Tag 14: Falls of Glomach

Aua, meine Füsse. Die tun mehr weh als nach der abgebrochenen Besteigung des Ben Nevis. Muss an den Schuhen liegen.

Der Blick aus dem Fenster versprach heute morgen nichts Gutes und der Sprint zum Auto bestätigte dies. Es regnete. Bei der Fahrt zur Touristen Information von Kyle of Localsh sah man keine Wellen auf dem Loch. Insofern das für die andere Seite von Skye gilt, wäre es fast das Wetter gewesen nach Elgol zu fahren und eine Bootstour zu unternehmen. Aber bei Regen um den Loch Coruisk wandern? Danke nein.

Viel gab die Touristeninformation nicht her und leider habe ich mich beim Wanderkartenkauf ein wenig vertan. Die Wanderkarte ist nur für den nördlichen Teil von Skye. Allein für Skye gibt es je nach Anbieter 3-4 Wanderkarten. Für das Festland rund um Loch Localsh sind es nochmal soviele.

Gut, dann erstmal Plockton ansteuern und schauen, warum das so oft erwähnt wird. Die Ortschaft ist grösser als die hinführende Single Track Road vermuten lässt, vorallem ist sie voll mit Touristen. Da ich nicht in den diversen Andenkenläden shoppen wollte, liess ich das Navi den Weg nach Killian anzeigen, um die Fall of Glomach zu besuchen.

Leider muss das Auto einige Meilen früher als gedacht geparkt werden. Ein Schild verbietet die Weiterfahrt und weisst einen Parkplatz für die Wasserfallbesucher aus. Wenn man sich Wegbeschreibungen anschaut, liest man durchaus, das man nicht darauf achten soll. Andererseits passt der Rest der Wegbeschreibungen nicht zu dem Weg den ich genommen habe. Da scheinen mehrere Wege nach Rom, äh zu den Fällen, zu existieren. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört und es kam sogar die Sonne hinter den Wolken hervor (ab und an).

Das es die letzten Tage ordentlich geregnet hat, machte sich an einem erhöhten Wasserstand des Flusses bemerkbar den man mit mehr oder weniger Abstand auf einer (anfangs asphaltierten) Strasse folgte. Auch flossen etliche Rinnsale den Hang hinab. Später erfuhr ich, das es wohl nachts richtig kräftige Schauer gegeben hat, was die Wassermassen noch besser erklärte.

Das Tal bot eine vielfältige Flora. Unter anderem gab es grosse Bestände mit Rhododendron in lila, rosa und weiss. Teilweise erreichten die Bäume 6m in der Höhe. In der Nähe des Flusses gab es aufgrund des Wasserstandes regelrechte Sümpfe mit sehr dichter Vegetation. Sie erinnerte zum Teil an Regenwälder. Bis in die Baumkronen waren die Ästen von Flechten und Moosen besetzt. Es gibt Regenwälder in Schottland, nur eben keine tropischen.

Immer weiter ins Tal hinein führte der Weg. Langsam, kaum merklich, aber stetig führte die Strasse in die Höhe.

Nach weit über einer Stunde, erreichte ich ein Gatter. Von nun an lief man quasi auf einer Riesenweide. Schafe sah man schon die ganze Zeit, aber endlich erblickte ich meine ersten Galloways.

Nach zwei Stunden beschloss ich umzukehren. Die Landschaft war wirklich reizvoll, aber erstens kam wieder Regen auf und da jeder Hinweis fehlte, war ich schon länger der Meinung, das dieser (mittlerweile) Feldweg nicht zu den Fällen führte. An einer Biegung hatte ich einen grossen Wasserfall in einer Ecke des Tales gesehen, wohin die Strasse abbog und dachte, das dieses wohl die Fälle waren.

Ich war ca. 500m auf den Rückweg als mir ein Paar entgegenkam und mich fragte ob ich bei den Fällen war. War das doch der Weg, wie weit sollte es denn noch sein? Der Mann war mit Navi für Wanderer ausgerüstet und liess verlauten das es noch 2,7km sein. Tja, warum nicht. Ich drehte wieder um und schloss mich dem Paar an.

Ich erfuhr das es den Wildbach zu überqueren galt. Doch dieser führte eine Menge Wasser und war reissend. Hoffentlich gibt es eine Brücke.

Es gab eine Brücke, ein kleiner, z.T. mit Split markierter, Pfad führte quer über der Wiese zu ihr hin. Nur war der Pfad selber ein Bachbett bzw. ein Sumpf. Aber noch hielten die Schuhe, die Socken trocken.

