10. Juni - Trekking on Rum, Day 2

Trotz der Schmerzen muss ich dann doch eingeschlafen sein, denn ich werd von merkwürdigen Geräuschen geweckt. Es dauert einige Sekunden bis ich es als grasendes Tier identifiziere. Ich tipp mal auf Kuh. Ein wenig wird mir schon bange, nicht um mich, aber um mein Zelt. Nicht das das Vieh die Zeltschnüre testet.

Wenig später wach ich wieder auf, diesmal durch prasselnde Geräusche. Es scheint zu regnen und es hält an. Auch Wind kommt hinzu. Sehr schön, bedeutet es doch, das die Midges nicht aufdringlich sind.

Wenn man eh nicht schlafen kann, vorallem wegen der Schmerzen, dann kann man auch um 5.30Uhr aufstehen und schonmal das Packen beginnen. Das Bett (also Luftmatratze, Schlafsack, Kopfkissen und Schlafsachen waren um 6Uhr in ihrem Fach und ich angezogen.
Ih, die Hose war immer noch feucht und jetzt auch noch kalt. Die Luftfeuchtigkeit war nachts zu hoch, als das da was hätte trocknen können. Da mir keine andere Hose zur Verfügung stand, musste ich mich damit abfinden.

Die hohe Luftfeuchtigkeit ist auch für den Schlafsack nicht so toll, zumal ich nachts selbst noch ordentlich schwitzte. Die Schlafsachen waren bei Temperaturen um die Null Grad angenehm zu tragen, aber für schottische Sommernächte wohl zu warm. Dabei fühlt sie sich dünn an, in Kombination mit dem kuschligen Daunenschlafsack zuviel.

Zeit um das Wetter zu testen. Der prasselnde Regen stellt sich draussen als schwacher Nieselregen heraus. Zeit für die Morgentoilette und mit Schaufel losziehen. Ein geeignetes Plätzchen zu finden ist garnicht so leicht. Der Boden ist so fest, das sich beim Versuch ein Loch zu buddeln, die Schaufel verbiegt.

Wie war das in dem Outdoorforum: "kommen wir zu dem Thema was bei den ganzen Indianer- und Rangergeschichten nicht erwähnt wird". Da ist für so banale Themen wohl kein Platz oder was? oder um es auf den Punkt zu bringen "How to shit in the wood". Wenn man da draussen in der Pampa unterwegs ist, dann ist das nicht mehr so banal und auch nicht mehr lustig, da ist das ein ernstes Thema. Das musste jetzt mal gesagt werden.

Weiter zu anderen banalen Dingen wie Frühstück. Campingkocher anschmeissen und das Porridge köcheln. Ich mag das Zeug eigentlich sehr, aber wenn man keinen Appetit hat (und auch keinen Hunger), dann schmeckt auch das Lieblingsessen nicht besonders. So wärm ich mir die Hände am Topf, während das Porridge beim Essen kalt wird. Aber die Kalorien müssen rein und das Porridge somit runtergeschluckt werden.

So bleibt beim Kampf mit den Frühstück Zeit darüber nachzudenken ob das Tagesziel die Dibidil-Bothy via Papadil wird oder ob es die Strasse lang nach Kinloch und den Zeltplatz geht.
Ich bin müde, die Beine zittern irgendwie von innen. Die Tendenz geht nach Kinloch und somit gegen den eigentlichen Plan.

Als das Frühstück endlich runtergewürgt ist, wird eine kurze Pause im Nieselregen dazu genutzt zu packen. Doch dann werden die Regengeräusche wieder stärker und ich beschliess die Regenhose anzuziehen, statt einzupacken. Als ich die Hose vor 5Jahren kaufte, passte ich mit Müh und Not rein als noch eine dünne Leggins drunter war. Auch vor ein paar Wochen spannte sie noch gut. Jetzt sass sie ganz bequem über der Wanderhose. Na wenigstens etwas Schönes an diesem Morgen.

Bevor das Zelt abgebaut wird, ist nochmal kurz Geocaching angesagt und etwas Fotografieren. Über den einen Berg scheint eine Wolke herabzufliessen, das sieht toll aus. Bis dato hatte ich selber nur Fotos davon gesehen. Aber in Echt sieht das noch viel schöner aus und irgendwie surreal, denn die anderen Wolken hangen ganz normal rum, wenn auch ziemlich niedrig.



Der Cache soll in der Nähe vom Grabmal sein, doch entweder hab ich mir die nicht korrigierten Koordinaten notiert oder ich bin wieder von Blindheit geschlagen. Ich find auch keinen Stein, wie er auf dem Spoiler abgebildet war. An das Foto konnte ich mich noch gut erinnern. Es gab im weiten Umkreis jede Menge Steine. So macht Geocachen echt keinen Spass. Bei dem feuchten Wetter sowieso nicht und von der Sonne ist auch nichtmal ein kleiner Spot zu sehen. Nur tiefhängende Wolken aus denen es irgendwie tröpfelt. So richtig Nieselregen war es dann doch nicht. Eher hohe Luftfeuchtigkeit, die kondensiert.

