18. Juni - MacLeods Maiden

Warum werd ich in Schottland bloss zum Frühaufsteher? Nein, es liegt nicht an den langen Tagen. Im Winter war es auch so. Immer vor dem Wecker wach.
So tiger ich zur Küche, es ist 7Uhr. Die Zimmertüren, der Zugang zum Hauptflur, Speiseraum und Küche sind jeweils Kartenschlösser. Ab und an zickte schon das Zimmerschloss, aber mit etwas Übung wusste man, wie man mit dem Schloss umgeht. Rote Lämpchen hatte ich schon gesehen gehabt, aber das nach reinstecken der Karte nichts leuchtet noch nicht. Bis zu diesem Morgen wo ich in die Küche wollte.

Da ich für Zimmerwechsel vorgesehen bin, ich hatte nach der ersten Nacht noch spontan um zwei weitere Nächte verlängert, bring ich meine Sachen erstmal ins Auto. Als ich zurück komm, funktioniert die Tür zur Küche und ich kann mir das Frühstück zubereiten. Das dauert ein wenig, da ich erst noch den grossen Wasserkocher anschalten muss und der braucht bis er die 5Liter oder was immer er drin hat, erhitzt hat.

Der Tag verspricht wunderschön zu werden, der Morgen beginnt so wie es gestern abend geendet hat. Mir offenbart sich ein wundervoller Blick zum Fenster heraus. Loch Portree ist ein Spiegel. Der Himmel strahlt blau mit nur leichter Bewölkung. Nicht zu vergleichen mit den letzten drei Tagen, die trüb waren und zum Teil sehr windig, wobei der Wind ja gestern schon nachgelassen hatte.


Als ich zu meinem Wandertag aufbrechen will, ich habe mir Countrymatters Earthcache "MacLeods Maidens" - Idrigill Point als Wanderung ausgeguggt, ist der Warden am Schalter. So kann ich ihn fragen, wie das heute nachmittag mit dem Zimmer funktioniert. Heute hat ein anderer Warden Dienst und als er ins Buch schaut, sagt er das ich nicht umziehe. Ich bleibe in Raum zwei. Die Einträge im Buch sind mit Bleistift gemacht, da wurde wohl rumradiert, mit dem Ergebnis, das ein Zimmerwechsel nicht notwendig wird.Mary, die Amerikanerin reist allerdings weiter. Ich bleib in der Gesellschaft der beiden Chinesinnen.

Es gibt zwei Möglichkeiten um nach Orbost zu kommen. Die A850 über Dunvegan oder man nimmt die kleine Verbindung quer rüber, die B885, eine Single Track Road. Ich wähl die kleine Verbindung, weil ich den grossen Verkehr aus dem Weg gehen will. Vielleicht hätte ich auf die Uhr schauen sollen und in welche Richtung ich fahre. Alle naselang darf ich einen Passing Place aufsuchen, weil mir Autos entgegenkommen. Es ist gegen halb 9, somit Berufsverkehr und Kinder werden von ihren Eltern zur Highschool nach Portree gebracht.

Sobald ich die Hauptstrasse erreicht habe, werd ich aber nicht unbedingt schneller, denn ich hab  das Gefühl auf einer winterlichen Strasse unterwegs zu sein. Teile der Strasse wurden repariert, was bedeutet es wurde eine Schicht Teergemisch aufgebracht und darauf eine grosse Ladung Split. Da hält man sich freiwillig in der Nähe der Geschwindigkeitsbegrenzung von 20mph (30kmh), zumindest in den Kurven, sonst kommt man ins Rutschen. Wenn es gradeaus geht, dann fährt man aber schneller, wie alle anderen auch. Es geht Meilen über den Split, da sind 30kmh eine Zumutung. Nur wenn ein Auto entgegenkommt, wird abgebremst. Ansonsten achtet man auf Abstand zum Vordermann, damit man keinen Split gegen die Scheibe geschleudert bekommt.

