Tag 1 - 2: She is on the road again

 

Ein Tag vor Reisebeginn die Koffer packen ohne in Urlaubststimmung zu sein ist schon seltsam. Oder ist man dann erst richtig urlaubsreif?

Da jegliche Aufregung fehlte, wurde künstlich nach geholfen. Der eine oder andere Becher Eiskaffee wurde am Abend getrunken. Nur das ich die zweite Nebenwirkung vergessen hatte. Eine schlaflose Nacht bevor es gen Amsterdam geht ist nicht zu empfehlen.

Die Augen waren müde, denken war auch nicht, aber trotzdem war ich aufgedreht. Irgendwann fingen die Vögel an zu singen, die Sonne ging an einen rosaroteorangegelben, nur von ein paar Schleierwolken bedeckten Himmel auf.

Kurz vor 6 hat es mir dann gereicht. Die restlichen Sachen ins Auto und los gings. Pausenverpflegung muss dann eben unterwegs gekauft werden.

Frühstückspause war dann gegen 8 irgendwo hinter Osnabrück. Diesmal nicht in der Sonne und ein kalter Wind blies auch noch. Die Regenwolken drohten nur, es blieb trocken.

Gegen 10Uhr, auf der niederländischen Autobahn, musste dann doch noch ein Parkplatz für ein Nickerchen angesteuert werden. Es sind zwar nur 120km/h erlaubt, aber die Niederländer fahren so dicht auf. Da muss man hellwach sein, wenn man heil ankommen will. Für den ersten Pakplatz hab ich zu langsam reagiert, beim zweiten bin ich durchgefahren, weil sich zwei Autofahrer quasi direkt neben ihrem Auto erleichtert haben. Igitt.

Der dritte Parkplatz war aber schön gross, übersichtlich und leer. Halbe Stunde schlafen und es ist trotzdem noch jede Menge Zeit.

Trotz dreier mehr oder weniger langen Stopps war ich kurz nach 12 in Ijmuiden, nochschnell vollgetankt, für einen Diesel lohnt es sich. Wer Benzin tanken muss, darf sich dank des schwachen Pfundes auf günstiges Benzin in Grossbritannien freuen. Dürften so 20Cent pro Liter weniger sein als bei den Niederländern.

Ganz das erste Auto war ich 700m weiter in der Warteschlange nicht, zwei LKWs und ein Kleinwagen standen schon da. Bei drei Spuren war ich trotzdem ganz vorne. Jetzt hiess es sich drei Stunden lang die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen bis die Checkin-Schalter für die PKW´s, Motorräder und für das Paar mit den Fahrrädern geöffnet werden.

Da ich ein ausgedrucktes Ticket hatte, ging die Abfertigung bei mir am schnellsten, bei den OnlineTicketBesitzern dauerte es etwas länger. So kam es, das ich mich an der gleichen Stelle wiederfand wie vor 1,5 Jahren. Linke Reihe ganz vorne. Links neben mir warteten schon die beiden Radfahrer.

Das nicht wenige Fahrer, zum ersten Mal mit einer Autofähre fuhren, war schnell festzustellen. Die Einweiser waren heftigst mit Winken, Erklären und Laufen beschäftigt, um die Autos in die vorgesehenen Reihen zu bekommen und nicht dahin wo der Fahrer hinsteuerte. Orange bzw. Neongelb Warnwesten sind leicht zu übersehen.

Gegen 16Uhr wurden die ersten Wohnwagen und Autos mit Hängern ins Schiff gelassen. Eine halbe Stunde später dann die PKW´s, die auf den Rampendecks Platz finden.

Auch ich durfte dann endlich die 180Grad Kurve in den Schiffsbauch in Angriff nehmen und machte mich daran die Rampe, die 2 Decks hochführte, zu erklimmen. Aber erstmal halten und den Rückspiegel auf Beifahrerseite einklappen lassen von einem Crewmitglied. Er fragte höflich ob er das dürfe, die Erklärung gab es noch nicht. Weiter gings bergan und schon gab es die Erklärung als ich nochmal angehalten wurde. Das oberste Deck ist dreispurig. Links und rechts waren schon vollgeparkt, ich sollte bis ganz hinten durch in der Mitte und mich dabei soweit wie möglich rechts halten. So weit wie möglich hiess: soviel Platz lassen, das ich keine Schrammen verursache, aber auch nicht weiter weg. In solchen Momentan wünscht man sich dann doch einen Rechtslenker.

