09. Juni - Trekking on Rum, Day 1

Um 6.30Uhr der letzte liegende Blick auf die Uhr. Zeit zum Aufstehen und packen. Das Wetter ist für mein Vorhaben schonmal toll. Es ist trocken und bewölkt, die Sonne sorgt aber schon für Spots über Loch Slapin. Was toll auszieht.



Zwischen dem packen gehts kurz rein ins Cottage. Es gibt Jim's Porridge und zum Trinken Milch. Warum auch immer ist diese wohl aus Pulver angerührt, was man dem Geschmack aber nicht anmerkt.
Weiter mit dem Packen und dem Abarbeiten der Liste. Wo ist mein Taschenmesser? Rucksack auf den Kopfstellen, zum Auto und die dortigen Tüten von unten nach oben und zurück drehen, Kofferraum durchsuchen. Das Messer bleibt unauffindbar. Da fällt Christine ein, das sie noch eines hat und zu meinem Glück ist es nicht im Boatsman Cottage, sondern im Rowan. So kann sie es mir leihen. Meine Uhr ist auch unauffindbar. Gestern hatte ich sie noch. Aber die brauch ich auch nur bedingt, ich habe ja noch das Handy und GPS. Ich brauch die Uhrzeit eigentlich auch nur für die Fähre.

Aufgrund der Messersucherei, die mich aus dem Konzept bringt, schaff ich den Bus nicht mehr. Jim sieht das schon vorher kommen und bietet mir an, mich nach Elgol zu fahren. So fahr ich mein Auto erstmal zu Audreys Haus und park es da. Muss ja die Tage nicht direkt an der Strasse stehen.

Jim hat meinen grossen Rucksack schon im Auto verstaut, aber den kleinen Rucksack übersehen, der den Proviant für den zweiten Teil auf Canna enthält sowie das Paar leichte Trekkingschuhe. Nach mehreren Tagen in den Stiefeln werden das meine Füsse bestimmt toll finden.

Am Office von Bella Jane Boat Trips komm ich so sehr früh an, ich übergib Jim meinen Autoschlüssel zur Aufbewahrung (wo ist eigentlich das Portemaine hin? Im Rucksack ist nur Ausweis und Bargeld in einer kleinen Tüte). Ich hätt auch laufen können, so als Warm Up, aber sich fahren lassen ist numal bequemer.

Als es Zeit für das Fertigmachen zur Abfahrt wird, helf ich ein paar Leuten beim Anziehen der Schutzkleidung und Anlegen der Schwimmwesten. Mir zeigt David nur noch, wo die Sachen liegen und flugs bin ich auch schon angezogen. Nur der Verschluss der Schwimmweste ziert sich etwas, das System ist mir zwar klar, aber es dauert trotzdem bis ich die beiden Enden des Gurtes korrekt verkantet habe.

Vollgepackt mit meinem Rucksack folge ich den anderen hinterher zum Boot. Ich lern Jane kennen, die jetzt Crew auf der Bella Jane ist und mir die Trekking Stöcke trägt. Ich unterhalte mich mit ihr, während Alex die Sicherheitseinweisung macht und dabei die anderen unterhält und für Lacher sorgt.

Die Bella Jane liegt noch am Ankerplatz, Jane bekommt eine Taxiüberfahrt. Der Skipper heute ist Luc, neu seit dieser Saison und im Wheelhouse als Alex mit dem RIB längsseits geht. Jane steht auf dem Bootsrand des RIBs, Hände an der Reling der Bella Jane und will rüberklettern. Da treiben beide Boote langsam aber sicher auseinander. Wie in Zeitlupe und Jane immer noch mit Füssen auf dem RIB, Hände an der Bella Jane. Und irgendwann kam das, was kommen musste, weil es jeder sah. Man muss allen zu Gute halten, das trotz bereiter Kameras keiner ein Foto schoss, vielleicht weil keiner wirklich daran glaubte, was da gerade geschah. Jedenfalls waren beide Boote irgendwann soweit auseinander, das Jane ins Wasser stürzte.

