19. Juni - Kayakfahren im Loch Eishort

Wow, was für ein Tag. Der erste Ausflug mit dem Kajak war ja schon toll, aber heute? DER HAMMER.

Da Start in Portree war, bin ich früh los. Diesmal klemmte das Zeitschloss der Küche nicht. Porridge und Toast gemümmelt und noch vor Ankunft des Wardens zog ich ab. So früh am Morgen fährt es sich super, weil keine rollenden Hindernisse im Weg sind. In Broadford mal wieder im Coop das Lunch besorgen: Meal Deal und weil es hier kein Obst zu gibt (der Schokoriegel als Energielieferant ist allerdings auch nicht zu verachten), noch ein Apfel und eine Birne extra. Dann weiter nach Lower Breakish und auf dem Gelände von Skyak Adventures neben den Bootsanhängern parken.

Heute war ich nicht die Erste. Ausser Morag und Gordon war noch ein Instructor anwesend und schon vier  andere Teilnehmer. Nach und nach wurde die Runde vollzählig und Punkt 9 traf auch der letzte Teilnehmer ein, der mit einem Lachen begrüsst wurde. Seine Schwester war nämlich schon anwesend und hatte von der Macke erzählt, das ihr Bruder genau zum veranschlagten Zeitpunkt über die Schwelle tritt. Immer.

Kurz wurde jeder vorgestellt und dann wurde erstmal sortiert. Denn heute würden zwei Gruppen rausfahren, 4 sind Teilnehmer an einem Kurs zwecks Kentertraining und Rettung (vor allem Eigenrettung) und die anderen 5 Anfänger für die das Paddeln an sich und Landschaft guggen in Vordergrund steht, sprich meine Gruppe. Nur das die anderen vier aus dieser Gruppe auch nicht mehr so wirklich Anfänger waren, die sassen schon mehrmals in Wander- bzw. Seakajaks. Ich dagegen war 10 Tage vorher zum ersten Mal auf dem Meer paddeln bzw. in einem Loch, der Seewasser führt.

Die Gruppe für das Kentertraining hatte komplett eigene Ausrüstung. Ein oder zwei aus meiner Gruppe hatte zumindest eine eigene Wet- bzw. Drysuite und Stiefel. Der Rest wurde wieder ausgestattet. Irgendwie erwischte ich die falsche Grösse bei der Drysuite. Meine war etwas zu eng, eine andere Frau hatte eine bekommen, die ihr etwas zu gross war. Wir brauchten nur tauschen. Auch wenn wir wieder etwas zum eigentlichen Start fahren würden, wird am Basislager erstmal alles angelegt. Jetzt ist noch Zeit Ausrüstung zu tauschen. Alles sitzt, auch wenn ich mit den Reissverschluss der Schwimmweste ein wenig kämpfen muss. Nein, sie ist nicht zu klein, alle Gurte waren offen, und sie hatte sehr viel Spiel. Nur dadurch das die Schwimmkörper leicht gebogen waren und unter dem Reissverschluss, war der Reissverschluss schon beim Schliessen unter Spannung.

Weil wir inklusive der beiden Instructoren 11 Leute waren, hätte der Kleinbus nicht gereicht. Ausserdem hatte noch jemand ein eigenes Kajak was nicht mehr auf den Trailer passte. So fuhren ein Kleinbus mit Bootsanhänger, ein PKW mit Kajak auf den Dach und ein zweiter PKW in Lower Breakish los. Ziel war Ord und das Ufer von Loch Salpin / Loch Eishort. Damit wir wissen, wo es lang geht und später auch wissen wo wir sind, bekam jeder eine laminierte Karte und nahm die mit ins Gepäck.

Ein Blick auf die Karte und ich wusste wo es hinging. Auf der Strasse war ich im Winter lang. Die SingleTrack war die Strasse, die meine  Hitliste der herausfordersten SingleTracks anführt. Und da jetzt mit Bootsanhänger lang? Gut ich glaub, der schlimme Part war auf dem südlichen Teil der Runde. Hoffentlich. Aber auch so ging es noch hoch und runter, rum um die Kurven.

Diesmal sass ich zum Glück vorwärts. Mir gegenüber, rückwärts, sass der andere Instructor. Ein Amerikaner der für ein, zwei Wochen oder so, Gorden unterstützt und das Kentertraining machen wird.

