Von der Rolle

Nach einem Jahr hab ich es endlich geschafft, meine erste Rolle wo ich sicher sein konnte, das ich es wirklich allein hinbekommen habe.

Eine Rolle sieht sehr einfach aus, wenn man anderen zuschaut, aber es ist eine komplexe Bewegung in drei Dimensionen und zwei verschiedenen Elementen, wobei man die Physik gleichzeitig fuer und gegen sich hat. 

Als ich letzten November zu den Poolsessions des Inverness Canoe Club ging, hatte ich anderes im Sinn als die Rolle zu lernen. Wichtiger war mir Vertrauen zu bekommen wenn das Boot angekantet ist und ruhig zu bleiben, wenn man es zu sehr ankantet, die Kontrolle verliert und kopfueber im Wasser im gekenterten Boot haengt. Je Block hatte man 4 Einheiten im Pool, jeden Freitag um 21Uhr traf man sich im Wettkampfbecken des AquaDom um in Wildwasserbooten zu ueben fuer etwa 1.5 Stunden, das viermal und dann begann der naechste Block wenn man fuer diesen gebucht hatte.

Seekajaks werden fuer Poolsessions normalerweise nicht verwendet, sie nehmen zu viel Platz ein, immerhin sind sie um die 5m lang. Der Club hat diverse Wildwasserboote (die sind grade mal 2.5m lang)  und ueber 20 davon sind im Winter in der Schwimmhalle.

Leider hat der Laengenunterschied und auch die Form des Kiels Auswirkungen auf das Fahrverhalten. Ich fand es am Anfang ueberhaupt nicht lustig wie wendefreudige die Plastikdinger waren. Zum Glueck waren sie nicht so wendefreudig um ihre horizontale Achse. Was ich bei den Booten mag ist das komfortable Platzangebot fuer die Knie, dadurch kann man sich bequem verkeilen und hat hervorragende Kontrolle ueber das Boot.

In der erste Stunde drehte sich alles um den Hueftknick: wie bekommt man das Boot um seine horizontale Achse mit einem Schwung aus der Huefte. Ein sehr wichtiges Element fuer die Rolle, da es dem Boot das entscheidende Momentum gibt sich zu drehen. Das kann man auch gut allein ueben, in dem man sich am Beckenrand festhaelt, das Boot auf die Seite legt und den Kopf auf die Haende. Der Kopf sollte dabei unten bleiben und die Haende einen nur am kompletten Kentern bzw. wegtreiben hindern. Die eigentliche Bewegung kommt allein aus Huefte und Knie.

Sobald der Trainer seine Haende frei hatte, weil ein anderer Schueler jetzt am Beckenrand war, wurden dessen Haende zum Halten genutzt. Was die Trainer mir sehr schnell bestaetigten war, das ich jede Menge Kraft in der Huefte und den Oberschenkel habe, was den Hueftknick fuer mich sehr einfach machte. In der Theorie allerdings nur, denn sobald ich mich irgendwo mit meinen Haenden festhalten konnte, wollte ich Arme und Schultern nutzen um mich aufzurichten. Und das war nicht mein einziges Problem, auch wenn ich es besser wusste (wurde einem ja oft genug gesagt), ich konnte den Kopf nicht schnell genug vom Wasser wegbekommen, weil das liegt einem numal in der Natur das der Kopf ueber Wasser bleiben will oder so wenig wie moeglich im Wasser.

Dann war da noch die Hohe Stuetze, ein spezieller Paddelschlag, der bei diversen Rollmethoden der letzte Abschnitt ist bzw. die letzte Rettung vor einer Kenterung. Will heissen, wenn man den Hueftknick drauf hat, der das Boot schon fast von allein aufrichtet, muss nur noch eine Hohe Stuetze hinterher, gefolgt von einem weitem, ueber die Wasseroberflaeche schleifenden Paddelblatt und man hat die Rolle. So einfach ist das. In der Theorie.

Doch in der Praxis beherrsch ich keinen der Stuetzschlaege. Sagt mir jemand ich habe eine Hohe Stuetze zu zeigen, kann ich es nicht, egal ob mir jemand von aussen hilft oder nicht, weil ich es mir einfach nicht traue, weil das Boot dafuer erstmal ausser Balance gebracht werden muss.

Deswegen wollte ich das Pferd von hinten aufzauemen. Erstmal lernen wie man rollt, so das man weiss das man wieder hochkommt, wenn das Boot komplett ausser Balance geraten ist und mit dieser Zuversicht dann die Stuetzschlaege zu trainieren, denn wie sie funktionieren weiss ich ja.

Irgendwann wurden dann schliesslich angefangen, die Anfangsposition fuer die Rolle zu ueben. Waehrend des Lernprozess macht man das schon bevor man kentert, dann einfach um 180Grad drehen und sobald man kopfueber ist uebernimmt der Trainer die Paddelfuehrung was dazu fuehrt, wenn man den Hueftknick verwendet, sich um weitere 180Grad dreht und wieder oben ist.

Bei einer dieser Uebungen hab ich es laut Aussage der Trainer allein rumgeschafft, die naechsten beiden Versuche scheiterten. Doch weil sich alle Versuche gleich muehevoll anfuehlten und die Trainerin quasi neben meinem Paddel stand, wollte ich das nicht so recht glauben.

Das ganze Programm natuerlich nicht in einer Stunde, sondern in einem Block von 4 Einheiten. Man hat ja keinen Privattrainer und die ganze Taucherei schlaucht auch ganz schoen, weil zigmal fuer diverse Sekunden Luft anhalten zehrt. Wobei wer gut die Luft anhalten kann, kann die Trainer herrlich in Schrecken versetzen, wenn man fuer sich allein uebt, egal ob am Beckenrand oder nicht. Einmal wurde mein Boot wieder aufgerichtet als ich mich einfach an das kopfueber gewoehnen wollte sowie schauen wie gut ich mich nach vorn und hinten beugen kann und aehnliches. Mehr als 15 Sekunden war den Trainern wohl nicht geheuer, dabei wurde in der ersten Stunden gezeigt wie man um Hilfe ruft: man klopft mit beiden Haenden an die Bordwand und wedelt dann mit den Haenden.

Nach jeder Einheit im Pool war ich erledigt und sehr oft hatte ich Schmerzen in der Schulter. Die Schultern sind meine Schwachstellen, denn  beide weisen eine Verletzungsgeschichte auf. Eine Schulter hatte ich mir 3 Jahre zuvor ausgekugelt und die auf der anderen Seitehat  im letzten Jahr bei meiner ersten Kenterung mit einem Kajak was heftig abbekommen. Nur das ich trotz Beschwerden nicht zum Arzt bin, weil war ja nicht ausgekugelt (im Nachhinein verdammt bloed das ich die Probleme und Schmerzen ignoriert habe).

Am Ende des Winters und damit der Pool sessions hatte ich folgendes erreicht: ich bin ganz entspannt wenn ich kopfueber im Boot haenge (ist ja auch eine sehr stabile Position und nasser kann man kaum werden), ich gerate auch nicht in Panik nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen das per Rolle aufzurichten und kann trotzt elend langer Momente ohne Luftholen noch in aller Ruhe den Spritzschutz loesen und aus dem Boot schluepfen und die sogenannte Eskimo-Rettung klappt hervorragend. Bei der nutzt man die Bootsnase von jemand anders um das eigene Boot aufzurichten (also anstatt Beckenrand oder Haende des Trainers). Und eine Beinah-Rolle, doch von der kann man sich nichts kaufen, beinah reicht einfach nicht.