Ostern, Sonne und Meer - Es ist SONNtag

 

Kurz nach 4Uhr morgens aufgewacht, die Runde ins Bad gedreht, die etwas laenger ausfiel, weil das Bad war ja im Gebaeude was zentral auf dem Campingplatz war und mein Zelt stand unten nah am Strand. Noch vor halb 6 war alles abgebaut und im Auto verstaut und es ging in den Sonnenaufgang. Das war fast mein Untergang. SingleTrackRoads in den Highlands zur Daemmerung, das ist die Zeit fuer die Hirsche. Die treten aus den hohen Gingsterbueschen einfach so vor das Auto und schauen einen mit grossen Augen an. Ohne einen Vierbeiner zu touchieren gelangte ich zur Hauptstrasse nach Ullapool und konnte befreit aufs Gas treten, wobei Hirsche standen links und rechts immer noch, aber meist war nen Zaun dazwischen und wenn nicht, dann zumindest auch kein Busch.
Kurz hinter Ullapool war die Temperatur auf Null Grad gesunken, die Talsperre war von Nebel bedeckt, Nebelfetzen hingen im Licht der aufgehenden Sonne ueber der Strasse. Sah toll aus. Bis Achnasheen. Achnasheen sah nicht toll aus, weil man nichts sah. Sichtweite auf unter 100m gesunken (wohl einiges weniger, aber ohne Leitpfosten kann ich das nicht schaetzen). Erst bei Achnashellach war wieder freie Sicht und freie Fahrt. Die Abkuerzung ueber Plockton schenk ich mir naechstes Mal, weil es ist nicht kuerzer, nicht schneller und irgendwie macht die Strecke doch nicht soviel Spass.

Aber es machte Spass Loch Slapin wieder zusehen und Blaven. Wow, was fuer ein Anblick. Ein Spiegel und wolkenloser Himmel.


Weiter nach Elgol, wo die Crew der AquaXplorer ihre RIBs vorbereiteten. Fuer ein Boot hiess das, das erst der eine, dann der andere Motor abgenommen und gecheckt wurde. Es war noch hin bis zur ersten Tour und erst Recht bis zur ersten Fahrt der Bella Jane.
Da stand ich nun bei strahlenden Sonnenschein und kein Wind, ein Auto mit einem Seeakajak auf dem Dach und das Erholungsprogramm wuerde in fruehstens anderhalb Stunden starten. Zeit um Hallo-zu-Sagen, dem ein oder anderen Schwaetzchen, ein Marsch den Berg hoch zur oeffentlichen Toilette und weiteres Ueberlegen was tun als Naechstes. Beendet wurde das ganze als Alex meinte "Great weather for going out with the kayak". Damit war das Thema "Heute wird nicht gewandert und nicht gepaddelt" erledigt, zumal jemand auch noch eine Hand bot das Kajak zum Strand zu tragen.

So kam es, das ich 2 Wochen nach dem One-Way-Trip zu Loch Coruisk, wieder Dobhran im Sand neben dem Anleger zu liegen hatte, mein Zeug zusammensuchte (diesmal auch vollstaendig) und von Elgol aus Richtung The Cuillin startete. Doch diesmal war der Himmel strahlendblau und Wolkenlos. Es herrschte kein Wind und keine Duenung; mehrere Leute wussten das ich unterwegs war und mit welchem Ziel. Ich versprach auch das ich die Seehunde versuche nicht zu stoeren, damit die Passagiere der Ausflugsboote putzige Fotos machen koennen.

War ein sehr angenehmes Paddeln und Dahingleiten, der Kurs einfach zu halten. Keine Duenung, die einen zur Seite schob, aber auch nicht voranschob. Trotzdem war ich nicht langsam unterwegs als ich auf die Uhr schaute und die Orientierungspunkte betrachtete. Nach einer guten Stunde war auf der anderen Seite von Loch Scavaigh und paddelte die Felsen entlang. Ganz entspannt, kein Geschaukel, keine Brandung, die einen gegen die Felsen zu druecken drohte. Nur ein paar nervoese Seevoegel, die auf einer kleinen Felseninsel doesten und denen das Kajak nicht so geheuer war.


