13. Juni - Rückkehr nach Skye

Der Wind nahm in der Nacht ordentlich zu und einmal bin ich nachts auch ums Zelt um zu prüfen ob die Heringe und Leinen noch fest waren. Aufgrund des Bodens konnte ich nämlich nicht alle Heringe tief einbringen.

Als ich später, gegen 1Uhr, nochmal aufwache, suche ich nach meiner Brille, sie ist nicht am Kopfende. Nach einigem Suchen finde ich sie IM Schlafsack. Wie ist sie nur dahin gekommen? Ist doch gefährlich. Hab ich zur Not überhaupt meine Sonnenbrille dabei? Denn ohne Brille bin ich aufgeschmissen.

Wenn man aber schonmal auf ist, dann kann ich auch Fuss- und Kopfende miteinandertauschen. Das Zelt steht mal wieder in leichter Hanglage, diesmal rutsch ich zwar nicht, aber den Kopf tiefer als die Füsse zu haben, war nicht angenehm.

Bis halb 7 versuch ich nochmal ein paar mal zu Schlaf zu kommen. So kuschlig der Schlafsack auch ist, erholsamer Schlaf ereilt mich nicht. Beim Zähneputzen auf Aussichtsposten schau ich so sehr in die Gegend, das ich nicht mitbekomme, das das T-Shirt bekleckert wird. Weisse Zahnpasta auf roten Stoff sieht nicht gut aus, aber ich habe ja noch ein Ersatzshirt dabei.

Wenn der Wind nicht so stark gewesen wäre, dann hätt ich ja gern unter dem Wasserschlauch geduscht, aber kaltes Wasser und kalter Wind wollte ich dann doch nicht haben, die Sonne liess sich noch nicht blicken.

Auf dem Weg zur Toilette zählte ich immer noch alle 15 Segler und auch das Fischerboot war noch im sicheren Hafen. Die Trottellumme sass immer noch auf der Rampe, aber höher als am Abend.

Zurück zum Zelt und zusammenpacken und alles zur Pier bringen, da ist es einfach gemütlicher. Ausserdem kann ich da im Warteraum mein Porridge köcheln, was nachher auch nur wieder zur Hälfte verzehrt wird. Dabei ist die Portion doch garnicht gross.
Den Coleman bekomm ich einfach nicht auseinandergebaut, er ist wackelig und nicht nicht mehr tauglich fürs Zelten in seinem Zustand, weil zu gefährlich.

Fertig mit Frühstück, geh ich wieder zu der Trottellumme und mach ein paar Fotos, das Tier macht keine Anstalten zu flüchten oder in Deckung zu gehen. Da kommt die Frau vom Community Shop auf ihren Fahrrad und gefolgt von dem kleinen schwarzen Terrier an. Ich habe das Paar in den letzten beiden Tagen ein paar Mal gesehen. Ich frage sie wegen dem Vogel, ob man da was machen kann. Weil normal ist das ja nicht, das er da sitzt. Zumal sich eine Kotspur vom Wasser bis zu dem aktuellen Sitzplatz hochzieht.



Es gibt wohl zwei Experten auf der Insel, eine Frau auf Sanday und dann einen Ranger vom National Trust, der im Garten von Canna House arbeitet. So lauf ich also zu Canna House und betrete zum ersten Mal das Grundstück. Um in den Garten zu kommen muss man durch einen Bogengang durch, der aus einem Baum oder Strauch gebildet wird. Im Gang ist es dunkel, angenehm kühl und es riecht phantastisch frisch und blumig ohne das es einen erdrückt.

Bei der ersten Runde durch den Garten find ich niemanden, nur leere Schuppen und eine Schubkarre. So geh ich nebenan im Tearoom fragen. Da sagt man mir ich soll nochmal im Garten schauen, "Will" muss da sein.
Also eine zweite Runde, diesmal find ich Will oben bei den Schuppen. Ich erzähl ihm von dem Vogel und er stellt mir Gegenfragen zu den Farben. Herrgott, es ist ein schwarzweisser Vogel, ich bin froh das ich weiss da es ein Guillemot ist, aber da gibts wohl Unterschiede. Es gibt Guillemots (Trottellummen) und Black Guillemots (Gryllteisten). (Im Nachhinein, die gehören unterschiedlichen Gattungen an, aber die Black Guillemots sind viel seltener). Dem Vogel muss aber so oder so geholfen werden in irgendeiner Art und Weise.

