Ostern, Sonne und Meer - The Summer Isles

Vielleicht war es das Ibuprofen, vielleicht der gute Schlaf. Als ich um 6Uhr aus dem Schlafsack und Zelt krabbelte (ohne Wecker) zwickte und zwackte nichts. Als ich fertig fuer den Aufbruch war, war grad mal ein weiterer Paddler aus dem Nylonpalast geschluepft. Sie gehoerte zu dem Paar, was gestern zu den Summer Isles fuer einen Mehrtagestrip wollte, aber dann doch wegen dem Wind davon absah und stattdessen Quartier auf dem Campingplatz bezog.

Da meine Sachen von gestern noch gepackt waren, das Auffuellen der Wasserflasche nicht viel Zeit in Anspruch nahm, die Fahrt zum Strand nicht lang war, legte ich bei idealen Verhaeltnissen um 7Uhr vom Strand ab.

Wieder lugte ein Seehundkopf aus dem Wasser und es begleitete mich diverses an Vogelgezwitscher, wenn man die Rufe von  Austernfischern und anderer Seevoegel als Gezwitscher bezeichnen kann.

Erstes Ziel war wieder ein Geocache. Luftlinie gut 4.5Kilometer entfernt, dazwischen lag aber noch eine Insel. So ging es erst am Festlandufer lang bevor der Kurs leicht Richtung Inselufer korrigiert wurde, um dann die Umrundung der Insel (Tanera Mor) gegen den Uhrzeigersinn zu starten. Vor mir auf den Deck war die Landkarte befestigt, ebenso der Kompass. Trotzdem schaffte ich es die Orientierung zu verlieren, zu viele kleine Inseln in der Gegend. Ich wusste, das ich irgendwann eine Insel auf rechter Hand passiere und hinter dieser nach rechts abbiegen muss. Doch wo war ich? Rechter Hand waren einige Inseln, aber nirgendwas war die Boje eingezeichnet oder ein Ankerplatz. Aber da war eine Positionsbarke und ein kleines Transportschiff war in Ufernaehe vor Anker, in der Naehe von etwas was wie eine Baustelle fuer einen Pier aussah.

Wo war ich? Kartenstudium half nicht, das GPS musste her. Es war angeschaltet, aber sicher in dem kleinen Fach im Vorderdeck verstaut, was gut zugedeckelt war (wasserdicht) und die Karte war ebenfalls drueber gespannt. War etwas Fummelei daran zu kommen, zumal das GPS keine Schwimmhilfe hatte und auf keinen Fall ins Wasser fallen durfte. Ich selber wollte aber auch nicht kentern.

Blick aufs GPS und festgestellt, das ich an der Stelle war, wo ich abbiegen musste. Ich war einen halben Kilometer weiter als angenommen. GPS wieder im Fach verstaut und zugesehen den Deckel wieder richtig zu verschliessen. Meine Arme waren grade lang genug hinzukommen. Zum Glueck war das Wasser immer noch ruhig und kein Wind, sonst waere das knifflig geworden. Rum ums Eck, feststellen, das die Flut soweit gestiegen war, das der Korallenstrand mehr als 2 Meter tief unter meinem Kiel war und der restliche Strand Felsen bedeckt von Seetand war.

Das Kajak einparken war einfach, doch ich muss ja auch an Land. Mit dem Paddel testen wie tief das Wasser unter dem Seetang ist. Links zu tief um da auszusteigen, rechts grade so, das ich mit dem Fuss auf den Boden kommen kann, wenn das Boot sich nicht 10cm nach hinten bewegt, weil da war es auch zu tief.