Als ich das Zelt abbaue ist es mal wieder trocken, trotzdem bleibt die Regenhose an, ich zieh sogar die Gamaschen über und die Regenhülle wird irgendwie über den Rucksack drapiert, der mit den ganzen Anbauten durch Groundsheet, Zeltstangen und Schuhe voluminöser ist als für die Regenhülle angedacht.

Wenn ich nach Papadil will, muss ich trotzdem ein Stück die Strasse hoch bis der Abzweig zum Pfad kommt. Aber schon auf diesen kurzen Weg entscheidet die Vernunft über das Tagesziel. Ich werde die Strasse nach Kinloch laufen. Wer weiss wie das Wetter heute noch wird, wieviel es wirklich die Nacht geregnet hat und in welchem Zustand der Pfad ist. Mein Körper war einfach zu fertig, um sich auf unbekannte und unbefestigte Wege zu begeben.

Den Fehler der Selbstüberschätzung hatte ich gestern gemacht. Aus Fehlern lernt man, da muss die Wanderung nach Papadil eben noch warten. Aber ich bin allein unterwegs und entscheide mich gegen das Risiko. Wenigstens heute siegte die Vernunft.

Aber selbst die Strasse war kein leichter Weg für mich. Der Rucksack drückte unangenehm und die linke Hand wurde schon wieder taub und es ging erstmal wieder bergauf. Als ich am Pass der Strasse ankam hatte ich so wenigstens die Gelegenheit nochmal die Letterbox zu suchen. Wie am gestrigen Abend erstmal erfolglos, dann checkte ich nochmal die Rechnung und entdeckte einen Fehler. Kleine Korrektur, kurz umdrehen und schon hatte ich die Box in der Hand. Wenigstens ein Ziel erreicht, wenn auch nur ein virtuelles.

Auf den weiteren Weg hört der Regen auf und die Wolkendecke bricht auf. Als ich die Gabelung zum Kilmory Glen erreiche begegne ich einer Gruppe Wanderer, die mit einem Boot gekommen sind. Einige Meter weiter fällt mir ein, das heute Sonntag ist und gar keine Fähre fährt. Dann wird das wohl eine Chartertour sein.

Weil sich das Wetter merklich gebessert hatte, zog ich die Regensachen und Gamaschen aus und knotete sie an den Rucksack. In den Klamotten wird man durch schwitzen sonst nasser als durch Regen. Viel geregnet haben kann es aber nicht. Der Weg ist zwar leicht feucht, aber es gibt keine Rinnsale und so gut wie keine Pfützen.

Bei Ankunft in Kinloch erstmal zum Hostel und meinen Abwesenheitszettel korrigieren und in die Abteilung "Return" gelegt. Noch ein paar Meter und ich erreichte den Zeltplatz. So hatte ich zum Mittag weitere 11 Kilometer der Gesamtwanderstrecke hinzugefügt. 37km an zwei Tagen. Ich sollte mal meine Definition von Urlaub überarbeiten.

Der Zeltplatz kostet 5£ die Nacht, inklusive Nutzung der Dusche. Der Zeltplatz war mit einem Unterstand, Spülbecken und Wasserhahn sowie Duschen und Toiletten 200m den Hauptweg weiter gut ausgerüstet, nur die Beschaffenheit des Platzes selber liess noch einen Wunsch offen. Die Wiese war zwar gemäht (auch wenn das Heu noch rumlag), aber eben ist was anderes. Da ist man auf einen ausgewiesenen Zeltplatz und hat mehr Probleme eine gute Stelle zum Zelterrichten zu finden als beim Wildcampen.



Im Unterstand waren zwei Männer, der eine hatte sein Biwak noch aufgebaut, der andere war grade am Einpacken bevor es auf zur Wanderung nach Papadil via Dibidil gehen sollte. Er zeigte mir wo sein Zelt gestanden hatte und es eine ebene Fläche gab.

Zelt aufbauen und dann die Küche im Unterstand einrichten und Mittag kochen. Jetzt hatte ich Hunger und Appetit. Also Tütensuppe (Reis mit Huhn?) anrühren und den Magen füllen, sowie Small Talk halten. Über das Wetter, die Wanderpläne, aber auch über die Boote am Pier und die Wanderer die mir entgegenkamen und auseinanderklamüsern, wer wohl zu welchen der Boote gehört und woher diese kommen.