Eines ist sicher, solang ich und der Rest hinter mir nicht vom Schiff sind, haben alle Fahrer eines Linkslenkers auf der rechten Spur keine Chance in ihr Auto zu kommen ohne ne Kerbe in die Tür des Nebenmannes zu hauen.

Sachen aus dem Auto und dann auf zur Kabinensuche, die sich einfacher und schneller gestaltete als gedacht. Tür raus und ich stand schon vor Kabinentüren. Nicht meine, aber das Deck stimmte.

Mittlerweile war ich schon fleissig am Kaugummi kauen. Nochmal wollte ich nicht seekrank werden. Flau war mir aber schon ein wenig und der Stolperei als das Schiff beim Verladen eines LKWs etwas wackelte brachte mir nen Scherz eines Stewarts ein. „Jetzt schon seekrank? Wir haben noch nichtmal abgelegt!“

Kurze Kabinenbesichtigung und ab auf´s Deck beim Ablegen zuschauen, was sich noch ein wenig hinzog. Erst 17.15Uhr wurde abgelegt.

Der Hafen war noch in Sichtweite, da verlangte die vorangegange schlaflose Nacht ihren Tribut. Ab ins Bett und schlafen. Das ging richtig gut, nur das Gebläse der Pseudoklimaanlage nervte.

Wer früh ins Bett geht, ist auch früh wieder wach. Mit dem ersten Morgengrauen verfluchte ich die Uhr und drehte mich wieder um. Das ist der Nachteil einer Aussenkabine, sie ist hell. Zwischendurch stellte ich dann schonmal die Uhr zurück, um einen Grund mehr zu haben länger im Bett zu bleiben. Gegen 8Uhr (GMT-1) hielt ich es aber dann doch nicht mehr aus und stand auf. Ab durchs Bad und dann hoch auf Deck, Wetter bzw. Temperatur testen.

Es war ein etwas windig, wie auf See nicht anders zu erwarten, und es war relativ warm, der Himmel bewölkt. So war auch das Wetter bei Ankunft in Newcastle. Mit dem Aufruf ging es zum Auto, wo es erstmal hiess, abwarten bis die unteren Decks geräumt waren.

Nach 15min stellte sich ein Crewmitglied vor mein Auto und die Rundumleuchte deutete ebenfalls darauf hin, das es gleich runter gehen sollte. Als erstes Fahrzeug in der Mitte musste ich als Erstes die Rampe räumen. Vom Schiff gibt es dann zwei Wege. So können zwei Auto gleichzeitig das Schiff verlassen und sich an unterschiedlichen Schlangen für die Grenzkontrolle anstellen.

Kurz nach halb 10Uhr verliess ich das Hafengebiet und machte mich auf den Weg nach Cairnryan wo ich die 17.30Uhr Fähre nach Larne/Nordirland erreichen musste. Gut 160Meilen hiess es zurückzulegen. Das Navi veranschlage dafür 3 Stunden. Ich fand das reichlich optimistisch, denn bis auf ein kurzes Stück war laut meinem Atlas nur Landstrasse angesagt.

Vorher hiess es aber erstmal Newcastle durchqueren. Hierbei musste ich mich blind auf das Navi verlassen, weil ich keinen Stadtplan hatte. Eine Kreuzung und Kreisverkehr nach der/dem andere/n folgte. Aber schon bald war ich auf der Landstrasse und nahm ordentlich Geschwindigkeit auf. Doch abrupt wurde gestoppt. Blaulicht und rechts abbiegender Verkehr verhiess nichts Gutes.

Die Strasse war wegen einem Unfall komplett gesperrt und man wurde auf eine Nebenstrasse geschickt. Dem Navi schmeckte das garnicht. Es hiess dem Vordermann folgen und hoffen, das dieser die gleiche Richtung einschlug. Wenn vor einem 20 und mehr Autos und mehrere grosse LKW auf einer sehr engen, kleinen Strasse sind, kann man nicht so falsch sein. Einfach der Masse hinterher.