Beim Aussteigen baumeln die Fuesse erstmal links und rechts ueber die Bordwand und man reitet sozusagen auf dem Boot. Zu der Wassertiefe muss also noch die Bootshoehe mitzugerechnet werden. Waehrend links und rechts Platz zu den Felsen war, war am Bug ein Felsen gegen den das Boot sachte vom einlaufenden Wasser geschoben wurde. Der Felsen sollte noch fuer Kratzer in der Bordwand sorgen. Es war der einzige raue Felsen und als ich das Boot naeher zum Ufer zog, schabte ich an diesen Felsen lang.
Ging leider nicht anders, der Untergrund war zu klitschig um das Kajak auf die Schulter zu heben. Ausserdem zu schwer. Leer wiegt das Fiberglasskajak etwas ueber 27kg. Aber ich hatte noch Wechselsachen dabei, 2.5l Wasser, Proviant und ein ganz wenig Wasser im Boot vom Einsteigen. Also ueber 30Kilogramm an Gewicht auf knapp 5,5Meter (541cm um genau zu sein) Laenge verteilt. Ohne vernuenftige Griffe hantiert es sich damit nicht so einfach. Auf Land und ebenen hab ich kein Problem, das Boot zu tragen, aufzuheben und abzulegen, jedoch wenn ich auf Seetang und rutschigen Steinen stehe.

Der Cache war schnell gefunden, zu schnell. Der war nicht annaehernd getarnt. So kam es wohl, das offensichtliche Nicht-Geocacher sich im Logbuch verewigt haben. Was soll's es hat mir immerhin ein Abenteuer beschert und es fing grade erst an.

Aus dem Buch "Scottish Sea Kayaking - Fifty Great Sea Kayak Voyages" wusste ich, an der Suedseite von Tanera Beg ein Felsenbogen zu finden ist, den man bei Flut durchpaddeln kann. Auch wenn die Gezeitenstroemung zwischen den Summer Isles fast nicht vorhanden ist, so gab es doch einen kleinen Impuls an das Boot als ich um eine Ecke bog und dabei knapp an einem ueberschwemmten Felsen vorbeiglitt. So ruhig die Oberflaeche war, so spielte sich im Wasser doch einiges an Dynamik ab. Das merkte ich als mich einer Klippenlandschaft naeherte und mich im Rockhopping uebte.

Nein, man hupeft dabei nicht von einem Fels zum anderen, Rockhopping im Kayak heisst, das man zwischen Felsen manoevriert, aber ohne diese zu beruehren (nach Moeglichkeit). Mein Kayak ist laenger als mein Auto und ich habe keine Spiegel, da kann es schonmal interessant werden auf sehr engen Raum zu manoevrieren. Die Schwimmweste schraenkt die Beweglichkeit doch ein wenig ein, sei es im Rumpf oder im Nacken. Und wenn man sich zu sehr dreht nimmt man das Boot in der horizontalen Achse mit, weil das Knie gehoben wird und dadurch das Boot gekippt wird.

Wie auch immer, ich hatte trotzdem Spass und fand es faszinierend zu erfahren wie das Boot sich verhielt als es mal ueber Felsen ging oder an diesen vorbei. Doch wo war jetzt dieser Felsbogen, der nicht auf der Karte eingezeichnet war. Erst als ich um das Felsengebilde rumfuhr, stellte ich fest, das der eine Kanal den ich beobachtet hatte, aber nicht rein bin, die Rueckseite des Bogens bildete.

So duempelte ich als vor und unter dem Bogen rum, doch durch wagte ich mich nicht. Noch nicht. Mir war der Kanal hinter dem Bogen nicht geheuer, weil es hiess, das ich um die Kurve muss in eine doch eher enge Einfahrt. Im ruhigen Wasser kein Problem, aber das Wasser hier war nicht ruhig. Unterwasserfelsen sorgten fuer unstetige Fliessgeschwindigkeit des Wasser, fuer Verwirbelungen und es kam auch Wasser ueber die Felsen, die zu meiner linken Seite waren, gespuelt.

Zurueck zum Kanal und die Sache von da betrachten. Auch da war es nicht ganz ruhig, in einer sanften Welle kam mir das Wasser entgegen. Aber es schaute passierbar aus. Ich beobachte noch ein paar Zyklen um zu sehen, wie hoch und wie niedrig der Wasserstand jeweils war und wann der Wasserspiegel am ebensten war.

