22. Juni - Geocachen im Norden von Skye

Bevor es auf die grosse Runde nach Nord-Skye geht, ist erstmal der Morgenspaziergang mit  Sox angesagt. Die wartet schon schwanzwedelnd hinter der Tür. Nach der Zeckensammelei von gestern, geht es heute wieder die Strasse lang. Um aber einen etwas anderen Weg zu laufen nimm ich die Strasse Richtung Elgol.

Liegt es am windigen Wetter (es ist aber wieder trocken) oder weil der Weg nicht so interessant ist, weil es wenig zu schnüffeln gibt, Sox mag heute jedenfalls nicht so recht laufen. Auf dem Rückweg brauch ich aber nicht nochmal das Gatter aufknoten, Sox geht jetzt doch übers Cattle Grid, auf dem Hinweg hatte sie sich noch geziert. Wegen der hündischen Unlust war der Spaziergang nur 45min lang .

Das Frühstück muss Jim schnell gezaubert haben und wurde auch schnell gegessen, denn die Brandts steigen gerade ins Auto, um die erste Fähre in Armadale pünktlich zu erreichen als ich mit Sox das Haus wieder erreiche. Dabei ist es erst kurz vor 8Uhr.
So bin ich mit Jim allein beim Frühstück, der sich diesmal mit an den Tisch setzt und sein Porridge löffelt, aber erst nachdem ich Toast, ein gekochtes Eis, Baked Beans und Bacon serviert bekommen habe.

Da ich mich technisch ein bisschen aufgerüstet habe und mittlerweile ein Netbook besitze, kommt dieses mit zu den Sachen, die ich für den heutigen Tag brauche. Auf dem Netbook sind alle notwendigen Informationen fürs Cachen geladen, für den Fall das allein die Koordinaten nicht helfen, kann ich da nochmal einen Blick reinwerfen.

Ich fühl mich zwar nicht so recht in Form, das Wetter ist einfach zu trübe, zudem gibt es Gegenverkehr auf meinen Weg nach Broadford und trotzdem schaff ich einen Schnitt von 57kmh auf den 17Meilen zwischen Glasnakille bis zum Ortseingangsschild von Broadford. Den Parkplatz gleich gegenüber der ersten T-Kreuzung aufsuchen und los geht das Cache-Hunting. Ich such links, ich such rechts, wieder links, wieder rechts. Und finde nichts. Deswegen hab ich das Netbook dabei, also kurz zum Auto, nochmal alles durchlesen und vorallem den Suchtipp, wieder zurück zu den Koordinaten und schon hab ich das kleine Ding zwischen den Finger. Öffnen, Papier ausrollen und ... TATAAAA. ERSTER.



Auf zum nächsten Streich, Hauptschwerpunkt ist heute Trotternish. Auch der nächste Cache wurde ein FTF (First to Find). Die neuen Caches gehören zu einer kleinen Reihe, Thema "Picknick-Spots in Skye". In der Nähe von Tote (der Ort heisst wirklich so) ist ein nettes Plätzchen, rein landschaftlich betrachtet, doch leider vermiesen die Massen von Midges einen dem Aufenthalt. Somit ging es weiter Richtung Uig und dann berghoch zur Küstenstrasse nach Staffin.

Wegen des Cachens gab es noch den einen oder anderen Zwischenstopp. Unter anderem auch beim "The Skye Museum of Island Life". Hier dauerte das Suchen auch wieder länger, Hinweis hin oder her (ich schlag zur Sicherheit sogar im Wörterbuch nach, ob ich diesen korrekt übersetzt habe, so sehr bin ich schon am zweifeln). Dem Wind gesellte sich jetzt auch noch Niesel (drizzle) hinzu. Ein Bus kam auch noch am Museum an. Ganz tolle Voraussetzungen um erfolgreichen Cachen. Doch wie meist, hielt ich 2 Sekunden bevor ich aufgeben wollte, den Cache zwischen den Finger.

Beim Museum befindet sich eine der wenigen öffentlich zugänglichen Toiletten auf Skye. Bis letztes Jahr noch vom Highland Council betrieben, kümmert sich jetzt die Gemeinde selber drum und hat die Kosten zu tragen (ca. 6000Pfund im Jahr). Deswegen gibt es an der Tür eine Spendenbox. Wenn das benötigte Kleingeld (durch die Münzen im wahrsten Sinne) nicht zusammenkommt, dann wird die Toilette nächstes Jahr geschlossen. Also bitte ein paar Cent einwerfen, wenn man dort vorbeikommt.

