22. August - Von Lybster nach Wick

Ein weiteres Kanu-Verein Wochenende an der Nordostkueste war angesagt. Der erste Versuch vor ein paar Wochen (allerdings Wildcamping, sprich Uebernachtung auf einer kleinen Insel) wurde wegen zu starken Wind aus zudem unguenstiger Richtung zu einem Tagesausflug von Rosemarkie nach Cromarty abgewandelt. Jetzt war es dagegen ein Wochenende mit Uebernachtung auf einem kommerziellen Zeltplatz in Wick. Doch weil es die (Nord)Ostkueste ist, ausgeschrieben als Grad B und somit nichts fuer den Anfaenger, aufgrund der Laenge der Tagesetappen, der See- und Windverhaeltnisse und nicht ganz so einfachen Anlandemoeglichkeiten bzw. groessere Distanzen zwischen jenen.

Im Laufe des Freitagnachmittag und (spaeten) Abends trafen 19 Paddler und ihre Boote ein, wobei einige kamen so spaet, das ich erst am naechsten Morgen sah, wer alles da war. Bis auf die eigene Paddelausruestung (Kajak, Trockenanzug, Paddelschuhe, Paddel, Rettungsleine, Ersatzpaddel, Handlenzpumpe und Paddelfloat - das heisst auch im Deutsche so, extra nochmal gecheckt, weil ich konnte es nicht so ganz glauben) hatte ich nichts dabei. Keine Karte, kein Wetterbericht, keine Ahnung von den Gezeiten. Vorbereitung sieht anders aus, ich verliess mich einfach darauf, das jemand anders sich drum gekuemmert hat.

Da abends noch die Haelfte der Gruppe fehlte, gabs keine Besprechung wann, was am naechsten Tag passiert. Es kam auch nicht so richtig zur Aufbruchsstimmung, irgendwann ging Margaret M. rum, sie hatte dieses Wochenende organisiert , und die ersten Boote wurden von Autos geladen und zu anderen getragen, aber es gab nicht wie sonst eine zentrale Besprechung, stattdessen Anweisungen in kleinen Grueppchen und selbst in denen nicht kurze, klare Ansagen, sondern laengere Ausfuehrungen. Es dauerte ein Weilchen bis Klarheit herrschte und der Plan verstaendlich fuer alle war (naja, irgendwie).

So wenig Autos wie moeglich sollten nach Lybster fahren was ein paar Meilen suedlich von Wick liegt. Da wir zwei Trailer zur Verfuegung hatten, liess sich die Anzahl der Autos erheblich reduzieren. Kajaks abladen, dann alle Autos nach Wick bringen und auf dem Parkplatz beim Ausstiegsort parken. Dann zurueck nach Lybster. Zwei Auto (eines davon mit 2 Kajaks auf dem Dach) wuerden allerdings in Wick warten, jedoch nur ein Fahrer. Der zweite Fahrer parkte, wurde aber von einem dritten Auto nach Lybster gefahren. In Lybster selber wartete Paddler Nummer 20.

In Lybster Boote und Ausruestung runter zum Strand, nicht ins Hafenbecken. Die Fahrer in die Autos und zurueck nach Wick, dort in die zwei wartenden Autos und wieder nach Lybster. Klingt kompliziert, funktionierte aber. Wick < > Lybster sind 14Meilen Strasse, macht schonmal 22.5km Wegstrecke. Wenn es nicht grade um eine Bucht rumgeht, ist Strasse kuerzer als Kueste langpaddeln. Anhand des Strassenverlaufs war es nur zu offensichtlich, das es auch an Moeglichkeiten mangelte die Tour abzukuerzen und vorzeitig zu beenden.

Waehrend beim Abladen der Boote der Himmel noch ein wenig truebe war, so war bei der zweiten Ankunft in Lybster strahlender Sonnenschein vorherrschend und die Paddeljacke wanderte in die Ladeluke, ein langes Merinoshirt diente als Sonnenschutz. Zum Glueck hatte ich mich rechtzeitig gegen den Trockenanzug entschieden, das waere heute nen Kochbeutel geworden. Ich bedauerte sogar nicht meine kurzaermlige Paddeljacke mitgenommen zu haben. Neil entschied sich sogar mit nackten Oberkoerper zu starten, wobei die Schwimmweste wurde natuerlich getragen, aber die schuetzt nicht vor Sonnenbrand auf den Armen.



Oberhalb des Strandes befand sich ein Cafe, das hatte noch geschlossen, aber man bot uns an, die dortige Toilette nutzen zu duerfen. War auch ganz gut so, bei der Besprechung vor dem Start hiess es, das die naechste Anlandemoeglichkeit 11km entfernt ist, also mindestens 2Stunden. Wir bekamen ein paar Tips von oertlichen Paddlern, die in einem Tandem aufbrachen und schliesslich wurde die 20koepfige Gruppe aus Sicherheitsgruenden, in drei kleinere Gruppen aufgeteilt und einem Fahrtenleiter zugewiesen. Zumindest auf dem Papier, das Wetter war so gut das zumindest am Start das Paddeln in einer grossen Gruppe kein Problem darstellte, doch im Falle des Falles sollte sich jeder in seinem Grueppchen einfinden. Gruppe 1 war Neil, Gruppe 2 Alistair und ich kam in Gruppe 3 zu Margaret P. (hauptverantwortlicher Trainer im Verein). Allerdings erst nach Nachfrage, weil in der ersten Aufzaehlung wurde ich vergessen, stand aber auf dem Zettel.

Der Strand bestand aus grossen Kieseln. Doch weil Ebbe war, schauten auch ein paar scharfkantige Felsen aus dem Wasser, die man lieber umgehen sollte. Der Strand fiel zudem auch relativ steil ab und eine (leichte) Duenung schlug ans Ufer. Es gab schon einfachere Starts, aber mit Umtragen der Boote zu felsenfreien Stellen und der Hilfe der Mitpaddler ging es halbwegs problemslos los. Wobei der ein oder andere musste das Cockpit dann erstmal mit Handlenzpumpe oder Schwamm wieder trockenlegen, weil von Welle erwischt als der Spritzschutz noch nicht festgemacht war. Kurz vor 11Uhr waren alle auf dem Wasser und los gings mit Kurs auf Wick.

