Tag 9: Auf nach Spean Bridge

 

Troon scheint die schottische Hauptstadt des Golfens zu sein. In quasi direkter Umgebung der B&B gibt es 3 Golfplätze. Im Umkreis von 10Meilen sind es 18! So wurde dann beim Frühstück mit den vier anwesenden älteren Herren geklärt, wie man bei jedem Wind (vorallem diesen) und Wetter (insbesondere Regen) Golf spielen kann. Man verliert jede Menge Bälle und was mach ich bei Wind und Wetter? Wandern! Also. Die Briten spielen Golf. So einfach ist das.

Frühstmöglich sollte der Weg nach Spean Bridge in Angriff genommen werden, damit ich möglichst grosse Umwege fahren kann. Anfangs ärgerte ich das Navi, später gab ich ihm aber die lange Route vor.

Das Wetter war herrlich für diese Art des Autofahrens. Knapp 15Grad bei herrlichstem Sonnenschein mit wechselnder Bewölkung aber nie Regen wenn ich grade den Landstrich passierte.

Um möglichst lange Wege zu fahren, muss man sich möglichst kleine Strassen aussuchen. Wenn man alleine ist, kein Problem. Gegenverkehr ist auch schnell vorbei, aber was wenn man Touristen vor sich hat, die mehr in die Gegend schauen (die von Bäumen verstellt ist) als auf die Strasse achten und deswegen ordentlich Tempo rausnehmen? Dabei macht eine hüglige, kurvige kleine Landstrasse doch erst so richtig Spass, wenn der Magen die Hügel ein wenig zeitversetzt mitmacht. Hui, war das lustig. Nach ein paar Kilometern ist mir dann aber doch ein wenig flau geworden.

Wenn man denn mal freie Sicht auf die Berge oder Lochs hatte und keiner hinter einem war, dann wurde auch schonmal etwas langsamer gefahren, damit man schauen und staunen konnte.

So ging es fröhlich durch die Highlands, das Radio tudelte vor sich hin und die Sonne schien. Bis ich 130Meilen vor dem Ziel der Sightseeingtour eine Anzeige im Amaturenbrett bemerkte, die bei laufenden Motor nicht dahin gehörte. Ein Zeichen was ich kannte und was beim letzten Mal in der Werkstatt endete, nachdem bis dahin das Auto zu nem Schluckspecht in Sachen Diesel wurde.

Nächsten Parkplatz angesteuert und die Bedienungsanleitung durchgeblättert. Irgendwas hat die Abgasanlage des Autos und man solle baldmöglichst eine Fachwerkstatt aufsuchen. Die kleinen Aussetzer die letzten Tage, wo anscheinend für Bruchteil einer Sekunde nicht die volle Leistung da war, waren also keine Einbildung gewesen. Die gute, entspannte Laune war dahin. Nach Spean Brigde wurde jetzt die schnellste Route gesucht, um dann per Telefon zu klären, inwieweit das Auto denn noch einsatzfähig und belastbar ist. Steigungen bedeuteten mindestens einen Gang meh runterschalten, weil merklich Leistung fehlte und auf die Tankanzeige wurde auch ständig geschielt.

Die Tankanzeige verhielt sich zum Glück normal und auf grader Strecke fiel der Leistungsverlust kaum auf. Dank der geänderten Route und den vorher gewählten Umweg führte die Strecke leider nicht durch Glencoe, aber das Wohlergehen des Autos war erstmal wichtiger.

Mit der neu erworbenen Telefonkarte war es nicht möglich die allgemeine Servicenummer anzurufen. Zum Glück war es aber noch früh genug, um jemand in der „eigenen“ Vertragswerkstatt zu erwischen. Die Ferndiagnose ergab, das ich mir bis nach dem Urlaub Zeit lassen könne mit dem Werkstattbesuch, es ist ja „nur“ ein gelbes Licht an und das Auto läuft ja noch rund, es gibt keine komischen Geräusche. Mir wird nur nicht die volle Geschwindigkeit zur Verfügung stehen und auch nicht alle Pferdestärken, weil der Motor mit einer Art Notprogramm läuft.

Die Geschwindigkeit ist mir egal. Mehr als 60Meilen die Stunde sind in den nächsten zwei Wochen eh nicht erlaubt. Das sind umgerechnet knapp 100km/h. Auf Autobahnen reichen mir zudem auch 120km/h. Das mir allerdings Motorleistung fehlt, das stört mich. Denn das ist das, was man in den Highlands braucht. Lange und/oder steile Anstiege sind an der Tagesordnung. Das bedeutet wohl Reduzierung der Ausflüge und Kilometer auf ein Minimum, sprich eher eine lange Wanderung am Tag als mehrere kleine. Sightseeingfahrten durch die Berge fallen flach, Nebenstrassen werden so weit möglich gemieden, da sie zumeist einiges an Anstiegen aufweisen.

Soweit zu den Wehwehchen des Autos, was sich nur solidarisch mit mir zeigt. Der Sturz in der Murlough Bay hat zu drei blauen Flecken geführt, die sich so langsam in den schillernsten Farben zeigen und an die man ständig erinnert wird, weil man dagegenkommt bzw. die Gelenke beansprucht werden.

Spean Brigde ist zwar nur ein kleines Strassendorf, die Unterkunft ist allerdings der Hammer. Sogar mit eigenen Zugang zum Fluss Spean. Bis zum Aussichtspunkt Commando Memorial läuft man eine gute Meile den Hügel hoch. Aber der Blick unterwegs und erst recht am Memorial ist genial. Vorallem bei den heutigen Bedingungen lockere Bewölkung und klare Luft. Man konnte den Gipfel des Ben Nevis (?) klar erkennen. Da oben liegt noch einiges an Schnee und das Ende Mai.

Mal schauen wo es morgen hingeht. Vielleicht nach Glencoe oder in der Nähe bleibend. Ich werde einfach Colin und Sandra von der B&B nach Wanderwegen fragen.