Inner Hebrides Intro Day 1

Der schottische Teil meines Umzugurlaubes sollte mit einer Woche Seekajakfahren beginnen. Vor Monaten suchte ich nach einen kleinen Kurs in der Woche nach dem ich aus den englischen Midlands los bin und bevor ich auf Skye drei Tage bei Gordon Brown paddeln würde. Bei der Recherche stolperte ich über Seakayak Shop Oban und die National Kayak School. Immer wieder schaute ich dort bis endlich der Plan für August online war und da war er: "MEIN" Kurs. "Inner Hebrides Intro", 5 Tage lang, drei davon Camping, was zwei Nächte im Zelt bedeutete. Perfekt. Das Ding wurde gebucht.

Ich kam überpünktlich im Shop an und wurde in die Sofaecke geschickt. Ein paar Minuten später kam Amanda, eine weitere Teilnehmerin. Dann Lizzie, unsere Kursleiterin und schliesslich Seonaidh (sprich Schona, ich liess mir später den Namen buchstaben. Es ist ein gälischer Name) und John, ihr Mann.
In einer kurze Vorstellungsrunde sagte jeder was für Erfahrungen er hat. Seonaidh hat zwar ein eigenes Seeakajak fährt dieses aber auf Süsswasser Lochs. John hat Erfahrungen im Riverkajak und Amanda auch, wenn auch schon ein Weilchen her. Oh, ich bin die einzige von den Teilnehmern, die schonmal auf Seewasser unterwegs war.

Es wurde beschlossen, das am Nachmittag des ersten Tages ein wenig Rettungstraining stattfindet.
Ab zum Umziehen und Boot aussuchen. Ich hatte meinen eigenen Neoprenanzug und -schuhe, brauchte nur noch Cag (wasser-/winddichte Jacke), Spritzschutz und Schwimmweste. Schnell war klar, das John und ich die gleiche Bootgrösse brauchen und auch später die Boote untereinander tauschen werden, so das man möglichst viele verschiedene Boote ausprobieren kann. Amanda und Lizzie bildeten das zweite Paar.

Der Seakayakshop liegt etwa 50m weg von der Hauptstrasse in Oban, die einige Zeit lang der Hafenmauer folgt. Die Boote werden also nicht auf einen Trailer geladen, sondern zwei Mann, ein Boot und dann wird Richtung Meer gestiefelt. In voller Kajakkleidung trägt man das Kajak die Strasse entlang, wartet dann bis ein Auto hält und kreuzt die Hauptstrasse. Das noch niemand ein Schild aufgestellt hat "Achtung, Kajaks kreuzen" ist erstaunlich.
Bevor es ans Wasser geht, muss man erstmal eine Rampe runter. Beim Einbiegen zur Rampe aufpassen, das man die Mauer nicht streift und keinen Fussgänger das Boot vor den Bug, äh Bauch, haut.


Alle 5 Boote am Wasser. Noch etwas weiter reinschieben, so das man nasse Füsse bekommt, Platz nehmen, Füsse ins Boot, Spritzschutz festmachen und los. Die ersten Paddelschläge noch ganz vorsichtig. Es war immerhin fast 11Monate her, das ich zuletzt in einem Kajak sass.

Im Hafenbecken wurden dann erstmal ein paar Aufwärmübungen gemacht, damit man sich mit dem Boot anfreundet. Wenden, Rückwärtsfahren und Ankanten. Letzteres in dem man sich an der Nase von einem anderen Boot festhielt, so das man nicht kentern kann. Oh je, die eine Seite ist viel schlechter als die andere. Alle hielten sich im Boot, keiner ging baden. Es konnte losgehen. Lizzie hatte die ganze Zeit ein Funkgerät dabei. Oban ist numal ein Fährhafen und drei verschiedene Calmac Fähren legen im Laufe des Tages (zum Teil mehrfach) an und ab. Wir wollten nach Kerrera, damit mussten wir die Fahrrinne kreuzen. Wir passierten dabei auch eine ehemalige Fähre. Die Hebridean Princess lag vor Anker. Von aussen schaut das Schiff nicht grad nach Luxusliner aus, aber es ist einer. Durch den kleinen Yachthafen und dann rüber zu Ufer von Kerrera wo schon bald das erste Mal angelandet wurde zum Beine vertreten und den ersten Snack.