Alex und eine Passagierin, die näher zum Heck sass, halfen Jane aus dem Wasser fischen. Sie konnte auch schon wieder lachen. Und das wichtigste (ausser das sie sich nichts getan hatte ausser ein frisches Bad) war, das sie die Milch gerettet hatte. Kaffee oder Tee ohne Milch auf der Bella Jane ist undenkbar.
So ging es mit einer pitschnassen Jane nochmal zur Jetty bevor Kurs auf Rum genommen wurde.

Es waren alle am Lachen über die Story. Alex setzte dem noch die Krone auf, als er erzählte, das er just an diesem Morgen gefragt wurde ob schonmal beim Umsteigen zwischen den Booten was passiert ist und er es verneint hatte. Und ausgerechnet heute gibt es einen ungeplanten Wassertest.



Ich bin der einzige Grund wieso es heute nach Rum geht, das eigentliche Ziel ist Canna und die dortigen Brutkolonien der Seevögel. Unterwegs gibt es einen kurzen Stop als Alex einen Minkwal sichtet. Ich bin anscheinend die einzige die ihn ebenfalls noch sieht, allerdings nur noch die Finne. So wird noch einige Minuten gewartet ob der Wal wieder auftaucht, aber leider ist das nicht der Fall.

"Nur" Manx Sheerwaters (Atlantiksturmtaucher - Puffinus Puffinus) werden noch gesichtet. Eine riesige Kolonie dieser Vögel gibt es an der Nordküste von Rum und die Vogelkundler freuen sich über diese Sichtung.

Weil Flut ist wird das RIB nicht am Fähranleger gestoppt, sondern es geht weiter zum alten Pier. Hier muss ich über eine Leiter hochklettern. Während ich mich von Schwimmweste und Schutzkleidung befreie reicht mir Alex meinen schweren Rucksack hoch. Uns beiden fällt nicht auf, das sich ein kleines Teil entfernt hat. Ein Passagier reicht es hoch mit dem Kommentar "was immer das ist". Alex identifiziert es korrekt als etwas was verhindert, das ich mir die Finger verbrenne. Es ist die Topfzange. Für mich ist das fast die letzte Gelegenheit, mir es nochmal anders zu überlegen udn vor dem Trekkingabenteuer zu kneifen. Wenn man aber schonmal hier ist, dann kann man im Falle von Kneifen, immer noch in Kinloch auf dem Campingplatz zelten. Dies ist eh mein Notfallplan.

Weil ich nicht am neuen Anleger ausgestiegen bin, kann ich nicht die erste Information für das Geocachen suchen. So lauf ich Richtung Schloss, wo auch das Hostel ist. Da will ich den kleinen Rucksack deponieren. Leider wird mir das verwehrt, das Hostel ist ausgebucht, ich bin kein Gast und das Hostel auch kein Storage, die haben keinen Platz. Keinen Platz für einen kleinen Rucksack? Mit Frust geh ich zurück zum Eingang (war es wirklich ein Fehler auf schottische Gastlichkeit zu vertrauen?).

Bevor ich versuche den Inhalt der Rucksack zu vereinen, erstmal in der Abwesenheitsliste mit meiner Tour eintragen. Mmh, sind die überhaupt nicht auf Trekker eingestellt? Die Routenkarten sind anscheinend für Tagesausflüger konzipiert. Ich kann jedoch keine Ankunftszeit angeben, sondern nur einen Tag und meine Unterkunft ist mein Zelt.

Abgemeldet bin ich somit auch schriftlich, jetzt nur noch den Proviant in den Rucksack bekommen und die leichten Schuhe am Rucksack befestigen, so das sie nicht allzu sehr baumeln. Der Bogengang wo ich am bauen bin, ist windgeschützt und so mach ich Bekanntschaft mit den berüchtigten Rum-Midges. Ich habe leider kein Smidge und auch kein Midgenetz. Ich sollte mich also bald auf die Socken machen und den Midges davonlaufen.
Beim Packen fällt mir auf, das ich die Spoiler fürs Geocachen vergessen habe, sowie den Fahrplan für die Fähre. Na wenigstens hab ich mir die Koordinaten aufgeschrieben und der Fahrplan wird irgendwo auf der Insel schon aushängen.

Auf Richtung Kilmory Bay und auf den Weg dahin die weiteren Informationen für die Letterbox sammeln. Den Weg zur Bay bin ich vor zwei Jahren schonmal gegangen, aber unter ganz anderen Witterungsverhältnissen. Heute ist es sonnig, trocken, ja fast staubig.