Kaum endet die Baustellenzone, verlass ich die Hauptstrasse um über eine weitere SingleTrackRoad nach Orbost zu kommen. Kurz vor erreichen des Ortes zweifel ich an meinen Verstand. Sitzt da ein weisses Kaninchen mittig auf der Strasse. Erst hör ich Stimmen, wo ich nicht mit welchen rechne. Und keine drei Tage später seh ich weisse Kaninchen. Das Kaninchen hoppelt davon, unter einem Zaun durch und sitzt dann auf der Wiese.



Der Parkplatz ist zwar auf den Wanderkarten ausgewiesen, aber man bekommt trotzdem Zweifel ob man richtig ist, weil es ein quadratischer Hof vor einer Scheune ist. Da aber der Farmer nur grüsst und ein kurz nachmir ankommendes Auto ebenfalls dort parkt, der Fahrer aussteigt und dann mit seinem Hund zu einem Spaziergang aufbricht, muss ich wohl richtig sein.

Auch wenn das Wetter toll ausschaut, zieh ich erstmal die Windjacke über, da es noch ein wenig frisch ist und auch die Sonnencreme wird noch nicht aufgetragen, da die Bewölkung etwas dichter geworden ist. Wo ist eigentlich meiner 50er Sonnencreme hin? Ich find nur die kleine Tube mit Faktor "30".
Ich bin am Zusammen- und Umpacken meiner Ausrüstung als ein Paar sein Auto neben meinem parkt. Auch sie machen eine Wanderung, aber länger als meine und zum Start wird sie ein Taxi bringen. Von da sind es dann 17Meilen zurück zum Auto. Da ich beim Packen von Midges genervt werde und sie versuche wegzuschlagen, bietet man mir "Smidge" an. Davon hab ich schon viel gehört, es aber bis dato noch nicht ausprobiert.
Ich habe alles zusammen, nur auf Gamaschen verzichte ich mal wieder. Die sind nicht atmungsaktiv und der Regen gestern war nicht ausreichend um für eine Schlammschlacht zu sorgen.

Die ersten Kilometer ist der Weg ein Landwirtschaftsweg, also eine unbefestigte Strasse. Um zwei Ecken und schon habe ich eine fantastische Aussicht über Loch Bracadale und kann bis zu den Black Cuillins sehen.
Plötzlich wird die friedliche Atmosphäre aus Vogelgezwitscher, summenden Insekten und leichten Blätter- und Nadelgeraschel gestört. Nordwestschottland ist leider Trainingsgebiet für Kampfjets. Insbesondere Tiefflüge scheinen geübt zu werden. Durch die vielen Täler und die Küste mit ihren vielen Lochs kann man nicht ausmachen, woher der Flieger grade kommt. Sie sind aber laut, sehr laut. Man hört zwar wie das Dröhnen sich nähert, da dies aber langsamer ist als der Flieger, erschreckt man sich dann doch oft, wenn sie über den Kopf hinwegdonnern.

Eine Schleife scheint der Flieger zu machen und dreht dann in eine andere Richtung ab. Ich kann wieder in Begleitung von Vogelgezwischer und Gesummse dem Weg folgen.
Der breite Weg endet an einem Bach, der breit, aber sehr flach ist und kein Problem in der Querung darstellt. Gleich dahinter ist die erste Schleuse, die verhindern soll das Schafe und Hirsche durchkommen. Allerdings auch Wanderer mit gefüllten Rucksack kommen nicht durch. Die Lücke in der man steht um die Tür vor einem zu bewegen ist zu knapp bemessen.
Der umgebene Zaun ist über 2m hoch, da möchte ich mein Rucksack nicht rüberwerfen und die Lücken sind für durchreichen zu schmal. Zum Glück gibt es aber noch das Tor, dieses ist nicht abgeschlossen oder durch komplizierte Knoten geschützt.