Sollten die kommenden Erlebnisse nicht in der korrekten chronologischen Reihenfolge stehen bzw. mehr eine Aufzaehlung gleichen, dann liegt es daran, das die Eindruecke des Tages sehr intensiv und zahlreich waren. Selbst Fotos helfen in der Sortierung nicht, weil da wo es spannend wurde blieb die Kamera in der Schwimmweste, ich brauchte meine beiden Haende am Paddel.

Die ersten Kilometer im strahlenden Sonnenschein waren sehr entspannt. Das Rockhopping war eher ein Passieren nah an den Felsen, weil das Wasser war tief unter dem Boot, nur der Felsen seitlich nah. Die Duenung war sanft und vorhersagbar, allerdings schon ein wenig beeindruckend aufgrund der Gischt. Nah an den hochaufragenden Klippen ging es Richtung Norden, die erste Unterquerung eines Felsbogen noch fast in Sichtweite vom Start. Man konnte die Wirkung und die entstehenden Wirbel der (reflektierenden) Duenung spueren, doch es war nichts was besondere Aufmerksamkeit erforderte. Es entspannt genug um die Klippen naeher in Augenschein nehmen zu koennen, die Struktur im Felsen zu entdecken und die Vielzahl von verlassenen Nestern. Noch wenige Wochen zuvor muessen hunderte von Voegeln hier genistet haben.

Eine halbe Stunde gemuetliche Paddelei nach Start erreichten wir eine geschuetzte Bucht mit einem halbzerfallenen Gebaeude am Strand. Letzte Moeglichkeit vor der Mittagspause, die Bekleidung anzupassen. Justin und Fiona D. nutzen die Chance um sich abzukuehlen. Dazu wurde sich ein anderes Boot gesucht, mit Halt an diesem ging es Richtung Wasser fuer den Oberkoerper. Beide trugen einen Trockenanzug und sowas ist alles andere als atmungsaktiv. Wasser dringt (hoffentlich) nicht ein, aber Schweiss kann auch nicht raus und somit nicht fuer Abkuehlung durch Verdunstungskaelte sorgen. Nur Margaret M. landete kurz an, um sich ihrer Paddeljacke zu entledigen. Und weiter ging's.

Da wo sich Skerries fanden, Einschnitte in den Klippen oder Felsstufen sah man die Wirkung der Duenung, doch schaute man rauf auf's Meer war alles ruhig. Es wurde sich sehr nah am Steilufer gehalten und hinter Felsentuermen langgeschlichen sowie durch Felspassagen gepaddelt. Die Gruppe war im Erkundungsmodus und Spiellaune. Kein Wunder bei den Verhaeltnissen: warm, Sonnenschein, so gut wie kein Wind, die Gezeitenstroemung (wenn auch gegen unsere Fahrtrichtung) quasi zu vernachlaessigen. In einer Einbuchtung (viele auf der Karte als "Geo" gekennzeichnet) hatte einen Wasserfall am Ende. Das Wasser an der Oeffnung des Geo blau wurde an einer scharfen Grenze braun und es roch. Da war nicht nur Torfwasser in Spiel, da duerfte auch eine Viehfarm Abwasser entsorgen, zumindest roch es leicht nach Guelle.



Irgendwann naeherte wir uns einer Gruppe von Stacks (Felsentuermen). Mit Gras obenauf, sah das nach den perfekten Nistplatz fuer Papageientaucher aus, nur war deren Nistsaison leider vorbei. Zwischen den Felsentuermen und den Klippen gings lang, doch nach den zweiten Turm war rechts abbiegen angesagt. Gradeaus paddeln ging nicht, weil aufgrund Niedrigwasser Felsen im Weg waren. Es gab da zwar eine Luecke, die verlockend aussah, aber auch sehr, sehr eng. Vielleicht in 30min, doch jetzt nicht. Justin positionierte sich trotzdem davor und schaute wie das Wasser sich so verhielt. Und wartete, wartete, wartete .... Ich bog mit den anderen rechts ab und aussenrum, am anderen Ende angekommen, ertoente eine "YEPPEAH" und Justin kam zwischen den Felsen raus. Da war wohl jemand sturer als Felsen und Gezeiten, oder hatte einfach Glueck.

Nach diversen Felspassagen und Felstuermen fand sich schliesslich die erste groessere Hoehle und schon bildete sich ein Stau im Eingang. Ganz von allein wurde ein Einbahnstrassensystem eingefuehrt. Die Hoehle hatte zwei Eingaenge und es wurde gehofft, das sich diese irgendwann verbinden so das man ohne Gegenverkehr wieder raus kann. Ein Gruppenfuehrer vor und als er links rauspaddelte gab es quasi kein Halten mehr und alle stellten sich brav in die Schlange. Mit leichten Schub der Duenung ging es ins Halbdunkle, was dank Sonnenbrille ziemlich dunkel wurde. Aufpassen das man nicht in das Boot vor einen reinbrettert, weil das stoppt und drehte sich fast auf der Stelle. Es hiess um einen Felsen als Wendemarkierung, diesen nah an der linken Bootsseite haben, weil rechts war es sehr nah zum Kieselstrand in der Hoehle und die Duenung wollte einen durchaus seitlich raufspuelen. Um den Schwierigkeitsgrad noch ein wenig zu erhoehen war die Hoehlenbreite nur minimal mehr als mein Boot lang war. Klasse, 5,41m GFK wenden auf eng beschraenkten Raum, nach hinten keine Sicht (weil dunkel und ich kann schlichtweg mein Heck nicht sehen, egal wie sehr ich den Kopf drehe), links nen schroffer Felsen, rechts nen felsiges Ufer und Wellen von der Seite.
Elisabeht paddelte vor mir in ihrem GFK Valley Avocet und ich habe gesehen wie wenig Platz sie vorne und hinten hatte als sie quer stand, nur das ihr Boot 4,88m lang ist. (sollte es sogar ie LV Version sein, dann nur 4,85m), das ist mehr als nen halber Meter weniger als mein Schlachtschiff.
 
