Tag 15: Schlecht Wetter in Elgol

 

Was ist schöner als Fliegen? Über die Wellen zu reiten!

Der Morgen versprach nichts Gutes. Wieder regnete es, aber irgendwann muss es ja mal aufhören. Also auf nach Elgol. In der Bucht waren gegen halb 10Uhr schonmal keine Ausflugsboote, es fanden also Trips statt. Aber ob ich je in Elgol ankommen würde?

 

Ich hatte eine Kolonne von drei Fahrzeugen eingeholt, die mit Maximum 50km/h (wenn die Strasse mal gradeaus ging, sonst eher 40km/h und auch weniger) über den Single Track schlichen. Abstand selten mehr als 10m, also eng beieinander. Vor jeder Kurve und jeder Kuppe wurde gebremst, was bedeutete das mindestens alle 100m, ein Gang runtergeschaltet werden musste (höher als im dritten Gang kam ich allerdings eh nicht), um das Auto wieder auf Touren zu bringen. Meile um Meile trieb ich das Trio vor mir her, Anstalten mich vorbeizulassen gab es keine. So macht Single Track Road fahren keinen Spass, es ist ausgeprochen frustrierend. Nach gefühlter Ewigkeit wurde Elgol erreicht. Die zwei vor mir fahrenden Fahrzeuge parkten auf den oberen Parkplatz, das lahme Führungsfahrzeug auf den unteren. Selbst das (Vorwärts)Einparken klappte nur mit Verzögerung und im zweiten Versuch. Töchterchen fuhr, Mama auf dem Beifahrersitz, Papa im Fond.

Geladen wie ich war konnte ich mir nicht verkneifen zu fragen, was der Fahrstil sollte und ob die Regeln des Single Track Roads, vorallem im Bezug auf das Vorbeilassens schnellerer Fahrzeuge, bekannt sind.

Nein, waren sie nicht. Das Mädel konnte anscheinend auch nicht lesen oder braucht ne Brille! Es gibt nämlich Hinweisschilder auf diesem Weg, die genau das Empfehlen. Diese Schilder gibt es an fast allen Strassen in Schottland, auch auf zweispurigen, sind also nichts Unbekanntes. Wenn man allerdings nur auf den Asphalt 50m vor einem starrt, kann man sie natürlich nicht sehen. Single Track Roads sind keine Übungsstrassen! Ebenso ist ihr (und ihren Beifahrern) nicht aufgefallen, das andere Fahrzeuge verdammt dicht aufgeschlossen hatten.

In der Hoffnung, das ich meinen Frust nicht bei einer langen Wanderung abreagieren muss, wurde das Büro eines der Bootstourunternehmen angesteuert und das Angebot studiert. Der Ausflug zu den Kleinen Inseln mit einstündigem Aufenthalt auf Canna hatte sich schon gestern super gelesen und sollte laut Plan auch heute stattfinden.

Ich hatte Glück, es war noch genau ein Platz frei auf dem Boot. Die Sammlung zur Tour inklusive Einkleidung sollte erst um 12.30Uhr sein. Das waren noch gut zwei Stunden. Wie bringt man die rum, wenn die Berge rund um den Loch Coruisk hinter Wolken und Regenschleiern immer wieder verdeckt wurden und ständiger Niesel niedergeht? Aber der Wind schien nicht stark zu sein, so das der Ausflug immer noch nett werden konnte. Also ein bisschen rumspazieren, über die Steine am Strand balancieren, Rätsel raten, Boote beobachten und im Nu ist die Zeit fast rum.

Kurz nach 12 bin ich den kurzen Weg zur Pier und beobachtete, mittlerweile ohne Niederschlag, wie erst die Bella Jane eine volle Ladung Passagiere Richtung Loch brachte und eine Gruppe für ein Schnellboot fertig gemacht wurde.

Sobald diese aus dem Hafen waren, kam die Truppe für den Canna-Ausflug ran. Ausser mir, war das noch ein NationalTrust of Scotland-Mitarbeiter und zwei Familien mit insgesamt 6 Kindern.

Jeder bekam eine wasserfeste Hose und einen Wind-und Wetter-Jacke. Naja, fast jeder. Die Kinder waren schätzungsweise zwischen 5 und 8Jahre alt. Das jüngste war zu klein für die Klamotten und bekam nur eine Jacke, die dann aber bis zum Boden reichte. Noch die Schwimmweste drüber und es sah aus wie ein Kleid.

Jeder bekam eine Schwimmweste umgelegt. Nach einigen Minuten war die Gruppe eingekleidet und abfahrbereit. Problem: kein Boot da. Erst eine Viertelstunde nach geplanter Abfahrt kam dieses in wilden Kurven an die Pier. Über Funk wurde vorher mitgeteilt, das die See hinter Rhum sehr rauh sein soll. Wir sollten bei Ankunft der Wiederkehrer und nach ihren Aussagen entscheiden, ob wir trotzdem raus wollen oder nicht. Wobei das letzte Wort der Bootsführer hat.