Als ich den alten Steinbrecher erreiche tragen sich die Wanderstiefel schon sehr unangenehm und drücken. Wegen dem Zustand des Weges nutz ich die Pause die Trekkingstiefel gegen die leichten Schuhe zu tauschen. Das bedeutet dann zwar mehr Gewicht am Rucksack, aber lieber das, als schmerzende Füsse und erhöhtes Blasenrisiko. Warum hab ich nur solche Probleme mit diesen Stiefeln. Entweder sie laufen sich super oder sie machen nur Scherereien und ich bekomm einfach nicht raus warum.

Wenige Kilometer später  kam die Kreuzung Harris / Kilmory Bay. Mein Weg führte ins Glen Kilmory, aber nicht bis zur Bay. Den dortigen Cache hatte ich schon. Aber der bei dem alten Shieling fehlte mir noch. Im Gegensatz zur Warnung im Listing war der Weg dorthin alles andere als morastig. Leider war damit wohl mein Glück erschöpft oder ich war von Blindheit geschlagen. Nachdem ich einmal um den kleinen Hügel rum bin, mir einiges an Zecken von Ärmeln und Hosen gestreift hatte und immer noch nichts gefunden hatte, beschloss ich zurück zum Weg zu gehen und zum Abzweig ins Glen Shellesder.


Auf diesem Stück Weg fiel mir dann auch ein, das ich nicht nur Spoiler und Fährplan vergessen hatte, sondern TROTZ Checkliste, Toilettenpapier und feuchte Tücher. Na toll. Fürs erste hatte ich Papiertaschentücher und statt feuchte Tücher werd ich wohl den Mikrofaserlappen nicht als Wischlappen fürs Zelt nutzen und (Trink)Wasser nehmen. Ich bin die Liste so oft durch am Morgen, hab auch abgestrichen, wie konnte das nur passieren? Da muss die Packliste für das nächste Mal wohl optimiert werden, mehr detailiert und sortierter.

Am Abzweig nochmal Rucksack absetzen und in Ruhe nach Zecken suchen sowie das Autan erneuern. Ausserdem noch die Koordinaten für die Letterbox ausrechnen. Ich hatte zwar nur 3 von 4 Informationen gesammelt, aber mit etwas Mathe kam man an die Information, die man am Fähranleger findet. Die errechneteten Koordinaten liegen auf der zweiten Etappe, liegen am Weg und der Ort passt auch zu der Vorwarnung, die ich vom Cacheowner bekommen habe.

Aber erstmal Etappe eins zu Ende bringen und den Weg ins Glen Shellesder in Angriff nehmen. Der Pfad ist gut erkennbar und führt mich durch trockene Bachbetten. Oder ist der Weg ein Bachbett? Vielleicht sonst, aber nicht heute. Es war ein angenehmes gehen, teilweise federte der Untergrund zwar, aber solang er nicht nachgibt ist das schön.

An dem Weg wird wohl gearbeitet, Big Packs sind links und rechts des Weges zu finden und Schotter liegt auf dem Pfad. Das es so trocken ist, könnte zu einem Problem werden. Laut Karte hab ich einige kleine Bäche zu queren, vielleicht auch den einen oder anderen grösseren. Nur bis jetzt war da nichts und ich muss irgendwo meine Wasservorräte auffüllen. Gegen einen kleinen Drink zwischendurch hätte ich auch nichts einzuwenden. Mittlerweile ist die Bewölkung nur noch locker.

Es ist leicht zu erkennen, das der Weg normalerweise ziemlich morastig ist. Es gibt alte Fussabdrücke, aber jetzt gibt es kaum Gefahr sich die Hosen dreckig zu machen. Ich trag auch keine Gamaschen. Ein paar Mal muss ich mir zwar den Weg suchen, weil es etwas matschig aussieht, aber es war kein Problem trockene Stellen zu finden ohne den Weg allzu weit zu verlassen.



Mit dem was ich vor zwei Jahren auf Rum erlebt habe oder anderen Wanderungen, die durch leicht morastiges Gelände führten, absolut nicht zu vergleichen.
Sobald ich die Wasserscheide erreicht hatte, hab ich den ganzen Weg runter zur Küste Canna im Blick und davor eine ruhige See. Es herrscht kaum Wind, grade genug um die Midges fernzuhalten.