Schlagartig kommt man von einem breiten, ebenen Weg zu einem Pfad, der mitten durch Farn führt, eng ist und wo man hinschauen muss, wo der Fuss gesetzt wird. Die Trekkingstöcke werden jetzt unpraktisch bzw. wird es mit denen anstrengend, wenn man den Farn mit ihnen wegschiebt oder sie darüber hebt.
Die Aussicht wird immer besser, mittlerweile scheint die Sonne auch satt. Bei einem kleinen Stop zum  Fotomachen find ich Zecken auf der Hose. Also schleunigst bis zu einer Stelle laufen, wo der Weg etwas breiter ist. Beine auch unter der Hose absuchen, nochmal Autan rauf, Hose wieder in die Socken. Vier Zecken finde ich auf der Hose, drei Stück zerquetsch ich, aber die Vierte fällt mir vom Fingernagel. Zum Glück, das war ein Riesenvieh, da hätt ich mich wohl geekelt die zu zerquetschen. Der Körper war über 5mm lang.

Dann noch was für die Haut tun und die Sonnencreme auftragen. Ich trage zwar ein langärmliges T-Shirt, aber Gesicht, Hals, Nacken und die Ohren bedürfen eines weiteren Schutzes. Die Hände natürlich auch.
Der Weg ist jetzt zwar etwas enger und immer öfters steinig, aber es lässt sich trotzdem ohne Anstrengung laufen, nur wo man hintritt muss man schauen, wenn man nicht umknicken oder ausrutschen will. Zum Glück muss man auf den Weg achten, ich käme sonst garnicht voran vor Fotos machen. Wobei Fotos irgendwie sinnlos sind, sie können wundervolle Aussicht garnicht wiedergeben, zumal sie nicht die Atmosphäre aus Licht, leichtem Wind, den umherschwirrenden Insekten, die Gerüche usw. aufnehmen.

Auf den über 8km langen Weg zum Idrigill Point gibt es unterwegs, ziemlich mittig, eine Bank zum Ausschnaufen. Sie befindet sich in einem Gelände, was mal ein Gedenkwald werden soll. Dort länger zu verweilen ist sehr verlockend bei guten Wetter. Den Ausblick den man auf dieser Bank sitzend hat ist einfach phänomenal.

Da ich auf den Hinweg keine Pause mache, erreiche ich nach knapp 2 Stunden die grasigen Flächen vor Idrigill Point  von wo aus man zum ersten Mal die Maidens sehen kann und auch so einen tollen Rundumblick hat. Für das Lösen der Aufgaben, die der Earthcache stellt und für meine Mittagspause such ich mir aber einen Platz weiter zu den Klippen hin.
Huch, die Klippen fallen ganz schön steil ab. Einige scheinen auch Überhänge zu sein. Es geht quasi 50m im rechten Winkel nach unten. Ich wähle mir dann doch lieber einen Platz, von wo ich aus der Entfernung sehen konnte, das es kein Überhang ist. Gleich neben den Klippeneinschnitt "Geodha nan Daoine"



Gegenüber kann ich Möwen im Felsen beobachten, eine Möwe fliegt auch immer recht nah an mir vorbei, aber greift mich nicht an. Sollte ich in der Nähe eines Nestes sein, dann bin ich wohl weit genug weg.
Für die Mittagspause ist dieser Platz einfach nur genial und das Wetter sowieso. Ich leg mich ins Gras und geniess die Sonne. Es weht ein angenehmer Wind. Wie ich so in der Gegend rumschaue, und versuche das was ich sehe auf meiner Karte im Kopf einzuordnen, schaff ich es das Rätsel zu lösen wieso mir eine Insel so nah erschien. Ich dachte, die ganze Zeit, das die Berge am Horizont Harris (Äussere Hebriden wären). Aber dafür war das eigentlich zu nah. Und es konnte ja auch nicht hinkommen, die sind weiter nördlich. Ich hatte nicht darauf geachten, das ich die ganze Zeit Richtung Süden lief, ich bin von westlicher Richtung ausgegangen. Die Berge gehörten zu Rum. Ich kann sogar Kilmory Bay und das Schiffswrack westlich davon als weissen Punkt erkennen.

