Von der Rolle - Die Rolle, endlich.

 Und dann war es wieder Winter und die naechste Saison mit Pool Sessions began. Doch das Rollentraining wurde nicht mit einem Paddel in der Hand begonnen, stattdessen bekam ich drei Schwimmbretter aus festen Schaumstoff. Die ersten Versuche damit schlugen fehl, ich verlor die Orientierung und wusste nicht wohin mit meinen Haenden. Es war angedacht, das die Seite mit der hochgerollt wird, haelt die Schwimmbretter und die andere Hand liegt auf, so das man sie weg nimmt, wenn das Boot halb aus dem Wasser ist und dann als Schwungarm bzw. Gegengewicht dient. Das mein Hueftknick nicht mehr so schwungvoll war wie im Jahr zuvor half bei dem Prozess auch nicht. Doch genau dazu war die Uebung da, Sicherheit im Hueftknick zu bekommen und den Kopf so lang wie moeglich im Wasser zu haben sowie den Oberkoerper weit nach aussen und sobald der Hueftknick einsetzt nah am Boot und dann aufs Hinterdeck. Die Schwimmbrettern sollen unterstuetzen, aber nicht den ganzen Druck aufnehmen.

Es brauchte ein Weilchen bis ich sicher war und mich all der Dinge vom Rollen-Lehrgang erinnerte und schliesslich klappte es mit nur 2 Schwimmbrettern in der rechten Hand. Somit war es Zeit die Schwimmbretter gegen ein Paddel zu tauschen. Noch mit Unterstuetzung vom Trainer und das war gut zu. Ich war mittlerweile muede und bekam nicht mehr alle Schritte in eine saubere Abfolge und scheiterte somit ohne Hilfe.

In der letzten Stunde des Blocks (die Stunde davor liess ich wegen eines Kajakausflugs mit dem Club ausfallen) war es endlich soweit. Erstmal das Aufwaermprogramm mit den Schwimmbrettern bevor ich zum Paddel griff. Justin, mein Trainer, war mit einem anderen Schueler beschaeftigt, ein weiterer Schueler war aber mit seinem Boot in der Naehe um gegebenenfalls sein Boot als Aufrichthilfe anzubieten.

Paddel neben dem Boot in Position bringen (beim Blick ins Wasser wurde ich richtig nervoeus), kentern, Startposition nochmal ueberpruefen, Hueftknick, Paddel rumfuehren und aufrichten.

In dem Moment wo ich wieder aufrecht war und ein wenig erstaunt ueber meinen Erfolg war, kam Justin rueber und meinte das das ein guter Versuch war, aber beim naechsten Mal solle ich darauf achten mich nach vorne zu lehnen, sobald das Boot aufrecht ist. Der Kommentar war mir in dem Moment sowas von egal (das ich mich nach vorn lehnen sollte weiss ich eh), weil ich habe meine erste Solo-Rolle geschafft. Die erste wo ich sicher sein konnte, das keiner geholfen hat. Waehrend der Stunde bekam ich noch zwei weitere Rollen hin. Beide scheiterten im ersten Ansatz und das Paddel musste wieder in Position gebracht werden. Doch dann klappte das Hochrollen. Am Ende der Stunde standen 3 Rollen auf der Habenseite und 5 bei den Fehlschlaegen. Immerhin wusste ich bei denen was mich am Erfolg hinderte.

Die naechste Stunde im Pool war fuer mich dann ohne Trainer und im tiefen Wasser. Ich hatte nicht rechtzeitig genug gebucht um in die Trainingsgruppe zu kommen. Zum Aufwaermen und um Sicherheit zu bekommen, startete ich wieder mit den Schwimmbrettern. Dann Paddel holen und gleich der erste Versuch war eine schoene, geschmeidige und aufwandslose Rolle. Und ich sass grinsend wie ein Honigkuchenpferd in meinem Boot.

Sechs weitere Rollen schaffte ich waehrend der Stunde, 2 oder 3 im ersten Versuch, die anderen im zweiten Ansatz und fuer eine brauchte ich dann doch drei Ansaetze. Ein paar zudem mit einer kleinen "Pause" auf dem hinteren Deck. Doch Alles in Allem sieben Rollen von sieben hab ich rumgebracht, mit einem Wildwasserkajak und einen entsprechend kurzen Paddel in einem Schwimmbecken.

Zumindest das mit dem Paddel aenderte ich in der naechsten Stunde, ich brachte meine eigenes langes Paddel mit. Wie gehabt aufwaermen mit dem Schwimmbrett und erst dann das Paddel. Wie in der Woche zuvor klappte die erste Rolle. Genauso wie der zweite und dritte und so weiter. Ich hatte den Bogen raus. Um es schwerer zu machen kenterte ich in den naechsten Versuchen waehrend ich vorwaerts paddelte. Das ist etwas realistischer, weil dann das Paddel in Position gebracht werden muss, wenn man kopfueber im Wasser haengt.

Schliesslich kam Mick, einer der Uebungsleiter angepaddelt um zu fragen wie es denn so ausschaut und ob ich meine Rolle demonstrieren kann. Wie es sich gehoert klappte es natuerlich erst im zweiten Anlauf mit der Rolle. Doch die naechste Aufgabe schaffte ich mit Bravour: drei Rollen am Stueck, kein Absetzen zwischendurch. Die letzte Aufgabe liess mich schon am Anfang zweifeln: Rollen auf der linken Seite. Um es kurz zu machen, ich scheiterte weil die Schulter knirschte und ich mitten in der ersten langen Bewegung abbrechen musste bevor das ein uebles Ende nahm.

Der zweite Ansatz, diesmal mit der rechten Seite, scheiterte, die Rettung lief ebenfalls schief und zu allem Ueberfluss bekam ich auch nen Wadenkrampf.

Sobald die Wade wieder funktionierte ging es wieder ins Boot und es wurde auf rechts gerollt. Noch zweimal scheiterte ich an dem Tag, einmal als ich zu einem anderen Paddel griff und als ich eines der beiden Seekajaks versuchte. Immerhin haben auch die erfahreren Roller mit diesem Probleme, so war mein Scheitern nicht allzu schlimm und ich schloss mit zwei weiteren Rollen im Wildwasserkajak den Tag ab.

Ein guter Anfang ist gemacht. Noch steht mir bevor mein eigenes Seekajak zu rollen und das nicht in einem warmen, geschuetzten Pool sondern in freier Wildbahn.

Let's Roll!


Update: in der naechsten Stunde im Pool konnte ich das Seekajak ohne Probleme rollen, auch wenn bei meiner Technik das Paddelblatt abtaucht statt ueber die Wasseroberflaeche zu schleifen. Weil das Wildwasserboot was ich sonst nutzte von jemand anders in Beschlag genommen war, kam ich dazu ein Playboat zu rollen. Im Pool ist die Rolle mittlerweile sicher.