Ein tiefer Atemzug und los gings, mit etwas Schwung in den Kanal um nur mit einem Korrekturschlag in einem kleinen Pool vor dem Bogen zu stoppen. Nochmal warten bis ich das das Timing heraus hatte, wann mit keiner Welle von rechts zu rechnen war. Und los ging es durch den Bogen. JUHUUUUUUUUUU. (ich war allein, da kann man ruhig laut jubilieren). So einfach wie die Sache aussah, war es fuer mich dann naemlich doch nicht, es war ziemlich aufregend. Jetzt brauchte ich erstmal eine Pause, Zeit fuer Fruehstueck.

Wieder umkehren und zu dem Wasser zurueck wo es keine Stroemung gab, keine sanften Wogen, nur Korallensand unter dem Boot, blau glitzerndes Wasser und ein grosser Spiegel, wo der Bodengrund dunkel war. Vorbei an Black Guillemots (Grillteisten) und Eider Enten auf der Suche nach einem netten Platz zum Anlanden, erst entlang von Eilean Fada Mor, doch dann quer rueber zu Tanera Beg wo sich ein einladener Felsenstrand zeigte

Zum Fruehstueck gabs einfache Cracker (die irgendwer doppelt verpackt hatte) und Minisalami. ALDI ist toll. Ich genoss die Ruhe, lauschte der Stille (die gar nicht so still war), sah zu wie mein Boot sanft schaukelte, weil das Heck im Wasser hing und von der sacht hereinstroemenden Flut leicht angehoben und wieder gesenkt wurde. Lang hielt es mich nicht auf den gemuetlichen Stein auf dem ich mich fuer die erste Mahlzeit des Tages positioniert hatte. Ich war zu unruhig und deswegen nahm ich wieder Kurs auf den Felsenbogen. Mittlerweile war es nicht mehr lang bis zum Gezeitenhoehepunkt. In der Stunde seit ich den Bogen zum ersten Mal hinter mich gelassen hatte, hat sich einiges getan. 

Es war eine ganz leichter Wellengang, niedrige und lange Wellen nur. Aber die Dynamik des Wasser zwischen den Felsen hatte deutlich zugenommen. Als ich jetzt den Kanal beobachtet wurde mir ganz anders. Zwischen den hoechsten und niedrigsten Punkt der Wellen, die sich jetzt durch den Kanal schoben war es jetzt ein guter Meter. Es sah auch enger aus als vorher.
Dann erstmal rum zum Bogen, aber da war es jetzt viel bewegter. Ich paddelte noch weiter um den Felsen und sah dann auch, wo das Wasser herkam, was einen seitlich traf sobald man unter dem Bogen durch war.

Das Meer sah eigentlich ruhig aus, trotzdem brach sich die ein oder andere Welle mit Kraft am Fels. Eine Weile duempelte ich hier, paddelte dann zum anderen Ende, duempelte da nochmal. Versuchte die Bewegung des Wassers zu filmen. Doch auf den Filmen kommt, die Dynamik einfach nicht rueber.

Wieder in die Mitte zu dem Bogen. Einige Minuten schaute ich mir an, wie das Wasser durch den Bogen und den Kanal floss. Schliesslich fasste ich mir ein Herz als ich dachte, ich haette das Timing verstanden, wann die Wellen die kleinste Amplitude haben. Das Timing war das wichtigste fuer das Unterfangen. Diesmal wuerde es keine Pause auf den halben (kurzen) Weg geben, in einem Zug durch. Tief durchgeatmet, eine Welle abgewartet und los. Die Verwirbelungen hinter dem Bogen gut gemeistert und rein in den Kanal. Doch was war das, ploetzlich kam mir eine Welle entgegen und das Boot ging in das lange Wellental. In dem Moment spuerte ich auch den Sog der Welle, der das Boot in die falsche Richtung bewegen wollte. Dabei hatte ich geglaubt, das eine Welle von hinten kommen und mich leicht schieben muesste.