Durch meinen Standort hab ich drei Cuillins im Blick. Die Red Cuillins, die Black Cuillins und die Rum Cuillins. Die Äusseren Hebriden seh ich auch, aber es sind die Höhenzüge von Uists, die am Horizont sind.
Nach einiger Zeit wird mir der Wind dann doch ein wenig frisch. Doch bevor ich loslaufe entdeck ich auf der Wasseroberfläche unter mir einen Black Guillemot. Es muss einer sein, in dem kristallklaren Wasser sind die roten Beine deutlich erkennbar.

So schön mein Platz für die Mittagspause und der Weg dahin auch war. Auf den ersten Metern entdeck ich was, was ich jetzt viel lieber machen täte. Drei Kajakfahrer nähern sich den Höhlen beim Idrigill Point. Meine erste Ausfahrt mit dem Kajak bei windigen Wetter war schon toll. Aber wie muss das sein, bei einem Wetter wie heute? Nur kleinste Wellen, das Wasser klar, die Sonne scheint. Die drei haben meinen vollen Neid.

Der Rückweg zieht sich. Ich weiss nicht wieso. Er kommt mir länger vor. Dabei ist die Aussicht noch schöner als auf dem Hinweg, sie ist abwechslungsreicher, da man jetzt zum Inselinneren schaut und durch die kleinen Richtungs- und Höhenänderungen einen stetigen Wechsel im "Bildausschnitt" hat.
Auf dem Rückweg treff ich einige andere Wanderer. So "muss" ich mir die Bank mit einem Schweizer Päarchen teilen. Jetzt mach ich länger Pause, die bis dahin mehr als 12 zurückgelegten Kilometer machen sich so langsam bemerkbar, genauso wie die vielen Kilometer in den Tagen davor. Mein Akku leidet wohl unter Memoryeffekt.

Auf den weiteren Weg, schon auf der Forststrasse, schaff ich endlich ein (unscharfes) Foto von einem Kampfjet zu machen der über mich hinweg fliegt.
Am Parkplatz treff ich Landsleute, die vorher drei Stunden weglos an Klippen langgelaufen sind und dann doch nicht die 5Meilen bis zu den Maidens laufen wollen. Durchaus verständlich. Ich empfehl ihnen aber wenigstens den Forstweg zu laufen und vielleicht bis zur Bank. Einen gut erkennbaren Weg gibt es ja und die Aussicht lohnt sich.

Da es noch zu früh ist, um zum Hostel zurückzukehren beschliess ich noch etwas zu cachen. Ist ja noch einiges offen auf Duirinish. Der erste Cache ist auch nicht weit weg. Ich mach mir beim Parken und Abgleich der Entfernung Hoffnung, das ich nicht auf den Hügel hoch muss, der sich in der Nähe des Parkplatzeerhebt. Die Perspektive täuscht, der Hügel war kleiner als er aussah, aber dafür auch näher dran. Es waren zwar nur etwas über 40Höhenmeter zu bewältigen, aber auch nur etwas mehr als 200m. Und die ersten 100m waren über eine fast ebene Wiese. Wenn man von den kleinen Gräben absieht, die zum Glück trocken waren.



Eine schöne Location für einen Cache. Tolle Rundumsicht. Die hatte ich beim nächsten Cache auch, aber die Wahl war trotzdem nicht gut getroffen. Ich wollte nicht die 800m vom ersten zum zweiten Hügel querfeldein laufen. Und bevor ich auf der Strasse laufe, dann nimm ich doch gleich das Auto. Leider hat derjenige der den Cache versteckt hat nicht an Autofahrer gedacht (Spaziergänger gibt es in der Gegend allerdings auch nicht). Es gab keine vernünftige Parkmöglichkeit. Die Strasse ist eine SingleTrackRoad und die (wenigen) PassingPlaces sind keine Parkplätze. Ich drehte eine kleine Runde, auf der Suche nach einer Abstellmöglichkeit und wählte dann doch den nächsten PassingPlace. Ganz an den Rand, fast in der Böschung. Der Boden war trocken, so konnte ich es riskieren.

