Ostern, Sonne und Meer - Horse Island

Wie immer kann ich nicht lang im Zelt schlafen und bin frueh auf, aber immer hin war es keine unruhige Nacht und ich konnte fast durchschlafen, hab ich bis dato im Zelt noch nicht geschafft.
Die Sonne war schon aufgegangen, aber die Wolken hingen ein wenig tief, die Berge waren hoeher, so war es noch ein wenig duester als ich die SingleTrackRoad Richtung Achiltibutie und weiter zum Friedhof, der nah am Strand ist und einen unbefestigten kleinen Parkplatz hat. Perfekt um zum Paddeln zu starten.


Es dauerte ein ganz Weilchen bis ich alles zusammengepackt hatte, in den Trockenanzug geschluepft war, das Boot am Strand lag und beladen war. Ich hatte alle im Auto, aber nichts war vorher sortiert. Um halb 8Uhr legte ich dann aber ab, beobachtet von einem Seehund und nahm Kurs auf Horse Island war genau gegenueber lag, eine Meile entfernt.

Laut Internet war da ein Geocache, den seit seinem Verstecken im Sommer vor 2 Jahren noch keiner geloggt hatte. Eine Verlockung fuer jeden Geocacher der erste Finder zu sein.

Es war ein einfacher Paddel, einfach stur gerade aus, das Ziel vor Augen. Wetterverhaeltnisse gradezu ideal. Quasi kein Wind, die aufgehende Sonne im Ruecken, keine Wellen, keine Stroemung. Perfekt um die Muskeln aufzuwaermen.

Ebbentiefstand war vorrueber, der Korallenstrand (es ist nicht wirklich Koralle was den Strand weiss macht, sondern Algenskelette) ueberflutet und somit musste man genauer hinschauen wo man das Kajak anlandet, weil man will ja nicht die rauhen Steine treffen und Kratzer ins Boot machen.

Aussteigen ohne ins Wasser zu plumpsen (werden die Beine laenger beim Paddeln oder das Cockpit kleiner? Trockenes aussteigen komplizierter als einsteigen, obwohl stabiler), Boot etwas aufs Ufer ziehen, damit es sicher vor der Flut ist (auch wenn es nur fuer kurz ist) und den Geocache suchen.

Was fuer eine Enttaeuschung als ich feststellen musste, das schon wer ins Logbuch geschrieben hatte. Letzten Sommer. Ok, Buch signieren, Dose verstecken, Boot wieder ins Wasser schieben, einsteigen (wackliger als aussteigen, aber einfacher) und zurueck zum Auto. Jedoch nicht auf den direkten Weg. Am gegenueberliegenden Ufer befand sich noch ein weiterer Cache, sehr nah am Strand und mit Kajak leichter zu erreichen als an der Strasse einen Parkplatz suchen und hinlaufen.


Der auffrischende Wind begann mir Sorgen zu machen. Auf den Weg zum Auto war er kein Problem, keine Welle spuelte ueber das Deck und das Paddeln war auch nicht anstrengender, aber das war ja nur mein Warmup, ich hatte Groesseres vor. Einen kleinen Ortswechsel zur Badentarbat Bay und dann Erkunden der Summer Isles.

Die erste Paddelrunde brachte 5 Kilometer auf den Zaehler und  benoetigte inklusive der beiden Landgaenge etwas ueber 90 Minuten.

Als ich, noch in Trockenanzug, weil keine 2km mit dem Auto zu fahren, am naechsten Startpunkt ankam, war klar, das der Start fuer die grosse Runde verschoben wird. Weisse Wellenkaemme und der gut Gegenwind. Nein, da paddel ich nicht los. Ich bin allein, ich kenn die Gegend nicht, der letzte Wetterbericht ist etwa 24Stunden her und passt nicht zu dem was ich sehe. Alternativprogramm war angesagt.

Raus aus dem Trockenanzug und zum Parkplatz von Stac Pollaidh gefahren. Es war noch nicht 10Uhr morgens, aber es war schon knifflig dort zu parken, zumal ich wegen Kajak auf dem Dach mit leichter Ueberlaenge zu kaempfen hatte. Der Dachtraeger ist so montiert, das ich mindestens ein Meter vom Kajak ueberhaengt, wenn nicht mehr. Haengt ein wenig davon ab ob ich das Kajak mit Bug nach vorne oder hinten habe, weil das Cockpit nicht genau mittig ist. Wenigstens gibt die Warnweste, die am ueberhaengenden Ende befestigt ist anderen Verkehrsteilnehmern und mir, ein gut sichtbares Zeichen wieviel Platz noch ist.

Stac Pollaidh also. Nicht auf das Plateau, nur den Rundwanderweg. Sollte ein leichtes Programm sein.