Weil ich jedoch ein wenig Training fuer die Mehrtagestour im September brauche, habe ich das Cetus geladen und nicht Rubber Duckie, der Plastikeimer ist niedliche 4,72m lang. 69cm Laengenunterschied, das sind zwei Fuss, das sind Welten im Rockhopping, gut das ist auf die Gesamtlaenge bezogen, aber wenn mich nicht alles taeuscht, ist das hintere Teil von Rubber Duckie auch im Verhaeltnis gesehen kuerzer, nur wieviel? Sprich das Beste ist, so nah wie moeglich mit Dobhrans Nase vorne an den Felsen ran und hoffen das Hinten ausreichend Raum bleibt ohne am Felsen zu kratzen oder auf dem Strand aufzusetzen.

Zusammen mit einem zweiten Cetus in der heutigen Flotte habe ich das laengste Boot unter mir (Richard S. Zegul ist 1cm kuerzer ;) ). Zum Glueck ist nur die Laenge an sich ein Problem beim Manoever, davon abgesehen ist das Kajak wendig und einfach auf der Stelle zu drehen. Ohne Anstosser ging's um's Eck und wieder raus ans Tageslicht. Hinter mir paddelte Andy L., dazu brauchte ich mich nicht umzudrehen um das zu wissen, sondern einfach Ohren auf. Andy L. und seine Frau Carolyne singen im Kirchenchor und in Hoehlen wird dann immer die Akustik getestet.



Die Gruppe naeherte sich dem Leuchtturm von Clythness und damit etwas kappeligeren Gewaessern. Den Klippen sind fiese Unterwasserfelsen vorgelagert, die auch Kajaks mit wenig Tiefgang unverhoffte Probleme bereiten koennen. Nicht das wir aufsetzen, nein, es bilden sich stehende Brecher aus dem Nichts, die dann an Ort und Stelle kollabieren. Selbst bei den wenig Wind den wir hatten war die Wellenkrone ueber Kopfhoehe. Aufgrund der guten Sicht und der ruhigen See konnten wir an der Gefahrenstelle vorbeipaddeln statt mittendurch. Wer auf der sicheren Seite sein wollte, hielt gut Abstand zu den Klippen, wer etwas in den rueckschlagenden Wellen ueben wollte, passierte zwischen Klippe und dem stehenden Brecher.

Die Klippen sind nicht nur gute Nistplaetze fuer Seevoegel, etwas was ich mir frueh gedacht hatte, bewahrheitete sich. Die Felsen sind auch gut fuer Kletterei. Wir sahen ein Paaerchen am oberen Rand und ein Seil hing bis zur Wasserkante runter, wobei kurz oberhalb noch eine Felsstufe war, so das wenn die Wellen nicht zu hoch schlugen und die Flut noch nen Weilchen wartet, der Kletterei nicht schwimmend das untere Ende erreicht. Das eigentliche Abseilen beobachteten wir nicht mehr, die beiden liessen sich einfach zuviel Zeit.

Auch wenn mein Gruppenleiter Margaret P. war, so hielt ich mich mehr an Neil. Neil ist abenteuerlustig und suchte die Klippen nach Moeglichkeiten fuer Rockhopping und Hoehlen ab und ich folgte in seinem Kielwasser. Immer mit ausreichend Abstand im Fall er sitzt ploetzlich in einer Sackgasse und der Wenderaum ist knapp oder eine Wende garnicht moeglich, will heissen rueckwaerts gegen Duenung paddelnd wieder raus.

Wir paddelten in eine enge Passage wo das Wasser gut schwappte und in einen kleinen Kessel grade genug Platz war um die Boote zu wenden, sollte es nicht weiter gradeaus gehen. Ich wartete im Kessel und Neil paddelte weiter. Er hatte kurzzeitig Schwierigkeiten nicht auf einen Felsen gespuelt zu werden. Interessanter Weise wurde das Wasser von dieser Seite ueber den Felsen gespuelt, aber der Sog sorgte dann fuer den seitlichen Drall. Neil kam durch, gab mir ein Handzeichen, wendete das Boot und entschwand rechter Hand hinter dem Felsen. Na denn, freie Fahrt voraus. Vorsichtig paddelte ich voran und beobachtete die Duenung. Das Wasser kam von rechts um die Ecke, prallte gegen den Felsen linker Hand und traf sich mit dem Wasser was sich ueber den Felsen auf der rechten Seite ergoss in der Mitte der Fahrtrinne. Das schwappte ordentlich und dann hatte ich den Salat. Das Wasser floss ab und ich wurde nach rechts auf den Felsen gesogen, da ich auf einer Welle zu dieser Stelle getragen wurden bin, kam ich in Gefahr half auf dem Felsen zu stranden. Bloederweise war der Felsen nicht eben und ich sah mich schon kentern, weil mir Wasser fehlte um mich mit dem Paddel zu stuetzen (Ja, man kann sich auf dem Wasser abstuetzen mit der richtigen Technik). Gluecklicherweise kam der naechste Schwall an waehrend ich am fluchen war ("Oh, shiiiiiiiiiiiit") und mit einer Paddelstuetze gefoIgt von kurzen, kraeftigen Schlaegen war ich im Wendekessel. Auch hier gab es ordentlich Wasserbewegung und es wollte mich wieder auf/gegen einen Felsen schubsen, doch ich erreichte sicher Neil der am Ausgang wartete und wir schlossen uns wieder der Gruppe an. Kein anderes Boot war uns gefolgt. Sollte mir das zu denken geben?



In der Gruppe der 20 Paddler gab es 4 von denen ich wusste sie sind Fahrtenleiter (4* star leader plus Margaret P. die BCU Level 3 und 4 star paddler ist, allerdings nach altem System). Margaret und ein Fahrtenleiter hielten sich fast vollstaendig aus der Spielerei zwischen den Felsen raus, blieben Neil, Alistair und Justin. Mit einem der anderen Paddler war ich noch nie auf Fahrt, weil er war "nur" ein Gast und von den Borders. Die anderen kannte ich von ihren Faehigkeiten mehr oder weniger gut. Ich war diejenige in der Gruppe, die als letztes mit Paddeln angefangen hat, dicht gefolgt von Andy L. und Carolyn. Doch die letzten zwei Jahre und beinah woechentliches Paddeln in unterschiedlichsten Verhaeltnissen haben mir ein gewisses Selbstvertrauen gegeben und mittlerweile hielt mich Angst von diversen Sachen  nicht mehr ab, mangelnde Technik (durch fehlende Uebung und Erfahrung) wurde nun der limitierende Faktor. So ergriff ich eben jede Gelegenheit um zu Ueben und Erfahrung zu sammeln. In einer grossen Gruppe mit diversen erfahrenen Paddlern und unter den gegebenen Verhaeltnissen war das so sicher wie es nur sein konnte. Naja fast. Der naechste Strand lag nicht grade um die Ecke.