Zum Glück war der Boden trocken, denn auf den Weg zum Cache musste man vor dem kleinen Hügel noch über eine Torffläche rüber. Bei normalen Wetter empfiehlt sich das Tragen von Gummistiefeln, besser noch Wathose. Nach Wochen ohne Regen, war der Boden schlimmstenfalls federnd.

Weiter zum Neist Point, auf den Weg dahin hab ich wieder das Glatteisfeeling. Auch hier wurde die Strasse instandgesetzt und grosszügig mit Split gestreut (die Schicht war mehrere Zentimeter stark!). Wenn einem das Heck vom Auto in der Kurve weggeht, dann ist das nicht schön. Vorallem weil man nicht damit rechnet. Die Geschwindigkeitsbrenzung ist dafür gedacht, das man die Steine nicht zur Seite schleudert und nicht, das man das Auto am Schleudern hindert, selbst bei 20mph, war es noch eine Eierei in den Kurven. Das ist wie Fahren auf Schnee mit Sommerreifen. Sommerreifen hab ich drauf, nur statt Schnee lag Split auf der Strasse.

Dann werd ich noch komplett eingebremst bzw. ausgebremst. Eines der Baustellenfahrzeuge ist vor mir und als es die anderen Fahrzeuge erreicht, die schon zum Feierabend abgestellt sind und die Arbeiter zum Schnack danebenstehen, hält der Fahrer vor mir an und schnackt mit. Mitten auf der Strasse, keine Chance vorbeizukommen.  Motor aus und warten bis die Herren der Schöpfung ihren Plausch beendet haben. Ist ja nicht so, das man nicht sehen würde, das da noch ein Auto auf Durchfahrt wartet.

Neist Point ist zwar ein beliebtes Ausflugsziel und nur per eigenem Fahrzeug zu erreichen (es sei denn man will meilenweit die Strasse langlaufen oder gar weglos die Klippen lang), von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Parkplätze kann man aber nicht auf den Beliebtheitsgrad schliessen. Bei guten Wetter herrscht chronischer Mangel an Stellplätzen. Ich quetsch mich irgendwie auf ein Stück Grünstreifen vor einem Wohnmobil.

Auf dem Rückweg nach Portree mach ich mich mal wieder unbeliebt, weil ich ein mal wieder nicht hellsehen konnte. Was erwarten die eigentlich? Da war eine Kuppe, wie soll ich da das andere Auto sehen? Und der Passingplace ist aus meiner Richtung gesehen vor der Kuppe gewesen. Der schimpfende Kandidat hatte übrigens noch einen Passingplace zwischen uns beiden, als ich ihn erblickte und damit genügend Zeit und Platz, diesen auch entsprechend zu nutzen. Ganz am Ende von diesen hat er dann doch gehalten und mir, als ich an ihm vorbeifuhr, entrüstet zugerufen ich soll langsamer fahren. Kann man über Kuppen hinwegsehen, wenn man langsamer fährt? Wäre ich langsamer gefahren, dann hätte ich ihn genauso spät gesehen, mit dem Unterschied, das er dann schon weiter gewesen wäre und ich dann rückwärts hätte fahren müssen, um ihn Platz zu machen. So musste er eben auf mich im Passing Place warten.
Sagen diese Schimpfer ihren Nachbarn auch, der soll langsam fahren, im Sinne von schleichen?

Die letzten Tage bin ich nicht umgeknickt, keine Schramme geholt, nirgends angestossen. Das konnte ja nicht so bleiben. Ich wollt die Autotür nur anlehnen. Blöd nur, wenn sie dann ins Schloss fällt und der Daumennagel noch dazwischen ist. SCHMERZ lass nach. Den Cache, den ich bei diesem Halt suchen wollte, hab ich zu allem Überfluss auch nicht gefunden, weil ich aufgrund der Informationen, die ich zu diesem Zeitpunkt hatte, nach der falschen Behältergrösse geschaut habe.