Die Brücke war zweigeteilt, da auch der Fluss durch eine kleine Insel geteilt wurde. Es hatte soviel geregnet, das der Beginn des weiteren Weges nach der Brücke auf fast 2m überspült war und mehr als knöcheltief mit Wasser bedeckt war. Also quer durch die Botanik und versuchen einen trockenen Weg zu finden. So richtig gelang es nicht, aber in die Halbschuhe lief zumindest kein Wasser von oben. Eine kleine Anhöhe hoch und man sah, das in ca. 200m Entfernung ein weiterer Wildbach verlief. Auch dieser musste überquert werden. Der Weg Richtung Bach war schon mehr ein Wasserweg und endete erstmal nicht an einer Brücke. Die lag nochmal 200m bachaufwärts, nur das man das erstmal nicht sah. Man sah nur eine Art Trampelpfad, der mit Wasser vollgelaufen war. Wieder ging es also quer durch die Wiese. Nur blieben meine Socken nicht mehr trocken. Es war einfach zu sumpfig. Kurzzeitig wurde die Watwanderung unterbrochen als ein Donnern den Blick nach oben gleiten liess. Zwei Kampfjets düsten im Tiefflug durch das Tal. Zu schnell um ein Foto zu machen.

An dieser Brücke sah man das erste Hinweisschild auf die Fälle. Anfangs ging der Weg relativ einfach zu laufen. Das sich das Wasser auch diesen Weg suchte, war jetzt egal. Nasser konnten die Schuhe ja nicht werden. Nur das es einen Minigebirgsbach hochging fand ich bald nicht mehr lustig. Der Weg erinnerte arg an die ersten Meilen den Ben Nevis hoch. Mit einem Unterschied. Dieser Weg hier hoch, war schmaler und vorallem nasser. Bei zwei Stufen versagte das rechte Knie fast seinen Dienst. So das erstmal das linke Knie allein die Hebearbeit übernehmen musste. Dadurch konnte ich dem Tempo des Paares nicht mehr folgen und liess sie ziehen. Ich wusste, das eine zweite Gruppe wenige Minuten hinter uns war. Denen konnte ich mich immer noch anschliessen.

Den Felsen, denn was anderes war der Weg nicht mehr, ging es nur noch mit zur Hilfenahme der Hände weiter hoch. Aufgrund einer kleinen Trinkpause hatte mich die Gruppe mittlerweile eingeholt und ich kletterte vor ihnen her. Auf dem höchsten Punkt des Felsens kapitulierte ich, setzte mich an die Seite und liess auch diese Gruppe ziehen.

Wenn ich den Felsen nur unter Einsatz aller vier Gliedmassen hochkomme, wie soll das nur auf den Weg nach unten funktionieren? Bevor es noch schlimmer wurde, hielt ich es für vernünftiger umzukehren. Noch war es trocken, aber am Eingang des Tales hatte man schon die nächsten Regenschauer gesehen. Es würde also nicht einfacher werden.

Damit ich mich beim Klettern festhalten konnte, ging es teilweise im Rückwärtsgang runter. Immerhin waren einige Stufen über einen halben Meter hoch und es ging steil bergab, Wasser floss über die Steine. Der Pfad war auch noch mit Heu bedeckt, worauf man leicht ausrutschen konnte.

Mehr als einmal bin ich ins straucheln gekommen und konnte mich gradeso noch abfangen.

Wie bin ich auf dem Hinweg eigentlich über die ganzen breiten Rinnsale und Gräben auf der Wiese gekommen? Jetzt war das Springen ein einziger, wackliger Kraftakt. Auch etwas über 1m grosse „Schritte“ waren gewagte Aktionen. Wusste man doch nicht, ob man beim Absprung nicht abrutsche und bei der Landung sicher zum Halten kam ohne nach vorne oder hinten zu fallen.

Was war ich froh als ich den Fahrweg wieder erreichte. Ab hier brauchte man einfach nur noch laufen und darauf achten nicht in die Kothaufen der Schafe und Rinder zu treten.

Nach einem kurzen Nieselregen brach die Sonne langsam, aber sicher durch die Wolken hindurch, malte Schattenmuster auf die Hänge und liess zum Fotostopp innehalten. Müde Füsse und Fotostopps führten dazu, das ich mit Erreichen des Gatters das Paar wieder hinter mir herblickte und ihnen das Tor offenhielt. Sie hatten den steilen und anstrengenden Weg zu den Fällen hinter sich gebracht. Diesmal liess ich mich nicht abhängen und hielt das flotte Tempo mit. Uns allen Dreien taten die Füsse weh, aber bis zum Auto waren es noch gut 3km wie das Navigationsgerät verriet. Diese drei Kilometer zogen sich ewig.

Nach gut 5,5 Stunden erreichte ich wieder den Parkplatz. Den folgenden Schuhwechsel quittierten die Füsse nicht mit Danksagung, sondern mit einem Schmerzensaufschrei. Wegen der schmerzenden Füsse, besser gesagt nur die Fusssohlen, wurde der Rückweg auf dem Single Track Road im Schleichtempo zurückgelegt. Dadurch kommt man weniger in Verlegenheit zu kuppeln oder zu bremsen.

Morgen ist Fussschonung angesagt. Der Wetterbericht verheisst Besserung und damit stehen alles Zeichen auf Ausflug mit dem Boot. Nur eben nicht Loch Coruisk Umrundung.