Will fragt mich ob ich mit ihm fahren will. Erst lehn ich ab und will laufen. Doch als ich raus an die Sonne komme und die Entfernung zum Pier abschätze und neben dem Auto stehe, fahr ich dann doch lieber. Das Auto hat sich in der Sonne (ja, sie ist mittlerweile rausgekommen und zwar satt) ordentlich aufgeheizt.

Will nimmt den Vogel in die Hand und untersucht ihn etwas genauer. Ich bekomm eine kleine Unterrichtsstunde in Ornithologie. Trottellummen, es ist kein Black Guillemot, weil die haben orange/rote Beine, können nicht auf dem Festland laufen. Ihre Beine sind dafür zu weit hinten, ähnlich wie bei Pinguinen. Aber in Gegensatz zu diesen können sie fliegen. Deswegen ist das Tier auch nicht geflüchtet, es konnte nicht wegrennen.

Der Vogel ist nicht beringt, Beine und Flügel sind in Ordnung, es liegen keinen offensichtlichen Verletzungen vor. Der Vogel ist vielleicht ein wenig dünn, aber noch nicht besorgniserregend. Der Vogel ist auch kein Jungvogel mehr. An der Farbe vom Gefieder, welches noch ein wenig braun aufweist kann man erkennen, das er etwa 3 Jahre alt ist.

Will setzt den Vogel aufs Wasser, wo er versucht sich mit den Flügeln fortzubewegen. Das ist auch normal so. Nicht normal ist, das der Vogel wieder zum Slipway zurücktreibt. Tiefes Wasser wäre für ihn besser. In einer Stunde kommt das RIB, dann könnten wir ihn raus zu den Felsen bringen. Will gibt mir den Vogel und ich habe ihn in meinen Händen. Er ist ziemlich leicht ohne das er sich zerbrechlich anfühlt.

Für die Wartezeit setzt ich den Vogel in den Schatten auf den Slipway. Da legt er den Kopf auf den Boden, er kann ihn nicht oben halten. Ein ganz schlechtes Zeichen. Vorher ging das doch noch. Deswegen schickt Will uns Frauen auch weg, was er jetzt tun muss, ist nicht nett anzuschauen. Wir beide gehen lieber, denn zu sehen, wie dem  Vogel der Hals umgedreht wird, wollen wir nicht. Aber es ist wohl die einzige Möglichkeit, hätten wir ihn weiter draussen ausgesetzt, dann wäre er auch gestorben, nur langsamer.

Die beiden müssen wieder zurück an die Arbeit und ich geh hoch zu den Anglern. Die beiden hatte ich gestern abend schon im Shop getroffen, wo sie Erdnüsse als Köder für die Fische gekauft haben (meinten sie). Der Communityshop hat erst in Ende März aufgemacht, er bietet Produkte die auf Canna entstanden, wie diverse Wollarbeiten, Fotografieren, Töpfereien, aber auch Souvenirs, Snacks und Erfrischungsgetränke. Wenn im Laden keiner ist (was der Normalfall ist) wird das Geld in eine "Honest Box" eingeworfen und der Kauf wird in einem Buch dokumentiert.



Die beiden Angler stammen aus der Nähe von Birmingham und haben sich vorgenommen auf jeder Insel der Hebriden Fische zu angeln. Vorgestern waren sie ziemlich erfolgreich, ihren Fang essen sie nur zum geringen Teil selber, einiges haben sie zum Beispiel dem Restaurant verkauft.
Heute haben sie noch kein Glück, aber bald kommt wieder die Flut rein und damit auch die Fische. Geangelt wird ohne Köder, nur mit Blinker.