Angekommen am Slipway, konnte ich auch bildlich einsortieren wo ich war. Am gegenüberliegenden Ufer war Glasnakille und Drinan auszumachen. Genauer, ich konnte Rowan Cottage erkennen sowie Audreys Haus.



Erstmal alle Boote abladen und dann machten sich zuerst die Fortgeschrittenen fertig. Ihre Boote wurden gleich zum Strand getragen bzw. wurden am unteren Ende vom Slipway abgelegt.
Schön schauen wo man hintritt, überall lag Seetang rum und der ist sehr schlüpfrig, kann aber auch Löcher im Beton verbergen.
Der Kenterkurs war Richtung Wasser unterwegs, blieben 6 Boote über. Ein weisses, ein gelbes, ein oranges, ein blassrotes, ein rotes und das glänzend rote Boot von Gordon. Wer nimmt welches Boot? Gordon sagte, zwei Boote sind etwas schmaler, drei etwas breiter. Die beiden schmalen Boote hatten schnell ihre Fahrer gefunden. Ich hatte mich von Anfang an, in das weisse Boot verguggt. Erstes Probesitzen war auch bestens. Zwischenzeitlich war das dritte Boot vergeben. Dann sah ich, das eine der anderen Frauen (wir waren 4 und, inkl. Gordon, zwei Männer) Probleme hatte. Ihr war das Boot zu schmal. So bot ich an, mal die Boote zu tauschen, weil laut Gordon das Weisse etwas mehr Platz bot. Ich kam in das blassrote rein, dies war zwar etwas eng, aber es ging. Das weisse Boot war der Anderen aber immer noch zu eng. So bot Gordon ihr sein Boot an.

Sie wollte erst ablehnen, weil das gnge ja nicht. Worauf Gordon nur entgegnete, das macht nichts, er kann jedes Kajak was auf dem Slipway liegt fahren. Gordons Boot bot jedenfalls genug Platz, ich konnte mich im Weissen bequem machen und Gordon nahm das blassrote.

Nochmal kurz die Theorie und die Nennung der vier Regeln. Drei bekam ich noch zusammen ("keep smiling"), aber wie war die vierte? "Wenn du in Schwierigkeiten bist, dann merkst du es schon".
Vorher aber noch die Paddel verteilen. Die anderen bekamen grade Paddel, weil sie nur diese kannten, ich bekam wieder ein gewelltes.
Boote zum Strand schleppen und im Sand abstellen. Nochmal vorführen lassen, wie die beiden Methoden des Einsteigens sind. Ich kann mich partout nicht mehr an die erste erinnern. Dabei war das die Methode, die ich bevorzugt hatte, weil mir die zweite bezüglich des Materials bedenklich war. Die hiess nämlich sich aufs Blatt des Paddels zu setzen und das Paddel selber als Stütze zu verwenden. Das Blatt schaut aber sehr fragil aus. Ja, ich weiss, die können was ab, man muss sich aber erstmal dran gewöhnen. Dauerte auch ein Weilchen bis ich die Bedenken abgelegt hatte, mit dem Boot auf einen Strand aufzufahren.

Als Gordon sich daran macht beide Methoden vorzuführen, sorgt er für Heiterkeit. Allerdings unfreiwillig. Als es darum geht, die Beine ins Boot zu bekommen, ist der Platz ein wenig eng und der Einsteigeversuch sah nicht sehr elegant aus und die Ausführung der angesagten Bewegung dauerte auch. Wir mussten alle lachen, vorallem weil Gordon ja wieder aussteigen musste, um das richtige Aussteigen vorzuführen und dann die zweite Einsteigemethode und auch das Aussteigen mit Paddel als Stütze. Wie waren nochmal Gordons Regeln? "Keep Smiling"?! Wir steigerten das Lächeln eben zum Lachen. Gordon flog dabei auch noch fast ins Wasser, weil die Knie doch nicht so ganz einfach ins Boot passten bzw. der Raum zum Bewegen fehlte. Was aber auch verdeutlichte warum, die Methode mit dem Blatt als Stütze zu bevorzugen ist.
 