Ein gut befestigter Pfad, eng, bisserl Wasser drauf, bisserl Matsch neben den Steinen, aber alles in allem exzellent ausgebaut fuer einen schottischen Weg. Doch leider geht das erste Stueck, leicht treppenfoermig gut bergan. Nennen wir es mal steil. Zwischen Ferse und Wade wurden die Sehen gut beansprucht und verlangten schnell nach Pausen. War herrliches Wetter und die Aussicht ist toll, da kann man Fotostopps vortaeuschen. Die Atmung und Puls gingen zwar auch hoch, aber ausser Puste ging es nicht. Bald gesellte sich zu dem Ziehen in den Sehnen ein Schmerz im rechten Knie und ich war nichtmal den halben Weg hoch.

OK, Schluss! Umkehren. Es war mein erster Urlaubstag, ich wollte morgen noch paddeln, ich hatte nichtmal ein Viertel des Weges geschafft und schon zickte das Knie. Wo soll das nur enden. Das Vernuenftigste war da numal umzukehren. Auf den Weg nach unten, auch noch ein wenig ausrutschten und den rechten Knoechel umknicken machte die Sache nicht besser.

Was nun? Erstmal zurueck zum Zeltplatz. Im Internet Wetterbericht checken. Free WiFi ist toll, wenn man ausserhalb von jedem Handyempfang ist. Wetterbericht fuer morgen war super. Aber bis dahin war es noch weit hin. Es war grade mal mittags. Wieder zurueck zum Strand und schauen was das Meer so macht. Immer noch Wellen. Zwei andere Kajaker waren am packen ihrer Kajaks fuer eine Mehrtagestour in den Summer Isles. Die gepackten Kajaks noch auf der Wiese brachen sie mit dem Auto aus, um von einem hoeher gelegenen Punkt zu schauen wie die Wellen- und Windsituation weiter draussen ist.

Fuer mich definitiv immer noch zu windig und ich war zwischenzeitlich auch noch einen zweiten Ablegeort checken, der lag zwar windgeschuetzt, aber zwischen dem und der naechsten Insel, war ueber eine Meile Distanz ohne Windschutz.

Wenn Paddeln nicht ist, dann eben Geocachen, weil es sich im Zelt gemuetlich machen war auch keine Option. Auf den Aussichtshuegel vom Vorabend war ein Cache. Diesmal lief ich hin, war ja nur eine Meile. Aussicht war immer noch toll, der Cache schnell gefunden und der naechste nur 3Kilometer Luftlinie entfernt. Bei der tollen Bucht, die ich vom Auto aus gesehen hatte und wo an der Strasse ein Strand ausgeschildert war.

Also ging es auf Schusters Rappen die Strasse entlang. Die Sonne schien, es wehte eine leichte Brise (die Wellen sahen nach viel mehr Wind aus), es war warm. Ein herrlicher Tag zum Wandern und selbst abgelegene Strandparkplaetze sind ueberlaufen.

Am Cache selber war ich dann aber allein, er war etwas vom Weg weg und oberhalb vom Strand. Der naechste Cache nur 400Meter weg auf der anderen Seite der Bucht. Nichts wie hin. Die nassen Fuesse in der Beschreibung beziehen sich doch bestimmt nur auf Flut, oder? Nein, da war ein kleiner Fluss der ins Meer floss. Toll, die Gummistiefel im Auto und das Auto war am Zeltplatz. Es wird doch irgendwo eine Furt geben. Also den Fluss entlang, weg vom Strand. Ein langer Marsch, eine lange Bucht an deren Ende der Fluss einen Bogen machte und mir den Weg zum anderen Parkplatz versperrte und auch zur Strasse. Das hiess den ganzen Weg wieder zurueck.

Ach, du lieber Himmel. Ich habe ja nichts gegen laengere Wanderungen, aber ich bin los ohne jeglichen Proviant und hatte jetzt Durst und ausserdem waren es 3 Meilen bis zum Zeltplatz. Auf Asphalt! Es kam wie es kommen musste, der Ruecken begann weh zu tun und die Knie. Da stiefelt man nicht Stac Pollaidh hoch um sich zu schonen, macht aber ne 10Kilometer Wanderung auf der Strasse plus 3 Kilometer auf Strand und Wiese. Die spinnen, die Geocacher.

Dafuer goennte ich mir am Abend, nach einer Dusche (die Anlage auf dem Zeltplatz ist toll. Powershower, man kann die Temperatur zwar nicht regeln, aber die voreingestellte Temperatur ist auf angenehme Weise sehr warm), hoch zum Pub gelaufen (schon wieder hoch und schon wieder auf Asphalt) und Steak Pie bestellt. Zum ersten Mal bekam ich die in Blaetterteig serviert. Der Blaetterteig gehoert zu der Pie, aber diesmal war das Fleisch und Sosse komplett damit ummantelt und eben keine Terrine damit gedeckelt.

Als Nachtisch gabs die letzte Ibuprofen400 aus dem ErsteHilfeTaeschchen, die war noetig, weil die Asphaltwanderung ging doch zu arg auf die Knochen. Hoffentlich hilft die, weil morgen soll es doch in die Summer Isles gehen.