Day 20: The Spar Cave (09.01.2012)

Ich habe Gummistiefel. Meine Ersten. Also zumindest soweit ich mich erinnern kann. Andererseits Kindheit ohne Gummistiefel? Mmh, barfuss durch die Pfützen was sonst.

Die Gummistiefel waren aber auch nötig, wenn ich nochmal in die Spar Cave kommen wollte. Audrey nannte mir den Laden neben den Tierärzten, wohl die einzige Möglichkeit in der Nähe wo man Gummistiefel kaufen könnte. Hier werden die nur kurz "Wellies" genannt. Langform wäre Wellington (boots).

Der Tag begann vom Wetter her schöner als der Wetterbericht angesagt hatte. Blauer Himmel und Sonnenschein und kein Wind. Für dieses Jahr das erstemal die Kombination und hatte ich das überhaupt seit dem Sommer gehabt in Schottland? Also von morgens an. Bei der Fahrt vor Camasunary war es morgens noch bewölkt, die Sonne kam erst während des Laufens.

Ich genoss jedenfalls die Fahrt im Sonnenschein und nutzte die trockene Witterung um das Auto auch innen zu trocknen. Als ich einstieg stand das Wasser auf der Frontscheibe und ich brauchte zwei Einwegwaschlappen um mir Durchsicht zu verschaffen. Die Sonne schien bei 6 Grad Celsius und ich machte einen auf Cabrio. Was wäre das für ein geiler Tag auf dem Wasser. Aber ich suchte ja nach einer Möglichkeit durch Wasser zu gehen.

Der Laden hatte doch tatsächlich 6 Modelle von Wellies und erstaunlicher Weise wurde das deutsche Grössensystem verwendet. Erstmal die schicken in Standardbaumarktstiefelformat. Ein Satz mit X, für die braucht man Storchenbeine. Anderes Modell passte zwar am Bein, aber bei gleicher Schuhgrösse war zuviel Platz am Fuss und ich hatte schon 2 Paar Socken an. Drittes Modell passte grade so, aber nicht so wirklich bequem. Das vierte Paar sass, wenn auch mit Hose obendrüber. Egal. Ich konnte drin laufen, rutschte nicht mit den Füssen, die Waden passten rein und ich konnte ohne Hilfe auch wieder raus. Gut, das Muster war nicht so ganz meines mit den vielen bunten Kreisen, aber die Highlands sind numal kein Catwalk. Trocken und warm geht vor.

Bis zum Ebbentiefstand hatte ich noch Zeit als ich das Auto wieder am Cottage parkte, aber nichtsdestotrotz stiefelte ich in meinen neuen Wellies los, die Wanderstiefel zur Sicherheit in der Hand. War tolles Fotografierwetter auch wenn die gute Kamera im Hause blieb, weil die ist nichts wenn man in Klippen und Höhlen rumklettert.

Die Wellies durften sich schon beim Verlassen der Strasse beweisen. Das Tor zur Weide steht ständig offen und die Schafe haben da für eine ordentliche Schlammpfütze gesorgt, von Gras ist keine Spur mehr. Es geht quer über die Weide auf einen mehr oder weniger ausgetretenden Pfad zu. Nach den Regen muss man noch mehr achten wo man hintritt und darf auch nicht zu grosse Schritte machen, wenn man sich nicht plötzlich in einer Pfütze, Bach oder auf den vier Buchstaben wiederfinden will. Zumindest Bach und Pfütze konnten mir heute egal sein. Ich hatte ja Gummistiefel an. Bevor es die Klippen runtergeht bin ich kurz nach links abgebogen wo man in den Canyon, der einen Canyon vor der Höhle ist, schauen kann. Da sah ich einen Falken (?) der an einem totem Schaf frass.

Also wieder rechts lang und den Zickzackpfad in den ersten Canyon runter. Schon vor der Flutlinie muss man auf die ersten grossen Felsen, die bald mit Seepocken, kleinen Schnecken und Algen bedeckt sind. Die Felsen stehen zwar kreuz und quer, aber sie sind sehr griffig. Die erste echte Bewährung für die Gummistiefel, aber es ging prima. Dann am Canyon vorbei, an dessen oberen Ende das tote Schaf liegt und am Beginn vom nächsten hoffen das die Ebbe schon gut vorangeschritten war, denn sonst kann man nicht in den Canyon rein, in den die Höhle mündet.

Es waren noch 2 Stunden bis zum Tiefstand, aber es lag schon jetzt mehr trocken als einen Tag zuvor. Wie bin ich gestern aber auf die andere Seite gekommen? Die Kante nach unten ist ganz schön hoch. Trotz des Seetangs und den Algen ist der Fels aber auch hier sehr griffig und man gut laufen und sich festhalten. Und eine interessante Farbe hat das Gestein. Ein dunkles, aber doch irgendwie strahlendes rosarot.

Ohne Ausrutscher und mit trockenen Füssen kam ich am Höhleneingang an. Es tropfte und ran immer noch die steilen Wände herunter, aber die Pfütze am Höhleneingang war kleiner geworden. Man sah jetzt wie das Wasser reinran und auch mehr Steine lugten hervor. Ich stellte die Wanderstiefel ab und deckte sie mit einer Gamasche zu. Den Buff vom Halstuch zum Kopftuch gewandelt, Kopflampe auf, Regenjacke an, Licht an und rein ins Vergnügen.