Jetzt wir. Es gab keine Strömung, es gab genügend Raum, so stiegen wir quasi alle gleichzeitig ein. Da musste noch ein Paddel umgedreht und dort der Spritzschutz korrigiert werden. Gordon hat da eine ganz eigene Methode darauf aufmerksam zu machen. So bat er einfach mal, das die Paddlerin mal vorführen soll, wie der Spritzschutz sich lösen lässt. Ups, da fehlt ja was, Schlaufe muss nach aussen. Und der Paddeldreher wurde zur Turnübung. Nimm mal das Paddel in beide Hände, streck die Arme über den Kopf und jetzt dreh mal das Paddel von links nach rechts. Schon besser. Ich konnte es garnicht abwarten aufs Wasser zu kommen. Ein paar kräftige Schläge, dabei leicht im Sand buddeln, um sich abzustossen und schon glitt ich über die ebene Wasseroberfläche. Ist das Wasser vielleicht klar, da kann man ja jeden Kiesel erkennen, auch wenn es 1m tief ist und mehr.

Ich grinste schon glücklich vor mich hin und probte mich in Wenden und Rückwärtsfahren, da hang das ein oder andere Kajak noch auf dem Sandstrand. Irgendwann waren alle 6 Boote frei im Wasser unterwegs und die Gruppe nahm Kurs auf Eilean Dubh. Eine winzige Felseninsel. Dort gibt es Seehunde, die momentan ihre Jungen haben. Vielleicht haben wir die Chance eines zu sehen. Die Jungen der Seehunde müssen schon bis zur nächsten Flut schwimmen und liegen nicht tage- oder wochenlang auf den Felsen.
Die Seehunde im Loch Eishort sind viel scheuer als die vom Loch na Cuilce. Wobei die momentan auch etwas vorsichtiger sind, weil eben grade die Jungen geboren werden. Die Gruppe ist etwas auseinandergezogen. Hinten wird sich unterhalten und vorne ziehen eine andere Frau und ich davon. Es macht einfach Spass durch das klare, glatte Wasser zu ziehen.

Die Seehunde ziehen allerdings auch davon. Einer nach den anderen flüchten vom Felsen, obwohl wir noch etliche Bootslängen entfernt sind. Einige tauchen wenige Bootslängen von uns entfernt vor uns wieder auf, um bei weiterer Annährung ganz schnell abzutauchen und zu verschwinden. Wir paddeln am Felsen vorbei, zu einer anderen kleinen Insel nordöstlich. Doch schon nach wenigen Paddelschlägen sagt Gordon zu uns, wir sollen uns mal umdrehen.

Mit der Schwimmweste und Spritzschutz ist es garnicht so einfach Hals und Oberkörper zu drehen. Besser das Boot ein wenig umdrehen und über den sich bieteten Anblick lachen.
Die Seehunde sind zwar vor uns geflüchtet, sind jetzt aber hinter uns und schauen aus dem Wasser uns hinterher. Viel näher als vorher. Sie folgen uns sogar ein wenig.

Rechts um Eilean Dubh rum und tiefer in den Loch Eishort. Fasziniert vom klaren Wasser und was man so alles beobachten kann im Wasser und am Grund, halte ich mich etwas näher am Ufer, der Rest etwas weiter draussen, aber nicht mehr als 100m weg. Beim Durchfahren von Seetang, den ich mir näher anschauen wollte, weil da so etwas wie eine Blüte war, setzt ich kurz auf einen Felsen auf der gut unter dem Tang getarnt war. Erstmal wieder ausparken und zu den anderen aufschliessen, die einen nördlichen Kurs, hin zum anderen Ufer eingeschlagen haben. Die Gelegenheit mal ordentlich Gas zu geben.

Die Karte klemmt zwar vor jedem auf dem Boot, aber von unserer Perspektive aus, so knapp über den Wasser verschätz man sich ordentlich in Entfernungen. Bis wir aussortiert haben, wo wir wirklich grade sind, dauert es ein Weilchen. Gordon will nach Boreraig und dort in der Nähe vom Wasserfall anlegen. Lunchtime. Vorbei gehts an einer weiteren Felseninsel, auf der einen Seite wieder ein paar Seehunde und auf der Seite, wo der Felsen nicht flach abfällt, sehen wir Möwen und Austernfischern (letzteres hört man vorallem). Auch ein Möwenküken, ein flauschiger Federball der auf den Felsen langhüpft, wird entdeckt. Die Anweisung lautet gradezu auf den Wasserfall halten und dort anlegen.

