Weges auch einiges an Energie bis ich wieder auf Höhe der Bothy war. Im Nachhinein eine Verschwendung, weil die Stepping Stones überschwemmt waren. Ich schaffte es bis kurz vor dem ersten Landvorsprung als ich beschloss nicht nur Pause zu machen, sondern auch umzukehren. Es war mittlerweile 13Uhr durch und ich bis zu den Bad Steps lag noch einiges vor mir. Ich rechnete mit 1,5Stunden bis zu meinem eigentlichen Ziel und die gleiche Zeit bis ich wieder in Camasunary bin.

Nein, es wäre absolut unvernünftig den Weg weiterzugehen. Wie gut die Entscheidung für die Umkehr war machte sich bald bemerkbar. Meine Beine waren müde. Laut GPS hatte ich etwas über 9km absolviert.

Nochmal machte ich den Weg hoch zum Loch nicht. Kurz hinter den alten Brückenresten war die Furt, die ich im Sommer genutzt hatte und wo es Stepping Stones gabs. Also wieder Schuhe aus, Gamaschen an den Rucksack, Wanderhose aus und die Leggings bis zu den Knien hochgekrempelt und wieder rein ins Wasser. War das Wasser kälter geworden? Es kam mir jedenfalls so vor. Schmerzhafter für die Füsse war es auf jedenfall. Hier unten waren die Steine kleiner und der Weg war weiter, dafür war es auch flacher.

Ich hätte mir die Stunde Umweg sparen können. Vielleicht hätte ich es dann zum Loch Coruisk geschafft.

Noch zog ich die Schuhe nicht wieder an, erstmal die 200m zur Bothy nackten Fusses.
Es gab Leute, die laut Bothy Buch dort Weihnachten verbracht haben. Gefeiert wurde da auf jedenfall, wenn man sich die restlichen Getränke anschaute, die noch im Kaminzimmer standen. Nach der Hausbesichtung die Handschuhe als Waschlappen und Handtuch zweckentfremdet und wieder rein in die Schuhe, fertig für den Rückweg.

Die wenigen Stunden ohne Regen hatten schon merkbare Auswirkungen. Der Weg war deutlich trockener und nachdem ich erstmal den Pass erreicht hatte und wieder auf dem Abstieg war, war es nicht mehr nötig Umwege zu nehmen. Jeder Bach über den Weg konnte jetzt via Trittsteinen oder Sprüngen überquert werden.

Der Rückweg zog sich elendig hin. Auf dem Hinweg ist mir garnicht aufgefallen, das es hoch und runter geht. Doch endlich erreichte ich wieder das Gate und las mir den Wegweiser durch. 2,4Meilen bis Camasunary. Also knapp 5Meilen = 8km hin und zurück. Blick aufs GPS: 15,6km. Da stimmt doch was nicht. Der Umweg zum Loch kann unmöglich 7km langgewesen sein. Und selbst wenn die Bothy am anderen Ende der Bucht ist, irgendwas passt da nicht. Ich trau dem Schild nicht.

Egal, zurück ins Cottage. Auf der Strasse nach Glasnakille noch Jim angetroffen, der hatte den Passing Place verpasst, doch beim Rangieren hielt er sich rechts, so das ich für britische Verhältnisse in auf der falschen Seite passierte. Noch nen kurzen Schwatz gehalten (Jim: immer diese europäischen Rechtsfahrer) und nach ein paar Minuten war ich wieder zurück. Was war ich fertig. Total müde. Reste des Vorabends aufwärmen, währenddessen das Wasser für die nötige Dusche aufheizen lassen, dann die Dusche bei einem mir viel zu niedrigen Wasserdruck und Bett.

Die Wanderung war garnicht so lang und Höhenmeter auch nicht der Rede wert. Aber die Flussquerung im kalten Wasser und die Tatsache, das es die erste lange Wanderung seit dem Sommer war, haben mir meine aktuellen Grenzen aufgezeigt. Nächstes Mal dann wohl wieder mit dem Boot nach Loch Coruisk (oder trockenen, warme Tage abwarten und früher los).