Im Fischfang waren sie gestern vielleicht nicht so erfolgreich, dafür haben sie aber Otter bei der Brücke nach Sanday und Delphine im Hafenbecken gesehen.

In dem Moment hör ich wieder einen bekannten Motor, aber erst einige Zeit später schiesst die Patricia Anne um die Ecke und fährt wilde Zirkel. Das ist aber so garnicht Gavins Art, der ist eigentlich gesitteter. Das könnte daran liegen, das ich Alex am Steuer ausmache. Das ich den Motor schon viel früher gehört habe, lag daran, das es erst zu den Klippen und Vogelkolonien an der Nordseite von Canna ging.

Nach einer kurzen Pause im Hafenbecken, während der einige Infos zu Canna erzählt werden, legt das RIB an und Alex gibt mir im Vorbeigehen schonmal die Schwimmweste bevor er den anderen Passagieren zum Tearoom folgt.

Mittlerweile knallt die Sonne zwar wieder vom blauen Himmel an dem nur noch ein paar Schäfchenwolken sind, aber ich leg mir trotzdem Fleece, Fleecejacke, Windbreaker und Regenjacke sowie Regenhose zurecht, bevor der Rucksack gut verschnürt wird und ich nochmal ein Nickerchen halte. Die Nacht war schlaftechnisch einfach zu kurz.

Als die anderen vom Tearoom zurückkommen und sich wieder in ihre wasserfeste Kleidung mühen, zieh ich mir meine 4 zusätzlichen Schichten und die Regenhose über, dann noch die Schwimmweste. Ist verdammt warm, wenn auch bequem. Auf der Wulst balancierend, wuchte ich den Rucksack ins Boot und verstau ihn im Bug. Da hab ich ihn gut im Blick, weil ich einen Platz vorne im Boot bekomme. Soll ja am trockensten da vorne sein.

Zuerst geht es zum Robbenfelsen, da schauen die Kegelrobben (Grey Seals) interessiert aus dem Wasser. Bei den Seehunden ist die Zeit, wo die Jungen geboren werden, sie sind momentan deswegen viel scheuer bzw. zurückhaltener. Weiter gehts um Sanday rum, zu den Klippen rund um Dùn Mòr.
Jetzt kann ich auch die Höhle sehen, die ich vom Land aus nicht gesehen habe. Im Wasser sind viele Puffins, auch nah am Boot und auch viele in der Luft. Nur von der Wasseroberfläche kann man die Puffins auf Dùn Mòr nicht erkennen.

Ein Passagier fragt nach den Gesteinsinformationen und den Höhlen. Da muss Alex lachend passen. Seine Frau Amanda ist Geographielehrerin und hat ihm wohl einiges darüber erzählt, aber er kann es sich nicht merken.

Weiter geht es nach Rum, Kurs auf das Schiffswrack, das bedeutet aber auch das wir an Glen Guirdil vorbeifahren. Ich bin da hochgelaufen? Wie konnte ich bloss auf diese Idee kommen? Gut, die Wasserscheide liegt hinter dem einen kleinen Höhenzug, ich bin nicht gradezu hoch, sondern nach den ersten 100Höhenmetern leicht links weg, aber es sieht trotzdem heftig aus und nicht wie ein Spaziergang. Oder seh ich das jetzt nur so, nachdem ich den Weg gelaufen bin oder weil die Perspektive eine andere ist, mehr Abstand. Zeitlich wie räumlich?


Das Boot fährt mit gut Tempo die Küste entlang und ich bin froh über jede einzelne Kleidungsschicht. Ist ganz schön frisch im Fahrtwind. Der stoppt erst als wir das Wrack erreichen. Durch die Stürme im Winter ist es ein wenig von den Felsen runter, so das man auch hinter das Schiff kann. Weil aber keine Ebbe ist, kann man das riesige Leck am Bug nicht sehen. So schaut das Schiff noch heile aus. Es wird aber nicht geborgen werden, zu teuer. Dabei ist das Schiff garnicht mal halt. Es lief 2005 vom Stapel und wurde in seinem 6. Jahr unsanft angelandet. Ein paar heimische Fischer haben es in den letzten Monaten in Augenschein genommen und rausgeholt was man noch nutzen konnte. Viel war es nicht. Jetzt dient das Wrack als Touristenattraktion, aber auch als stummes Mahnmal. Dem Coastguard Helicopter von Stornoway und dem RNLI-Lifeboat aus Mallaig sei Dank jedoch nicht für ertrunkene Seeleute, die gesamte Besatzung konnte vom Schiff gerrettet werden in der stürmischen Januarnacht.

