15. Juni - Loch Coruisk

Zum Frühstück bekomm ich Baby-Porridge. Jim nennt es so, weil es nur eine kleine Portion ist. Er kocht jeden Morgen Porridge, mindestens für sich, ich bin auch noch ein Abnehmer und dann muss man schauen welcher der Gäste sich für diese Köstlichkeit begeistern lässt. Das Zeug ist wirklich lecker, vorallem wenn man es noch süsst. Pur sagt es mir nicht zu und anderen wohl auch nicht. Als ich jemanden mal die Honigflasche reiche und das Porridge damit gewürzt wird, kam als Reaktion, das das ja jetzt richtig gut schmeckt.

Dem Porridge folgt noch Toast mit Schmelzkäse. Eier werden zwar auch gekocht, aber die will ich für unterwegs nehmen. Es wird wieder mit Rucksack und Zelt losgehen, Übernachtung am Loch Coruisk, aber noch ist nicht ganz klar, wie ich da hinkomme. Ich werde es davon abhängig machen ob die Bella Jane heute fährt oder nicht. Wetter schaut heute mal nicht so toll aus. Nicht einfach nur bedeckt, sondern wirklich trübe, im Vergleich zu den letzten Tagen. Und vorallem weht ein sehr kräftiger Wind.

Entweder gehts also von Elgol los oder ich fahr mit dem Auto nach Slichagan und lauf von da nach Süden.

Angekommen am kleinen Hafen sieht man zwar weisse Wellenkämme, aber das Office ist offen, die Bella Jane wird fertig gemacht und 4 Herren wuseln im Bürocontainer um. Eh, das ist ja fast wie auf Arbeit, so verwundern mich da auch nicht diverse Bemerkungen, die durch den Raum gehen und die Neckerei untereinander.
Da gerade nicht viel los ist, besser gesagt es ist garnichts los, startet Tom Smalltalk und will wissen wo ich herkomme. Zum antworten komm ich erstmal nicht, das tut Alex. "She's from Germany", was ich dadurch ergänze, das ich das kleine, orange Auto fahre was in den letzten Tagen auf der Elgolroad am rumflitzen ist. Was Alex vorwurfsvoll untermauert mit "Yesterday she's flying around the corner!" Hatte ich mich also wirklich nicht verguggt. "You too!". Was Alex mit "I'm live here!" kommentiert. Ob das die passende Antwort ist?
Von Alex kam das zwar noch verschmitzt an, aber leider ist es so, das einige Einheimische den Touristen nicht zugestehen wollen, das sie auch schnell fahren können bzw. dürfen. Viele können bzw. machen es auch nicht. Nur gehör ich zu denen, die in fremden Gefilden nicht mit angezogener Handbremse fahren, sondern in dem Tempo was die Strasse, die Verkehrsregeln und mein Können ergibt.

Da alle meine Sachen morgens ins Auto gekommen sind, weil ich für die nächsten mein Basislager in Glasnakille räumen werde, muss ich den Rucksack erst noch packen und buch mich auf die zweite Tour der Bella Jane.

Beim Packen lass ich mir viel Zeit, sonst hätte ich auch noch die erste Tour erwischen können. Aber ich muss ein paar Mal zum Auto zurück, weil ich die ein oder andere Kleinigkeit vergessen hatte bzw. nicht mit in dem Rucksack brauchte. Fusselbirne eben.

Zu dem Wind hat sich Nieselregen hinzugesellt. Wobei Regen ist übertrieben. Im Englischen nennt man es Drizzle, aber so richtig passt das zu dem aktuellen Niederschlag auch nicht so recht. Mal ist er da, dann wieder nicht. Nass wird man jedenfalls nicht. Es ist einfach nur nicht angenehm zusammen mit den Wind.

David ist heute in Inverness und fragt per Telefon nach wie es so läuft. Nicht gut muss Alex ihm berichten, auf der ersten Tour waren keine 5 Leute und auf der zweiten sind zu diesem Zeitpunkt nur zwei Frauen gebucht. Es ist sind so wenig Leute unterwegs, das auch die Misty Isle nicht rausfährt, diese wurde zwar betankt, dann aber wieder zum Ankerplatz gebracht.

Währenddessen kommt die zweite Frau, die auf dem nächsten Trip gebucht ist, ins Büro und überlegt wie lange sie drüben am Loch Coruisk bleiben soll. Sie hat keine Regenhose und irgendwie sieht es ja doch nach (mehr) Regen aus. Sie bekommt eine Hose, die man sonst bei der Tour mit dem AquaXplorer trägt und entscheidet sich für mindestens 1,5Stunden Aufenthalt.

Robert steuert heute die Bella Jane und fragt per Funk die Wettervorhersage ab. Die klingt nicht gut.Windstärke bis 4, in Böen 5 bekommt er von Robbie gesagt. Was sind das nur für Quasselstrippen im Büro? Alex ist immer noch bzw. schon wieder am telefonieren mit David oder sonst wem. Und Robbie plaudert mit Robert über Funk. Die Bella Jane kommt übrigens ohne Passagiere von ihrer ersten Tour zurück. Nur ein dreiköpfige Crew an Bord. Ja, heute ist wirklich nicht viel los.