Wenig später setz ich das Boot auf einen verkieselten Strand auf, aber warum sind die anderen 20m weiter links? Wie, da ist ein winziger Sandabschnitt? Wo ich bin, ist aber auch gut, ich darf da bleiben. Kommt das Wasser grad oder geht es? Davon hängt ab, das Boot etwas höher getragen werden muss oder nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, schlepp ich es ein paar Meter mehr auf den Strand und balancier dann zu den anderen. Gordon und noch jemand stehen noch im Wasser rum, haben aber Kamera in der Hand und noch irgendwas.
Schneckenhäuser mit kleinen Krebsen drin. Die hab ich auch gesehen als ich aussteigen wollte und plötzlich was wegrannte. Putzige Tierchen. Ob die über die Hand laufen, wenn man sie mit der Öffnung nach unten hinstellt? Zu sehr wollen wir die Kerlchen nicht stressen, ein paar Fotos und dann setzen wir sie wieder ins Wasser.

Gordon dirigiert vom Ufer aus, die drei die schon zu den Felsen gelaufen sind zu einem besseren Sitzplatz und fragt ob sie sehen, warum sie sich dort hinsetzen sollten. Mmh, nein. Ok, dann zeigen. Ammoniten. Richtig grosse Abdrücke. So gross, das man sie schon wieder übersehen kann, wenn man danebensteht.



Nach der Stärkung mit Sandwich und Obst gehts weiter. Aber nicht mit dem Boot, nein, Landgang. Über die Felsen, wo man immer wieder Fossilien findet, in das ehemalige Dorf Boreraig. Man sieht noch die alte Dorfmauer, Reste von einigen alten Häusern. Es ist noch garnicht so lange her, das diese Dorf zwangsgeräumt wurde. 1853 wurden die Bewohner vertrieben, um Weideland zu gewinnen.

Wir waren nicht die Einzigen, die in der Nähe des Dorfes Pause machten, nur kamen die anderen komplett zu Fuss. Irgendwann muss ich die Wanderung auch mal machen, sie dürfte auch ein Teil des Skye-Trails sein.
Lang genug Beine vertreten, wieder rein in Überjacke, Spritzschutz und Schwimmweste (urgs, jetzt ist sie wirklich etwas eng), zum Boot, das wieder zum Wasser zurücktragen und einsteigen. Es geht aber nicht zurück, sondern erstmal weiter in den Loch Eishort.

Wir haben wohl eine Seehundmutter erschreckt, die ist abgetaucht, aber zu schnell für das Junge was sie huckepack getragen hat. Das schaut aus dem Wasser und blökt herzzerreissend. Ganz schnell weiter damit die Mama wieder zu ihrem Baby kann.
Wir kommen noch an einem weiteren Felsen mit Seehunden vorbei, auch hier sind die Seehunde ins Wasser geflüchtet und wieder heisst es "Schaut euch mal um". Nee, das machen wir anders. Ich dreh das Boot einfach und fahr rückwärts. So kann ich die Seehunden beobachten während sie uns beobachten. Schaut lustig aus, wie da zwei Dutzend Köpfe aus dem Wasser ragen.

Nicht so lustig ist, das meine rechte Schulter schmerzt und das Paddel halten dadurch ebenfalls wehtut. Da hilft hoffentlich ignorieren und die wärmenden Strahlen der Sonne. Und wie die wärmen. Einen Sonnenbrand sollte es aber nicht geben, vor dem Start brav mit wasserfester Creme eingeschmiert und bei der Pause auch nochmal erneuert.