Eine weitere Gelegenheit seine Grenzen zu testen war ein Felsbogen, um welchen herum das Wasser nur so schaeumte und sich die Wellen teilweise hochaufbauten. Auch hier wurden die herankommende Duenung durch Felsen in verschiedenen Arme aufgeteilt um sich dann irgendwo wieder, aus verschiedenen Richtungen kommend, wieder zu treffen. Alistair, gefolgt von Justin nahmen Kurs auf den Felsbogen und schauten sich das ganze erstmal aus sicherer Entfernung an. Ich dahinter um sie zu beobachten und Fotos zu schiessen. Timing war hier alles. Unter dem Felsentor war nicht viel Platz und mit Wasser von allen Seiten die Durchfahrt und die anschliessende Drehung um wieder ins freie Wasser zu kommen, kein Kinderspiel.

Alistair schaute und fuhr schliesslich los. Er kam in einem Wellental unter dem Felsentor an, aber hatte trotzdem arge Probleme die Balance zu halten bzw. grade deswegen, und benoetigte einige Paddelstuetzen (immerhin waren es niedrige und nicht die Hohen, die man nutzt wenn man quasi schon am kentern ist). Er war durch, Justin folgte. Justin's Timing war ein wenig besser als das von Alistair, aber auch er kaempfte, das war nicht Pillepalle, da war der Paddler gefordert. Ich sass in meinem Boot, mittlerweile unmittelbar vor dem Felsentor und schaute den Wassermassen zu, schaute wo Alistair und Justin waren und ueberlegte ob ich rechts vorbei paddel und einfach der Mehrheit hinterher oder ob ich es wage, wenn die Wellen mir gnaedig und nicht grade hoch sind.

Nicht hoch? Wie will man das denn beurteilen, selbst die sanften Wellen die ankamen, wurden wenige Meter entfernt zu Brechern und verwandelten die Ecke in einen Whirlpool. Zu spaet, ich war einfach zu lange vor dem Felsentor und hatte schon darueber spekuliert die Herausforderung anzunehmen. Ich nutzte die Chance und folgte dem Pfad von Alistair und Justin. Nein, es war kein Kinderspiel, aber ich hatte richtiges Glueck mit meinem Timing. Keine Welle kam um die Ecke geschossen, kein starker Sog trieb mich Richtung Felsen, mit kraeftigen, gezielt kurzen und schnellen Paddelschlaegen kam ich durch ohne auch nur einmal eine Stuetze zu gebrauchen.

Ein paar Tage spaeter, nach dem sommerlichen Feierabendpaddel, meinte Justin, das es nicht die beste Entscheidung von ihm war, da lang zu paddeln, weil das war schon ein bisserl riskant. Nachher ist man immer schlauer. Da zu kentern waere wirklich haarig gewesen. Die Felsen viel zu nah und zu wenig Raum zum sicheren manoevrieren. Da waere eher das Wurfrettungsseil was man bei Wildwasserrettungen verwendet angesagt gewesen, um die Retter nicht auch in Gefahr zu bringen. Keiner von uns trug einen Helm, was ebenfalls nicht anzuraten ist, wenn man in dieser Umgebung herumspielt.



Doch der Tag war noch jung, die Mittagspause war noch fern und die Klippen boten noch soviel. Eine Hoehle, die sich als eher kurze Sackgasse entpuppte mit einem Felsen der grade so vom Wasser ueberspuelt wurde, fast mittig in der Wendezone und nicht einfach zu sehen im Halbdunkeln, aber mehrere Paddler gleichzeitig die Hoehle befuhren und sich nun auf dem begrenzten Platz irgendwie behelfen musste, weil die verfuegbare Wasserflaeche sah doppelt so gross aus bevor der Felsen gesichtet und mit einem Kajak "markiert" wurde (das Kajak, wurde vor dem Felsen positioniert, nicht auf!) oder das "Tor zu Hoelle" wie es kurzerhand von uns getauft wurde. Es fing ganz harmlos an. Ein relativ enger Einschnitt im Felsen, in dem das Wasser ruhig stand und die Haelfte der Gruppe einen Abstecher machte. Nach diversen Metern weitete sich der Einschnitt und bot Platz fuer eine gute handvoll Boote. Keiner schaute wie weit es Richtung Land ging, denn rechter Hand offenbarte sich eine Durchgang, der durchpaddelt werden wollte. Problem: er war unterschiedlich weit und die hereinbrechende Duenung bot eine kraeftige akustische Untermalung und man hoerte das Wasser gegen die Felswaende branden. Es sah aus wie ein Wellenbad. Nur eines der etwas wilderen Sorte. Die Felswaende waren auch nicht eben und variierten im Abstand. Freiwillige vor!

Grant nahm als Erster die Herausforderung an und wir folgten mit unseren Augen, sofern es denn moeglich war. Er verschwand mehr als einmal hinter einer Welle. Es hiess am Start abwarten bis man die ersten Meter passieren konnte ohne gegen eine Welle zu fahren und am besten man hatte etwas Schwung. Alles was dann kam, konnte man vom Eingang nicht wirklich einschaetzen. Man sah nicht die Verwirbelungen im Wasser oder die Felsenstufen links und rechts, die mal ueber, mal unter der Wasserlinie lagen. Kam man aus einem weiten Bereich in einem schmalen im falschen Moment, dann wollte einem das Wasser rueckwaerts druecken und wo es sich wieder weitete ploetzlich zur Seite.
Es waren vielleicht nur knapp 50m, aber die hatten es in sich. Erstmal drin gab es kein Zurueck, sondern nur Flucht nach vorn. Sobald man wieder freien Himmel ueber sich hatte noch ein paar Meter um aus dem Geschwappe rauszukommen und in ruhigen Wasser sich wieder in den Rest der Gruppe einzureihen.

