Day 03: Around Beinn Eigh (23.12.2011)

Ausschlafen und erst um 9Uhr das Frühstück zubereiten. So spät am Morgen hatte das den Vorteil, das ich beim Abwaschen eine klasse Aussicht hatte. Die Sonne ging hinter den Bergen auf und strahlte die von mir einsehbaren, zum Teil schneebedeckten Flanken in rosa und orange an. Der Himmel war blau und nur ein paar Schleierwolken vorbei. Noch war die Sonne aber nicht so hoch als das sie über die Berge hätte scheinen können. Bei diesem herrlichen Wetter ging es nach Kinlochewe und endlich sah ich die Strasse, die ich gestern im Blindflug lang bin. Im Sommer vor 2 Jahren bin ich schonmal hier lang und ich erkannte so einiges wieder. Ich fand sogar den einsamen, fast kahlen Baum wieder. Jetzt wusste ich auch, welcher Berg im Hintergrund auf dem Foto ist. Es ist Beinn Eighe. Diesmal von Schnee bedeckt. Die Sonne hatte es mittlerweile über die Bergkette geschafft, ihr fehlte aber die Leuchtkraft vom Sommer. Aber das machte das Licht erst ro richtig toll, dazu die klare Luft.

Bei Kinlochewe ging es auf kleine Geocachingrunde rund um das Visitor Center von Beinn Eighe. Der Weg ist mit sehr viel Kunstwerken am Wegesrand gespickt und gleichzeitig ein Naturlehrpfad. Es kam Regen auf, getrieben von Windböen und dazu Graupel. Doch als ich den Viewpoint erreichte hörte es auf und die Kameras konnten rausgeholt haben. Wenigsten versuchen wollte ich es, das Licht einzufangen. Ich hatte einen tollen Blick über das Tal und die Bergflanken erstrahlten in einem warmen orangebraun, teilweise in gelborange. Und hinter mir die schneebedeckten Berge.

Weiter ging es zum nächsten Parkplatz mit Informationstafeln. Nur mal kurz den Woodtrail lang zu einem Cache. Der nächste war nur 900m weg auf dem Mountaintrail. Ist nicht weit, also hin. 900m Luftlinie sind nicht 900m Weg und warum heisste der Mountaintrail nur Mountaintrail? Weil es steil den Berg hoch geht. Der Weg war gut präpariert, auch wenn er zum Teil über blanken Fels führte. Aber man kreuzte die Bäche statt in ihnen lang zu laufen. Ab und an kamen Regen- und Graupelschauer über einen, nur um kurz darauf wieder die Jacke aufzumachen, weil der Weg doch anstrengend war. Man wurde dafür aber mit einer grandiösen Aussicht und tollen Farbenspiel an den Berghängen und Tal von Kinlochewe belohnt. Es erinnerte ein wenig an das Licht einer Energiesparlampe wenige Sekunden nach dem Einschalten. Wenn das Licht noch gedämpft und mehr gelb als weiss ist.

Gleichzeitig war es auch ein Test, was man am besten bei der Witterung anzieht und wie es um die Fitness bestellt ist. Letztere ist ganz zufriedenstellend. Ich kam nicht keuchend am Cache an, das operierte Knie ist besser denn je. Nur der rechte Knöchel macht mir ein wenig Sorgen. Ich glaube, das liegt unter anderem das ich Langstrecke meist mit Tempomat fahre und der Fuss sich dann ausruhen kann neben dem Pedal. Nur die letzten Tage ging das nicht so oft und die Fussstellung ist dann unbequem und anstrengend, weil ungewohnt. Das ist zumindest die einzige plausible Erklärung die ich habe. Ich bin die Tage nicht umgeknickt oder ähnliches.

Zum Abschluss des Tages fuhr ich noch bis Gairloch. Da warteten noch zwei kleine Caches. Bei dem ersten war allerdings die Terrainwertung irreführend, das ich die Karte falsch las tat sein übriges. Ziel waren die Floradale Waterfalls. Ich lief die ganze Runde, weil ich auf dem GPS die Kreuzung übersehen hatte. Bis unterhalb der Fälle hat man einen guten Weg, den man auch mit Kinderwagen bewältigen kann. Weiter hoch geht es aber über Trampelpfad und Regenrinnen. Ich ging sie zum Glück hoch, das reduzierte das Rutschpotential erheblich. Es war kurz vor Sonnenuntergang und das Licht mittlerweile unirdisch. Obwohl in von Moos und Gras überwachsenen Baumstümpfen gut versteckt fand ich den Cache schnell. Mittlerweile kam Wind auf und ich befand mich auf freier Fläche am oberen Talende was wie ein Windkanal fungierte. Es blies also heftig und nahm einen fast die Luft zum Atmen.