Einmal rum um die Spitze, an Staffin vorbei und das bis dahin leichte Programm, höchstens mal 200m ebene Strecke laufen, wird beendet. Ich parke oberhalb eines alten Steinbruchs für Diatomit ("Digging for Dynamit", so heisst nicht nur der Cache, so heisst es auch im Volksmund, denn aus Diatomit wird ein Bestandteil für Dynamit gewonnen). Bis zum normalen Aussichtspunkt gibt es einen schönen befestigten Weg, der dann leicht bergab geht und an der Infotafel endet. Um zum Cache zu kommen musste ich noch weiter runter und einem Schafspfad folgen. Zum Glück hatte es gestern nicht toll geregnet bzw. ist schon wieder alles getrocknet. Der Boden ist ein wenig lehmig und birgt somit ordentlich Rutschpotential, wenn es feucht oder gar nass ist. Es geht in engen Serpentinen einen Steilhang herunter, aber nur ein kurzes Stück. So muss ich auch nur wenige Höhenmeter überwinden.

Die nächsten beiden Caches sind eher virtuell. Bei dem einen gilt es Fragen zum Old Man of Storr zu beantworten. Damit hatte ich schon zweimal angefangen und bin immer noch nicht weiter, ich habe vergessen mir die Antworten zu notieren bzw. diese dann an den Fragenden abzuschicken, sondern bin zum Old Man hochgelaufen. Die Wanderung schenk ich mir heute, hätte aber eventuell neue Aussichten gegeben, denn zumindest der Wald am Start des Weges wurde gerodet.

Beim zweiten Cache handelt es sich um eine Bucht wo man Fossilien finden kann und wo auf den Weg zur Bucht, das erste (Wasser)Kraftwerk auf Skye passiert wird. Die gesuchten Infos finden sich alle nach einem kurzen Fussweg zu einem ViewPoint. Während ich mir noch überlege, ob ich wirklich runter zum Strand gehen will, um vielleicht Fossilien zu entdecken, stell ich mit Erschrecken fest, das ich schon ein Drittel des Weges runtergelaufen bin.

Der Weg ist schmal, er ist steil und über das Hoch denk ich nach wenn es soweit ist, sind ja nur um die 120Höhenmeter bei 300m Luftlinie. Wenn man allerdings von unten nach oben schaut, sieht das viel höher aus und viel steiler, der Weg verschwindet im Farn.
Es gibt aber Hoffnung an der Wetterfront. Über Skye ballen sich noch die Wolken, aber der Niesel hat aufgehört und auf dem Festland kann man sonnige Flecken sehen und grössere Lücken in der hellen Wolkendecke.


Ein letztes Mal für den Sommer park ich auf den Langzeitparkplatz in Portree und die Sonne scheint zum ersten Mal an diesem Tag über Skye. Zeit für Mitbringsel shoppen. Im Outdoorladen hol ich mir zwei Buffs. Ich liebe diese vielseitigen Dinger und sie kosten  einiges weniger als in Deutschland. An der Kasse überleg ich mir ob ich noch Smidge kaufe oder nicht. Entscheide mich aber dagegen. Bin ja nur noch ein Tag da. Im Shop der Tourismusinformation noch eine Leckerei für meinen Fischfütterer besorgen.

Dann startet die zweite Cacherunde. Von Portree erstmal Richtung Uig, dann aber weiter nach Westen und Waternish. Es weht noch gut Wind, aber die Wolkendecke ist aufgerissen und die Sonne blendet nun regelrecht. Über Loch Bay und Loch Dunvegan liegt eine Dunstglocke, zum Glück ist der Wind da, sonst wäre es wohl eklig schwül. Ich räum noch die mir fehlenden Caches in Waternish ab und fahr weiter bis Duirinish. Mich wurmt der eine Cache, den ich dort 4 Tage zuvor nicht gefunden hatte. Durch einen ähnlichen Cache heute, der aber besser klassifiziert war, hab ich jetzt eine Ahnung wonach ich suchen muss. Und tatsächlich, ein Blick, ein Griff und ich hab das kleine Scheisserchen.