Als ich laut Karte den grössten zu querenden Wasserlauf erreiche, hüpf ich über ein kleines Rinnsal. Man kann auf der linken Seite ein breites, trockenliegendes, felsiges Bachbett sehen. Aber lieber so als wenn es voll mit Wasser wäre. Auf Rum bei Regen hatten ich schon, muss ich nicht nochmal haben.

Immer weiter geht es das Glen hinab und es ist ein einfaches Laufen, auch wenn durchaus Trittsicherheit gefordert ist. Der Weg ist numal nicht planiert und man muss schon schauen wo die Füsse hingesetzt werden. Mir reicht die Schramme und der riesige blaue Fleck auf dem Schienbein, auf das ich auf den Weg zu Loch Coruisk gestürzt bin.

Als ich nach Tipps für die Wanderung gefragt hatte, hiess es noch unbedingt auf gute Stiefel, Trekkingstöcke und vorallem Gamaschen zu achten. Zumindest letzteres ist unerwarteter Weise unnötig.

Als ich das Ende vom Tal und damit die Küste erreicht habe, ist auch Skye in meinem Blickfeld. Die Cuillins sehen wunderschön aus und verdienen heute so garnicht den Namen Black Cuillins.


Links den Pfad folgen, über den Hügel müsste Glen Guirdil und die Bothy sein, rechts rum würde ich wohl zu der Stelle kommen von der aus ich das Wrack sehen würde.
Warum lauf ich eigentlich mit schweren Gepäck den Hügel hoch, statt dran vorbei? Gut, der Pfad verliert sich kurz und die Aussicht ist einfach verlockend. Noch ist das Gewicht auch kein Problem. Ich weiss das ist da ist, mehr aber auch nicht.

Wenn man Hügel hochsteigt, dann muss man diese auch wieder runter. So ohne Pfad ist das ein wenig schwieriger, aber ohne Rutscher komm ich bei den Ruinen neben der Bothy an. Noch schnell den dortigen Cache aufsuchen und dann weiter zur Bothy.

Auf der Bank davor den Rucksack abstellen und feststellen das man ohne das Gewicht die ersten Schritte wie betrunken torkelt. Mmh, die Gewichtsverteilung im Rucksack ist wohl nicht so optimal wenn ich jetzt so am schwanken bin und die Muskeln sich erstmal wieder dran gewöhnen müssen, wie es ohne die Belastung ist.

Jetzt würd ich mir gern die Bothy anschauen, aber die Tür klemmt. Ich bekomm sie nicht auf. Als ich mit etwas Kraft gegen die Tür haue, erwisch ich den Türklopfer und schon fliesst Blut. Kleine Verletzungen sind ja bei mir schon Tradition, genauso wie ich mit britischen Schlössern ein Kommunikationsproblem habe.

Vielleicht musste Blut fliessen für die Erkenntnis, aber ich stellte plötzlich fest, das der Türklopfer ein Drehverschluss war.  Oder ich war vielleicht schon etwas erschöpft für etwas Nachdenken, andererseits: ein Drehschloss als Türklopfer tarnen?

Vom Hostel bis zur Bothy sind es inklusive Besuch der Old Shielings im Glen Kilmory 14,5km und ich war ca. 5 Stunden unterwegs. Kein schlechter Schnitt. Nur mit Daypack wäre ich auch nicht viel schneller gewesen, ausser ich wäre gerannt.

Aber erstmal muss ich um die Ecke. Ein nettes Plätzchen suchen und finden. Da hör ich plötzlich Schritte. Äh, wie jetzt? Umschauen und ich seh keinen anderen Wanderer sondern einen Rothirsch, keine 5m von mir weg. Ok, es ist eine Sache, wenn einem die Katze auf die Toilette folgt. Hunde sollen das auch machen. Aber ein Hirsch? Wilde Natur erleben schön und gut, aber ich muss mal. Und das geht nicht, wenn mir ein Hirsch dabei zuschaut. Nein, absolut nicht. Also: KSCHT, KUSCH, HAU AB.

