Tag 4: Giants Causeway / Coast Path

 

Einen Chauffeur zu haben eröffnet ganz andere Möglichkeiten. Man kann lange Wanderungen in eine Richtung unternehmen und ruft dann einfach an, wenn man nicht mehr kann.

Heute sollte es Richtung Carrick-a-Rede den Causeway Coast Path entlanggehen.

Die ersten 5 Meilen geht’s es oben auf den Klippen entlang. Dies bedeutet das einen öfters mal die Luft zum Atmen wegbleibt, nicht nur wegen der Aussicht, sondern auch wegen des kräftigen Windes der dort bläst. Zum Glück blieb es trocken.

Eine Bucht nach der anderen wurde passiert. Doch an den Anblick kann man sich nicht gewöhnen. Jede Bucht hat ihre Besonderheiten. Am Fusse der Klippen kann man noch den alten Pfad erkennen, der vor 15Jahren geschlossen wurde. Ein paar Wahnwitzige versuchen trotzdem noch sich da entlangzuschlagen. Nur ist dieser Weg nicht mehr zu 100% existent und der Rest ist von ständigen Erdrutschen und Felsstürzen bedroht.

Man kann immer wieder die Schutthalden sehen und die Narben, die die Abgänge in der Felswand hinterlassen haben.

Nach gut einer Stunde konnte man einen Sandstrand in der Ferne erkennen: White Park Bay. Noch war man aber auf den Klippen.

Nach gut zwei Stunden erreichte ich Dunseverick Castle. Besser gesagt, die Ruinen von Dunseverick Castle. Es standen nur noch 3 kleine Mauern auf der Klippe. Eine der Mauern scheint zudem bald einzustürzen. Weiter ging es über Schafweiden Richtung Strand als Regen aufkam. An einem kleinem Hafen, besser wäre wohl kleine Pier, musste ich nach dem Weg fragen. Der Pfad war durch einen Parkplatz und hinter einem Haus ein wenig versteckt. Die Kamera wanderte in den Rucksack, so hatte ich beide Hände frei um über Felsen zu kletten und mich an den Schafstritten festzuhalten für die ich eindeutig zu kurze Beine hatte.

Eine halbe Stunde sollte es vom Hafen zur White Park Way sein und "a nice way". Bei Regen war das allerdings nicht so "nice". Es führte eine rutschige, aus Fels gebaute Treppe in den Fels rein, nur wohin? Vor mir war eine Felswand! Um die Ecke rum führte der Weg durch eine kurze Höhle. Hier konnte man sich vor dem Regen geschützt unterstellen und den Chauffeur anrufen. Besser gesagt, mein Chauffeur rief mich an und bat mich, das ich ihn bitte das ich abgeholt werde.

Ein Treffpunkt wurde ausgemacht. Ich musste noch einmal über Felsen, weiter zum Strand und diesen dann gen Strasse verlassen.

Nach den Felsen wurde es ein wenig knifflig, denn ich musste über abgestürzte Felsenstücke klettern und sollte mich vor herabstürzenden Felsen in Acht nehmen. Nur die Vorwarnung wegen der Tide verstand ich nicht. Das Meer war ein paar Meter weg. Als ich einen zweiten kleinen Hafen erreichte und der Weg Richtung Wasser ging, verstand ich die Warnung. Jetzt ging es über richtigen Fels. Rechts stiegen die Klippen im rechten Winkel hoch und links schlugen die Wellen gegen die Felsen. Dazwischen waren nur wenige Meter Platz. Es war zwar Ebbe, aber die Felsen waren rutschig und ein Weg war nicht zu erkennen. Einfach immer weiter und versuchen sich nicht die Füsse zu brechen oder andere Knochen.

Es waren keine 100m die es zu überwinden galt, aber es dauerte eine Ewigkeit den Parcour zu absolvieren. Nach der reinen Felsenstrecke folgte noch ein Abschnitt mit Sand, wo aber teilweise schon die Wellen an Strand und Stein leckten und abgerissener Kelp den Untergrund verbarg.

Schliesslich war der Sandstrand erreicht und es hiess nur noch im immer stärkeren Regen, den Weg durch die Dünen und die Klippe hoch. Das Ziel war der Parkplatz der alten Jugendherberge von White Park Bay. Nur hatte es am Telefon nicht geheissen, wir treffen uns Portbraddan? Das wäre aber der kleine Hafen, den ich passiert hatte. Ich war zu weit gelaufen.

Der Regen nahm immer weiter zu. Doch zum Glück war die Ortsangabe per Telefon falsch gewesen, mein Chauffeur tauchte an der Kreuzung Richtung Parkplatz auf als ich mich grade auf den Weg nach Portbraddan gemacht habe, was 1km entfernt war.

„Zuhause“ musste ich feststellen, das ich mich nicht getäuscht hatte. Ich hatte mir eine Blase gelaufen. Dabei waren die Schuhe garnicht neu und ich hatte schon einige Wanderungen mit ihnen unternommen.

Ich liess es mir trotzdem nicht nehmen, am Abend mit anderem Schuhwerk zum Giants Causeway aufzubrechen und diesmal den Sonnenuntergang zu beobachten. Man ist soweit im Norden, das sich die langen Tage bemerkbar machen und die Sonne erst gegen halb 10Uhr untergeht. Dementsprechend spät kann man loslaufen. Nur sehr wenige Menschen trifft man zu dieser Zeit an den Steinen an.

Der Himmel war bewölkt, aber das gab dem ganzen eine besondere Atmosphäre. Als die Sonne unter die Wolken gesunken war, beleuchtete sie die Klippen und Steine in einem einzigartigen Licht und liessen sie unwirklich erscheinen.

Aufkommender Regen vertrieb mich auch diesmal. Nicht ohne vorher meinen ersten irischen Regenbogen erblickt zu haben. Ein Ende am Amphitheater und das andere Ende über Giants Chair.