Aber noch nicht die grosse Mittagspause. Danach ging es weiter die Küste entlang gen Süden bis zur Fähre zwischen Kerrera und Festland. Eine Landmarke wurde genutzt um unsere Geschwindigkeit zu bestimmen. Waren nicht ganz 5kmh, ich hätte mit ein wenig mehr gerechnet. Noch etwas weiter ging es vom "The Horse Shoe" in den "The little Horse shoe". Eine kleine Bucht wo zur Mittagspause angelandet wurde. Muss ein warmer Tag gewesen sein. Eine Kuh stand im Wasser und kühlte sich die Füsse.

Leider war der Strand sehr schlammig und wegen der Kuhfladen musste man auch aufpassen wo man hintrat. Gleich neben einen Wrack wurde dann getafelt. In Hörweite befand sich ein Cottage. Dort krakelten lautstark Papageien in einer Aussenvoliere. Leider konnte man sie nicht sehen, auch nicht mit dem Fernglas was zufällig an unserem Picknickplatz rumlag.
Zwischendurch bin ich kurz losgesprintet um unsere Boote von einem Ausflug abzuhalten. Die Flut kam und liess die Kajaks aufschwimmen. Als die Pause zu Ende war, stand die eine Kuh mittlerweile bis zum Bauch im Wasser und zwei weitere kühlten sich die Füsse. Seekühe?

Nach der Pause wurden die Boote getauscht. Amanda mit Lizzie, John mit "meinem". Und weiter ging es Richtung Süden. Bis kurz vor die kleine Insel mit dem Leuchtturm, daneben eine kleine Fischfarm. Auf der Insel gibt es Seehunde, deswegen sind wir dahin. Leider werden Seehunde ziemlich unentspannt, wenn sich Kajaks nähern. Motorboote sind seltsamerweise kein Problem. Doch jetzt rutschte ein Seehund nach den anderen ins Wasser. Sie verschwanden jedoch nicht ganz, sondern beobachteten uns aus dem Wasser heraus. Hier und dort hörte man es platschen. Sobald man sich umdrehte, um sie anzuschauen, tauchten sie nämlich hastig ab.

Zeit für die Rückfahrt. Wind war aufgekommen und es bildeten sich ein paar Wellen. Es gab eine erste Lektion im Surfen. Doch so ganz bekam ich den Dreh nicht raus. Die Welle überholte mich immer und es kam mir vor als würde ich langsamer statt schneller werden. Dabei fuhren wir mit Wind und Flut.
Vorbei am Tauchzentrum in einen ruhigen Eddy. Hier sollte wie am Morgen angekündigt Rettungstraining stattfinden. Das hiess das man das Boot mit geschlossenen Spritzschutz zum kentern bringt, aus den Boot entkommt und dann mit Hilfe von einem zweiten Paddler einsteigt. Zur Vorführung wurde ein Versuchskaninchen gesucht.

Da jeder einmal kentern sollte, war es mir egal ob nun einmal oder zweimal. Ich meldete mich also freiwillig, nur das mit Umkippen wollte ich nicht machen, sondern die feige Version. Spritzdecke lösen, Füsse links und rechts ins Wasser bzw. beide auf eine Seite und dezent zur Seite kippen. Soweit der Plan. Es wurde dann doch ein platschendes Reinfallen, allerdings mit sowenig Schwung, das das Boot noch richtig rum war. Lizzie musste es erst kieloben drehen, damit die Demonstration beginnen konnte.
War das Wasser kalt. Mein Gott. Bibber. War ich glücklich endlich wieder im Boot zu sein. Doch leider stand noch ein zweites Bad aus. Aber erstmal waren die anderen dran. Amanda zuerst. Hand an die Schlaufe der Spritzdecke, zur Seite lehnen, andere Hand hält das Paddel und umkippen. Tja, das mit Paddel und umkippen klappte, nur beim Kippen liess sie die Schlaufe los und hing dann im Boot fest. Ich weiss wie das Gefühl ist. Sekunden werden zu Minuten. Als sie endlich aus dem Boot war, liess Lizzie sie dann erstmal fast eine Minute am Boot dümpeln, bis sich die Nerven ein wenig beruhigt hatten. Dann war ich dran mir das Boot zu angeln und es über meines zu ziehen. Mein Gott, ist das mit Blei gefüllt? Joe's Boot kam mir im September um einiges leichter vor. Ich hatte erhebliche Mühe das Boot umzudrehen. Amanda rüberzuziehen war dann der einfache Part.