Noch ein paar Meter paddeln bevor es heisst, wir fahren zurück. Der Wind hat zwar leicht zugenommen, aber nicht zu vergleichen mit meinem ersten Ausflug.
Als wir uns einer Bucht nähern kommt von Gordon "wenn ihr die Chance haben wollt einen Otter zu sehen, dann folgt dem Ufer und kürzt nicht ab.". Die Gruppe zieht sich auf den Weg am Ufer entlang etwas auseinander, ich an zweiter Position mit einiges an Abstand zum Führenden. Allzu weit sind wir noch nicht gekommen, da wird vorn gewunken und auf die von Seetang bedeckten Felsen gezeigt. Langsam nähere ich mich und da liegt er: mein erster wilder Otter. Auf dem Seetang liegend, Bauch nach oben, die vier Pfoten in der Luft. Noch bin ich ein paar Meter weg und lass mich langsam näher treiben. Nein, das Tier ist nicht tot. Ich seh wie der Brustkorb sich hebt und senkt. Der schläft! Noch ein Paddler nähert sich, das Tier schläft weiter. Die anderen beiden ziehen bald weiter und ich beobachte immer noch den Otter. Die Kamera ist hinter mir sicher im Seesack verstaut unter der Luke. Da liegt sie trocken, aber ausser Reichweite.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt Gordon und die anderen beiden Frauen um den Felsen rum. Sie schauen genauso ungläubig, aber grinsend den Otter an. Gordon hat eine wasserdichte Kamera an der Schwimmweste verknotet. Er nähert sich dem Felsen, um Fotos zu machen. Das Boot berührt die Felsen. Er müsste sich nur etwas zur Seite lehnen, den Arm lang machen und könnte den Otter berühren. Aber der pennt weiter, zuckt ein bisschen mit den Pfoten, korrigiert seine Position ein wenig und bekommt anscheinend nicht mit das 4 Paddler in einem 3m Radius um ihn herum sind und ihn beobachten.

Dann wacht der Otter doch auf, dreht sich verschreckt um sich selbst und flüchtet Richtung Wasser. Kurz bevor er es berührt, stemmt er beide Vorderpfoten auf den Boden und schaut verdutzt drein. Dümpeln da zwei Kajaks am Notausgang. Das Kerlchen war wohl noch nicht ganz wach, es dauert gefühlt lang bis er sich nochmal umdreht und dahinflüchtet wo keine Boote sind.

Wir müssen einfach nur lachen. Wer hätt denn mit sowas gerechnet? Ein siestahaltender Otter, so nah das man ihn atmen sehen kann, kaum mehr als eine Paddellänge entfernt. Einfach unglaublich. Das wäre eigentlich nur noch durch eine Begegnung mit Delphinen zu toppen. Der Otter muss auch schon ein ganzes Weilchen geschlafen haben, denn das Fell war trocken, deswegen war es auch hellbraun. Ich kannte bis dahin nur Fotos von dunkelbraunen, weil nassen Ottern.

Jetzt kürzen wir die Bucht doch etwas ab und wieder löst sich die Gruppe ein wenig auf. Diesmal bin ich zusammen mit einer Frau weiter vorn. Plötzlich hören wir ein Platschen. Zuerst glauben wir an einen Seehund, doch dann wiederholt es sich und wir können ausmachen wo es herkommt. Ca. 30m von uns entfernt glitzert und schimmert das Wasser seltsam und dann springt was aus dem Wasser und hüpft in kleinen Sprüngen lang, wie ein flacher Stein den man auf ruhigen Wasser springen lässt. Was ist das denn? Wir schauen uns verdutzt an. Auch das Geräusch was aus dieser Richtung kommt ist merkwürdig, es klingt wie ein Rascheln.
Und wieder springt was auf dem Wasser lang, was kleines, silbernes. Ein Fisch? Muss wohl ein Fisch sein, eine Möwe kommt angeflogen schnappt sich was längliches, silbernes, zappelndes und verschwindet wieder. Genauso wie das Phänomen plötzlich wieder weg ist.

Gordon klärt uns auf. Das sind Makrelen. Wirklich faszinierend das Verhalten.

Mit diesen Eindruck gehts weiter, Richtung einer Insel mit weissen Strand. Etwas Wind kommt auf und das Boot will nicht ganz so wie ich es will. Auch die anderen bekommen ein paar Schwierigkeiten. Zeit die Steuerflosse via Schieberegler einzusetzen. Das hab ich während der Tour schon ein paar mal gemacht, auch nach der Pause als wir den Loch gequert haben. Aber plötzlich ist da ein grösserer Widerstand und dann ... nichts. "Gordon, I have a problem". Mal wieder. Diesmal wird nicht an einem Ufer angelegt, Gordon fummelt irgendwas hinten am Boot rum, kleiner Ruck und er hat die Flosse in der Hand samt Verbindungsleine zum Schieberegler. Na toll. Ja, es soll öfters mal passieren. Aber muss das ausgerechnet mir passieren? Nein, das passierte nicht beim Anlegen für die Mittagspause, danach funktionierte es ja noch. Aber ich bin nach der Pause das ein oder andere Mal durch Seetang, da war wohl die Flosse draussen und von dem Kraut hat sich was verfangen. Die Flosse selber ist ja auch heil, nur das Kabel unmittelbar am Regler abgegangen.