Jetzt musste das Paddel aktiv zum Einsatz kommen. 208 Zentimeter ist das gute Stueck lang, wie viel Platz hatte ich eigentlich zwischen den Felsen. Das sah nach weniger aus. Wenn man das Paddel vorwaertsbewegt, ist die benoetigte Breite zum Glueck auch schmaler und so kam ich ohne Felsenbekanntschaft durch. Genug Aufregung. Ich war zweimal durch den Bogen, mir reichte das. Zeit fuer den entspannten Teil der Rundfahrt.

Wieder zurueck zwischen die Inseln und die an Eilean Flada Mor entlang Richtung Norden. Kajak fahren und dabei an sich sonnenden Seehunden vorbeigleiten klappte wieder nicht. Die Tiere werden einfach zu nervoes wenn sie ein Kajak erblicken, auch wenn man 50 Meter Abstand haelt. Von den drei Seehunden auf den Felsen, hoben alle 3 die Koepfe. Das Tier am naechsten zum Wasser rutschte auch rein, die anderen Beiden ueberlegten sich ausreichend lang, ob sie auch hinterher sollen. Mir blieb Zeit ein paar wenige Bilder zu machen und mich zu entfernen bevor das Sonnenbad beendet wurde.



In aller Seelenruhe ging es weiter die Kueste entlang, keine weiteren Sichtungen von Seehunden oder anderen Meeressaeugern. In einer grossen Acht um die beiden kleinen Inseln noerdoestlich von Eilean Flada Mor rum. Die Verbindung der Acht klappte weil keine Ebbe war, sonst waere es nur eine Insel gewesen verbunden durch einen Korallenbruchdamm.
Ich hatte wieder Gelegenheit ein wenig Rockhopping zu betreiben und das Boot in leichter Querstroemung zu manoevrieren.

So langsam bekam ich Hunger und hatte auch noch ein anderes Beduerfnis. Zudem moechte ich die Brille tauschen, die Sonne schien und glitzerte auf dem Wasser, ich hatte keine Schirmmuetze auf und mit leicht zusammengekniffenen Augen war das Gucken anstrengend. Die Sonnenbrille musste her. Tanera Mor wurde angesteuert und zur weiteren Umrundung angesetzt. Ich war an dem Punkt wo ich gut 3 Stunden vorher nach Tanera Beg abgebogen war.

Die erste kleine Bucht, die sich fand erwies sich leider als ungeeignet zum Anlanden. Das Ufer viel zu steil ab, ich hatte keine Chance mit meinen Fuessen auf den Boden zu kommen bei einem kontrollierten Ausstieg. Es fand sich aber ein Felseneinschnitt wo ich das Boot einparken und dann halbwegs geschuetzt die Brille tauschen konnte. Waere sie mir da ins Wasser gefallen, haette ich sie rausfischen koennen.

Laut Karte gab es an der Suedkueste von Tanera Mor eine groessere Bucht mit Strand. Felsig, aber keine Klippe. Auf den Weg dahin konnte ich die Klippen gut beobachten, zumal sie Schatten boten, wenn man dicht genug dran war. In den Felsen nisteten einige Moewen und auch Shags (Kraehenscharben). Die maennlichen Scharben waren gut an der kleinen Krone zu erkennen.

Noch um eine letzte Ecke rum und Mol Mor lag vor mir. Ein felsiger Strand, nicht ganz, aber keine relevante Brandung auszumachen. Passt. Nur noch ein paar Schlaege vom Ufer weg, den Spritzschutz loesen (falls man kentert, ist man so wenigstens schneller draussen, wo es so flach ist, kann man eh nicht rollen) und sich von einer Welle auf den "Strand" tragen lassen, aber bitte ohne auf einen der runden Felsen zu landen.

Das Boot bekam am Boot Grundberuehrung und dann auch mittig, dann lief das Wasser zurueck und zog das Boot mit. Falsche Richtung. Naechste Welle, wieder Grundberuehrung und wieder zurueck. Ich versuchte mich an den Steinen festzuhalten, aber die waren einfach zu rund und glitschig. Keine Chance, die Fuesse zu befreien und dann sicher aufzustehen. Ich liess mich also ins tiefere Wasser ziehen, machte den Spritzschutz wieder fest und paddelte aus der Bucht raus, um die Ecke in die naechste kleine, enge Bucht. Etwas Rockhopping und noch einige Meter vom Ufer entfernt feststellen, das dieses auch zu steil ist. Die Bucht war so eng, ich wagte nicht, das Boot zu wenden sondern paddelte rueckwaerts raus. Frustriert. Ich musste mittlerweile dringend mal wohin.