Weiter zur Kilmory Bay und Hirsche guggen. Die sieht man heute jedoch erst auf den zweiten Blick, es sind auch nur sehr wenige. Zeit um Kurs auf Elgol zu nehmen.

Auf etwa der gleichen Höhe wo Alex schon am Samstag ein Minkwal gesichtet hatte, sieht er wieder einen, aber diesmal ist er der einzige. Sitz man vorne im RIB, dann versperrt einem der Bug übrigens die Sicht, man kann bei Fahrt nur zur Seite schauen oder in die Ferne.

Die Wasserspritzer und Vögel in einiger Entfernung, sehen aber auch wir. Die Vögel werden als Tölpel (Gannets) identifiziert und vielleicht stammen die Wasserfontänen von Delphinen.

Also kurz auf das kleine Spektakel. Und tatsächlich bald sehen wir wie die Delphine sich dem Boot nähern. Die Delphine werden nicht vom Boot verfolgt bzw. aufgesucht, sondern es wird den Delphinen überlassen ob sie mit dem Boot spielen wollen oder nicht. Es ist nur eine kleine Gruppe und sie hat ein wenig Lust mit dem Boot zu spielen. Einige Tiere kommen ganz nah und schwimmen neben und unter dem Boot.
Dann sind sie kurz weg, um nochmal kurz wieder zukommen. Aber so rechte Lust scheinen sie heute nicht zu haben. Schnell entschwinden sie Richtung Rum. Aber zum ersten Mal hab ich (leidliche) Fotos vom Gewöhnlichen Delphin (Delphinus Delphi - Common Dolphin). Die Tiere sind einfach zu schnell für meine Kamera bzw. sie sind schlicht zu nah, wenn sie gleich neben dem Boot schwimmen und unter diesem wegtauchen.



Im Loch Scavaig weht ein kräftiger Wind als vor Canna und Rum, viele Wellen tragen Schaumkronen. Am anderen Ende von Loch Scavaig, da wo es zum Loch na Cuilce geht, ist ein grösseres Schiff, kein Kreuzfahrer, kein Fischtrawler, sondern ein Forschungsschiff.

Abgesehen vom Wind im Loch Scavaig, ist das Wetter für einen Ausflug mit dem AquaXplorer ideal, trotzdem liegt die Rachel Charlotte an ihrem Ankerplatz. Seltsam.
Noch ein paar Donuts und die Patrica Anne leg an. Ich bin wieder zurück auf Skye, mindestens 2 Tage früher als am Anfang gedacht. Der Aufstieg im Glen Guirdil war ne blöde Idee.

Trotz des Windes sind die Bella Jane und die Misty Isle auf ihren Touren zum Loch Coruisk, einzig die Sea Eagle liegt in Elgol vor Anker. Für das kleine Boot ist es dann doch zuviel Wind.

Im Bürocontainer von Bella Jane Boat Trips darf ich Christine anrufen und nachfragen ob Jim bzw. mein Autoschlüssel da ist und wie es um den Dieselnachschub bestellt ist. Wäre kein Diesel da, würde ich mich um eine Mitfahrgelegenheit nach Broadford umschauen. Schlüssel ist da, Diesel auch. Eine Mitfahrgelegenheit nach Glasnakille wird mir von Doreen angeboten. Dabei hab ich doch garnicht gefragt. Und David bietet mir Diesel an, er hat immer was da. Ich bin sprachlos. Und falls nochmal jemand was wegen Schotten und Geiz sagt, die Damen im Hostel vom Rum waren da wohl eine unrühmliche Ausnahme in schottischer Gastlichkeit.