Der Fototermin an den Bad Steps konnte in aller Ruhe erfolgen. Die Stufe und die Hoehle sehen ziemlich niedrig aus, der Fels dagegen erweckt nicht den Anschein, das man ihn ohne allzu grosse Muehe meistern kann.


Auf den weiteren Weg zur Anlegestelle, immer schoen am Felsen lang, fischte ich ein grosses Stueck Folie aus dem Wasser. Kunststoffabfall ist ungesund fuer die Tiere, die im Meer leben. Auch wenn es nur ein Teil war, was nicht mehr im Wasser schwamm, es war besser als es dort zu lassen.
Vor der Muendung von River Scavaigh kamen mir zwei Paddler entgegen. Das Paar hatte auf Soay gecampt und ist dann erstmal Richtung Coruisk, um dann weiter nach Camasunary zu paddeln.
River Scavaigh fuehrte nur sehr wenig Wasser, genauso wenig oder viel wie zwei Wochen zuvor. Um die letzte Ecke rum, sah ich das neue Boot in Elgol an der Treppe, The Islander.

An diesem Boot vorbei hoerte ich wie sich 600PS rasant naeherten, um dann ausser Sicht abzubremsen um langsam hinter den Seehundfelsen zu erscheinen. Na das ist ja mal praktisch. Da die Treppe eh blockiert war und ich zwischen beiden Booten, mit Ballast auf meinem Vordeck, kann man die "Patricia Ann" ja mal heranwinken.

Gavin war der Skipper und hatte Richard als Tourguide dabei. Mit den Beiden und dem Boot hatte ich meine (vorletzte) motorisierte Tour gehabt. Spass machte Gavin jetzt auch und wollte seinen Passagieren etwas Action bieten und bot mir eine Dusche an. Mit Salzwasser. Einfach die Motoren etwas aus dem Wasser heben und dann leicht Gas geben. Das Boot geht nicht vorwaerts, es spritzt nur jede Menge Wasser hoch. Nein, danke verzichte. Aber ich fragte, ob er so nett waere und mir den Muell abnehmen kann. So kam es, das sich 600PS auf 10m verteilt, ganz sachte, meinen 5,41m Fiberglasboot naeherten.

 Nach der Uebergabe paddelte ich zu der Stelle wo man perfekt ein Kajak einparken und auf Land ziehen kann, um es dann auf Gras abzulegen. Flut war grade vorrueber, da brauchte man das Boot nicht ganz aufs Trockene ziehen. Schwimmweste und Spritzschutz ablegen, Kamera, Wasserflasche und Futterbeutel schnappen und ab Richtung Loch Coruisk. Noch hatte ich Zeit bis die Bella Jane mit ihrer Ladung Passagiere ankommt, The Islander hatte nur ein kleines Grueppchen an Bord.

In der Sonne war es sehr warm in der Drysuit, mit Schwimmweste an und den geschlossenen Cockpit ist nicht viel mit atmunsaktiv. So waehlte ich eine erfrischende Route neben den Stepping Stones um den Fluss zu queren. Das Wasser war herrlich kuehl. Einmal auf den Felsen rauf und zum Ministrand, ein paar Cracker und dann zur weiteren Abkuehlung in den See. Aber nicht ganz. Der Kragen ist nicht 100% wasserdicht, feuchtes Neopren ist nicht angenehm. Also nicht schwimmen war angesagt, sondern waten. Eine Umrundung des Uferfelsen bei den Stepping Stones kam nicht in Frage als ich feststellte, das das klare Wasser deutlich tiefer als brusttief ist. Also Felsen hochgeklettert, von da ein Foto gemacht und wieder runter zum Fluss, um ihn zu queren, damit ich zum Kajak zurueckgelange. Unterwegs noch ein wenig Muell eingesammelt. Eine Plastikflasche und Verpackung von 2 Muesli-/Schokoriegel.