Wann ist Pause? Meine Beine waren am Zittern und ich fuehlte mich ein wenig zittrig (zuviel Adrenalin, zu wenig Zucker?). Aber es waere ja nicht ich, wenn der Pausenplatz gleich um die Ecke gelegen waere. Nein, eine Schwierigkeit musste ich noch unfreiwillig meistern. Es war doch nur das Paddeln durch einen kleinen Skerry statt aussenrum. Zwischen den Felsen war jede Menge Platz, also kein Problem. Eigentlich. Am Ausgang bildete sich ein stehender Brecher ueber einen Felsen und mir ging der Platz aus, weil mehrere Paddler die Innenlinie gewaehlt hatten und wir ein wenig von der Stroemung ueberrascht wurden. Die gewuenschte Linie konnte nicht von allen gehalten werden, so musste ich auch meinen Kurs ein wenig aendern und geriet tiefer in den Skerry als ich geplant hatte. Den nahenden Felsen ausweichen war kein Problem und ich sah die Welle auch kommen die sich immer hoeher aufbaute. Ich ging allerdings davon aus, das mein Kajak auf der Welle schwimmen wuerde, doch der Bug hob sich einfach nicht, nein er tauchte durch die Welle durch, deren Krone ueber Augenhoehe war. Wortwoertlich. Nicht nur der Bug tauchte durch die Welle durch, ich ebenfalls. Nass, KALT! Mit der Wasserwand vor mir hatte ich das Paddeln gestoppt und somit war ich auch der folgenden Welle ausgeliefert, die immerhin noch bis zum Kinn reichte. Nasser und das Wasser war immer noch kalt. Die Sonne war seit diversen Minuten hinter Wolken versteckt, somit war es nicht mehr so warm an der Luft. Mein Shirt war durchtraenkt und das Wasser fand dadurch auch seinen Weg in meine Hose.

Eventuell fand das Bad in der Welle auch vor dem Tor zur Hoelle statt, das Ergebnis blieb: ich brauchte eine Pause, ich musste irgendwo anlanden. Mittlerweile beschwerten sich auch die Beine, die sich trotz Streck- und Dehnuebungen im Cockpit so langsam fuer Rueckenschmerzen sorgten. Der Sitz im Cetus drueckt irgendwann unangenehm auf die untersten Rueckenwirbel und das Kreuzbein.

Whaligoe war jetzt wirklich nicht mehr fern, um die Ecke rum, ein durch Kabbelwasser durch und wir fuhren in eine kleine, schmale, aber geschuetzte Bucht ein. Whaligoe ist ein ehemaliger Heringshafen und eine Steintreppe fuer vom Wasser, die Klippen hoch. Auch wenn zu den besten Zeiten mehr als 20 Heringsboote stationiert waren, bei einlaufender Flut war nicht viel Platz fuer 20 Kajaks. Zwei kleine Steinstraende unterteilt von einem Fels waren die Anlandungspunkte. Das Tandem was kurz vor uns in Lybster gestarted war, legte grade wieder ab und machte sich auf den Weg zurueck.

durchnaesst, ohne Regen, ohne Kentern, Sicht ist trotzdem getruebt

Jeder schnappte sich sein mitgebrachtes Mittagessen und suchte sich einen hoehergelegenen Platz auf dem Trockenen. Ein Teil der Gruppe erklomm die Stufen und machte es sich auf den Rasen neben dem ehemaligen Fischschlachtplatz gemuetlich, der andere Teil auf den Felsen nah am Wasser, die Boote im Auge und bereit loszusprinten wenn das steigende Wasser eines der Boote dazu veranlassen sollte, wegzuschwimmen.

Die Bucht hatte einen Nachteil, es gab keine Toiletten. Am gegenueberliegenden Ende gab es zwar eine Hoehle, aber um da hin zu kommen musste an ueber zwei Felsen oder ueber rutschige Algen. Nasse Fuesse gabs trotzdem. Die Damen verkniffen es sich und hofften auf die naechste Pause, die Herren der Schoepfung nutzten ihren Vorteil und leichter zu erreichende Felswaende.

Obwohl ich vom Meerwasser durchnaesst war, entschied ich mich dagegen mich umzuziehen. Was wenn ich wieder nass werde, ich haette keine Ersatzsachen fuer morgen und so kalt war es nun auch wieder nicht. Ich wuerde fuer den Rest des Weges einfach die Paddeljacke ueberziehen. Den Rest des Weges? Wir hatten auf der Karte grade mal 11Kilometer zurueckgelegt, also nichtmal die Haelft der Strecke und waren gute drei Stunden auf dem Wasser gewesen. Das wird noch ein langer Tag. Die im Wetterbericht angesagten 25Grad Celsius wird es wohl nicht mehr erreichen, dazu war es jetzt zu bewoelkt. Netterweise irrte sich die Windvorhersage auch, es gab keinen nennenswerten Wind. Es reichte nichtmal um auszukuehlen obwohl man nass war.

Rob, der nur kurze Hose und T-Shirt trug, war als Erster wieder im Boot. Im geschlossenen Cockpit ist es waermer als wenn man am Ufer sitzt. Aber auch der Rest beendete alsbald die Pause und machte sich fuer das zweite Teilstueck fertig.

Was wir spaeter herfuhren ist, das auf den Klippen gebenueber der Whaligoe Steps ein Wanderer mit Fotoapparat sass und unseren Start beobachtete und fotografierte. Wir bekamen die Fotos 3 Tage darauf zu Gesicht, weil die Welt ist klein und ein Arbeitskollege des Fotografens ist Mitglied im ICC, wenn auch nicht mit auf dieser Tour, wusste aber das wir dort unterwegs waren. Es ist beeindruckend die andere Perspektive zu sehen und wie klein wir doch unterhalb der Klippen. Der Fotograf war allerdings auch beeindruckt in welchen Verhaeltnissen wir starteten. Auf den Fotos von hoch oben sieht es wirklich rauher aus als es war, zumindest an dieser Stelle.

Wir wurden beobachtet

Regelrecht um die Ecke, gleich nach dem Start wartete das naechste Wunder der Natur auf uns. Ein Wasserfall, der sich von weit oben ergoss, ein etwas kuerzerer ueber einen Hoehleneingang, der einem eine Frischwasserdusche auf den Weg ins Dunkle ermoeglichte. Doch wir vermieden den Wasserkontakt, es war einfach zu frisch mittlerweile. Wenn gleich Neil noch immer mit quasi nackten Oberkoerper paddelte.