Doreen setzt mich also vor Rowan Cottage ab, fährt die Strasse aber erstmal weiter, um das Auto zu wenden. Wenig später kommt sie zurück und bringt Jim mit. Der war auf Rettungsaktion. Ein Lamm hatte sich zu weit von seiner Mutter entfernt und fand allein nicht mehr zurück. Nach erfolgreicher Rettungsmission war dann zufällig Doreen da.

Jim bestätigt nochmal, das er Diesel besorgt hat, will mich vorher aber mit auf einen Spaziergang nehmen, um mir ein Nest von Trottellummen zu zeigen, nicht weit entfernt von der Spar Cave. Doch vorher brauch ich erstmal eine Dusche.
Jim hat im Frühjahr an der Aussenhauswand eine Dusche installiert, eigentlich dafür gedacht um Sox, Christines Hündin, abzuduschen wenn sie mal dreckig vom Spaziergang zurückkommt. Die Dusche ist aber auch am Heisswasserkreislauf angeschlossen und somit auch perfekt für Zweibeiner geeignet. Naja, fast. Die Dusche befindet sich zwar an der rückwärtigen Seite des Hause, aber vor der tollen Aussicht auf Loch Slapin und Loch Eishort sieht man erstmal die kleine Strasse, den Eingang vom Nachbargrundstück und den Garten von Rowan Cottage. Man sollte sich also ein grösseres Handtuch als Sichtschutz mitnehmen und über die Duschwand hängen.

Jim muss an der Armatur noch etwas nachjustieren, es dauerte ein ziemliches Weilchen bis das heisse Wasser kam. Mir fast zu heiss, aber ich beliess es so, bevor es wieder zu kalt wurde. Jim verzog sich nach drinnen und ich kam in den Genuss bei blauen Himmel und Sonnenschein ohne Dach zu duschen.

Danach ging es zum angekündigten Spaziergang Richtung Spar Cave. Wahnsinn wie grün das jetzt war und vorallem wieviel Farn jetzt hier wuchs. Wäre die eine hohe Stufe und das kleine Rinnsal mit den Schwertlinien nicht gewesen, ich hätt es wohl nich wiedererkannt, zumal Jim einen anderen Zugang zur Weide wählte.
Und im Canyon trafen wir zwei junge Männer die zur Spar Cave wollten, aber den Weg nich fangen. Klar, war ja auch noch hin bis zur Ebbe und damit momentan keine Möglichkeit trockenen Fusses um die Klippen zu laufen. Das wussten die beiden nicht, das der Zugang von den Gezeiten abhängt.

Auf den Felsen zu Füssen der Klippen machten Jim und ich es uns gemütlich und warteten darauf das die Trottellummen sich zeigten, so das Jim mir den Zugang zum Nest zeigen konnte.
Interessanter fand ich in dem Moment aber die Yacht die unweit vor Anker lag. Heute morgen hatte ich sie noch im Hafen von Canna gesehen. Es wurde ein Dinghi fertig gemacht und 8 Leute stiegen in das kleine Schlauchboot. So kommt man auch bei Flut zum Zugang der Spar Cave.



Nach einiger Zeit hatten sich immer noch keine Vögel gezeigt und Jim hat keine Lust mehr zu warten, so machen wir uns wieder auf den Rückweg den Hang hoch. Im Farn erkennen wir noch einen zweiten Pfad der von der Strasse herunterführt. Den hatte ich im Winter nicht gesehen. Wir wollten auch nicht austesten, wo dessen Anfang ist. Dann lieber den gut ausgetretenen Schafspfad hoch. Da ist die Gefahr Zecken vom Farn abzustreifen auch nicht so hoch, weil der Pfad breit genug ist.