Als die Bella Jane grade wieder anlegt, seh ich nur noch wie eine Frau hinhastet, als ob sie jeden Moment das Boot verpasst. Der dazugehöhrige Mann eilt ins Office und will wissen wo man die Tickets kaufen kann. Ihm wird erstmal erklärt das man keine Tickets kauft, sondern nur auf eine Liste geschrieben wird. Jane kommt ins Büro und bringt die Freundin mit. Die beiden werden dann erstmal über die Tripoptionen beraten. Sie entscheiden sich für Standardreturn und anschliessend spazieren wir alle ganz in Ruhe zum Boot.

Da ruft mir Alex hinterher, ob ich nicht meine Trekkingstöcke mitnehmen möchte. Oh, die hab ich glatt neben dem Stuhl vergessen, als ich den Rucksack geschultert habe.

Alle Mann an Bord, vor dem Ablegen aber noch die Sicherheitseinweisung. Robert erklärt das unter jeder Bank an der Bordwand je 6 Rettungswesten sind (bei 4 solcher Bänke macht das 24) und noch einiges mehr an Schwimmwesten ist innen, so stehen mehr als 40 Rettungswesten in Summe zur Verfügung. Wir können uns aussuchen wieviel wir haben wollen, da wir nur 4 Passagiere sind. Ausserdem gibt es ja noch die Rettungsinsel auf dem Dach, nur für den Fall, das die Westen nicht reichen sollten.

Weil das Wetter noch immer feucht, trübe, windig und kühl ist, lädt uns Jane ins Steuerhaus ein.

Wir haben bequem Platz auf der Bank und Robert macht auch noch die Heizung an, damit es wirklich kuschlig wird. Über die Spässe, die wir treiben, vergisst Jane fast die Landschaft zu erklären, die draussen halb im Dunst liegt.

Mitten in den Unterhaltungen kommt noch ein Funkspruch rein: ob Robert denn morgen zur Verfügung stände, nur im Falle das Ausflüge mit dem AquaXplorer stattfinden, die Wettervorhersage ist momentan allerdings nicht so gut dafür.

Als die Bella Jane den Steg bei Loch Coruisk erreicht, frag ich Robert was nun morgen ist. Ich habe nicht wirklich Lust zu laufen, nicht mit dem grossen Rucksack über die Bad Steps und auch nicht aussenrum via Glen Slichagan und Camasunary.
So versucht Robert bei Funk mit dem Office zu sprechen, da geht nur keiner ran. Machen Alex und Robbie grad wieder Raucherpause? Und wohin hat sich Tom eigentlich aufgelöst? Der war doch am Morgen noch da. Somit keine Info was morgen ist, die Devise lautet "einfach zum Steg kommen und schauen, entweder ist ein Boot da oder nicht".

Ich stiefel die Treppe hoch, da ruft mir Jane hinterher und winkt mit meinen Trekkingstöcken. Äh, ja.

Na wenigstens gibt es auf dieser Seite vom Loch keinen wie auch immer gearteten Niederschlag. Es weht nur einiges an Wind. Soviel das sich kaum Seehunde blicken liessen, die mögen nämlich keinen Wind.

Zelten am Loch Coruisk war ein Punkt auf der ToDo-Liste für den Urlaub, aber genauso auch die Wartung meines Caches, der sich dort befindet. Das lässt sich gut in die Runde einbauen. So geht es über die Stepping Stones oder irgendwo daneben über den River Scavaig. Kaum vorstellbar, das man sich durchaus leicht nasse Füsse holen kann bei der Querung oder zumindest die Knöchel einem gewissen Umknickrisiko aussetzt, wenn man den Fluss quert, jetzt kann man ja auch hüpfen wenn man mag und bleibt trotzdem trocken.



Bei der Auswahl der Pfade zu den Wasserfall hat man auch die Qual der Wahl. Alles ist trocken und ich nimm die obere Route. Wie konnte ich mich im letzten Jahr nur so verschätzen, es sind nach GPS 1,2km bis zu meinem Cache. Mit diversen Fotostopps und suchen des bequemsten Weges brauch ich 20 Minuten. Als ich mit Gero in den Fällen unterwegs war, war schon wenig Wasser zwischen den Felsen, aber jetzt? Es plätschert und rinnt nur sachte vor sich hin.

Die Dose ist in Ordnung, auch wenn ich mir nicht so sicher bin, ob sie in der Lücke ist wo ich sie vor 12Monaten versteckt hatte, aber sie ist trotzdem ein leichter Fund für Geocacher und an den Koordinaten (+/- 3m)

Das der Weg um Loch Coruisk nicht immer ungefährlich ist, beweist ein grösserer Rockfall. Er ist zwar schon mindestens ein Jahr alt, vermutlich älter, aber die Steine sind noch längst nicht so verwittert wie andere Felsen und auch die Abbruchstelle ist noch deutlich erkennbar. Anfang des Jahres konnten Wanderer sogar einen Felsrutsch beobachten.