Wir waren nicht die einzigen auf dem Wasser, die die Kueste erkundeten. Ein Ausflugsboot von Wick naeherte sich und stoppte nah bei uns. Der Grund war weniger das da 20 Kajaker in einer halbwegs geschlossenen Gruppe den Weg kreuzten, sondern die Tatsache was sich zwischen uns und den Felsenklippen befand. Ein Blick nach links und ich sah Kegelrobben aus dem Wasser luken (oder waren es Seehunde? Im englischen waere es einfacher, man beschraenkt sich einfach auf "Seals" statt sie genauer als Grey Seals - Kegelrobben oder Common Seals - Seehunde zu bezeichnen). Wir passierten grade einen Skerry, der grade so noch aus den Wasser schaute und hatten mit unserer Annaehrung die Tiere ins Wasser getrieben ohne das wir sie bemerkten.
Naja, 20 Paddler auf einen Haufen duerfte fuer die Passagiere im Ausflugsboot auch ein imposanter Anblick gewesen sein, die Fotoapparate zumindest klickten fleissig als sie auf uns gerichtet waren.



Zum Glueck war das Boot ein paar Minuten spaeter nicht in der Naehe, weil Schwimmerphotos von Aussenstehenden sind nicht ganz so beliebt. Gleiches gilt fuer Hilfsangebote wenn alles unter Kontrolle ist. Die Gruppe naeherte sich einem Felsen, der zwei Wege anbot. Aussenrum und dann eine Linkskurve um der Kuestenlinie weiterzufolgen oder durch eine Luecke im Felsen durch. Das war der kuerzere Weg, aber auch mit mehr Aufregung verbunden. Es waren nur wenige Meter, die einen von der anderen Seite trennte, aber auf diesen baute sich in aller Unregelmaessigkeit eine Welle auf, die uns entgegenkam und sich dann brach. Wie gehabt waren die Felsen nicht glatt und boten diverse Vorsprunge und Stufen in unterschiedlichen Tiefen unter und ueber Wasser. Trotzdem stellten sich die meisten brav in Reihe an, beobachten die hereinbrechenden Wellen und sobald die Welle vorbei war, wurde losgepaddelt. Immer schoen einer nach dem anderen und der Naechste startete erst wenn der Vorgaenger auf der anderen Seite und aus dem Weg war.

Das die Sache nicht so einfach war, machte sich erst beim eigenen Durchgang bemerkbar. Das Wasser wollte einem von der gewaehlten Linie abbringen und auf Felsen abladen bzw. gegen jene druecken. Es war volle Konzentration gefragt. Wer ein kurzes Wellental erwischte (wie ich), musste zusehen nicht wieder zum Start gespuelt zu werden. Ich war durch und harrte dann auf die letzten der Gruppe (waren nur noch 3 oder 4) als ein "Capsize" erschallte. Ich wusste das Justin noch auf der anderen Seite war, Margaret war neben mir und paddelte aussenrum zurueck, sowie John Crowsley, beides erfahrende Trainer. Die Kentermeldung kam auch ueber das Radio, so das die Paddler die voraus waren, warteten und sich gruppierten wo sie waren und eine Minigruppe: Andy L, Vi und ich) warteten in der sicheren Zone am Ausgang der Felspassage. Schliesslich Carolyn kam durch, trocken.

Fiona N. war das Opfer der Welle geworden. Ihr Kurs fuehrte sie zu nah an die Felsen und eine herannahende Welle spuelte sie erst auf den Fels und liess sie dann kentern. Gluecklicherweise schlug sie nicht mit dem Kopf an, hielt Kontakt zu Paddel und Boot und die naechste Welle spuelte sie quasi direkt vor Justin, der eine Freiwasserrettung durchfuehrte (inklusive Bootleerung) und in weniger als einer Minute war Fiona wieder an Board. Alles gut und weiter gings Richtung Wick durch und an Skerries vorbei, mit der einen oder anderen Erkundung einer Hoehle und einen Stopp fuer Kaffeepause am Strand von "The Haven".

Ich holte mein Handy raus, weil ich mir dachte das ist perfekt fuer einen Geocache. Es gab auch einen, nur die Beschreibung und die Koordinaten waren so ungenau, ich fand ihn nicht in der kurzen Zeit, die wir an Land verbrachten. Das war mehr als ein Toilettenstop und inhalieren eines kurzen Snack als eine Ausruhpause. Immerhin zog Neil jetzt doch ein Shirt an, es war nun wirklich nicht der angesagte Sommertag. Am Strand fanden sich Ueberreste von so einigen toten Voegeln. Eventuell Jungvoegel, die bei ihren ersten Flug- und Nahrungssuchen nicht so ganz erfolgreich waren. Anderes Treibgut, von Tang mal abgesehen, fand sich dagegen kaum.

25Minuten fuer die Pinkelpause und weiter gings, es waren immer noch 10 Kilometer bis Wick, aber mittlerweile war es Viertel vor 5. 6 Stunden seit unserem Start in Lybster.

Der naechste Skerry wartete und war wieder einer von der Sorte, die eine Herausforderung boten, weil die Duenung interessante Sachen veranstaltete. Wie gehabt wartete ein Fahrtenleiter am Ende der Passage. Es war kein Gradeaus, sondern nach den ersten Felsen hiess es scharfe Wende nach rechts bevor man gradezu in die Felsen knallt. Links warteten ebenfalls einige Felsen auf den unaufmerksamen Paddler und der Ausgang rechts war ein weiteres enges Tor wo man die rechte Linie erwischen sollte. Die Wendestelle selber war sehr oft nur schaumiges Wasser, bedeutet das da jede Menge an Bewegung im Wasser herrscht, mal ganz davon abgesehen das man eh schon am hin- und herschaukeln war. Ich war im hinteren Teil der Schlange und diesmal war mein Timing mies. Statt zu schauen wo ich hinwollte, musste ich auf die immer naeher kommenden Felsen achten, die sich links und vor mir befanden. Der Whirlpool war voll im Gange als ich schliesslich zur Wende ansetzen konnte und mich aus dem Geschwappe befreite. Wo war Neil? Oh, ein oranges Plastikkajak ohne Paddler? Erst dachte ich John Crowsley ist im Wasser, was erstaunlich gewesen waere, bis ich den Schwimmer als Grant identifizierte. Er schwamm ohne Kontakt zum Boot und versuchte Neil's Kajak zu erreichen der sich Grant vorsichtig im kabbligen Wasser naeherte. Um das verlorene Paddel kuemmerte sich Margaret M. Und der Gastpaddler (Rob?) fing das Kajak. Grant sorgte sich allerdings um sein neu erworbenes VHF Funkgeraet, das zwar wasserfest und schwimmfaehig ist, aber sich nicht mehr an seiner Schwimmweste befand. Rob (?) fand es im Cockpit. Aufgrund der Naehe zum Felsen hiess es erstmal Abstand gewinnen. Doch Rob (?) hatte Grant's Kajak schon halb ueber sein Cockpit gezogen um es zu leeren. John Crowsley nahm Andy dann an den Haken und schleppte Doppelpack aus der Gefahrenzone bevor Paddler, Boot und Paddler wiedervereinigt werden konnten.

