14. Juni - Geocaching im Süden von Skye

Ich kann die Nacht kaum Schlafen, nicht wegen dem Luftbett, sondern weil mir selbst im Haus, im Schlafsack, nicht wirklich warm wird. Die Bauchschmerzen halten an und ich hab keine Ahnung, wo die herkommen.

So steh ich um 6Uhr auf und räum schon mal den Geschirrspüler aus. Da ich nicht weiss, was sonst tun, stell ich das Netbook auf den Küchenarbeitsplatte in der Mitte des Raumes und lade nach über einer Woche die ersten Fotos herunter. Mails werden bei dieser Gelegenheit auch gecheckt und geschrieben.

Gegen 7.45Uhr kommen Christine und Jim von Elgol rüber und fangen mit den Frühstücksvorbereitungen an. Ich bekomm schon bald mein Porridge und mümmel dies in aller Ruhe im Esszimmer. Was machen mit dem Tag? Ich fühl mich nicht sonderlich fit und Erholung wäre nicht schlecht. Das ist die Gelegenheit zu einer Skyerundfahrt zu starten und dabei ein paar Geocaches zu suchen, aber nur die einfachen. Heute soll es nicht auf irgendwelche Hügel, Berge oder lange Wanderungen gehen. Nur einfacher Kram, der quasi neben dem Weg liegt.

In Elgol nochmal kurz zu Bella Jane Boat Trips, ich habe noch was mit dem Besitzer zu besprechen bzw. müssen wir mal nen Termin dafür abmachen. Heute hat er dafür keine Zeit. Das kleine RIB ist nicht mehr in Elgol, sondern wartet irgendwo anders auf neue Motoren. Es hat am Vortag einen Motor zerlegt. Und nur einer ist für die Trips nicht ausreichend. So hatte Gavin das vor drei Tagen wohl nicht gemeint gehabt, oder war das ne Prophezeiung?

Entgegen den Strom der Touristen geht es nach Broadford und dann Richtung Süden zur Sommerfähre nach Kylerhea. Wenn man zum Otter Hide läuft kann man in dessen Nähe einen Cache finden. Wenn man dabei zu sehr auf bekannten Pfaden wandelt und nicht aufs GPS schaut, läuft man auch schon mal ein paar Meter extra. Nach dem Fund geht es zum kleinen Beobachtungsposten wo auch Ferngläser zur Verfügung stehen. Für besseres Beobachten kann man die Fenster klappen, nur ich erwisch eines, was sich nicht in einer vernünftigen Position fixieren lässt.

Die Strömung in Kyle Rhea (die Meerenge heisst so) ist enorm, die Flut kommt grade rein. Otter gibt es grad keine zu sehen, aber sehr viele Seehunde. Ein paar dösen auf den Felsen nah am Ufer, die meisten sind im Wasser.

Heute hab ich keine Geduld, ich mach mich auf um die nächste Fähre zu erwischen. Auf dem Weg zum Parkplatz höre ich Leute an einem Viewpoint über Seeadler reden und ein Paar was dort steht hat beeindruckende Kameraobjektive. Ich stell mich dazu und versuch den Adler auszumachen. Das Paar zufälligerweise aus Deutschland und seit mehreren Jahren regelmässig in einer B&B in Broadford. Da mit blossem Auge die Adler schwer auszumachen sind, leiht mir die Frau sogar ihr Fernglas, der Mann versucht es mit dem Teleobjektiv. Den Adler sehen wird, aber auch das die Möwen ihn total nerven. Der Adler verschwindet.

Mir wird ein Bootsausflug in Portree empfohlen wo man sogar die Chance hat, eine Adlerfütterung zu erleben. Zwei Unternehmen haben dies im Angebot, aber das eine soll artgerechter füttern. Ich bekomm den Namen genannt und das ich den Skipper Dan von dem grossen Deutschen, mit wenig Haar grüssen soll.
Die beiden überlegen noch, ob sie sich zum Ufer begeben um den Ottern aufzulauern oder doch woanders hin für Seehunde. Aus Adlern wird wohl erstmal nichts werden, dank den Möwen.

Ich fahr runter zur Fähre und werd gleich raufgewunken. Ups, da war ich wohl ein wenig zu schnell, das war etwas mehr als Schrittgeschwindigkeit. Auf der rechten Spur, werd ich mittig geparkt. Noch bin ich der einzige Fahrgast.