Das eine Bedürfnis erfüllt, dann das nächste. Erstmal Mittagessen: Minisalami und dazu Schluck Wasser. 2l hatte ich beim Start dabei, der erste Liter ist weg, der zweite gut angefangen. Aufgrund der Trockenheit sollte ich schleunigst zusehen, die Wasserflasche aufzufüllen. Der Bach nah der Bothy führt ausreichend Wasser, es gibt sogar einen kleinen Minipool. Weil ich das Wasser nah der Mündung zum Meer zapfe  und es schon den ganzen Berg runtergeflossen ist, es wenig Niederschlag gab, aber Hirsche, kommt es zur Anwendung des Desinfektionsmittels. Anrühren der Tropfen braucht 5min und die müssen dann mindestens 40Minuten im Wasser wirken bevor man es trinken kann.
Hoffentlich gibt sich der Geruch noch, riecht arg nach Schwimmbad.

Der Tag war noch jung, noch viele Stunden Sonnenlicht, ich war noch gut beisammen und hatte Langeweile. Wieso sollte ich in der Bothy mein Lager aufschlagen? Mit Aussicht auf Canna, festes Dach über den Kopf und einen kleinen Pool zum Baden? Aber nur einen Rothirsch zur Gesellschaft und ein Sodukoheft als Zeitvertreib?
Warum nicht noch das Glen hoch, über die Wasserscheide und zum Rovertrack nach Harris und nach Harris laufen?

WARUM hielt mich keiner von dieser hirnrissigen Idee ab?

Der Kratzer kurz über den Handgelenk war verarztet, ich fühlte mich fit, ich hatte gut 1,5l Wasser dabei. Rucksack wieder schnüren, nochmal ein Blick auf die Karte auf der KEIN Weg von der Bothy das Glen hoch existierte, im Gegensatz zu der Karte auf dem GPS und los. Erstmal den Bach folgen und versuchen, den Pfad der auf dem GPS war zu finden. Nach der OrdnanceSurvey ExplorerMap gab es erst oben am Glen wieder einen Weg, der von der Wasserscheide am Hang entlang zu der Höhe rechts neben mir führte. Interessanterweise ist auf der Karte auf walkhighlands im Massstab 1:50000 ebenfalls ein Pfad eingezeichnet. VERGESST ES, da ist nichts. Nicht bis man da eine Kolonne langschickt. Wer hat da bloss mal seine Trackaufzeichnung hochgeladen?

Ich folgte weiter dem Bach, immer bergauf. Das Gras war hier höher, es war etwas feuchter und zum ersten Mal hätten Gamaschen eventuell eine Berechtigung gehabt. Zweimal überquerte ich den Bach, die Hoffnung auf einen Pfad hatte ich aufgegeben. Als ich den Hang gefühlt zur Hälfte absolviert habe, seh ich einen der AquaXplorer wie er von Canna Richtung Guirdil kommt.

Auf dem Boot wäre ich jetzt auch gern, statt mich dieses verdammte Tal hochzukämpfen, aber ich bin schon zu weit um jetzt wieder umzukehren. Wäre doch Blödsinn und vergeudete Energie. So langsam merk ich die Anstrengung, ich komm nicht wirklich ausser Puste, ich spür auch nicht das der Rucksack stört, nur die Beine wollen nicht mehr so recht. Als ich einen kleinen, umzäunten "Wald" erreiche muss ich noch einmal über einen Bach. Hier ist der Weg nochmal richtig steil, das Gras noch höher und es gibt keinen Wind mehr. Dafür umso mehr Midges. Ich versuch die Aussicht zu geniessen und leer meinen Wasservorrat.


Bei einem Blick hoch zum Hang seh ich die Old Shielings, die in der Karte eingezeichnet sind. Die setz ich mir zum Ziel. So weit weg scheinen sie nicht zu sein, aber wenn man alle 3-10Schritte Pause macht, dann dauert das. Es ist einfacher zu verstehen alle paar Schritte innezuhalten, um zu Atem zu kommen, als nur aus dem Grund, das die Beine scheinbar keine Kraft mehr haben. Es ist zumindest ungewohnt.

Mein Buff, den ich bis jetzt als Sonnenschutz um den Hals getragen hatte, zog ich bis über die Ohren und hoch zu den Augen, das Basecap möglichst tief. Die Midges kriechen überall hin und nerven einfach nur. Kein Wind, hohes Gras mit leichter Feuchtigkeit und ein müder Wanderer. Ein Paradies für Midges, eine Qual für mich.