Third Time lucky. Hinter der naechsten Ecke (gut, vielleicht auch die uebernaechste) war wieder eine Bucht, wieder mit felsigen Strand aber gluecklicherweise flacher. Einmal dezent aufgesetzt und das Boot blieb dort. Ich konnte mich gefahrlos aus dem Cockpit hieven. Auch wenn das Wasser wieder zurueckging, weil die Ebbe einsetzte ein wenig wurde das Kajak hochgezogen, falls doch mal ne groessere Welle ankommen sollte.

Sind in Schottland Seehunde als Baywatch angestellt? Wieder linste ein Kopf aus dem Wasser und beobachtete das Treiben am Strand.

Zum Mittag gabs wieder Cracker und Minisalami. Die Pause wurde diesmal etwas laenger und nicht nur 10min. Das Bein und die Huefte brauchten etwas dynamische Bewegung und Streckung. Doch irgendwann ging es wieder rauf aufs Wasser. Gemuetlich vor sich hinpaddelnd, die Kueste und die diversen Felsformationen anschauen: Risse, die vielleicht mal bepaddelbar werden, kleine Aushoehlungen die in Jahrtausenden richtige Hoehlen werden, verschiedenste Gesteinsschichten und wieder eine kleine Bucht, viel besser geeignet zum Anlegen, wenn ich es bis dahin geschafft haette und etwas braunes, felliges was nahe von Seetang duempelt und umherschwimmt. Ein Otter. Zu ueberrascht und fasziniert um die Kamera sofort in der Hand zu haben, zu schlechter Zoom um ein gescheites Foto hinzubekommen. Aber es war ein Otter, das ist sicher.

Bis nach Anchorage war es nicht mehr weit, nur noch um Rubha Dubh rum und die Bucht mit der Siedlung lag vor mir. Friedlich war es, nur die Voegel hoerte man, etwas plaetschern der Wellen und in der Ferne einen Generator fuer eine der beiden Fischfarmen. Mit Kurs auf den Pier der in der Karte eingezeichnet war, erblickte ich zum ersten Mal heute andere Kajakfahrer. Der Pier war der alte Pier und er umrande eine kleine Landungsbucht. Die beiden Kajaks am Strand waren mir bekannt, sie gehoerten zu dem Paar, das die Summer Isles auf einen Mehrtagestrip erkunden wollten, aber genau wie ich, gestern nachmittag dann doch davon absahen von Achitilbuie zu starten.

Sie sind vom Campingplatz aus gestartet und hatten auf ihrer Tour andere Kajaker getroffen. Da ich am Vortag auf Horse Island war, konnte ich ihnen einen Anlandeplatz nennen bevor sie zur weiteren Runde aufbrachen. Sie waren bei ihrer Mittagspause als ich mich Schwimmweste und Spraydeck entledigte, mir das GPS schnappte und den kleinen Inselweg losstiefelte. Korrekt, da war ein Geocache auf der Insel. Leider war die Beschreibung fuer den Weg zum Cache vom Faehranleger aus beschrieben. Die alte Pier war nicht der Faehranleger. Erst naeherte ich mich dem Cache an, doch dann entfernte ich mich wieder. Ich verliess den Pfad, der eine tolle Aussicht ueber die Bucht bot und stapfte querfeldein. Ueber die Torfwiese. So merkwuerdig ein Wanderer in Trockenanzug und Neoprenstiefel aussehen mag, in solchen Gelaende ist es praktisch, um nasse Fuesse musste ich mir keine Sorgen machen.

Ich fand zu einem Pfad zurueck um ihn dann kurz fuer die Cachesuche wieder zu verlassen und um die Aussicht zu geniessen. Wow, da war ich heute?