Die Pfütze war schlammiger als gedacht, aber dank Gummistiefel kein Problem, rum um die Ecke und ich stand vor dem Anstieg, nur erleuchtet vom Strahl der Stirnlampe. Wow. Da soll man hoch? Das Wasser ran mir nur so entgegen, auf voller Breite der Rampe. Der Stein an sich sollte aber griffig sein. Aber auch unter Wasser? Gab nur eine Möglichkeit es herauszufinden: hoch. Das Gestein war wirklich griffig für die Sohlen. Für die Hände gabs in dem Sinne nichts zu greifen, ausser man würde sich im Vierfüsslergang hocharbeiten. Aber das war dann doch nicht nötig. Ab und an mal eine Hand zum stützen, wenn man mit der Stirnlampe die weiteren Möglichkeiten erkundete.

Durchschnittliche Steigung schätz ich auf knapp 60°. Der Anstieg besteht aus zwei Teilen und dann war ich oben, auf dem sogenannten Plateau und blicke runter zum Mermaid Pool.
Zum Glück hat man wirklich gut Grip auf dem Gestein, denn auf ein Bad hab ich nun gar keine Lust, zumal es um die 5m erstmal steil abwärts geht bevor man im klaren Wasser landet.


Die Höhlenwände sind zum Teil dunkelgrau und es gibt keine Stalagniten mehr. Das liegt an den ersten Entdeckern und Besuchern der Höhle. Als die Höhle entdeckt wurde leuchtete man noch mit Fackeln und russenden Lampen. Die Stalakmiten und Stalagtiten wurden als Souvenir abgebrochen. Ja, der Spar Cave ist eine kleine Tropfsteinhöhle. Und tropften tat es unerlässlich. Der Regen sickerte bis zur Höhlendecke durch und fiel mir dann auf den Kopf.

Bei dem Regen konnte man die Höhle nicht geniessen also wieder raus. Das hiess erstmal den Hang wieder herunter. Oh, der sah von oben viel steiler aus als von unten. Zumal sich die Frage stellte wieviel Grip man wirklich hatte. Wäre es trocken gewesen hätte ich mir nicht viel Gedanken gemacht. Auf die vier Buchstaben setzen und runterrobben. Aber nicht im Wasser. Für Wasserrutsche war der Grund ein wenig zu rau und zudem die falsche Jahreszeit.

Aber nur auf zwei Beinen war mir zu unsicher. Da blieb nur noch der umgekehrte Vierfüsslergang. Für die erste Etappe klappte das hervorragend. Für den zweiten Abschnitt konnte man Kanten in der Felsenwand nutzen um sich mit den Händen festzuhalten und somit aufrecht gehen. Diese Passage erinnerte mich an die Bad Steps. Heil kam ich unten wieder an. Durch die Eingangspfütze durch, die geparkten Wanderstiefel in die Hand und runter zum Wasser, wo es immer noch regnete. Momentmal, ich war am Canyonausgang, hier konnte nichts mehr von den Felsen runtertropfen. Tatsächlich regnete es vom blauen Himmel und die Sonne blendete mich.
Die Ebbe war immer noch nicht auf den tiefsten Stand, aber ich konnte jetzt schon einen Weg wählen, der mir bis jetzt nicht möglich war.

Die Ebbe wollte ich nutzen um noch den Angelplatz von Jim aufzusuchen, den Weg hatte er mir beschrieben und er lag auf meinem Rückweg. Anstatt durch ein Gatter durch, bin ich rüber geklettert, weil ich die Knoten nicht mehr hinbekommen hätte mit denen es befestigt war. Den Weg weiter bis zum nächsten Gatter, über das Feld und dann den Trampelpfad folgen. Ein weiterer Canyon wartete am Ende.
Noch weit von oben sah ich Seekajakfahrer, die den fast windstillen Tag für eine Umrundung von Strathaird nutzen. Am Loch Slapin gestartet wohl auf den Weg nach Elgol.

Am Ufer kletterte ich ein wenig auf den Felsen rum und fragte mich wie Jim hier angelt. Vom Strand aus ist es zu weit für die Angelrute und vom Felsen runter? Ein paar hundert Meter entfernt war jedenfalls ein Garnelenfischer mit seinem Katamaran am Arbeiten. Auch für die war es der erste Tag wo es möglich war gefahrlos im Loch die Körbe auszulegen und einzuholen.

Schade das heute kein Boot zum Loch Courisk fuhr, andererseits toll, das ich endlich die Höhle sehen konnte. Die Kletterei hat sich gelohnt. Ich muss unbedingt später nochmal zur Höhle. Wenn es ein paar Tage nicht geregnet hat und es trocken ist, so das ich mir die Höhlenwände und -decke sowie den Pool genauer anschauen kann. Und mehr Licht muss ich mitbringen. Die Stirnlampe macht zwar einiges Licht, aber dann doch nicht genug.

Da der Nachmittag grade erst angebrochen war hatte ich eigentlich vor Richtung Parkplatz für den Blaven zu fahren und den Bach entlangzulaufen zu den Fällen. Aber da fing es an zu regnen. Ach nö. Ich bin bis dahin heute noch nicht nass geworden, trotz reichlich Gelegenheit, da wollte ich jetzt nicht im Regen loslaufen. Lieber den Tag bei einem Malzbier und einen schönen Steak im Cottage ausklingen lassen und das Panorama geniessen.