In einem kleinem Dorf kam sogar ein Opa aus seinem Haus und schaute nach, was dieses Massenaufkommen sollte. Enge Strasse, viele Steigungen und Kurven. Trotzdem gab es zum Teil rasante Überholmanöver, sogar von LKW ausgeführt. Wenn man schon fast 20Meilen über die Dörfer geschickt wird, will man nicht hinter einem Sonntagsfahrer herschleichen. Ich lernte auch wieder neue Vokabeln fürs Verkehrsenglisch. Die Strassen waren teilweise so steil, das in den Senken Fahrzeuge mit langem Radstand aufsetzen konnten. Davor wurde mit Verkehrszeichen gewarnt. Für mich Learning bei Doing, während ich mich noch fragte was das Wort nun wieder heissen sollte, sah man die Erklärung schon auf dem Asphalt.

Die meilenlange Kolonnen wurde von nicht wenigen Motorradfahrern aufgemischt, die ebenfalls auf den Weg zu einer der beiden Fährhafen nach Nordirland waren.

Kurz vor dem Ende der selbstgestalteten Umleitung kam noch eine besondere Herausforderung: Gefälle von über 14%, S-Kurve, scharf links, am Berg anfahrend, abbiegen (normalerweise auch noch Vorfahrt gewähren) und eine enge Brücke überfahren, das alles auf nichtmal 500m. 30min hat dieser Umweg gekostet. Aber immernoch war ich super im Fahrplan.

Sobald Schottland erreicht war ging es wider Erwarten auf eine grosse Schnellstrasse, die schon autobahnmässig war. Ab hier wurde vor einem erhöhten Aufkommen an Motorradfahrern gewarnt. Die Motorradfahrer hatten das gleiche Ziel wie ich. Eine Fähre nach Nordirland und von da weiter nach Coleraine. Am Samstag sollte das berühmte Northwest 200 stattfinden. Ein Strassenrennen für Motorräder.

Da man das immer im Hinterkopf hatte gab es auch keine Probleme mit den Bikern. Sobald sie im Rückspiegel auftauchten fuhr man etwas weiter links und sie düsten schnell vorbei. Nicht selten für das Platzmachen Dank winkend.

Gegen 13Uhr erreichte ich den Fährhafen Cairnryan. Zu früh um für die gebuchte Fähre einzuchecken. Ich hätte die Fähre, die grade im Hafen lag gegen Aufpreis nehmen können. Ich zog es vor zu parken und die Ortschaft zu erkunden. Cainryan ist ein Strassendorf, was fast nur aus dem Fährhafen zu bestehen scheint. Nichtmal eine noch funktionierende Tankstelle gab es. Es gab ein kleines B&B, was sich auch Restaurant und Cafe nannte. Das Restaurant befand sich in einem Raum, der wohl mal ein kleines Wohnzimmer war, worin eine kleine Theke eingebaut war und drei kleine runde Tische standen.

Wer auf eine Fähre wartet, dem wird kein Hauptmenü serviert. Dessen Zubereitung dauert mind. 90min. Wird also frisch zubereitet. Ich hatte zwar Zeit, wählte aber doch nur eine Art Panini. Zurück am Parkplatz wollte ich mir nochmal den Weg vom nordirischen Fährhafen Larne zum Giants Causeway anschauen, um ein wenig unabhängig vom Navi zu sein. Ich stellte mit erschrecken fest, das mein Autoatlas nur für Britannien war. Das schloss die Irische Insel nicht mit ein.

Endlich war es Zeit sich für die Fähre anzustellen und einzuchecken. Es erfolgte noch ein Sicherheitscheck, wo sich bemerkbar machte, das ich noch nicht auf Englisch umgestellt hatte. Es brauchte einige Anläufe bis ich verstand was die Dame von der Security von mir wollte. Ich hatte nichts Brennbares im Auto, keinen Ersatzkanister für Treibstoff und das Gepäck hatte ich selber ins Auto getan.