Als nächster John, er sollte schauen ob er noch eine Rolle zustande bekommt. Eine halbe schaffte er. Er erschreckte sich aber auch wie kalt das Wasser war. Es war an Seonaidh ihn zu "retten". Er schob ihr das Kajak fast über ihr Boot. Beim Einsteigen sah es auch sehr einfach bei John aus. Einfach auf das Boot stützen und rein.
Sobald er wieder sicher sass, war es an mir zu kentern. Hand an Spritzdecke (und nicht loslassen), Paddel in die andere Hand und zur Seite lehnen. WAHHH,das Wasser war ja noch kälter. Ich will wieder raus! Doch erstmal darauf warten, das das Boot geleert wird bis man versucht sich wie nen nasser Sandsack an den Deckleinen des eigenen Bootes und sobald in Griffweite, des anderen Bootes versucht hochzuziehen.
Schade, diesmal war da kein Joe, der es viel zu gut meinte. Ein Kampf bis ich endlich soweit war, die Füsse ins Boot zu hieven. Bevor es Richtung Hafen geht musste auch noch Seonaidh ins Wasser. Sie mag es auf den Wasser zu sein, hasst es aber im Wasser zu sein. Als es ans Kentern ging, zeigte sie wie gut sie ankanten kann. Doch sie kenterte nicht. Sie hatte zu grosse Angst. Sie weinte sogar. John sprach ihr gut zu und mit gelöster Spritzdecke gelang es dann. Klar, jetzt konnte das Boot beim Ankanten auch mit Wasser volllaufen, da bekommt man es nicht gehalten.

Vier nasse Paddler, zwei davon fertig mit den Nerven. Und ich war fertig mit mir, weil meine Schulter (seltsamerweise die linke), arge Probleme hatte, sprich Schmerzen. Es war wirklich an der Zeit wieder festen Boden unter die Füsse zu bekommen und den Paddeltag zu beenden. Um die Ecke rum, nochmal vorbei an der Hebridean Princess und wo war der Strand hin? Die Flut bedeckte den Anfang der Rampe. Also hiess es nacheinander an die Hafenmauer ranpaddeln, dabei das Boot wenden und aussteigen. Bäh, was für eine Brühe.
Wie am Morgen (nur diesmal mit mehr Zuschauern und mehr Verkehr) die Boote über die Strasse tragen, am besten die Rotphase abwarten und den Stau ausnutzen, nasse Fusstapfen hinterlassen, die Nebenstrasse hoch, Boot abstellen im Schuppen und zurück, das nächste Boot holen.

Jetzt aber raus aus den Klamotten. Heisse Dusche wäre zwar schön, gabs aber nicht vor Ort. Dafür die Ausrüstung in Süsswasser eintunken. Warum roch das nach Chlor? Irgendwas kippen die noch mit in den Bottich. Die Klamotten baumelten zum kurzen Abtropfen auf Bügeln an der Hauswand, dann für ein paar Umdrehungen in eine Schleuder bevor sie von den Angestellten auf den Trockenboden gebracht wurden. Na hoffentlich ist das Zeug bis morgen wirklich trocken. Nach feuchtnassen Neoprenanzug, wenn auch innen "gefüttert" sehne ich mich nicht.
Morgen dann wieder um halb 10 im Shop aufschlagen. Auf Nudeln im Hostel hatte ich keine Lust, mir stand es nach Steak & Ale Pie, wo aber ist ein Pub, der nicht nur Fisch serviert? Ich irrte etwas in der Gegend rum, bis mir ein Stadtführer ein Pub empfahl.

Nach einer kleinen Runde bis in den Biergarten hab ich mich drinnen hingesetzt, vorher an der Bar das Essen bestellt. Mmh, also sehr sauber war es in dem Laden nicht. Trinkgläser werden nur durch Spülen in Klarwasser oder einmal durchs Spülwasser gezogen auch nicht sauber. Das Pie war geniessbar, aber nicht der Renner.
Die Toiletten allerdings auch nicht. Schön wenn man Taschentücher dabei hat. Man sollte sich angewöhnen vorher zu prüfen, ob Papier vorhanden ist. Beide Toiletten waren auf Selbstversorgung angewiesen und zum Hände trocknen nach dem Waschen (Seife nicht vorhanden) gabs natürlich auch nichts. Trinkgeld war damit gestrichen.