Der warnte auch nochmal vor rauher See, grade in Hinblick der Kinder. Aber noch wäre es machbar, umdrehen könnte man immer noch.

Das Boot bietet zwölf Sitzplätze, wobei man in einer Art Sitzsattel Platz nimmt. Die vorderste Reihe hatte längere Sitze, so das zwei Personen direkt hintereinander sitzen können. Das wurde auch genutzt. Die drei kleinsten Kinder wurden von Elternteilen festgehalten.

Ich setzte mich in die letzte Reihe an backbord, dann kam ein freier Platz und steuerbord sass der NTS. Der sogleich aus dem Beutel vor einem das Stirnband holte und aufsetzte sowie die Handschuhe anzog. Ich nahm (zurecht) an, das er wusste was er tat und tat es ihm gleich. Und schon ging der Ritt über die Wellen los.

Fing relativ sanft an, aber bald sprang das Boot regelrecht über die Wellen und setzte auch einige Male hart auf und das Wasser spritze zu allen Seiten. Das rief aber nur ein begeistertes Kreischen bei den Kids hervor. Es machte richtig Spass.

In einer kleinen Bucht der Insel Soay wurde kurz Halt gemacht und gecheckt, ob den ersten wilden Ritt alle gut verkraftet haben. Erläuterungen zu Riesenhaien und Jagden auf diese zur Gewinnung von Tran und Co gab es ebenfalls.

Dann ging es weiter Richtung Canna. Sobald man aus den Windschutz von Soay raus war, wurden die Wellen immer heftiger und immer öfter bekam ich heftige Gischt ab. Das waren nicht mehr die kleinen Spritzer, wie auf der Fahrt nach Soay, wobei mich da eine Welle auch voll erwischt hatte.

Öfters musste der Bootsführer Fahrt rausnehmen, um nicht zu hart in die Wellen zu knallen. Nicht immer gelang es rechtzeitig und dann erfolgte ein kompletter Stopp. Ein Kind schräg vor mir, war beim Angeln nach der Schutzbrille mit der Lippe gegen einen Haltegriff geknallt als das Boot in einem Wellental aufschlug. Das tat natürlich richtig weh und das Kind musste erstmal getröstet werden.

Nebeneffekt des Halt war, das mir langsam schlecht wurde. Mit Speed über die Wellen zu hüpfen machte mir Riesenspass, aber mit Leerlauf in den Wellen zu schaukeln fand ich garnicht lustig. Deswegen war ich hocherfreut als wieder Fahrt aufgenommen wurde.

Die See wurde immer rauher und trocken war mittlerweile keiner mehr. Wer keine Kapuze über hatte, hatte klitschnasses Haar. Aber selbst die Kapuze, die tiefrunter- und der Kragen, der fast bis zur Nase heraufgezogen war, schützte mich nicht davor, das ich Salzwasser in den Augen hatte und auch den einen oder anderen kleinen Schluck nahm.

Noch einmal stoppte das Boot und der Bootsführer verkündete, das wir umkehren und Richtung Loch Coruisk und Seehundkolonie fahren. Bei der rauhen See hat es keinen Zweck sich die restlichen 9 Meilen bis Canna durchzukämpfen.

Wo er Recht hat, hat er Recht. Begeistert war ich aber nicht. Aufgrund der sehr tief hängenden Wolken und des wieder aufkommenden Regens hatte man keine schöne Sicht. Die Kamera wollte ich nicht hervorholen als die Bucht vor Loch Coruisk erreicht war. Die war einfach zu gut im Rucksack verbuddelt.

Nach wenigen Minuten Seehunde guggen wurde Kurs Elgol eingeschlagen. Nach grade mal 2 Stunden wurde wieder an der Pier festgemacht. Mir war verdammt kalt (es war ein Fehler, die Skijacke gegen die dünne Regenjacke zu tauschen) und als ich vom Boot runter bin, wurde mir plötzlich ganz anders. Seekrankheit an Land, eine neue Erfahrung.

Weil die Tour arg verkürzt war und Canna nicht erreicht wurde, bekam man ein Teil des Geldes zurück. Nicht alles und auch nicht die Hälfte.

Der Bootsführer hat jedenfalls einen sehr guten Job gemacht und darauf geachtet das jeder bei der Fahrt seinen Spass hat und es nach Möglichkeit keinen zu harten Aufsetzer gab.

Durchgefroren wie ich mich fühlte und weil Nieselregen die Sicht auf max. 300m begrenzte sah ich davon ab, den Rest des Nachmittags mit einer Skye-Rundfahrt zu verbringen. Lieber was Leckeres zum Futtern im Supermarkt besorgen und ab zur B&B, sich warm einkuscheln und das Ergebnis des Supermarktstreifzuges geniessen.