Am frühen Nachmittag geht es an ein Ortserkundung. Im Infostand fand ich einiges zum Tierleben auf Rum, aber auch den Fährenfahrplan. Auch am Montag sollte es eine Fähre nach Canna geben.
Da ich auch beim Zeltaufbau, unmittelbar neben dem Ufer der Bucht bei leichten Wind, von Midges genervt wurden war und meine Beine nach Erholung suchten, selbst beim Laufen ohne Rucksack tat mir die Hüfte weh, entschied ich mich am Montag die Flucht nach Canna anzutreten.

Vorher muss ich aber noch eine Mission erfüllen. Vor zwei Jahren habe ich den Cache in der alten Siedlung nicht gefunden, was an ungenauen Koordinaten lag. Jetzt hatte ich bessere und zudem einen Trackable bei mir, dessen Missionsanhänger aussagte, das er nach Rum und dort nach Ghosttown wollte. So heisst der Cache nah der alten Siedlung. Zweites virtuelles Ziel auf Rum erreicht.

Für Otters Hide bin ich heute zu ungeduldig bzw. ist es da einfach zu unbequem zu sitzen.
Da ist es bequemer ein kleines Päuschen am Pier zu halten bevor ich weiter zur Village Hall laufe.
Die ist scheinbar rund um die Uhr geöffnet bzw. wird nicht abgeschlossen. Es gibt auch Internetzugang, aber interessanter ist der Bücherstapel neben dem Eingang. Für mich nur leichte Lektüre, ein Buch eher für Kinder.

Am frühen Abend ist Zeit um die Dusche zu testen. Sonntags scheint wohl allgemeiner Waschtag zu sein. Beide Duschen sind besetzt, also nochmal ein kleiner Spaziergang. Als ich zurück komme ist eine Dusche frei, wenn auch Dampfbad. Hoffentlich kommt gleich nicht noch ein Duschwilliger um die Ecke, aber ich muss erstmal dem Vorgänger seine Uhr bringen, die er auf der Ablage hat liegen lassen.

Obwohl Dampfbad herrschte und ein Schild darauf hinwies die Dusche nicht länger als 5min zu nutzen, weil heisses Wasser nur begrenzt zur Verfügung stand, war für mich noch genügend da um mehr oder weniger ausgiebig aber warm zu duschen.

Auch wenn meine Wandersachen keine Wäsche bekamen und somit immer noch durchgeschwitzt waren, allein das ich wieder sauber war, war schon ein erhebendes Gefühl. Man sollte nie den Luxus einer warmen Dusche unterschätzen.

Als Abendbrot noch Nudeln im Unterstand kochen und ab ins Bett. Schon drin, hör ich Stimmen die sich vom Wasser nähern und als ich aus dem Zelt luke entdecke ich vier Kajaks, die sich dem Zeltplatz nähern und den Strand ansteuern, der bei Ebbe vorzufinden ist.

Wieder zurück in den Schlafsack kuscheln oder Sachen überziehen und den Kayakfahrern zuschauen? Die Neugier siegt und ich verlass das Zelt. So kann ich sehen wie es vier Leute braucht um ein Kajak anzuheben und auf den Rasen zu tragen. Vier Mann? Nicht nur zwei?
Sie reden irgendwas von einem Grill, da ich weiss wo dieser sich (versteckt im Gras) auf den Zeltplatz befindet, zeigt ich ihnen den Grill und helf beim Feuermachen in dem ich mein Feuerzeug zur Verfügung stelle.
Das Feuermachen beginnt mit einer anhaltenden Räucherei. Das Holz aus dem Unterstand ist noch zu frisch um gut zu brennen. Um das Feuer in Gang zu bekommen, wird der Flüssigbrennstoff vom Campingkocher verwendet um das Holz ein wenig damit zu tränken. Das Zeug tut es dann.

Bis dahin wird das Biwak in der Nähe vom Grill gut eingeräuchert, andererseits garnicht mal so schlecht, weil Midges Rauch nicht mögen. Da wird sich der Besitzer vielleicht doch freuen.

Der Grill ist für frischen Fisch gedacht, den die Paddler von einem Fischerboot erhalten haben. Neben den zwei toten Fischen wird noch mehr an Lebensmitteln aus den Booten geholt. Massen an Lebensmitteln. Kein Wunder wieso es vier Leute brauchte um die Boote an Land zu bringen. Bei den Lebensmitteln sind auch Jakobsmuscheln dabei, geräucherte Lachs, diverse Pesto, Gnocci usw.
Die vier sind von einem Kanuclub in Glasgow, wobei einer ein Italiener ist, der seit 7 Jahren in Glasgow arbeitet. Sie sind am Morgen in Canna losgefahren und über die Südküste von Rum nach Kinloch gepaddelt.

Da noch einige Getränke den Weg auf den Tisch finden und es nach einem mehrgängigen Menü ausschaut, verzieh ich mich zur Nachtruhe ins Zelt. Trotz der Truppe unweit entfernt, entfleuch ich schnell in Morpheus Arme.