Aus der Nähe schaut die Strömung noch viel stärker aus, aber die Seehunde die aus dem Wasser schauen sind viel putziger. Heute rennt kein Hund auf der Fähre rum. Als ich nach denen frage heisst, es das das die andere Crew ist.
Es kommt noch ein Minibus der neben mir geparkt wird, dann geht es auch schon los. Erstmal das Deck um 180Grad drehen, was zu verwunderten Blicken bei den Insassen des anderen Autos führt. Das Deck war eh ein wenig quer, da die Fähre parallel zur Rampe wartet und man deswegen quasi schräg rauffährt, aber die Drehung ist noch viel weiter, so das das Auto mit dem Heck zum gegenüberliegenden Ufer steht. Da die Fähre aber selber noch wendet und dann vorwärts fährt passt das wieder.
Das Deck wird durch reine Muskelkraft bewegt und dann mit grossen Splinten gegen Weiterdrehen fixiert.

Die Fähre hat grade gewendet, sich aber noch nicht weit vom Anleger entfernt, da kreuzt ein Schiff welches grosses Wellen erzeugt, dabei ist das Boot eher klein. Die Fähre beginnt ordentlich zu schaukeln und durch den herrschenden Wind gibt auch fette Gischt als die Fähre in die Wellen fährt.

Am Anleger in Glenelg selber ist kein Platz für Pause, weil Warteschlange für Fähre und sonst SingleTrackRoad. So fahr ich bis zur Kreuzung in Glenelg und halte kurz dahinter am Strassenrand für die Mittagspause. Es gibt Dauerbrot mit Schmelzkäse und die Erkenntnis das ein Spork nicht als Schmiermesser geeignet ist.

Nachdem ich letzten Juni die Strasse im Regen hoch bin und im Dezember in Dunkelheit, Sturm und heftigen Regenschauern, haut mich die Aussicht bei Sonnenschein jetzt um. Nachteil von SingleTrackRoads, es ist nicht so einfach einen vernünftigen Haltepunkt zu finden, um Fotos zu machen oder einfach so zu schauen.



Weiter Richtung Pass kommen Schilder, die vor grossen LKWs und Holzfällarbeiten warten. Kurz darauf hab ich auch einen voll mit Baumstämmen beladenen LKW vor mir. An einem grösseren PassingPlace winkt der Fahrer mich vorbei und ich seh zu das ich Abstand gewinne.

Als ich den höchsten Punkt erreiche und Loch Douich vor mir liegt bin ich hellauf begeistert. Einfach umwerfend bei dem strahlenden Wetter. Mitten auf der Strasse sollte man keine Vollbremsung hinlegen so fahr ich weiter bis zu dem Parkplatz kurz unterhalb vom Pass. Am Strassenrand steht dort ein deutsches Auto für einen Fotostopp. Ich warn die Insassen vor dem nahenden LKW und das sie sich besser beeilen sollten. Denn jetzt geht es nur noch abwärts und die Strasse ist enger, kurvig und hat einiges an Gefälle. Da wird der LKW-Fahrer wohl eher keinen vorbeiwinken. Das Auto fährt los in dem Moment wo der LKW um die Kurve kommt.
Schon an der nächsten Kurve hör ich die Bremsen vom LKW ordentlich arbeiten.

Nach ein paar Augenblicken fahr ich weiter zum zweiten Parkplatz, der auch Picknickplatz ist und geniesse dort die Aussicht zu den Five Sisters, Glen Shiel, Loch Duich. Überhaupt nicht zu vergleichen mit vorigen Jahr (genau vor 51 Wochen war das). Da war es trübe, die Wolken hingen tief und es herrschte ein stetiger Nieselregen. Kein Wetter wo man verweilen will. Im Gegensatz zu heute. Die Pause wurde nur nicht so lang, weil ich noch weiter Cachen wollte.

Nur für das Verlassen des Parkplatzes trat ich mal kurz aufs Gas, damit das Auto einmal ins Rollen kam, danach einfach nur noch niedriger Gang und rollen lassen. Im Asphalt sind frische Bremsspuren. Die dürften vom vollen LKW stammen, aber auch ich muss mehrfach auf die Bremse, kleiner Gang hin oder her. Ich bekomm ordentlich Tempo rauf, zuviel um die Kurven zu fahren wo jederzeit Gegenverkehr auftauchen kann und es zwischen SingleTrack und Zweispurigkeit hin- und herwechselt.

Das mit dem Tempo und niedrigen Gang haben auch andere verinnerlicht, aber nicht auf einer Gefällestrecke, sondern auf der Strasse nach Skye. Einen Schleicher den ich überhole (bei keinem der Überholmanöver musste ich über Speedlimit von 60mph beschleunigen und kam trotzdem locker vorbei) hab ich den Eindruck das er eine Strassenkarte liest und damit mein ich nicht das Navi, ein Beifahrer gibt es allerdings. Wenn es keine Strassenkarte war, dann irgendwas anderes. Auf die Strasse hat sich der Fahrer jedenfalls nicht konzentriert.