Der Paddelverlust und Bootverlust nach Kenterung ist damit zu erklaeren, das Grant so nah am Felsen kenterte, das er mit einem Arm seinen Kopf schuetzen wollte, in dem er den Arm als Abstandshalter benutzt hat. (eine bloede Idee um ehrlich zu sein. Von ner Welle im falschen Moment erwischt und die Schulter wird verletzt). Die zweite Hand reichte nach dem Griff der Spritzdecke um diese zu loesen. Somit war keine Hand frei fuer Paddel oder Boot. Normalerweise sollte man sich das Paddel unter den Arm klemmen, diese Hand haelt sich dann am Boot fest und mit der anderen Hand wird der Spritzschutz geloest. Grant geriet trotz Felsennaehe nicht in Panik und wie er spaeter berichtete, vertraute er darauf das 19 andere Paddler um ihn herum waren um ihn zu retten. Sein letztes Rettungstraining ist fast zwei Jahre her, obwohl er sehr haeufig paddelt. Bis wir ihn wieder im Boot hatten dauerte es eine Weile. Auch wenn das eine Kenterung im echten Leben war, so waren die Umstaende schon fast ideal: eine grosse Gruppe drumrum, fast jeder mit Erfahrung in Freiwasserrettung, mehrere Fahrtenleiter, diverse Funkgeraete und Abschleppleinen, die Wellen nur wenig kabbelig, somit gute Sicht auf den Schwimmer und fuer den Schwimmer, der Wind zu vernachlaessigen, das Wasser nicht so kalt. Trotzdem dauerte es einige Minuten bevor Grant im Boot sass, einfach der Tatsache geschuldet, das er das Boot gehen liess. Letztendlich waren 4 Leute an der Rettung beteiligt, haette Neil einen Abschlepper gebraucht, um Grant aus der Gefahrenzone zu bringen sogar 5.

Naja, ich kuemmerte mich um die Rettung von Schokoriegeln, die ploetzlich rumschwammen. Die muessen jemanden aus der Schwimmweste gefallen sein, aber keiner meldete sich als deren Eigner. Dabei ist dieser Energielieferant auch sehr wichtig, vorallem wenn das Wasser kaelter ist, ist Schokolade nur zu Willkommen um einen Schwimmer wieder fit zu bekommen.

Was zur Schwimmeinlage fuehrte ist nur zu vermuten, mir war so als ob Grant ueberhaupt nicht die Linie durch den Skerry folgte, sondern aussenlang. Muss dann aber wohl zu nahe am Felsen lang und wurde dann von einer Welle angehoben, auf dem Felsen ungleichmaessig abgesetzt und vom nachfliessenden Wasser umgeworfen sein. Oder er ist durch den Skerry durch, aber dort sehr nah am aeusseren Felsen lang, die Kurve zu eng gewaehlt und dann von einer Welle erwischt.

Die naechsten Minuten wurde es ruhiger in der Gruppe, lag zum einen daran das die Kueste nicht mehr ganz soviele Spielmoeglichkeien bot, der Himmel eher "50 Shades of Grey" und die lange Zeit im Boot forderten ebenfalls Tribut. Und immer noch waren wir mehr als eine Stunde von Wick entfernt. So kam es das sich einige entschlossen, aus den Erkundungsmodus auszubrechen und direkten Kurs auf Wick zu nehmen. 6 Paddler zogen davon, die restlichen 14 blieben zusammen und entdeckten eine wunderbare Hoehle. Aber erst nachdem es nochmal eine kleine Herausforderung gab, die nur 3 Paddler antraten, wovon einer vor der eigentlich Herausforderung dann doch lieber umkehrte. Ich folgte Justin, hinter mir Vi. Ein grosserer Felsenturm war von einem schmalen, langen Gang von der restlichen Landmasse getrennt. Am entgegengesetzten Ende schien es schmaler zu sein, weil da waren die durchrollenden Wellen am hoechsten. Vi und ich beobachteten Justin wir er durch die Gasse paddelte. Als er auf halber Strecke war, setzte ich hinterher, denn es schien sich mittig ein ruhiger Pol zu befinden. Wobei, das war uebertrieben, es war nur nicht ganz so kabbelig wie davor, diverse Male gings ganz schoen nah an den Felsen ran. Und das Paddel musste einige Male als Steuer eingesetzt werden, mal am Bug, mal am Heck.

Justin zuzuschauen war nicht sehr beruhigend, er hatte am Ausgang arge Probleme und stuetzte sich mit einer Hand rechts am Felsen ab. Autsch. Dabei war doch eigentlich jede Menge Platz, der Durchlass war Paddellaenge breit, warum der Kontakt zur Felswand? Gut, dann also schoen links halten. Denkste, das war einfacher gesagt als getan. Das Wasser stroemte von vorne seitlich rechts in den Durchgang, traf dort auf eine Stufe die knapp unter der Wasseroberflaeche lag und wurde dann mit aller Kraft in einem Winkel abgelenkt, die das Boot nach rechts schob. Selbst als ich noch Platz fuer Paddelschlaege auf der rechten Seite hatte und ordentlich Kraft hinter das Blatt setzte, musste ich schlussendlich die Seitwaertsbewegung mit meinem Arm abfangen. Ganz schnell wurde das Paddel von der linken Hand parallel zum Boot gehalten und die Rechte schnellte raus bevor der Bootskoerper gegen den Felsen kratzte.