Wie auf Rum und Canna auch schon, bin ich nur in Halbschuhen und ohne Gamaschen unterwegs, was absolut kein Problem darstellt. Ich komm an nur zwei Stellen vorbei wo es etwas matschig ist. Einfach einen halben Meter zur Seite und schon ist die Gefahr gebannt die Schuhe dreckig zu machen. Dafür zickt die rechte Hüfte rum und der Knöchel schmerzt auch. Dabei bin ich noch nirgends umgeknickt, ausgerutscht oder gegengeschlagen. Zumindest heute nicht und gestern auch nicht. Hoffentlich fährt morgen ein Boot. Mit den Knochen hab ich keine Lust den Landweg zu nehmen. Weder den bekannten via Camasunary, wo mich allerdings die Passage der Bad Steps abschreckt, die ich mit Rucksack meistern müsste, noch den mir unbekannten Weg nach Slichagan.

Zum Glück bin ich fast schon am heutigen Tagesziel. Das nordwestliche Ende von Loch Coruisk ist erreicht. Der Fluss selbst ist so trocken, ich kann ihn bei den Kiesbetten an der Mündung im Loch queren. Einfach einen grossen Schritt. Es ist schwerer einen guten Platz für das Zelt zu finden. Er sollte trocken sein, das dürfte weniger schwierig werden, aber auch eben.

Die leicht erhöhte Kiesbank ist eben, aber weil ich nicht weiss, ob meine Zeltheringe dafür geeignet sind, such ich weiter. Bei einer Feuerstelle in Ufernähe ist das Gras schön kurz, aber der ebene Platz ist sehr knapp bemessen. Zu knapp. So lauf ich etwas flussaufwärts. Das Gras ist dort um einiges höher und verdeckt Senken mit weichen Boden, die verdächtig nach getrockneten Schlamm und Bogholes aussehen. Und das nah am Fluss.

Mir ist das Risiko zu hoch, das es eventuell doch anfängt zu regnen und wenn dann das Wasser auch noch die Berge runter kommt, dann dürfte es dort schnell sumpfig werden. So geh ich doch wieder zur Feuerstelle zurück.

Rucksack ablegen und mit den Trekkingstöcken ausmessen, wo man das Zelt am besten platziert ohne zuviel Huckel und Senken abzudecken. Ich habe das Zelt jetzt schon einige Male erfolgreich bei Wind aufgebaut, aber zum ersten Mal besteht wirklich die Gefahr, das es mir jeden Moment davon weht. Deswegen erstmal an beiden Enden sichern und das Groundsheet irgendwie darunter klemmen, das wird dann eben später zurechtgezogen. Zwei komplette Runden um das Zelt und die Hälfte der Heringe muss während des Aufbaus umgesteckt werden bis das Zelt vernünftig steht. Aber es steht, auch wenn es im Wind knattert. Die Leinen sind straff, sie haben kein Millimeter Spiel.



Der Wind treibt mich dann auch ins Zelt, statt die Aussicht auf den See zu geniessen. Noch ein paar Notizen im Tagebuch gemacht, zwei gekochte Eier und ein Müsliriegel zum Abendbrot (bzw. verspätetes Mittagessen) und um 17Uhr verkrümel ich mich in den Schlafsack, bin total müde.

Doch kurz bevor ich wegnicke höre ich plötzlich Stimmen!? Nein, ich träum nicht, da nähern sich wirklich Stimmen. Wandersachen über den Schlafanzug und aus dem Zelt gekrabbelt. Ein Mensch stürmt grad Richtung Osten, schon am Zelt vorbei, ich seh nur dessen Rücken, die Stimmen stammen von einem Paar was sich nähert.

Die beiden gehören zu einer achtköpfigen Gruppe, die zwei Tage in der Cuillin-Ridge unterwegs war und jetzt zur Memorial Hut zurückkehrt. Das aber in einem losen Verbund. Ich seh das sich noch ein weitere nähert, von den restlichen vier keine Spur.

Zurück ins Zelt, noch ein Ei pellen und essen, dann schlafen. Zumindest den Versuch unternehmen. Der Wind wird noch stärker und es gesellen sich Regengeräusche hinzu, die sich bei einem Blick nach draussen und Test mit der Hand allerdings nur als schwacher Nieselregen entpuppen.

Der Wind lässt mich immer nur kurz einschlafen, weil es im Zelt sehr laut ist. Kann man das schon als Sturm bezeichnen? Spät am abend sorg ich noch im Zelt für eine kleine Überschwemmung als ich mich zu ungeschick beim Trinken aus der Faltflasche anstelle. Der Schlafsack wird zum Glück nur am Rand nass, das meiste bekommt das Shirt ab. Also noch Kleiderwechsel. Eine Schicht extra dabei zu haben, selbst auf einer nur zweitägigen Wanderung, lohnt sich. So kann im trockenen, warmen Fleece geschlafen und nicht im verschwitzten Shirt vom Wandern oder dem grad gewässerten Schlafhemd.