Kurz vor den Shieling überseh ich fast einen kleinen Wasserlauf im hohen Gras. Im letzten Moment kann ich einen Sturz verhindern. Als ich die Shielings erreiche ist die Enttäuschung gross. Ich habe zwar den Pfad erreicht, aber die Shielings sind nur etwas grössere Steine. Es ist nicht zu erkennen, das das mal Gebäude waren. Ein Platz für ein Zelt ist es nicht, mal ganz abgesehen davon, das es kein Wasser in der Nähe gibt. Bei einem Blick zurück seh ich die Fähre nach Canna. Hätte das mit dem AquaXplorer heute nicht geklappt, dann wäre das meine Fähre gewesen. Von Mallaig nach Eigg und Muck, weiter nach Canna bevor ich gegen 19Uhr in Rum von Bord gekonnt hätte. Stattdessen war ich jetzt schon knapp 7Stunden unterwegs.
Ja, ich hatte über 1,5Stunden für den etwas über 2km langen Aufstieg gebraucht.



Bis zur Wasserscheide war es noch hin, an Wegstrecke, aber auch ein paar Höhenmeter fehlten noch. Aber das Laufen war jetzt einfacher, weil es einen offensichtlichen Weg gab, es war nicht mehr so steil, es gab eine ganz leichte Brise wodurch die Anzahl der Midges deutlich nachgelassen hatte.

In nur etwa 200m Entfernung passierte ich einen Geocache, aber der war mir jetzt egal. Die 400m waren mir nichts, sie waren nicht auf meinem Kurs. Ich wollte jetzt nur noch nach Harris, vorher Wasser finden und wenn sich vorher eine Stelle für das Zelt fand, dann noch besser.

Endlich erreichte ich die Wasserscheide und konnte wieder Skye sehen, genauso aber auch den Track nach Harris. Laut GPS waren es noch 2km Luftlinie bis zu diesem. Der Weg runter zum Track war sehr unterschiedlich. Von einem grasigen Trampelpfad bis zu sehr breiten Weg war alles dabei. Und wieder konnte man erkennen, das es sonst ziemlich matschig und sumpfig sein dürfte, das ein Grossteil des Weges eher Bach und Sumpf ist, als Weg. Etwas weiter weg sah ich den kleinen Loch a' Ghille Reamhra und dort einen deutlichen steinigen Uferstreifen. Das war bestimmt auch nicht normal.

Kurz vor dem Track führt der Pfad über einen alten Damm, was bedeutet über zwei Stahlträger zu balancieren. Sobald man den Track erreicht, fragt man sich wie man den Weg von da ins Glen Guirdil finden soll. Der Abzweig ist nicht ausgeschildert und der Beginn des Weges ist auch nicht gut erkennbar. Man muss schon wissen, das der Pfad dort abgeht.



Um nach Harris zu kommen heisst es wieder bergan. Am höchsten Punkt des Weges sollte auch die Letterbox versteckt sein. Vorher kam ich allerdings am ersten Wasserlauf seit der Bothy vorbei, aus dem es möglich war, Wasser zu schöpfen. Das Wasser floss da auch so gut, das ich ohne grosse Bedenken einfach die leere Wasserflasche füllte, sie ansetzte und erstmal trank.

Das aufbereitete Wasser schmeckte übrigens nichts geschmacksneutral, sondern ging deutlich Richtung Schwimmbad. Nicht nur vom Geruch, es schmeckte auch nach Chlor. Jetzt hatte ich aber nettes, kühles Quellwasser, um meinen grossen Durst zu stillen.

Erfrischt und diverse Midges aus dem Gesicht gewaschen ging es weiter bergauf. Die Cachesuche war leider erfolglos. Es gab zuviele Verstecke. Und noch 3km Luftlinie bis Harris. Jetzt begann ich allerdings den Rucksack zu spüren, an einer Stelle wo eigentlich kein Gewicht ruht. Unterhalb der Schulterbeuge drückte es auf beiden Seiten sehr schmerzhaft. Und bald kam noch ein taubes Gefühl in der linken Hand dazu, kurz darauf auch in der rechten. Ich weiss nicht was schlimmer war, die Schmerzen unterhalb der Schultern oder das Taubheitsgefühl. Dazu noch die müden Beine. Die spontane Idee nach Harris zu laufen, weil der Tag noch soviel Stunden hat, forderte ihren Tribut.