Wieder am Auto holte ich mir noch schnell die Taschenlampe bevor ich den Pfad Richtung Strand einschlug. Die Dämmerung war schon sehr fortgeschritten, es ging aber grad noch ohne Taschenlampe über Wurzeln und blanken Fels. Am höchsten Punkt des Weges stand man auf auf freien Fels und in dem Moment kam leichter Hagel und Wind auf. Direkt an der Küste ist das schmerzhaft. Eine Frau die ihre Hunde ausführte entschloss sich wieder umzudrehen. Kurz vor dem Strand verliess ich für den Geocache den Weg und beschloss aufgrund des anhaltenden Windes und Graupels den Weg als Rundweg zu nehmen und im Schutz der Strasse zum Auto zurück.

Mittlerweile war es wirklich dunkel, aber über dem Meer war es noch ein wenig hell. Was seltsam wirkte.
Auf dem Rückweg hatte ich ordentlich Gegenverkehr und haderte ein wenig mit den fehlenden Leitpfosten, weil man den Strassenverlauf trotz Fernlicht nicht immer abschätzen konnte. Es gab nicht immer Reflektoren in der Strassenmitte bzw. waren die vorhandenen sehr schwach. Und dann sah ich beim Abblenden plötzlich eine Bewegung vor mir, musste nochmal aufblenden (bis zum Gegenverkehr war es noch etwas) und stärker bremsen. Mat hatte mich vorgewarnt. Zu dieser Jahreszeit hat man Probleme mit dem Rotwild auf den Strassen und vor mir stand ein ziemlich grosses Vieh. Nicht so ein zartes Reh wie ich es aus Deutschland kenne.

Auf der SingleTrackRoad zwischen Kinlochewe und Torridon hatte ich wieder einen Fahrstil, der dazu führte das mich Fahrzeuge vorbeiliessen. Es dauerte aber auch ein Weilchen bis ich begriff wieso ich soviel schneller war. Ich sah die Fahrspuren meines Vordermannes deutlich auf der Strasse. Schneegraupel. Blick aufs Thermometer: 2 Grad. Ich hatte aber gut Grip und im Fahrverhalten war auch nichts anders. Ich ging die Kurven dann allerdings doch vorsichtiger an. Aber meine Winterbereifung war wohl doch den Einheimischen überlegen. Beim ersten Auto dachte ich erst er hat eine Dachbox, bei weiterer Näherung ein Surfbrett am Heck befestigt. Doch letztendlich stellte sich heraus, das der Rover einen Weihnachtsbaum transportierte.

Als ich ankam war Bert war in der riesigen Küche am Curry machen an einem der 6 vierflammigen Herd und ich gesellte mich ein paar Minuten mit zu den beiden Herren an den Tisch. Sie hatten Lamm-Curry und ich Beef Curry und dazu Reis. Als Nachtisch gabs für mich Lebkuchen, die anderen begnügten sich mit AppelCrumble.

Ich übernahm freiwillig den Abwasch für uns drei. Mat gesellte sich zu mir und trocknete ab. So Minigemeinschaft im Hostel hat was.
Eigentlich wollte ich abends dann noch in die Village Hall wo ein Quiz sein sollte. Das war aber schon am Laufen als ich ankam und man sass da wie in der Schule. Da wäre nichts mit reinschleichen und beobachten gewesen also ging ich ins Hostel zurück. Und da vielen mir die ganzen Sterne auf. Der halbe Himmel war klar. Ich hätte erwartet, das die Sterne heller sind, wenn keine Stadt in der Nähe ist. Dem war aber nicht so. Vielmehr sah man mehr Sterne, aber irgendwie verschwommen, es war schwer zum Beispiel den Orion zu finden. Vielleicht lag es am starken Wind. Der Himmel nördlich war komplett schwarz. So ohne Stadt leuchtet eben nichts die Wolken von unten an. Und es geht auf Neumond zu. Sollte es in den nächsten Tagen mal eine wolkrenfreie, windarme Nacht geben, muss ich unbedingt Sterne guggen.