Day 01: Ausflug nach Glasgow (21.12.2011)

Mein Zimmer hatte ein Riesenfenster mit Sicht über den Clyde. Die morgendliche Wetterbestandsaufnahme ergab Nebel auf der westlichen Seite und Nieselregen im Osten.

Zum Frühstück gereichte mir eine Packung Müsli sowie eine Schüssel Porridge. Leider war das Porrigde mit grob gemahlenen Hafer. Der feine schmeckt mir eindeutig besser.

Leider hatte ich beim Zurückstellen der Uhr, ein paar Minuten zu weit gedreht. Ich dachte ich hätte noch 5 Minuten um die Fähre zu erreichen, tatsächlich legte sie grade fahrplangemäss ab. Glücklicherweise gab es einen Container, der als Warteraum eingerichtet war und regelrecht überheizt war. So konnte ich im Trockenen und sehr Warmen auf die nächste Fähre warten.

Bis Juni verkehrte eine Autofähre an diesem Pier, die ehemaligen Wartereihen für die Autos wurden jetzt als Parkplatz genutzt. Aber nur jede zweite Spur, die Spur dazwischen war zum Rangieren und Fahren. Die "neue" Passagierfähre benötigt 5 Minuten für das gesamte Anlegemanöver, denn sie ist keine RoRo-Fähre, sondern hat die kleine Rampe für den Übergang nur am Heck. Angekommen auf der anderen Seite sah ich zwar schnell den Fahrdraht für den Zug, aber wo ist jetzt der Bahnhof? Kein Schild zeigte den Weg, also einfach den anderen folgen. Auf dem Schiff hatten noch andere ein Sail&Rail-Ticket nach Glasgow gekauft.

Der Bahnhof war eine einzige Baustelle und es gab nur ein kleinen Ort wo man trocken und halbwegs windgeschützt warten konnte. Der Bahnhof ist ein Kopfbahnhof. Deswegen schauten die anderen Wartenden auch nur wenig irritiert als der Zug einfuhr, aber nicht auf dem Gleis, was die ganze Zeit angezeigt wurden war. Kommt wohl öfters vor und man hat bei drei Gleisen alle Zeit der Welt den Zug zu erreichen.

Bei den Zügen nach Glasgow gibt es einen Express und einen Zug, der an jeder Milchkanne hält. Den hatte ich erwischt. Fahrkartenverkauf ist auch hier im Zug. Schwarzfahren gibt es somit quasi nicht. Wer schon ein Ticket hat, zeigt es vor und bekommt evtl. auch einen Kugelschreiberkringel rauf.

Nach knapp einer Stunde wurde dann in Glasgow Central Station eingefahren. Der Zug hielt hinter einem anderen Vorortzug. Glasgow Central Station ist ebenfalls ein Kopfbahnhof. Das heisst der vordere Zug war zugeparkt. Vorbei an einem Fahrradparkplatz ging es Richtung Eingang. Erstmal ein paar Cafe-Stände und dann eröffnete sich mir die Bahnhofshalle. WOW. Ein Riesending und mittendrin ein riesiger silber-blau geschmückter Weihnachtsbaum. Die Halle ist der Hammer. Die Geschäfte an der Seite haben dunkle Holzfassade. Es wirkt trotz aller Bahnhofshektik sehr gediegen und es hallt auch nicht.

Erstmal raus hier, auf die Strasse und da den Menschenmassen hinterher. Und was für Massen. Angeblich sind die Einkaufstage erst am zweiten Weihnachtsfeiertag, aber schon jetzt war es mir fast zuviel. So ging es die Fussgängerzone hoch, in ein Einkaufscenter, da wieder raus, andere Fussgängerzone, das ein oder andere mal abbiegen. Langsam auf die Suche nach dem Mittagessen. Mir stand Pizza oder Asia-Nudeln im Sinn. Irgendwas würziges, aber nichts zu schweres. Plötzlich stand ich vor dem zweiten Eingang zur Central Station. Keine Ahnung wie ich da hingekommen bin, ich muss einen grossen Viertelkreis gelaufen sein.

Nochmal die Runde in Angriff nehmen und da stach mir die Werbung für indisches Take-A-Way ins Auge. Warum nicht? Sosse auswählen (Mist, da gibts keine Erklärung was was ist), dazu Beilage (Reis, Pommes, Nudeln) und Getränk. 4 Pfund zahlen und warten bis man die Schachtel bekommt. Chicken Tikka Massala mit Reis. Die Schale war so voll, ich wusste erst garnicht wie umrühren um Reis und Sosse zu vermischen. Das Essen dampfte vor sich hin, bis fast zum Schluss. Und lecker war es, inklusive der leichten Schärfe, die auch für Wärme im Magen sorgte.

Nach dem Essen flüchtete ich aus den Menschenmassen und wandte mich der anderen Seite des Bahnhofs zu und fand zum Fluss. An einem Anleger hatte sich nach dem Sturm so einiges an Dreck gesammelt, den jetzt Arbeiter aus den Wasser fischten. Da waren sogar halbe Bäume dabei. Dann rüber und am anderen Ufer lang. Leider versperrte bald eine private Wohnanlage den weiteren Weg und ich musste einmal aussenrum bis ich wieder auf den Uferweg kam. Am Gebäude von s-tv und BBC Scotland vorbei und über die Milleniumbridge zurück auf die andere Seite. Dort steht der Haupteil des SECC, des Scottisch Exhibition and Conference Centers, wo noch ein grosses Gebäude im Bau ist.

Bevor es zurück ging, musste ich nochmal um die Ecke. Im Gegensatz zu den Toiletten der Highwayraststätten und Einkaufscentren musste hier gezahlt werden und dann war die Anlage sogar kleiner. Falls mal wer nicht passend Kleingeld für das Drehkreuz hat, es gibt auch einen Wechselautomaten.

Auf den Weg zurück zum Gleis wurde ich aufgehalten, Fahrscheinkontrolle bzw. berechtigte nur das Vorweisen eines Tickets zum Betreten des Bahnsteiges. Auf der Rückfahrt war der Zug doppelt so lang, was auch erklärte wieso es Anzeigen gab, wie man sich zu verhalten hat, wenn der Bahnsteig zu kurz sein sollte. Was auf der Strecke nach Gourock nicht der Fall war. Und das obwohl ich wieder den Milchkannenexpress hatte.

In Gourock hiess es wieder im Warteraum für die Fähre Platz nehmen, dieser war leider nicht beheizt und so fröstelte es mich dann doch bis endlich die Fähre anlegte. Es war die zweite Fähre, diese hatte eine Übergangsmöglichkeit auch an der Seite, aber schneller war das Anlegen trotzdem nicht. Auf der Überfahrt wollte auch keiner mein Ticket sehen.

Abends gings dann wieder zu Besuch. Diesmal gabs lecker Nudelauflauf. Pünktlich mit Winteranfang wurde Regen gleich nen paar Grad wärmer. 11Grad abends um 22Uhr!