Zugegeben, das eine Überholmanöver auf Skye könnte man eventuell als knapp bezeichnen, wenn man ängstlich ist, aber der zu überholende Transporter arbeitete nicht mit und die legalen Überholmöglichkeiten zwischen Broadford und Portree sind rar, wo es ohne Überholhilfe geht, da muss man jede Gerade nutzen. Der Fahrer vom überholten Fahrzeug hat mit Hupe seinen Unmut kundgetan. Vom Gegenverkehr der sich näherte kam nichts. Warum auch, es war genügend Platz und warum immer darauf warten, das man vorbeigelassen wird?

Ohne weitere Vorkommnisse kam ich dann in Slichagan an und parkte dort zwischen den Strassenpfosten. Zwei Caches waren in Reichweite. Bei den einen hatte ich nach Lesen des Listings einen Verdacht was es sein könnte, aber als ich mit dem offensichtlichen Objekt näherte war der Abstand noch zu gross. Egal, da wo der Abstand dann bei einem Meter war, war ein anderes Objekt und dort befand sich dann die Art Cachebehälter, den ich vermutet hatte. Urbane Cacher können auch in den Highlands von ihren Erfahrungen profitieren.

Der nächste Cache ist in der Nähe der Slichagan Falls. Auf dem Weg dahin, bemerk ich endlich wo diverse Postkartenmotive von den Black Cuillins gemacht werden. Das ist der Blick von Slichagan. Ist mir bis dato noch nie aufgefallen, vermutlich weil ich auch noch nie auf der Brücke stand sondern nur vorbeigefahren bin.

Die Slichagan Falls sind heute keine Wasserfälle, es tröpfelt nur und ich kann ein paar Postkartenmotive fotografieren während ich mitten in den Felsen stehe und nicht auf der neuen Fussgängerbrücke die über die Fälle führt.



Nächstes Ziel ist das B&B Bla Bheinn. Der neue Eigentümer ist ebenfalls Geocacher und wir haben uns auf einen Kaffee resp. Tee verabredet, wenn ich mal in der Nähe bin. Ich bin in der Nähe also schau ich ob jemanden antreffe, es ist Nachmittag und so langsam die Zeit wo neue Gäste im B&B ankommen und deswegen der Gastgeber auch anwesend sein sollte.

Stuart ist da und nach einem Weilchen kommen auch die beiden Hunde hinzu, wegen denen er nicht über die Bad Steps von Loch Coruisk nach Camasunary laufen konnte, sondern sich oberhalb dieser einen Weg suchen musste. Ganz schön aufgedreht die beiden, aber da sie die Runde Slichagan - Loch Coruisk - Camasunary - Slichagan an einem Tag gemacht ahben, dürften die anschliessend fertig gewesen sein.
Mitten in der Plauderei kommen neue Gäste und wie der Zufall es will, es sind auch Geocacher.

Irgendwann muss Stuart aber wieder an die Arbeit und weil der Nachmittag schon in den Abend übergeht beschliess ich nach Glasnakille zurückzufahren. Vorher noch im Coop Abendbrot besorgen und eine Packung Eier. Die will ich als Wegzehrung für die Wanderung am nächsten Tag nehmen. Zum Beispiel eine Runde von Elgol/Kilmarie nach Camasunary, weiter Richtung Slichagan, aber noch am südlichen Ende vom Glen Slichagan den Haken Richtung Coruisk schlagen und dort dann übernachten im Zelt. So nur als Plan, vorerst.

Auf der Elgol Road komm ich in die abendliche Rushhour, ich will nach Elgol/Glasnakille und die ganzen Bootsausflüger kommen mir entgegen, zum Schluss aber auch ein Grossteil der Crew von Bella Jane Boat Trips, kurz darauf Tom aus dem Office (wir beide nicht langsam, aber perfektes Timing so das wir im Passing Place ohne Warten aneinander vorbeikommen). In Elgol wird es dann aber nochmal eng. Da kommt mir ein kleines rotes Auto flott auf der Ideallinie entgegen, ich bin zwar auch flott unterwegs halt mich aber links, aber wir beide schaffen es rechtzeitig im Passingplace zu bremsen und aneinander vorbeizulavrieren. Alex fährt anscheinend genauso Auto wie er das RIB fährt: sportlich.