Fertigmachen zum Ablegen und los. Diesmal nicht den kurzen Weg, sondern so das ich die Seehunde sehen kann, dabei aber den groesstmoeglichsten Abstand zwischen den kleinen Inseln und dem Ufer wahren, damit die Seehunde schoen liegen bleiben. War nicht mehr lang bis die Bella Jane ankommen muesste und man will es sich ja nicht mit der Crew verscherzen.

Nochmal etwas Muell aus dem Meer gefischt, jetzt waren es Reste von einem Fischernetz, die neben der Plastikflasche unter die Deckleinen geklemmt wurden, dann wurde direkter Kurs auf Elgol gesetzt.
Es war einfach herrlich, die Sonne schien, das Wasser glitzerte, teilweise wirkte es leicht oelig so ruhig war es, aber auch leicht getruebt von Algen, freie Sicht bis Eigg und Muck. Sonnencreme hatte ich immer noch nicht aufgetragen, aber ich trug den Hut mit Midgenetz (das Netz allerdings auf den Hut und nicht runtergezogen). Das sollte weiteren Sonnenbrand im Gesicht eingrenzen.

Ich rechnete jeden Augenblick damit eine Finne zu erblicken, sei es die von einem Delphin, Schweinswal oder gar Minkwal oder Riesenhai. Aber nein, das war mir leider nicht vergoennt. Das waere vermutlich auch zuviel des Guten gewesen. Die Islander zog in einiger Entfernung und sorgte fuer den ersten Wellengang. Ein Blick auf die Uhr, ein Blick nach vorn. Wenn ich Gas geben wuerde, waere ich in Elgol um mit der Bella Jane zur zweiten Tour aufzubrechen, nochmal die Seehunde aus der Naehe zu sehen waere toll. Ich liess es aber ruhig angehen und die Bella Jane zog vorbei als ich noch etwa eine halbe Stunde Paddelei vor mir hatte. Kurz bevor ich die Pier erreichte kam auch noch ein RIB vorbei, allerdings ohne Passagiere, und sorgte fuer ein paar mehr Wellen.

Nach nichtmal 3,5Stunden war der Ausflug beendet. Es war grademal Mittag durch, zu frueh und das Wetter zu schoen um schon nach Inverness zurueckzukehren.
Auch wenn die Bella Jane noch am Pier lag fuer die naechste Tour, hetzen wollte ich nicht. Ich liess mir jede Menge Zeit. Nur was mach ich eigentlich mit dem Kajak? Das Auto war sozusagen zugeparkt. Ich hatte keine Chance das Kajak aufzuladen und den Parkplatz wollte ich auch nicht aufgeben. Boot also auf den Strand hochziehen, ausraeumen und was geht ins Auto packen. Umziehen in aller Ruhe. Die Bella Jane war immer noch am Pier, seltsam. Abfahrtszeit ist doch eigentlich rum.
Ins Buero um zu fragen ob fuer mich noch ein Platz ist, aber erstmal abwarten und die anderen vorlassen. So bekam ich auch mit, warum die Bella Jane immer noch da war und auch warum leichte Konfusion bei den Passagieren fuer die RIBs herrschte.

Auf der A87 hatte es einen Unfall gegeben, in der Naehe der Wasserfaelle von Luib. Die Strasse zwischen Portree und Broadford war gesperrt, die Umleitung (immerhin gab es eine) war die als Touristenroute ausgeschilderte 9 Kilometer lange SingleTrackRoad die Kueste lang. Dadurch kamen etliche gebuchte Passagiere zu spaet in Elgol an und die Passagierlisten mussten geschoben werden. Das funktioniert fuer die RIBs leidlich, doch nicht fuer die Bella Jane. Mit reichlich Verspaetung legte diese ab, die RIBs hinterdrein.