Über die A863 geht es nach Slichagan, die Caches auf Miniginish und damit auch Talisker Bay müssen mindestens bis zum nächsten Urlaub warten. Vor Broadford bieg ich in die Strasse zum alten Steinbruch ein und fahr bis zum Ende, um dort nochmal zu einem Cache zu laufen. Als ich parke, aussteige und dann kopfüber im Auto nach neuen Batterien suche, um die im GPS zu wechseln, ist ein Fellknäuel neben mir und steckt seine feuchte Nase in den Fussraum.
Die Nase gehört zu einem BorderCollie, der so garnicht wie ein Wachhund ist, sondern sehr zutraulich, sich nur zu gern kraulen lässt und am liebsten ins Auto will. Das Wetter ist jetzt richtig toll geworden, die Sonne scheint und vom Cache aus, kann ich die Elgol Road bis Kilbride sehen. Die Sonne blendet sogar zu sehr, um gute Fotos von den Torrin Hills zu machen, denn man muss gegen die Sonne fotografieren.

Bevor ich selber die Elgol Road befahre, kehr ich noch im "Gabbro" ein. Dem Pub am Broadford Hotel, diesmal sind auch Plätze frei.
Das Wetter ist nach dem guten Mahl (my favourite: Steak Pie) immer noch klasse und so beschliess ich doch am Blaven Carpark zu halten und mich auf zur Wanderung zu machen, um den dortigen Cache zu suchen. Ein Blick aufs GPS zeigt mir allerdings, das die Wanderung wohl eher ein kurzer Spaziergang wird. Die Atmosphäre ist toll, denn die Sonne verschwindet grade hinter dem Blaven sorgt aber noch für interessante Kontraste am anderen Ufer von Loch Slapin, da wo Torrin liegt. 

Unglaublich sind allerdings die Midges. Wo kommen die denn plötzlich her? Nichts mit Atmosphäre geniessen, nur hastig ins Logbuch kritzeln, Dose schnell wieder verstecken und dann fast im Sprint zum Auto. Dort angekommen fällt mir ein Antimückenmittel (eigentlich gegen Zecken, aber in erster Linie laut Beschriftung gegen Moskitos) in die Hände was ich grosszügig im Gesicht und auf den Armen verstreich. Vielleicht war es wirklich zuviel oder das Zeug wirkt, jedenfalls bleiben die Midges schlagartig auf Abstand. Ein paar kommen zwar mit ins Auto und schwirren da rum, aber die kann ich mir mit der Lüftung aus meinem Sichtfeld halten.

Noch beim Verlassen des Parkplatzes hatte ich mir vorgenommen, beim Kilmarie Carpark zu halten und Richtung Camasunary zu laufen. Auf dem Pass ist nämlich noch ein Cache. Die Wanderung würde ungefähr 2Stunden Spaziergang bedeuten, hinzu stetig bergauf. Als ich jedoch die erste grosse Steigung hochfahre und freien Blick über den Loch Slapin habe, gebe ich das Vorhaben auf. Es nähert sich eine weisse Wand, Eigg ist schon darin verschwunden und auf Wanderung in Starkregen habe ich keine Lust.

So fahr ich weiter nach Elgol und parke unten am Anleger. Ich bin immer wieder fasziniert von dem Blick den man da hat. Und nie ist es gleich. Jetzt am Abend ist es still, kein Wind, die Wellen plätschern nur ganz leise, die Boote liegen ruhig an ihrem Ankerplätzen, durch die Strömung alle in die gleiche Richtung.
Von Süden kommt die Regenwand an, die Wolkendecke hängt knapp über den Gipfel der Cuillins. Zwischen Soay und den Cuillins erstrahlt ein kräfigter Spot von Sonnenlicht und ein Sonnenstrahl weist über die Cuillin Rigde zum Loch na Cuilce. Die Luft ist angenehm warm, trägt aber den Geruch nach Regen mit sich.

Doch der Regen wird nicht kommen, nicht nach Strathaird, nicht an diesem Abend, er wird südlich der Cuillins vorbeiziehen. Trotzdem werde ich aber nicht für eine spätabendliche Wanderung nach Kilmarie zurückfahren, sondern weiter nach Glasnakille für meine letzte Nacht auf Skye.
Es ist kurz vor 22Uhr, aber keine Spur in Rowan Berry von Jim. Der wollte doch Fussball schauen und das Spiel ist noch nicht um, sein Auto steht in der Auffahrt, sein Notebook im Esszimmer. Licht ist überall aus. Seltsam, bisserl Sorgen mach ich mir da schon um ihn.