Endlich erreich ich Harris. Ich seh Kühe, die zusammen mit Hirschen und Ziegen weiden. Aber erstmal muss ich noch um ein paar Kurven bis ich endlich in der Nähe vom Monument bin. Kurz davor ist eine Hütte auf deren Eingangsstufen ich den Rucksack abstelle, die Trekkingstöcke dazu und mich leicht schwankend auf die Suche nach einem Platz fürs Zelt mache.

Vielleicht gibt es weiter im Osten der Bucht bessere Plätze, aber ich war zu fertig um noch mehr Meter zu machen. Einfach nur einen ebenen Platz finden wo keine Kuhfladen und Kötteln liegen. Mehr wollte ich nicht. Nah am Rand der Wiese, an niedrigen Klippen zum Fluss hin, fand ich einen geeigneten Platz.. Beim Aufbau vom Zelt stören die Midges, es gibt wieder keinen Wind. Egal, ich war seit 10Stunden unterwegs und hatte 17Meilen zurückgelegt.

Sachen ins Zelt, Bett aufbauen und Bestandsaufnahme machen. Diese ergab Blasen an beiden Füssen. Die an der Ferse hab ich nicht gemerkt, das man an den Zehen, neben den Nägeln Blasen bekommen konnte, wusste ich bis dato noch nicht. Und wie macht man da Compeed Blasenpflaster drauf? Was scheuerte da eigentlich aneinander? Die Zehennägel oder was?

Und noch was fällt unangenehm auf: ich stinke wie Puma. Das langärmlige T-Shirt nicht, das ist von Icebreaker und antistinky. Allerdings hat das ein kleines Loch wo ich versehentlich mit dem Bauchgurt das Shirt eingeklemmt hatte. Aber die Hose roch und der Buff. Die Hose war zudem nass von Schweiss. Atmungsaktiv ist wohl was anderes und der Wind war zu schwach, um die Hose unterwegs zu trocken.

Ich war zu müde, um Hunger zu haben. Da ich den ganzen Tag ausser das Porridge und die Minisalami nichts gegessen hatte, musste jetzt noch was rein. Möglichst was mit Energie, also Nougatstange. Ja, den Luxus hatte ich dabei, was anderes hätte ich wohl auch nicht runtergebracht wie z.B. Nussriegel. Um den Salzverlust durch Schwitzen auszugleichen gabs noch ein Beutelchen aufgelöste Elektrolyte zum Runterspülen. Eigentlich nimmt man das Zeug, wenn man an Durchfall leidet.

Der Zeltplatz ist zwar in sich eben, aber hat doch leichte Hanglage. So rutsch ich von allein Richtung Fussende und muss erstmal die Matratze wieder nach oben befördern und stopf diverse Sachen als Bremse ans untere Ende. Als letzte Anstrengung des Tages.

Nach der Zweitages-Wanderung an einem Tag bin ich zwar total müde, aber der Schlaf will nicht kommen. Dafür kommen die Schmerzen. Ich weiss nicht wie ich die Füsse legen soll, weil sich jetzt die Blasen füllen. Compeed-Pflaster hin oder her. Die Beine sind auch nur Schmerz, vorallem die Vorderseite der Oberschenkel. Oder ist das jetzt die Folge vom Kajakfahren, weil da standen diese Muskeln gut unter Spannung, aber es sind zumindest keine Krämpfe. Auch die Hüften schmerzen, so fällt auch aus auf der Seite zu schlafen. Jetzt merk ich das ein Grossteil des Gewichtes vom Rucksack auf den Hüften abgestützt wird und auch das aufgrund des Abnehmerfolges einiges an Polsterung fehlt.

Folgendes zeigte mir der TripComputer von meinen GPS:
Tagesleistung: 26.3km (also waren es knapp 12km von Guirdil Bothy bis Harris)
- 7:11 Bewegung, 3,7km/h Schnitt
- 3:11 Stand, 2,5km/h Gesamtschnitt
- Start: 10:27, Ende: 20:49 (um 22Uhr war Schlafenszeit)