Es kehrte Ruhe im Buero ein und ich konnte endlich fragen ob ich auch Boot fahren kann. Ja ich darf. Zeit fuer Mittagessen. Keine Belohnung ala Kuchen vom Tearoom, weil es ist Sonntag, da hat der zu. Stattdessen Cracker, Minisalami und Ei. Von denen hatte ich noch einige. Genug um sie zu verteilen. Da waren zwei asiatische Frauen, die auch auf das Boot warteten und Hunger hatten, aber nichts dabei. Die beiden hatten auch im Stau gestanden und wussten etwas mehr ueber den Unfall, der leider einem Motorradfahrer das Leben gekostet hat :( Zum Glueck war kein anderes Fahrzeug in dem Umfall verwickelt.

Die Bella Jane naeherte sich und als ich fragte, wieviel die Fahrt kostet, wurde mir mitgeteilt, das ich nicht zu zahlen brauch. Ooh ... Danke. Mein eigenes Boot wurde am Strand zurueckgelassen als ich zum zweiten Mal an diesem Tage Richtung The Cuillin aufbrach.

Das Boot war gut besucht, es war schon ein wenig eng, auch wenn noch ein paar Passagiere Platz gehabt haetten. Da Crewman Richard keine Erklaerungen hielt, weil er damit beschaeftigt war die Getraenkebestellungen aufzunehmen und sich deswegen einmal um die Bank kaempfen musste, leistete ich Skipper Robert Gesellschaft und half dann Richard die Getraenke zuzubereiten, vorallem als er dann doch zu Erklaerungen fuer die Bad Steps ansetze, da ein paar Passagiere zurueck nach Elgol laufen wollten.

Da ich nur die Seehunde sehen und nicht nochmal zum See laufe wollte, half ich dann mit der Getraenkeausgabe aus. So konnte die Crew ihre Passagiere zusammenzaehlen und die Listen pruefen. Weil die Zahlen stimmten nicht. Einerseits fehlten 2 Parteien, dafuer waren einige Wanderer auf dem Boot, die eigentlich auf den naechsten Boot sein sollten. Da waren Babys an Bord, die man bei der Zaehlung uebersah, weil unter Decke getarnt. Und schliesslich die fehlende Partei nachdem erstmal der Hund gefangen werden musste, der sich auf die Felsen verirrt hatte als er eigentlich auf die Treppe steigen sollte. Alles gecheckt und es konnte wieder zurueckgehen, nochmal Seehunde guggen und dann in aller Ruhe gen Elgol schippern.

Dort angekommen legte grade eine Gruppe von Kajakern ab. Auto ausparken und halb auf die Pier fahren (damit man keinen der anderen Autos in Weg ist), Boot aufladen und ab nach Hause. Auf dem Weg noch einen kleinen Stopp bei den Rogie Falls. Zur richtigen Jahreszeit kann man da Lachse springen sehen. Heute sprangen da aber allenfalls Jugendliche ins Wasser.


Morgen ist aber definitiv Pause. Boot kommt in den Container, der Trockenanzug, Schwimmweste und Spritzschutz muessen gut mit Frischwasser gespuelt werden um das Salz runterzuwaschen und ich brauch Erholung. Kamen ja zu den gestrigen 14Meilen nochmal 9Meilen hinzu, die so garnicht geplant waren. Aber missen moechte ich sie auch nicht.

Es stellte sich spaeter heraus, das die Kajaker, die Elgol grade verliessen ne richtige Mammuttour hinter sich hatten. Wegen dem schoenen Wetter kamen sie von Rum rueber nach Elgol gepaddelt (Leider war das Eis ausverkauft), dann Wildcamp in Loch Slapin um am Montag von da nach Arisaig, wo sie am Samstag gestartet waren. Was alles in allem ueber 90Kilometer sind.

Ostermontag wurde dann auf faul gemacht, nachdem sich um die Ausruestung gekuemmert wurde. Da in UK die Trennung von Staat und Kirche wirklich funktioniert, konnte man auch an Ostermontag den leeren Kuehlschrank problemlos fuellen.


Die gesamte Bildersammlung gibts hier, insofern es die Bilder betrifft, die in Trockenanzug gemacht wurden. Die Landgaenge sind vorallem im Assynt-Ordner zu finden.