Gordon nimmt Kurs auf den Strand und fährt mit Tempo und mit  Extraschwung durch Oberkörper auf. Wir landen daneben an. Eigentlich sollte nur schnell ein Foto von uns und den Booten auf weissen Untergrund und das karibische Wasser hinter uns gemacht werden. Da steigt der erste schon aus und der Rest dann auch hinterher. Es ist kein Sandstrand, sondern unechte Koralle. Unecht, weil keine Koralle, sondern das Skelett einer speziellen Alge. Sechs erwachsene Menschen in voller Kajakmontur wandern über die Gezeiteninsel und suchen zwischen Seetang und zerbrochenen Muschelschalen nach grösseren Stücken von Algenskeletten. Wir müssen ein geniales Bild abgegeben haben.


Jetzt aber Schluss mit lustig, ab zurück. Die anderen werden schon warten. Aber vorher sah ich noch meinen zweiten Otter. Der lag ebenfalls auf Seetang und sonnte sich, war aber wacher als sein Kollege und flüchtete bevor wir uns mehr als 10m näher konnten.

Die Gruppe vom Kentertraining ist schon am Strand. 3 Boote auch schon aus dem Wasser gezogen, aber eines noch auf dem Strand und der Instructor steht hüfttief im Wasser und gibt noch eine Lektion. Unterricht wird  beendet als wir anlegen. Boote aus dem Wasser, aber vor dem Tragen zum Anhänger nochmal rein, damit kein Sand am Boden klebt. Boote verladen und zurück nach Lower Breakish.

Heute gabs kein Bad in der Hot Tub. Dafür waren wir wohl zu viele Leute. Ausrüstung durchspülen, aufhängen und dann nochmal zu einer kurzen Nachbesprechung sowie Tee bzw. Kaffe nochmal nach oben.


Ein wenig ko von dem langen Tag, aber glücklich ob des geilen Tages und der Eindrücke fahr ich Richtung Glasnakille, was ich fast den ganzen Tag über sehen konnte. Eigentlich wollte ich ja nur bis Broadford und dort im Hostel schauen ob noch was frei ist. Kurz noch einen kleinen Zwischenstopp in Elgol einlegen, ich hatte ja immer noch eine Terminabsprache mit dem Besitzer der Bella Jane zu machen. Ob das noch klappt? Ein Auto mit Crewmitgliedern kam mir schon entgegen, aber das Office war noch geöffnet.

Wäre ich 10min früher gekommen, dann hätte ich das Bild des Tages gehabt. Das hätte sogar den Otter getoppt. Unweit des Anleger ist ein Riesenhai aus dem Wasser gesprungen. Riesenhaie können springen? Also das hätt ich wirklich gern gesehen, so bekomm ich es aber nur erzählt. Die Story vom Otter ist aber auch nicht schlecht.

Weiter nach Glasnakille. In Rowan Cottage wurde ich noch nicht erwartet, aber ich darf die Gartendusche nutzen. Bei dem Wetter ein Vergnügen, wenn da nicht die zickige Armatur wäre. Ok, dann wird eben kalt geduscht. Sehr erfrischend, wirklich sehr erfrischend. Vorallem weil ich genügend Platz zum Ausweichen hatte, wurde das ein Kampf mit dem inneren Schweinehund. Zweimal hatte ich das Wasser auf- und wiederabgedreht, eigentlich fertig mit duschen, dreh ich es nochmal auf und plötzlich kommt das heisse Wasser. Schon viel besser.
Noch besser ist dann allerdings, das ich nicht wieder zurück nach Broadford fahren brauche und auch das Zelt im Auto bleiben kann. Ich darf wieder im Office schlafen. Dabei kam ich noch nichtmal zum fragen ob ich eventuell im Garten zelten darf.