Tag 12: Rundtour durch die Highlands

 

Kaum zu glauben, aber heute morgen sah das Wetter noch bescheidener aus als am gestrigen Morgen. Durch das grosse Fenster sah man beim Frühstück ein einheitliches dunkles Grau. Das es nur nieselte und nicht in Strömen goss war erstaunlich.

Die Füsse taten nicht weh, aber die Waden zogen heftigst.

Colin empfahl mir ausser Glencoe einen Weg entlang des Loch Etive. Auf den Weg dahin bin ich MEILEN hinter einem Tesco-LKW hinterher bzw. hinter einem Auto was dem LKW folgte. 60km/h und weniger auf der A82 macht man eine Meile mit, vielleicht auch 2 oder 5. Aber nicht 10! Das das Auto vor mir nicht die erste Gelegenheit ergriff zum Überholen versteh ich. Die Strecke ist kurvig und nicht jeder fährt bei miesem Wetter mit Fahrlicht und ist damit leicht erkennbar. Wenn aber an einer langgezogenen, gut einsehbaren Rechtskurve der Blinker immer noch nicht gesetzt wird, wird man überholt. Tesco war so langsam, das sogar zwei andere LKWs davor weggezogen waren. Bevor ich Richtung Loch Etive abbog, bekam ich die auch noch auf der langen Geraden ohne das es riskante Manöver gab. Mit Tritt auf das Gaspedal geht das und zwar ohne die erlaubten 60Meilen zu überschreiten.

Von der A82 führte über 12Meilen ein Single Track zum Loch. Die ersten Meilen ging noch der vierte Gang (achso, das Auto meldete wieder nen Problem mit der Abgasanlage, jetzt war mir das aber egal, mal Leuchte an, dann wieder nicht. Es fährt. Punkt.) mit entsprechenden Tempo. Die letzten Meilen war der dritte Gang angesagt. Schlussendlich sogar der Zweite, aber das unfreiwillig. Ich scheuchte einen Land Rover vor mir her, der eher dahinschlich als fuhr und sich dann nicht mal an die ungeschriebene Regel der Single Tracks hielt. Wer näher an einem Passing Place ist, hat diesen zu nutzen und sei es im Rückwärtsgang, wenn das Fahrzeug es zu lässt. LKW und Busse haben Vorfahrt. Aber nein, der Herr quetschte sich lieber halb in die Wiese (ich übte mich auf 150m im Rückwärtsfahren). Beim zweiten Gegenverkehr trieb er es noch schlimmer.

Zuerst musste ich in den Rückwärtsgang und steuerte einen regulären Parkplatz 50m hinter mir an. Diesmal musste auch der Land Rover rückwärts, es war nämlich keine Wiese da. Aber statt neben mir rückwärts einzuparken blieb er auf der Strasse und zwang das entgegenkommende Fahrzeug auf den Parkplatz und zwar so, das dieser rückwärts ausparken muss, um wieder runter zukommen. Solang die beiden Anderen sich sortierten, nutze ich die Chance vor dem Land Rover zu kommen.

Ziel war ein Parkplatz keine Meile hinter dem Durcheinander, die Strasse endete dort an einer Bauzaunabsperrung. Sie wäre auch so nur noch 100m weitergegangen, ist eben eine 12Meilen lange Sackgasse. Der Parkplatz war neu angelegt und mit sehr groben Schotter bedeckt. Für den Land Rover der Minuten (!) nach mir ankam, war das wohl zu uneben, er wendete auf der Strasse und fuhr von dannen. Wozu hat man solch ein Auto, wenn man es nicht entsprechend der technischen Möglichkeiten nutzt?

Vom Parkplatz aus wollte ich entlang des Loch Etives wandern, auch in dem stärker werdenden Regen. Nur war meine Karte nicht so aktuell, sie hätte vom Dezember 2008 sein müssen. Aufgrund Bauarbeiten am Pier hatte sich der Einstieg für den Wanderweg geändert. Ein wanderndes Päarchen welches mir entgegenkam, riet mir in Hinblick auf meine Schuhe von dem Weg ab. Alles was nicht über die Knöchel geht, war kein geeignetes Schuhwerk aufgrund von Versumpfung des Weges. Diese Art Schuhe trocknete aber im Zimmer vor sich hin.

So änderte ich meine Pläne und machte aus dem Wandertag ein Fahrtag. In einer grossen Runde durch die Highlands. Bei der Fahrt zurück Richtung A82 zeigte sich das Navi von seiner praktischen Seite und machte Witze: die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade, warum also dem Strassenverlauf folgen?

Ein Teil der Strecke kannte ich von den früheren Urlauben in Schottland und wusste so wo schöne Stellen zum Halten und Fotografieren sind. Nur war das Wetter kein Fotowetter bzw. fehlte mir das geeignete Weitwinkelobjektiv um die Atmosphäre einzufangen.