Man wurde nochmal in verschiedenen Reihen für eine halbe Stunde geparkt bis es letztendlich Richtung Schiff ging. Hoffentlich weiss der Erste in der Reihe wo es lang geht. Es ging von einem Hafenende in Kurven und Schleifen zum anderen Ende wo eine Rampe zur Fähre führte. Normalerweise heisst es auf dem Autodeck dicht aufschliessen. Aber ich wurde eine Wagenlänge hinter meinem Vordermann gestoppt.

Knapp zwei Stunden sollte die Überfahrt dauern. Zum Glück hatte diese Fähre eine Quiet Lounge. Wenn zweie Busse voll mit Schulkindern mit an Bord sind, gibt es ansonsten keinen ruhigen Ort. In der Quiet Longe konnte man in einer Art Flugzeugsitzen dagegen in aller Ruhe vor sich hin dösen oder gar einschlafen.

Bei der Ankunft in Larne erklärte sich auch die Lücke, die ich lassen musste. Neben mir parkte der Fusspassagierbus. Hoffensichtlich war eine gehbehinderte Person an Bord, die per Rollstuhl transportiert wurde.

Die ersten Fahrzeuge, darunter einer der beiden Reisebusse für die Schüler hatten die Fähre schon verlassen. Als plötzlich zwei junge Männer Richtung Bugklappe rannten. 200m ausserhalb des Hafengeländes stand der erste Bus mit Warnblinkanlage auf dem Seitenstreifen. Da hatte wohl jemand seinen Bus verpasst.

Larne ist eine richtige, aber wenn auch kleine Industriestadt. Nach Cairnryan ein unerwarteter Anblick. Dank fehlender Karte musste ich mich nun blind dem Navi anvertrauen. Noch in Larne wurde ich von einem grossen LKW überholt und mit anfänglichen Schrecken musste ich feststellen, das er dieselbe kleine Strasse einschlug, wie ich auch. Hier war der LKW nicht mehr so schnell wie in dem Moment wo er an mir vorbeibrauste. Wenige Meilen schlich ich hinter dem LKW her ohne Chance überholen zu können. Zu unübersichtlich war die Strasse. Aber bald war ich froh über die Führungsarbeit. Die Sichtweite war unter 100m, teilweise unter 50m gesunken. Man fuhr inmitten einer Wolkenwand. Doch nach wenigen Meilen klarte es auf und ich nutzte die nächste lange Geraden für mich und zog am LKW vorbei.

Landschaftguggen ging gar nicht. Der Strassenverlauf, die Strassenbreite, das Wetter und der Verkehr liessen es nicht zu. Und plötzlich stand man im Stau. Irgendwo in der Pampa ohne Karte um einen möglichen Schleichweg zu erspähen. Mit viel Stop und wenig Go ging es durch nordirischen Landregen langsam voran. Als man ein halb in der Strassenrandbepflanzung hängendes, demoliertes Auto passiert hatte, ging wieder als wäre nichts gewesen. Schon komisch, jemand war noch in diesem Auto und fuhrwerkte darin rum, aber es war kein zweites beteiligtes Auto zu sehen, niemand hielt an.

Wenn ich bis dahin dachte, ich bin nicht mehr auf einer Hauptstrasse, dann hatte ich gefehlt. Die letzten Meilen legte ich auf Strassen zurück, die teilweise keine Markierung aufwiesen und direkt von Feldzäunen und Gebüschen begrenzt waren. Da es allerdings nur sehr wenig Gegenverkehr gab, wurden die erlaubten 60Meilen die Stunden weitesgehend genutzt. Das machte ziemlich viel Spass, solang man es nicht übertreibt und vor den Kurven abbremst. Ehe ich mich versah bog ich auf die Causeway Road ab und näherte mich meinem Ziel. Dank der guten Beschreibung, die zwei Tage vor meiner Abfahrt in Deutschland abgeklärt wurde per Skype und Google, traf ich auch gleich im ersten Versuch die richtige Hofeinfahrt.

Dann nur noch Gepäck aus dem Auto und ab ins Bett. Die Gegend kann man sich auch noch am nächsten Tag anschauen.