Zurück im Hostel mach ich mir mein Abendbrot in der Mikrowelle. Grade noch rechtzeitig, denn kaum bin ich beim Essen, kommen die Chinesinnen vom Beutezug im Coop zurück. Alle mit Mikrowellenessen. Es gibt aber nur eine Mikrowelle. Bei 10 aufzuwärmenden Essen dauert das, wenn nur ein Gericht auf den Geräteteller passt.
So pack ich das Essen der restlichen 9 in den Umluftofen,  nach der Prüfung der Zubereitungsanweisung ob denn die Kunststoffverpackungen dafür geeignet sind. Sind sie, Hauptsache Folie ist runter. Bei einem Essen entgeht mir das die Besitzerin die Folie nur angestochen, aber nicht abgemacht hat.

Im Ofen braucht das Essen 20-25min. Als nach 5Minuten das eine Essen in der Mikrowelle fertig ist, denkt jemand von den Ofenkandidaten das gilt auch für ihr Essen, muss dann aber mit Erstaunen feststellen das es noch kalt ist. Red ich ... äh, nein, ich red kein Chinesisch. Ich hatte nur vorher auf Englisch erklärt, das das Essen noch lang nicht fertig ist, sondern noch kalt. Es dauert noch ca. 20min. Ein Umluftherd ist keine Mikrowelle.

Es prallten Welten aufeinander, vorallem was das Englisch anging. Andererseits war das ein glücklicher Zufall, denn so entdeckte ich die langsam schmelzende Folie auf der einen Schale.
Ein Essen war fertig, jetzt konnte ein Essen vom Ofen in die Mikrowelle wandern. Da aber erstmal die eingestellte Zeit korrigieren. 10 Minuten sind viel zuviel. Nein, auf der Packung steht 2mal 3,5min. 3,5min, umrühren, nochmal 3,5min, dann ist es fertig. Ich hatte schliesslich das gleiche Essen bei mir auf den Tisch stehen.

Die zehn Chinesinnen in der Küche waren auch dem Warden nicht geheuer, er musste schauen was grade passiert, war aber beruhigt als er sah, das ich ein Auge auf die Mikrowelle habe und ich ihm erklärte das die Schalen im Ofen auch in Ordnung gehen. Das war meine Idee und ich habe vorher extra die Zubereitungsanweisung von allen Gerichten durchgelesen. Alles sind ofentauglich ohne Umfüllen, wenn die Deckfolie entfernt wurden ist.

Eine halbe Stunde nach Ankunft der schnatternde Gruppe waren alle am schnabulieren und die Küche war auch noch in Sollzustand. Deswegen ist die Küche nachts abgeschlossen, das Kochfeld selber wird mit Gas befeuert und es hängt keine Bedienungsanleitung an der Wand. Bevor es da unbemerkt einen Unfall gibt, wird zugemacht.

Abends wurde ich Opfer der geringen Anzahl von Duschen. Beide Duschen waren besetzt und die Benutzer liessen sich gut Zeit. Eine weitere Frau hatte deswegen ebenfalls das Nachsehen, aber nicht weil die Dusche besetzt war, sondern wegen einer Frau, die unter der Dusche stand. Die eine hatte sich versehentlich aus dem Zimmer ausgesperrt. Der Warden war schon aus dem Haus und die andere Mitbewohnerin des Zimmers stand unter der Dusche. Da standen jetzt also zwei Leute auf den Flur und warteten (wenn aus aus verschiedenen Gründen) darauf, das die Duschen frei wurden.

Was um himmelswillen hat das Mädel in der Dusche angestellt? Der Vorraum stand unter Wasser und hat keinen Ablauf. Wie soll man sich da umziehen bzw. anziehen ohne das die Jeans oder der Schlafanzug nass wird? Es gibt in dem Vorraum keinen Stuhl, dafür wäre auch kein Platz.  So musste man spätabends nochmal der Gleichgewichtssinn herausgefordert und Verrenkungen absolviert werden. Alternativ hätte man sich natürlich auf den Zimmer ausziehen und nur mit Handtuch bekleidet durchs Hostel huschen können. Wenn man vorher von der Überschwemmung gewusst hätte und das die Dusche dann nicht von jemand anders in Beschlag genommen wird.