Heute brauch ich nicht im Zelt oder im Büro zu schlafen, ich habe das Einzelzimmer bekommen, was Christine auch als Kinderzimmer bezeichnet. Es ist unter dem Dach und auf dem Weg nach oben knall ich mir den Kopf an. Das Schild "Mind you head" kann man nur lesen, wenn man von oben nach unten geht. Als Jim mich fragt, ob ich das vergessen hätte, muss ich ihm erstmal sagen, das ich noch nie oben war. Danach zieh ich aber brav den Kopf ein, auf jeder Stufe.

Oben gibt es zwei Zimmer, die sich ein Bad teilen. Deswegen auch Kinderzimmer, das zweite Zimmer ist ein Doppelzimmer. Christine nimmt meist für Familien mit grösseren "Kind".
Mein Abendbrot dreht sich in der Mikrowelle und nachdem es am Morgen noch funktioniert hat, weigern sich jetzt Router und Netbook miteinander in Dialog zu treten. Somit fällt das online loggen der heutigen Geocachingfunde aus. Naja, wird Zeit sich ans Postkartenschreiben zu machen.

Am späten Abend entschliess ich mich noch zu einer Dusche, dreh aber vorher die elektrische Heizung im Zimmer auf, da es doch recht frisch ist, nur für die Zeit wo ich duschen bin, das ich nicht nass in die Frische zurückkomme und mich stattdessen in ein warmes Bett kuscheln kann.

Im Obergeschoss schwächelt der Wasserdruck etwas, ich bin von dem aus dem Erdgeschoss bzw. der Outdoordusche verwöhnt. Die Dusche ist auch nicht an den zentralen Boiler angeschlossen, sondern es gibt einen elektrischen in der Dusche. Deswegen wohl auch der schwächere Druck. Mehr schafft der Boiler nicht.
Egal, es reicht ja und ich kenn noch viel Duschen, wo man das Gefühl hat, das gar kein Wasser an den Füssen ankommt.

Apropos ankommen und Gefühle: schonmal nur mit Handtuch vor verschlossener Zimmertür gestanden? Also draussen auf dem Flur? Wieso bekomm ich die Tür nicht auf? Gut, der Schlüssel ist innen, liegt da auf dem Fensterbrett, aber ich bin doch den Abend nur ohne Schlüssel rein und raus. War die Tür da eigentlich zu, also im Schloss oder hatte ich sie offen?

Ist ja auch egal, Tür war jedenfalls zu. Der Schlüssel vom Nachbarzimmer passte schonmal nicht. Christine und Jim waren schon lang nach Elgol ins Boatsman gefahren. Aber es gab ja im unteren Zimmer noch Gäste, vielleicht haben die ne Telefonnummer.

Haben sie, leider nur von Rowan Cottage. In der Küche ist ein Telefon, aber ich kann dessen Telefonbuch nicht aufrufen. Wir haben Jim's Handynummer, aber die ist sinnlos, weil das Handy liegt auf der Küchenanrichte. Wen könnte man noch anrufen und um Hilfe bitten. Es ist 22Uhr durch.

Ok, Audrey wohnt "nur" 300m die Strasse runter. In der Küche find ich Sandalen von Christine, wo ich reinschlüpfen kann und mach mich auf den Weg. Aber vorher noch einen Abstecher zum Zelt. Überraschung, warum auch immer, denn der Rest ist im Auto bzw. auf dem verschlossenen Zimmer, find ich dort eine Wanderhose, ein Fleece und eine Jacke. So kann ich vernünftig angezogen statt in Handtuch zum Spaziergang antreten. Zur Not könnte ich in diesen Sachen natürlich auch im Büro schlafen, das Luftbett steht ja noch da, wenn auch ohne Decke. Dann könnte ich mich aber auch aufs Sofa in der Lounge legen.

Ich hab Glück, Kenny, Audreys Mann, öffnet mir auf mein Klopfen hin die Tür. Er gibt mir die Nummer vom Boatsman und ich darf auch gleich von da aus anrufen, aber es geht keiner ran. Naja, ist ja auch schon halb 11. Aber kurz darauf klingelt das Telefon, Christine ruft zurück. Sie muss erstmal lachen als ich ihr die Geschichte erzähle, verrät mir dann aber wo ich die Zweitschlüssel finde. Geben muss es ja welche, wie könnten sonst die Räume geputzt werden, wenn die Gäste tagsüber weg sind und normalerweise auch den Schlüssel mitnehmen.

Also wieder zurückspazieren, Schlüssel suchen und beim nächsten Mal drauf achten, den Schlüssel dabei zu haben. Nach der Aufregung bin ich fertig fürs Bett und warm ist es jetzt auch, nachdem die Heizung länger an war als angedacht.