Fuer den Weg zurueck fragte ich zwei Einheimische, die am Pfad arbeiteten oder vielleicht nur Torf stechen vorbereiteten. Dank ihres Hinweise konnte ich einen kleinen Rundweg laufen und entdeckte auf diese Weise einen sehr alten Friedhof. Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, was da neben dem Weg war, der an einer Ruine endete und durch deren hinteres Tor ich wieder zum Wasser gelangte. Ich kam an der kleinen Steinmauer raus, auf der ich meine Sachen abgelegt hatte.

Das Wasser war weiter zurueckgegangen, mein Boot lag auf dem Trockenen und ich musste es zum Wasser tragen, um die letzten zwei Meilen in Angriff nehmen zu koennen. Die Bucht Anchorage wurde nicht abgekuerzt sondern fast ausgefahren, den beiden Kajakfahrern, die am anderen Ende der Bucht grade ihre Pause machten, naeherte ich mich aber nicht weiter an. Vorbei an dem kleinen Faehranleger und dann schnurgerade Kurs auf das Auto, was als kleiner weisser Punkt auszumachen war.

Das waren nochmal zwei lange Meilen, die schwersten des Tages. Zum ersten Mal kam ein ganz klein wenig Wind auf. Eigentlich nichts, aber genug um den Skeg auszufahren um leichter den Kurs halten zu koennen. War auch noetig, mit dem Auto in Sicht und das Ende des Paddeltages nicht weit entfernt wurden die Arme dann doch schwer. Ausserdem taten mir die Finger weg, die Handruecken mit Salz bedeckt, die Finger fuehlten sich an als ob sie von Schwielen und Blasen bedeckt waeren (Blasen konnte ich keine entdecken, Schwielen ein bisserl), am aergsten hatte es aber die Nagelhaeute mitgenommen. Teilweise uebel eingerissen. Salzwasser und Sonne sind eine unschoene Kombination fuer die Haut.

So war ich froh als ich nach nichtmal 40 Minuten auf Sand auflaufen liess hatte ich 23 Kilometer zurueckgelegt, war 8.5Stunden unterwegs, mehr als 6.5Stunden davon auf dem Wasser. Doch die schwerste Etappe lag noch vor mir. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Boot musste den Strand hochgetragen werden. Morgens war der Weg deutlich kuerzer, weil der die Flut hoeher war. Wenigstens hatte ich am Beginn einen festen Stand und konnte eine bequeme und sichere Trageposition finden. Was beim Balancieren nicht passierte, geschah als das Boot schon auf dem Dachtraeger lag. Ich hatte die Gurte noch nicht rum, weil ich noch den Rumpf saeubern wollte, deswegen war das Kajak auch auf Kante. Nicht sehr stabil, aber ich dachte es reicht. Ich hantierte im Kofferraum als ich aus dem Augenwinkel sah, wie das Kajak sich gefaehrlich neigte und flitzte dann ganz schnell los. Nicht schnell genug, ich konnte das Boot nicht mehr komplett auffangen, es landete unsanft auf dem Rasen. Autsch. Wieder aufgehoben und Sichtung. Keine Risse, nichts. Puh, Glueck gehabt. Fiberglass ist zum Glueck hart im Nehmen und flexibel.

Der Paddeltag war zu Ende, aber ich hatte vom Vortag noch eine Rechnung offen, der Cache am Strand wo es Gummistiefel braucht, um ihn auf kurzen Wege zu erreichen. Es ist toll in den Felsen oberhalb eines Strandes zu sitzen, das dortige Treiben zu beobachten (auch wenn da weniger los war als gestern) und einen Schatz in den Haenden zu halten. Im Cache war ein Hoerbuch (mehrere CDs) und die DVD von "Brave" / "Merida". Meine Belohnung fuer den heutigen Tag und den Anstrengungen des Vortages.

Morgen wird sich ausgeruht. Ich werde nach Skye fahren, Bella Jane Boat Trips einen Besuch abstatten und entweder mit dem RIB nach Canna duesen (die ersten Puffins sind eingetroffen) oder rueber zu Loch Coruisk und am See picknicken bevor ich zurueck nach Inverness fahre.