Das Kunststueck bestand jetzt darin, die Gegenkraft so auszuueben, das man nicht kentert, sich dabei auch vorwaerts drueckt ohne die Balance zu verlieren und genug Schwung nach vorne bekommt, um das Paddel wieder in beide Haende zu bekommen, damit man fuer Vortrieb zu sorgen.
In dem Moment wo das Wasser davonwich und der Sog mich vom Felsen wegzog, schnell mit der Hand nach vorn abstossen, Paddel greifen, einen Paddelschlag und dann die Gischt der Welle empfangen, die um die Ecke geschossen kam. Mit triefender Brille und aufgrund der Wassertropfen verzerrten Blick zu den Anderen stossen, die sich entschieden haben auf den Adrenalinkick zu verzichten.

Umdrehen und schauen wo Vi bleibt, doch von ihr ist im Durchgang nichts zu sehen, dafuer einige Momente spaeter linker Hand auf der Aussenbahn. Sie hat sich auf halben Weg der Passage entschlossen umzudrehen, nachdem sie gesehen hat, das Justin und ich so einige Probleme hatten. Wobei nicht sie ist nicht umgedreht, sie hat den Rueckwaertsgang eingelegt.

Eine Chance fuer nen kleinen Adrenalinkick gabs aber noch. Und damit mein ich nicht den stehenden Brecher, den wir alle grosszuegig aus dem Weg gingen. Der war wirklich gross, sehr laut beim Zusammenbrechen und wo er sich bildete schaute das Wasser ganz unschuldig aus.

In einer Bucht gabs eine Insel, die wir fast passiert hatten als Justin den Hoehleneingang ansteuerte. Das Wasser war da sehr kabbelig, aber man konnte bis zum anderen Ende durchsehen. Einmal kurz ueberlegt und los gings. Das war die Insel von der Grant erzaehlt hatte. Der Tunnel war sehr hoch und mittig fehlte dann das Dach. Die Duenung schob einen halbwegs von allein durch, man musste aber diverse Male steuern um nicht in der Felswand zu landen.

Nach der Durchfahrt steuerte Grant den Strand an, um sich trockenzulegen. Der Rest wartete auf das die Gruppe sich sammelte. 9, 10, 11, 12, 13 ..... Moment, waren wir nicht 14? Nochmal zaehlen! Immer noch 13. Ok, wer fehlt, wer ist nicht durch die Insel durch? Margaret P. machte sich auf um zu schauen wo Margaret M. blieb. Ein paar andere folgten ihr zwischen Insel und Festland, doch einige Verwegene konnten es nicht lassen, so nah an dieser Hoehle und die Fahrtrichtung nach Wick. Aufgrund der reinkommenden Brandung sah es zwar so aus als ob man bergauf paddeln muesse, doch das war egal. Es ging nochmal durch die Hoehle und ja, es war ein Bergaufpaddle, doch es machte nochmal Riesenspass.

Es waren noch gute 2 Meilen bis Wick. Zeit genug um den Adrenalinlevel langsam sinken zu lassen, die letzten drei Kilometer waren ausgesprochen langweilig was die technische Herausforderung betraf. Sobald wir in der Hafeneinfahrt waren, wurde es nochmal ein wenig muehsam. Die Duenung war zwar schoen sanft und gleichmaessig, aber wir schafften es einfach nicht auf den Wellen zu surfen. Es ging nur hoch und runter, statt vorwaerts. Selbst wenn das Wasser abfloss, soviel Wasser ist im Hafen von Wick nicht und der kleine Fluss hat keinen nennenswerten Wassermassen, die das bremsende Phaenomen erklaeren konnten. Erst als wir die letzte Schutzmauer passiert hatten und auf den Fluss waren, ging es wieder leichter voran und wir packten die letzten Reservern aus und rasten auf den kleinen Strand am Slipway unterhalb vom Parkplatz zu.

Landung Punkt 19Uhr, gut 8Stunden nach Start. Insgesamt 1:20h Landgang, 6:50h auf dem Wasser. 25km die Kueste lang zwischen Lybster und Wick.

Boote leeren, vorallem die 16l in Wasserflaschen, die ich als Ballast an Board hatte. Dadurch lag Dobhran etwas tiefer im Wasser, liess sich aber besser paddeln als wenn er leer ist.
Boote auf die Autos und Anhaenger laden, zum Zeltplatz wo einige ihre Zelte abbauten, weil sie noch an diesem Abend nach Hause wollten. Fuer die beiden Fahrer der Autos die sich noch in Lybster befanden, kam das ideal, weil somit brauchte keiner extra fahren.

Es dauerte dann aber auch bis sie wieder da waren und man sich aufmachte, um im oertlichen Wetherspoon den Tag ausklingen zu lassen. Bei Rueckkehr ging die Nachbesprechung bei Chips und Oliven auf dem Zeltplatz weiter bis uns aufkommender Regen in Grant's Wohnmobil scheuchte und erst nach Mitternacht wurde zum Luftmatratzen/Isomatten-Horchdienst angetreten.

Der Sonntagmorgen war warm und sonnig, nachdem es nachts noch gut geregnet hatte. Der Wetherspoon wurde fuer Fruehstuck heimgesucht und Plaene fuer den Tag gemacht. Nach einem kurzen Blick auf den Wetterbericht wurde das Paddelwochenende fuer beendet erklaert. Klaerchen strahlte zwar vom Himmel, aber es blies ein munterer Wind in Staerken von 5 udn Boeen mehr von Suedosten.

Mein Mitfahrer und zwei andere beschlossen im Trinkie, das ist ein kuenstlicher Meerwasserpool, der bei Flut frisch gefuellt wird Baden zu gehen und danach wurde die Klippen entlang gelaufen zum alten Wick Castle bevor die Heimreise nach Inverness angetreten wurde.

Ja, es war windig. Diverse Male nahm ich das Tempo raus, weil meine Dachlast, zwei Kajaks, doch etwas Widerstand im Seitenwind bot.

Immerhin wurde beschlossen naechstes Jahr die Tour nochmal zu machen, aber dann frueher, so Ende Juni wenn die Klippen von den Voegeln bevoelkert sind!

Bis dahin gibt erstmal nur diese Fotos von der Strecke.