Ich lauf weiter zu Audrey, zum einem um mein Auto zu holen, zum anderen um die Backzutaten schonmal zu übergeben. Auch ihr Mann Kenny ist da und heute nicht mit dem Fischerboot draussen. Zurück in Rowan Cottage wird der Reservekanister in den Tank entleert und Christine bietet mir einen Deal an. Ich kann im Garten zelten, ich brauch dafür nur nach Broadford fahren und ein paar Kleinigkeiten einholen, sie gibt mir auch das Geld. Da ich eh nach Broadford will bzw. muss, sag ich natürlich zu. Wobei ich auf das Geld verzichte, es ist nur eine Zeitung, Eier, Toast und Milch. Ich bekomm dafür einen netten Platz fürs Zelt, eine Dusche hatte ich schon und ich habe Zutritt zum Haus, damit zur Küche und zur Toilette.

Ab nach Broadford und den Tank vollmachen, Kartenzahlung geht zum Glück wieder, auch wenn ich jetzt genügend Bargeld hätte fürs Tanken. Damit es auch für mehr reicht, wird auch noch gleich der Geldautomat erfolgreich getestet (das Ding piebt vielleicht laut, da bekommt man ja nen Tinnitus).
Es ist Mittwoch und laut Internet und auch Aushang am Schwarzen Brett ist dann Zumba-Class in der VillageHall. Bis zum Beginn ist noch einiges an Zeit, die ich mit Sodukos verbringe. Für einen Spaziergang ist es mir viel zu windig.

Vielleicht hätte ich vorher doch eine Mail schreiben oder wenigstens die Aushänge genauer studieren sollen. Zumba ist nicht mehr, dafür findet heute eine Salsa-Stunde statt. Die Trainerin überredet mich zu bleiben. Anderthalb Stunden Salsaunterricht für 3£ kann man doch nicht ausschlagen. Salsa kommt ja auch in Zumba vor und sie ist auch Zumbainstructorin.

Na gut, wieso nicht? Wieso nicht, wusste ich kurz nach dem Warmup. Die Klasse bestand (inklusive mir) aus 2 Männern und 4 Frauen plus die Lehrerin. Bei der Erwärmung kam ich grade so noch mit. Auch wenn das schon eine Herausforderung war. Die Bewegungen waren schon etwas komplexer, die Musik sehr laut so das ich das Englisch kaum verstand und deswegen genau beobachten musste.
Das wurde nach der Erwärmung nicht besser, im Gegenteil. Es war meine erste Tanzstunde überhaupt und dafür war es einfach zu viel und zu schnell. Ich war die einzige blutige Anfängerin, zwei weitere konnten leidlich tanzen, will heissen sie beherrschten die Grundsätze was das Führen angeht, einer der Männer hat schon öfters Tanzstunden gehabt und vorallem waren seine Partnerin und die vierte Frau Fortgeschrittene. Die konnten das nach einigen Schwierigkeiten beim Warm Up klasse. Na wenigstens war ich nicht die einzige die überfordert war. Die anderen beiden Anfänger im Salsa sagten auch, das es zuviel in zu kurzer Zeit war. Nur das sie nicht noch zusätzlich das Sprachenproblem hatten.

Vielleicht lag es an der Überforderung, aber zum Ende der Stunde hin, war ich trotz Anstrengung am frieren und mir war übel. Ich holte mir trotzdem noch ein Sandwich im Co-Op als Abendbrot, selbst wenn ich Appetit auf Pub-Essen gehabt hätte, es war 9Uhr durch und damit Küchenschluss in der Hotelbar (es ist trotzdem ein Pub).

Bei Ankunft in Rowan Cottage bin ich allein und finde auf dem Küchentisch eine Nachricht für mich. Wenn ich will kann ich auf dem Luftbett im Büro schlafen und morgen abend wäre auch ein Einzelzimmer frei. Da ich selbst am Ofen stehend, der die ganze Nacht durchheizt, weil er an der Ölheizung und dem Warmwasser angeschlossen ist, am frieren bin und draussen ein kräftiger Wind weht, trag ich nur zu gern meinen Schlafsack vom Zelt ins Büro und bau da mein Lager auf.
So kuschlig mein Schlafsack auch sein mag, ich bin in einer Verfassung wo mir nicht danach ist bei tosenden Wind auf einer schmalen Matratze zu nächtigen, wenn ich die Möglichkeit habe in einem Haus zu schlafen.