In Killin hörte der Regen auf bzw. war dort noch nicht heruntergekommen, so das man auf den Felsen bei den Stromschnellen rumklettern konnte. Von einem Hinweis an einem kleinen Gatter schliessend, müssen im Frühjahr Lachse, diese Stromschnellen auf ihrer Laichwanderung passieren. Um die Population zu schützen gibt es bis zum 1. Juni ein Angelverbot für Lachse. Leider sah man trotzdem keine Lachse springen.

Dafür sah man Schafe auf der Strasse hoppeln, wobei die Strasse nicht über eine Weide führte. Die Schafe, mehrere Mutterschafe mit Lämmern, waren stiften gegangen. Der Farmer kam zum Glück gerade vorbei und scheuchte die Tiere wieder zurück. Bis auf ein Muttertier und dessen Lamm quetschten sich die Tiere an der Stelle durch den Zaun wo der Farmer sie mit Hilfe des Hundes gestellt hat. Nur das eine Schaf und sein Lamm nicht. Die steuerten plötzlich auf mich zu und trotteten in aller Seelenruhe an mir vorbei.

Das Schafe sich durch kleinste Lücken stopfen habe ich später nochmal sehen können. Das Lämmer durch die groben Drahtzäune kommen, versteht man ja noch. Aber ein ausgewachsenes Schaf was so breit wie lang ausschaut? Ok, das meiste ist lockere Wolle, aber trotzdem sind die Drähte maximal nur 20cm auseinander in der Höhe. Da muss das Riesenwollknäuel erstmal durch.

Bevor es Richtung Inverness bzw. Norden ging, kam nochmal ein nettes Stück Single Track Road. Nachdem es bergauf ziemlich kurvig war, kamen mehrere Meilen wo es schnurgeradeaus ging. Zumindest was die Richtung betraf. Die Strasse war ein wenig hüglig. Wenn man auf einen hohen Kuppe war konnte man die nächsten Kuppen gut überblicken und Gas geben. Wenn da nicht der Gegenverkehr wäre. Da tauchten zwei Scheinwerfer eine gute Meile voraus auf. Diese gehörten zu einem grossen Bus und ein Passing Place war nicht zu erkennen ausser die kleine Einfahrt kurz vor mir. Im Auto auf den Bus warten hat auch was. Es war mir aber einfach zu riskant auf einer nicht mal 4m breiten Strasse mit abschüssiger Böschung sich auf ein Passiermanöver mit einem grossen und vorallem hohen Fahrzeug einzulassen.

Nach einer kleinen Häuseransammlung kam die nächste Single Track Road. Nicht nur eng und steil an sich, sondern auch noch mit zwei engen und steilen Haarnadelkurven, die es blind zu nehmen galt und betend das in dem Moment niemand von vorne kommt.

Dieser Weg war der letzte einspurige des Tages und wurde von einem Kulturschock beendet. Mündete diese kleine Strasse direkt auf die A9, die dort 4-spurig ist. Allerdings sieht man die Gegenfahrbahn nur an der Kreuzung, danach hat sie eine leicht höherliegende Streckenführung und entfernt sich teilweise über 20m.

Auf vierspurigen Strassen darf man 70Meilen die Stunde fahren. Nach über 200km Landstrasse, die ich absolviert hatte, musste ich nun aufpassen, das Gas nicht zu sehr durchzutreten und überliess dann lieber dem Tempomat die Geschwindigkeitsregelung.

Um nicht bis nach Inverness zu fahren, musste rechtzeitig auf die A889 abgebogen werden, die „grade“wegs nach Spean Bridge führte. Auch diese Teilstrecke kannte ich schon. Von einem Loch habe ich Fotos aus dem Frühjahr 2006. Also drei Jahre her, allerdings war da die Schneeschmelze noch nicht abgeschlossen und es war auch trockener. Das der Wasserstand jetzt um einiges höher war konnte ich an einer Sandbank gut erkennen. Einen Parkbucht weiter konnte ich diesmal scharfe Fotos von dem „Schloss“ auf der gegenüberliegenden Lochseite machen. Zum einen wegen anderer Kamera und zum andern, weil ich diesmal die Böschung hinabgeklettert bin. Über das wie komm ich wieder rauf, macht man sich erst Gedanken wenn es soweit ist. Aber ich hatte einen Vorturner, somit wusste ich, das das beide Wege ohne grosses Risiko machbar sind.

Netterweise hatte der Regen mittlerweile aufgehört. Jetzt hätte man eine schöne Wanderung machen können, vorallem weil die Sonne teilweise durch die Wolken schien und sogar blauer Himmel zu erahnen war. Aber zu spät, der Magen knurrte und das zweite Halbfinale von Britain´s Got Talent sollte auch noch laufen.